Freitag, 8. Dezember 2017

reise-kater

der begriff zuhause kommt in meinem sprachgebrauch zwar immer wieder zum einsatz, doch ich fühle mich chronisch fremd. in dieser stadt. bei der arbeit. in mir. nach einer reise tritt dieses gefühl oft verstärkt zutage.

"mann, bin ich froh, wenn ich gleich zuhause bin", gähnte der luxus-mann bei der rückreise nach unserem schweiz-urlaub.
ich lächelte und hakte mich unter. wenn es ein zuhause irgendwo in hamburg gab, dann war es definitiv in der nähe dieses mannes. auch wenn es selbst hier abstriche zu machen gab, denn der luxus-mann verströmt nicht gerade eine aura von geborgenheit und zärtlichkeit. und trotzdem bin ich furchtbar gern da, wo er ist.

der fette reise-kater kam am montag. ein tag, der sich eigentlich gnädig zeigte: mehrere stunden sonne, ganz hamburg-untypisch. darüber hinaus hatte ich frei, was ich nach drei tagen schweiz-wander-marathon rein körperlich betrachtet auch brauchte. vielleicht war aber genau das ein fehler, denn die seele stellte auf heimweh-betrieb um. der tag zerfloss in selbstmitleid, alkohol und tabletten, zum abend kam kiffe dazu. dann ein schlaf wie eine ohnmacht.

am dienstag auf arbeit - nach nur einem tag urlaub! - warteten dann knapp 180 e-mails auf mich. zum weinerlichen heimweh-grundgefühl kam erst überforderung, dann wut. auf die in zwei-minuten-takt auf mich einprasselnden aufträge antwortete ich sakastisch und schnippisch und fluchte den ganzen tag vor mich hin. der chef beobachtete mich kritisch bis bestürzt. der feierabend kam mit viel verspätung, aber ich musste ja noch kitty von der sitterin abholen. gegen 21.30 uhr konnte ich mich erstmals an diesem tag entspannen. eine stunde später lag ich im bett.

mittwoch kam die rechnung für den dienstagsstress: vollkommene leere und totale depression. ich ließ mich widerstandlos wie ein nasses handtuch durch den tag spülen. nachts träumte ich, dass ich das objekt an der klinik treffe. ich träumte eine umarmung. beim aufwachen dachte ich, ich müsse sterben.

donnerstag auf arbeit funkte ich den luxus-mann an. ich wollte ihn so gerne sehen. und ich beschlosss, ihm eine live-umarmung abzuringen. nach einem intensiven blowjob wurde ich dann sogar gelöffelt, was ich zwar hinderlich beim einschlafen, in meinem weinerlichen zustand aber absolut fabulös finde, insbesondere, da luxus-löffeln höchstens alle sechs monate mal vorkommt.

heute ist freitag und die welt wird langsam wieder etwas freundlicher, auch wenn mir der lärm, der gestank und das miese wetter dieser stadt gehörig auf den zeiger gehen. aber nichts ist für immer. irgendwie auch ein beruhigender gedanke.

Montag, 27. November 2017

liebe opas!

ich habe keinen von euch beiden lange genug gekannt, um euch die fragen zu stellen, die ich euch heute gerne gestellt hätte.

wie war das damals im krieg? bei der wehrmacht? was passierte damals auf norderney, lieber opa a.? und was in den ardennen, in der tschechei und in staligrad, lieber opa k.?

ich hätte so gern so vieles gewusst. es ist so wunderbar, in frieden zu leben, in einem frieden, den ich auch euch verdanke. man muss doch wissen, wie der krieg ist, um den frieden heilig zu halten. zum beispiel, ob ihr viel angst hattet oder ob man irgendwann stumpf wird. wie es ist, wenn der feind neben einem stirbt, oder der freund. was es bedeutet, auf den feind zu schießen. und wie man später damit lebt, dass man verwundet oder vielleicht getötet hat, auch wenn es zu den spielregeln des krieges damals gehörte.

ich hätte euch so gerne länger um mich gehabt. alles, was ich weiß über euch, ist von meinen eltern. meine mutter hat so wenig mitbekommen, dass sie mir gar nichts sagen konnte, außer, dass es auf norderney nicht so schlimm war, wegen guter versorgung mit schnaps und zigaretten. mein papa weiß zum glück mehr, auch dass du, lieber k., auf keinen fall einen sohn wolltest, weil du so viele kinder neben dir im schützengraben hast sterben sehen müssen. was musst du empfunden haben, als mein vater zur welt kam?

es ist so schade, neugierig bleiben zu müssen und zu wissen, dass es keine antworten mehr geben wird. vielleicht hättet ihr sie mir auch zu euren lebzeiten verweigert. es ist ja bestimmt nicht einfach, über all das zu sprechen. ich sehe mir oft dokus von damals an und versuche zu verstehen und euch so ein wenig posthum kennen zu lernen. das ist dürftig, aber besser als nichts.

ich habe euch im herzen, auf jeden fall. ihr seid damit unsterblich, solange ich lebe. und damit auch all eure erlebnisse und erinnerungen.

bis irgendwann mal!

in liebe, eure enkeltochter

Mittwoch, 22. November 2017

unendlich weit weg

es gibt menschen, zu denen habe ich früher einmal aufgeschaut. sie waren meine freunde. echt. lebendig. einfach da. einfach klasse.

aber zeiten ändern dich, sagte mal wer nicht so schlaues und hatte doch recht damit. nach der hölle ist nicht vor der hölle.

fuckt ist, dass ich mit ca. 90% meiner früheren freunde nichts mehr anfangen kann. es sind lose kontakte, mit denen ich auf facebook befreundet bin. manchmal lese ich ganz gerne das ein oder andere, aber oft denke ich mir: ihr habt doch alle zu viel zeit.

und dann diese pseudoerwachsene besonnenheit. dieses ewige subtile von-oben-herab-getue. wo ich mich frage, lese ich die zwischentöne falsch oder merken die leute einfach nicht, was für einen quark sie da verzapfen? fehlt ein smilie oder ist das wirklich ernst gemeint? mal ehrlich! ehrlichkeit wäre so schön!

das gefühl der entfremdung in mir ist wie ein tiefer graben. ich weiß, dass meine welt schwer zu verstehen ist. die ist komisch und verwinkelt und verschroben. aber je älter ich werde, desto weniger passe ich offenbar irgendwo hinein. der zirkel wird immer kleiner. das interesse immer weniger. alles nur noch flüchtig, virtuell.

vielleicht sollte ich nicht jammern. immerhin gibt es einige wenige sehr menschen, von denen ich weiß, sie verstehen mich, sie wollen mich in der tat sehen, in blut und fleisch, in den arm nehmen und mich auch ab und an fragen, wie es mir geht. und dann von sich erzählen. weil sie mir vertrauen.

aber das gros bricht weg.
dieses gros, dessen ich mir einst so sicher war.
für immer.

das macht mir angst.
angst, irgendwann vollkommen allein zu sein.
gleichzeitig ist es wie eine befreiung durch selektion.
ich möchte die brücken abbrechen.
wirklich wirklich alleine sein.
auf meinen eigenen grund stoßen.
nie wieder auftauchen.

im tod ist man auch alleine.
ich, der scheidende körper und die tore, die sich da irgendwo öffnen.
vielleicht sollte man sich tatsächlich mehr auf diesen moment konzentrieren.

ich will so alleine sein, wie man gar nicht alleine sein kann.
ohne, dass ich sagen dürfte, ich bin sicher, das genau so ertragen zu können.

Mittwoch, 15. November 2017

liebe geht (nicht) durch den magen

der luxus-mann wünscht sich nicht nur möglichst abwechslungsreichen sex, sondern ebenso sehr, dass ich ab und an für ihn kochen möge. das verwundert mich nicht, da er sowohl von mutti als auch von sämtlichen exfrauen immer noch bekocht wird: samstag geht er zu kindsmutter nummer eins oder zwei, sonntags fährt zu seinen eltern, auch wenn er die nicht mal mag. ich muss nicht sagen, dass ich da nicht dabei bin, denn auf familiengeklüngel hab ich keinen bock, und auch der luxus-mann hütet sich vor der potenziellen sprengkraft einer zusammenführung, denn weder kindsmutter nummer zwei noch seine mutter wären vermutlich von mir begeistert.

doch kochen kann man(n) von mir nicht verlangen, finde ich.
"du hast selber zwei gesunde hände, und außerdem kochst du ja auch nie für mich", schlage ich sämtliche argumente für "gemeinsames kochen" - wie es der luxus-mann nennt, wenn ich in der küche schnipple und er danebensteht und nörgelt, nennt - tot.

ich bin in einer traditionellen familie groß geworden. papa bringt das geld nachhause, mama gibt es aus und stellt dafür saubere kleidung, ein wohnliches zuhause und essen auf dem tisch sicher. heute ist mein vater in rente, meine mutter ist es nicht. den ganzen tag schrubbt sie das haus, werkelt im garten und rennt einkaufen, um lebensmittel für meinen vater zur verfügung stellen zu können. sie kocht dabei sogar gerne, auch wenn ich das, was sie so kocht, nicht essen mag, was hauptsächlich daran liegt, dass rezepte in fast jedem fall um mehrere knoblauchzehen ergänzt und exotische zutaten durch heimische ersetzt werden: beispielsweise frischer koriander durch petersilie, kokosmilch durch sahne, erdnussbutter durch normale butter. mäßig leckeres, ewig knoblauchverseuchtes essen haben mich 16 jahre meines lebens begleitet.

"ich finde das schräg, wenn eine frau nie für einen mann kocht", sagt der luxus-mann.
"hab ich ja schon. nur macht mir so ein patriarchisches relikt halt null spaß", erwidere ich.
"für wen hast du denn gekocht?"
"meiner ersten großen liebe habe ich, als meine eltern mal im urlaub waren, spaghetti bolognese gekocht."
"wie lange ist das her?"
"18 oder 19 jahre."
"das ist verjährt."
"und kuchen hab ich ihm auch mal gebacken. rotweinkuchen."
"einmal?"
"ja."
"das ist doch nix."
"er hat halt immer selber gekocht, sogar recht gut. ein bisschen wie das objekt."
"ja, das objekt hat ja heiligenstatus bei dir!"
"zumindest konnte es exzellent kochen und liebte es, mir was gutes zu tun."

"und sonst?"
"für meinen exkurzzeitlebensgefährten hab ich auch schon gekocht."
"wie oft?"
"naja, so richtig selber nur ein- zweimal, glaub ich. da hab ich kürbissuppe gemacht. aber als wir zusammenlebten, habe ich in der regel, wenn ich abends um sieben, halb acht endlich aus der redaktion nachhause kam, noch eine fertigpizza geholt und in den ofen geschoben."
"ha! siehst du! für den hast du das gemacht!"
"war ja nur fertigpizza. und ich hab das nur gemacht, weil ich verhindern wollte, dass unser mäßig harmonisches zusammenleben gänzlich eskaliert."
"bei männern ist da auch was dran. hunger sollte immer befriedigt werden, sonst werden wir ungemütlich."
"wohl weniger hunger als vielmehr eitelkeit. weil ihr euch ja für was besseres haltet. aber wenn man dem nachkommt, werdet ihr nur noch fauler. also mach ich das nicht mehr."

da grinst der luxus-mann nur frech:
"wir sind ja auch was besseres. was glaubst du, warum männer keine cellulite haben?"
"weil ihr ein dickeres unterhautfettgewebe habt!"
"nee, weils scheiße aussieht."
"sagt der mann mit dem hänge-po", frotzle ich.
"ich hab keinen hänge-po", ruft der luxus-mann entsetzt, nur, um sich dann gleich mit runtergelassener hose im großen spiegel von hinten zu betrachten.
"wo ist da bitte ein hänge-po?"
"da", sage ich lachend und pieke in die kleine falte unter den arschbacken.
"das ist eine minifalte! die hast du auch!"
"ja, ich darf die ja auch haben, wir frauen haben schließlich cellulite! du darfst das nicht. du musst in form bleiben. und ich will keinen mann, der beim gehen über seine herabhängenden hautfalten stolpert. sonst lass ich dich entführen, betäuben und heimlich von meinen ärzten operieren."
"reicht das nicht, dass ich mir für dich die eier habe abschneiden lassen?"
"nein."
"oh, ich wusste es. du bist mein sargnagel."
"dito."

"na gut, dann einigen wir uns so: keine plastischen operationen für mich, kein kochen-müssen für dich", fasst der luxus-mann das ergbenis unseres disputes zusammen. "dafür musst du aber mit mir das fenster im bad neu streichen."
"kein problem. sowas mach ich gerne."
"ernsthaft?!"
"ja. ich mach das sogar alleine, wenn du da keinen bock drauf hast. vorausgesetzt, dass du dann nicht wieder rumnörgelst."
"wenn du das so gut machst wie joints drehen und schwänze lutschen, bin ich sicher zufrieden."
"jeder hat halt was, was er gut kann", grinse ich.



Mittwoch, 8. November 2017

ärztekongress klappe die zweite

übermorgen. kopfschmerz, lampenfieber und potenzielle anspannungsdiarrhoe sind meine begleiter, niedergekämpft mit escitalopram, benzodiazepinen und salzstangen.

heute ausquartierung der katze. means: man muss sie ins körbchen kriegen. ich bin mental auf schwerste verwundungen vorbereitet und darauf, mich trotz schmerzen unnachgiebig zu zeigen. dauemn drücken, bitte.

ab sonntagnachmittag dann luxuriöse fünf tage urlaub und wieder mehr blog.
cu


Samstag, 28. Oktober 2017

der absolute wahnsinn

seit gestern abend habe ich angst. denn nun steht fest: entweder ich bin dement oder der luxus-mann spinnt.

der abend startete ganz harmonisch, sex, wein, gute gespräche, nachher ein drink in der bar mit dem plan, noch weiterzuziehen auf eine party.
nach dem zweiten white russian jedoch kommt der luxus-mann auf mittwochnacht zu sprechen.

die vorgeschichte:
mittwochabend war ich mit einem kumpel unterwegs, den der luxus-mann auch kennt und akzeptiert. wie ich das gerne so mache, schicke ich ab und an eine nachricht und dokumentiere essen und getränke. gegen halb zehn erreicht mich ein video vom luxus-mann, doch als ich es ansehen will, habe ich nur noch vier prozent akku. da mein handy eine absolut nervige akkuschwäche hat, weiß ich: in zehn minuten ist ende gelände. ein video ansehen ist nicht mehr drin. zuhause gegen halb elf ist das handy dann vollends abgekackt, ich verbinde es also mit dem netzstecker und lege mich schlafen. das video ist noch ungesehen.

mitten in der nacht werde ich wach, weil mir schlecht ist und ich auf klo muss. mein handy hat wieder saft und ich beschließe, das video zu gucken. es ist lustig und ich schicke ein smilie zurück. für den luxus-mann ist damit sonnenklar: ich habe bis eben mit irgendjemanden rumgefickt und bin soeben nachhause gekommen. mache ich ja immer so, wenn ich am nächsten tag um sieben aufstehen muss. dass mein akku leer war, glaubt er mir nicht, auch wenn er schon so oft erlebt hat, wie ich plötzlich ohne strom war. diese erklärung findet er "unlogisch". viel logischer ist, dass ich mir eine mittwochnacht um die ohren schlage, um mich von mr. x durchficken zu lassen.

dieses thema holt er in der bar auf den tisch.
"du kannst gern meinen kumpel anrufen, der wird dir bestätigen, dass ich um halb zehn in meine richtung losgezogen bin", sage ich.
"darum gehts ja nicht. du sollst dein handy anhaben, wenn du nachts unterwegs bist."
"das kann ich dir nicht garantieren. meistens wird das so sein, aber du kennst ja meinen akku!"
"ich hab dir extra eine powerbank geschenkt!"
"die hab ich aber nicht immer dabei."
"dann denkst du halt mal dran."
"selbst wenn. kann ja auch sein, dass die mal leer ist, die ist ja nur mini."
"dann denkst du bitte dran, sie aufgeladen in der tasche zu haben!"
"dafür geb ich keine garantie. ich hab so viel im kopf, gerade jetzt! das kann immer mal passieren, dass ich das vergesse. außerdem ist das ding unpraktisch und schwer."
"ich bitte dich doch nur, mich nicht immer so misstrauisch zu machen."

ich habe das gefühl, als wenn mir eine unsichtbare hand die kehle zudrückt. im kopf breitet sich das altbekannte stress-chaos aus und kein gedanke ist mehr greifbar. zunächst grenzenlose wut: was erlaubt der sich! dann verachtung: der soll mal lieber beweisen, dass er seinen kontrollzwang noch unter kontrolle hat! und angst, panische angst: wie kann ich seine einbildungen entkräften? überhaupt, was sagt das über uns aus? ist das seinerseits liebe oder nur eine neurose?

dann wird es richtig schlimm.
"das ist doch wohl nachvollziehbar, dass ich das merkwürdig finde. ebenso wie wenn du nachts immer aus dem schlafzimmer schleichst, um mit deinen fickern zu chatten!"
"ich mache WAS?"
"du schleichst dich raus, um zu chatten. ich bin doch nicht blöd, ständig leuchtet und vibriert dein handy!"
ich sehe den mann entgeistert an:
"mein handy liegt doch nicht mal im schlafzimmer, sondern im flur auf ladestation! und warum sollen mir leute mitten in der nacht schreiben? meine freunde schlafen da doch auch!"
"in letzter zeit machst du das nicht mehr so oft. aber früher ständig!"
"ich gucke nachts nie aufs handy, außer um die uhrzeit zu checken, wenn ich nicht pennen kann."
"nee. du nimmst es erst mit unter die bettdecke, und wenn du denkst, ich merke das, dann gehst du irgendwann."
"ich gehe, weil du schnarchst!"
"ich schnarche nicht. außerdem habe ich dich gesehen. wenn ich aufs klo gehe, sitzt du im kinderzimmer und chattest!"

ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich sagen soll. ich vermeide es tunlichst, nachts überhaupt aufs handy zu schauen, da dessen blaues licht den schlaf verhindert, wie wissenschaftlich erwiesen ist. mein schlaf ist mir heilig. davon abgesehen habe ich kaum freunde. nachrichten erhalte ich vielleicht mal von meiner katzensitterin oder meinem chef. beide schlafen nachts. darüber hinaus habe ich nachts auch nicht das leiseste verlangen, facebook zu checken oder sonstige harmlosigkeiten auf dem handy zu tun. falls ich nicht schlafen kann, lese ich - wenn überhaupt.

"du willst jetzt aber nicht so tun, als erinnertest du dich nicht!" spottet der luxus-mann. "das würde mich jetzt noch misstrauischer machen! obwohl es ja zu deiner art passt, zu lügen und alles immer abzustreiten."
"warum denkst du denn, dass ich lüge? selbst wenn ich am handy war, ich könnte das doch locker zugeben. schließlich gibt es tausend harmlose sachen, die man theoretisch damit machen kann. spiele spielen oder fotos angucken oder twittern."
"du hast auch damals wegen dem objekt gelogen!"
"ich hatte es ZUFÄLLIG auf party getroffen und wir haben maximal zwei sätze gewechselt! ich dachte nicht, dass das wichtig ist!"
"ich habe dir gesagt, ich will alles über das objekt wissen! du musst mir sagen, wenn du dich mit ihm triffst!"
"ich habe mich nicht getroffen, wir sind uns unverabredeterweise begegnet! wir haben uns nicht mal unterhalten! das ist doch nicht von relevanz!"
"ich habe dir gesagt, ich will das alles wissen, und wenn du das verschweigst, lügst du."

ich gehe aus der bar, nachdem die gäste anfangen, mich komisch anzusehen, weil ich inzwischen vollkommn in tränen aufgelöst bin. der luxus-mann kommt mir nach.
"wieso heulst du jetzt?"
"das ist doch furchtbar! was sagt das denn über unsere liebe aus? da können wir uns ja gleich trennen. jedenfalls merkst du nicht, wie ich dich liebe und auf wie viel ich für dich verzichte! ich mache sogar dinge für dich, die ich total hasse!"
"ich sag ja nur, ich mach mir halt gedanken, wenn du dich unlogisch verhälst. und die gedanken schaden unserer beziehung."
"es ist doch total egal, wie ich mich verhalte, du spinnst dir irgendwas zusammen und das ist dann deine wahrheit."
"das kommt aber nur, weil du so bist."
"wie bin ich denn?"
der luxus-mann zuckt die schultern.
"naja, deine vergangenheit...."
"jaja, ich weiß, frauen, die gern ficken und das nicht nur mit händchenhalten, blümchenpupsen und in der missionarsstellung, sind schlampen, aber ihr männer seid die helden, wenn ihr euch nehmt, was ihr wollt!"
"so ähnlich." der luxus-mann grinst entschuldigend, dann legt er die arme um mich:
"jetzt dramatisiere nicht wieder alles so, ich will ja nur, dass du auf dein verhalten achtest."

ich bekomme kein wort mehr raus. die tränen strömen über meine wangen, ich bin gedemütigt, falsch bezichtigt und ganz offenbar einem irren ausgeliefert.
"und jetzt gehen wir auf die party", bestimmt der luxus-mann.
ich schüttle energisch den kopf.
"was denn?"
"kein bock. ich will sofort nachhause."
"ach komm."
"ich bin nicht in der verfassung!"
"aber du warst doch auch interessiert?"
"war! jetzt bin ich völlig fertig, ich geh da nicht hin!"
"nur mal kurz reinschauen. ein bier."
"dann mach doch! vielleicht findest du da gleich was anderes zum ficken."
der luxus-mann hat inzwischen seine ruhe wiedererlangt und sagt ganz entspannt und besonnen:
"aber ich liebe dich doch."
ich schnaube verachtungvoll:
"das kauf ich dir nicht ab!"

am ende gehen wir schweigend nebeneinander nachhause.
dort packe ich mein bettzeug und gehe ins kinderzimmer. neben dem luxus-mann einzuschlafen käme mir unpassend vor.

am nächsten morgen ist er wie immer, nur in zärtlich. kitzelt mich wach, macht kaffee und geht dann mit mir in mein lieblingscafé frühstücken, obwohl er frühstücken gehen hasst. der abend wird nicht erwähnt, so, als hätte er nie stattgefunden. ich versuche, noch mal davon anzufangen und sage, wie geschockt ich wegen seiner verdächtigungen sei.
"ja", lacht der mann. "da wäre ich auch geschockt, wenn ich mich nicht mehr daran erinnern könnte, dass ich nächtelang gechattet habe."
es hat keinen zweck, erkenne ich. der luxus-mann ist in seinem wahn resistent gegen jegliche tatsachen.

und ich weiß im grunde, dass wieder eine beziehung gescheitert ist.

Freitag, 20. Oktober 2017

#metoo

obwohl ich sexuellen missbrauch als kleines kind erlebt habe und der täter nie belangt wurde, beobachte ich die #metoo-kampagne mit skepsis.

ich kann ohne weiteres bestätigen, dass frauen - insbesondere wenn ihr äußeres nicht unter gewissen hässlichkeitsgrenze liegt - vielfach und während einer bestimmten lebensphase ganz besonders auf eine weise angemacht werden, die ausgesprochen unangenehm bis angsteinflösend sein kann. allerdings bin ich auch der meinung, dass "sexuelle belästigung" ein subjektiv dehnbarer begriff ist. für mich beginnt sexuelle belästigung dort, wo mich jemand ungewollt berührt, festhält oder mich verbal bedroht, um sich mir sexuell nähern zu können. dann gibt es aber auch jede menge hysterische puten, die in jedem, der ihnen ein kompliment für ihr äußeres macht, einen serienmordenden vergewaltiger vermuten. damit ist auch #metoo leider synkretistisch und vollkommen indifferent.

ja, frauen werden oftmals auf ihr äußeres reduziert und das ist längst nicht mehr zeitgemäß. wir wollen respekt und dass unser wille berücksichtung findet, nicht nur im sexuellen kontext, und dass sich männer be- und zurücknehmen, nicht zuletzt, weil sie aufgrund ihrer körperlichen überlegenheit verantwortung tragen. kultiviertheit und so. das hat noch nicht mal etwas mit feminismus zu tun.

aber wir sind auch alle tiere. wirft der pfau sein rad, heißt das nicht, dass er die pfauin besteigen darf. aber dass er sein rad wirft, kann man dem pfau schlecht untersagen. wenn ich ein schleimiges kompliment vom typen erhalte, den ich kacke finde, fällt mir als selbstbewusster frau doch wohl ein spruch ein, der ihm klar macht, dass die anziehung nicht auf gegenseitigkeit beruht. und wenn jemand seine erektion an mich drückt, gibts eben was auf die nüsse. das ist klare, direkte kommunikation. dafür muss ich mich nicht opfer-like hinter einer internet-kampagne verstecken und demütig-anonym anklagend auf gerechtigkeit hoffen, die so ganz bestimmt nicht eintreten wird.

das argument der kampagne ist angeblich die stärkung des bewusstseins für sexuelle belästigung. aber schaut doch mal, was passiert, wenn ein thema viral geht: eine zeitlang trendet es, dann gerät es in vergessenheit und wird vom nächsten trend abgelöst. flüchtlinge? interessiert fast keine sau mehr. klimawandel? wie 80er! kinderarmut? wissen wir alle, interessiert uns aber nicht. das internet relativiert, indem es kurzlebiges, undifferenziertes interesse erzeugt. es ändert aber rein gar nichts. für veränderung braucht es echte kommunikation und bemühen um gegenseitiges verständnis. facebook & co. sind aber turbobeschleuniger in sachen entfremdung, empathieverlust und oberflächlichkeit. damit bleibt #metoo m.e. ein kurzer aufschrei nach aufmerksamkeit, der aber sicherlich bald verhallen wird.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

auas und andere scheiße

der luxus-mann ist nach viertägigem herumhängen in weiten hosen zuhause wieder bei der arbeit. am abend hat er schmerzen, was mich weniger überrascht als ihn. schließlich ist er in jeans durch die gegend gehühnert und viel gesessen.
"diese ganze op war pfusch! der arzt ist ein metzger! wenn du dir mal die nähte anschaust, siehst du, das ist alles falsch zusammengemacht!" schnauft mein medizinischer experte außer sich in den hörer.
und dann:
"das ganze war eine scheißidee! bestimmt funktioniert auch der orgasmus nicht mehr richtig!"
ich rate zur ruhe, zum kauf einer heilsalbe sowie zu stoffhosen und allgemeiner schonung, aber der mann ist überzeugt:
"was bringt das denn, wenn der arzt das alles verpfuscht hat?! das ist doch alles sinnlos! bestimmt habe ich jetzt monatelang schmerzen und nie mehr sex!"
und du bist schuld, klingt mir zwischen den sätzen entgegen. weil du dich so anstellst wegen der hormonbombenbedingten thrombosegefahr, dem krebsrisiko und dem bisschen depressionen.

am abend besuche ich den luxus-mann. zu diesem zeitpunkt ist er nicht schmerzfrei, aber nichtsdestoweniger ganz versessen darauf, die sache mit dem sex zu testen. ich bin skeptisch, denn wer sich einredet, dass etwas auf gar keinen fall funktioniert, erlebt in der regel self fulfilling prophecy. doch erektion und abspritzen klappen trotz äußerst vorsichtigen vögelns problemlos.
"na siehste, geht doch alles", sage ich hinterher entspannt.
"naja", grummelt der luxus-mann. "der orgasmus war ein bisschen flacher, glaub ich."
"wir ficken sonst vergleichsweise ja auch wie die tiere."
"hm. vielleicht hast du recht. aber es kam ja auch viel weniger raus!"
ich lache.
"soll ich mal aufstehen?"
und es kommt wie immer ein riesiger blubb.
 der luxus-mann betrachtet die lage kritisch.
"hm, n bisschen weniger ist das schon, glaub ich."
"fünf prozent, hat der arzt gesagt. das haut ungefähr hin, würde ich sagen."
"früher hab ich gespritzt wie ein hengst!"
"ja, früher. aber das war 30 jahre, bevor wir uns kennen gelernt haben."

kurzum, die lage ist äußerst angespannt. trotzdem schlafe ich recht schnell ein, da ich von arbeit total erschöpft bin. mitten in der nacht stehe ich auf, um auf klo zu gehen. und da fällt es mir wie schuppen von den augen: ich habe meinen verhütungsring gar nicht drin!

panisch stürze ich ins schlafzimmer.
"wo ist mein ring?!"
der luxus-mann dreht sich verschlafen um:
"in deiner muschi, wieso?"
"nein ist er nicht! den haben wir beim ficken rausgenommen und vergessen, wieder reinzumachen!"
"au fuck."
"mach doch mal licht! hilf mir suchen! der muss hier irgendwo sein!"
 der ring ist schnell gefunden: er klebt auf der luxus-fernsehzeitschrift.
"toll, alles voll mit deinem schmadder", sagt der luxus-mann.
"wenn das deine einzige sorge ist! nach drei stunden ist die verhütende wirkung weg, und es sind jetzt schon sieben!"
der luxus-mann guckt verstört:
"kannst du jetzt schwanger werden?"
"weiß nicht... lass mich mal rechnen..."
dann vergleiche ich meine ergebnisse mit den herstellerangaben im internet. es stellt sich heraus, dass das malheur zum schlechtesten zeitpunkt überhaupt passiert ist.

"nimm halt die pille danach", sagt der luxus-mann lakonisch.
"ich weiß gar nicht, ob das geht. also wenn man hormonell verhütet und dann mit der pille danach ja auch noch mal hormone einnimmt."
"dann gehst du morgen früh zum arzt."

vor lauter schwangerschaftspanik hat der luxus-mann am morgen seine eierschmerzen schon fast vergessen und wuselt durch die wohnung.
ich telefoniere mit dem arzt, der mir sagt, angesichts des kritischen zeitpunkts rate er mir stark zur pille danach. die verhütung könne dabei einfach fortgeführt werden, sei aber nicht mehr sicher.
"bis zum nächsten geschlechtsverkehr müssen sie ein kondom verwenden."
ich erzähle es dem luxus-mann.
 "ich habs ja gewusst", sagt er, "erst verpfuschen sie meine op, und nachdem sich rausstellt, dass ich theoretisch ficken kann, bist du fruchtbar. mit kondom brauchen wir gar nicht rumzumachen, dann lieber gar keinen sex."

die stimmung ist also unter dem nullpunkt. noch mehr sinkt sie, als ich für die pille danach über 30 tacken löhne und den freundlichen hinweis der apothekerin erhalte, dass ich mich im falle der wahrscheinlich auftretenden übelkeit nicht übergeben darf. weil ja sonst die pille rausgekotzt wird und die wirkung nicht eintritt. und man dann noch mal eine pille für über 30 tacken kaufen muss.
nun sitze ich also hier mit schlingerdem magen und hoffe, dass dieser zyklus schnell vorübergehen möge. und alles andere doofe auch.

daumen drücken, bitte.

Sonntag, 15. Oktober 2017

mobbing

"ich bin ja froh, dass meine tocher mit ihrer klasse ganz gut klarkommt", sagt der luxus-mann beim frühstück. "ich frage mich ja immer, was man als vater macht, wenn man so ein außenseiter-kind hat."

daraufhin erzählte ich ihm meine geschichte. ich war ein extrem unbeliebtes kind und wurde jahrelang von meiner grundschul-klasse verprüglt. das hatte zwei gründe: ich war klug und bekam - ohne zu lernen - sehr gute noten. darüber hinaus trug ich gerne röcke und kleider und unterschied mich so optisch von anderen. von der wesensart her war ich sanft, hilfsbereit und zurückhaltend - das ideale opfer also.

jeden mittag lauerte mich eine gruppe jungs aus meiner klasse vor der schule auf und gab mir saures. schubsen, kratzen, schlagen, treten. und natürlich verbale gewalt in rauen dosen. irgendwann lag ich im dreck und heulte, der rest feixte. ein herrlicher spaß.

meine mutter bekam natürlich mit, was los war, wenn ich dreck- und blutverschmiert und mit teils zerfetzten klamotten nach hause kam. sie ging zur lehrerin und beschwerte sich. die lehrerin zuckte mit den achseln und meinte, sowas müssten kinder unter sich ausmachen.

eine zeitlang holte mich meine mutter mittags ab. das brachte nicht viel. die jungs waren zu fünft oder zu sechst, ich ganz alleine. es interessierte sie kein bisschen, wenn meine mutter nebendran stand und sagte, sie sollten aufhören. als meine mutter mal nicht da war, schlugen sie mich um so doller. meine mutter telefonierte daraufhin mit der mutter des anführers der gang. ohne den geringsten erfolg.

ich war ein verschrecktes kind mit massiven schlafstörungen. ich hatte panische angst vor der schule, vor allem dem schulweg und den pausen, und war immer froh, wenn ich krank war. das wurde ich glücklicherweise sehr oft. ich lernte trotzdem leicht und gerne. mein lesebuch las ich am anfang des schuljahres von vorne nach hinten durch.

irgendwann kam nicola in meine klasse. nicola war klein, schmächtig, schielte, stotterte und trug eine dicke brille. wir befreundeten uns und wurden dann zu zweit gemobbt. nicola habe ich zu verdanken, dass ich die grundschule irgendwie überlebt habe.

"ihre eltern hätten sie schützen müssen", sagte psychologe nummer eins großspurig vor vielen jahren. doch wie schützt man sein kind effektiv? ich habe den psychologen gefragt und bekam seine standard-antwort - hilfloses grinsen und schulternzucken. er hatte also keinen schimmer. ich fragte meine auch meine aktuelle psychologin, die daraufhin meinte, mobbing sei nichts besonderes und könne schon mal vorkommen. weil kinder halt so sind. ich solle es nicht überbewerten, dass mir das passiert sei. was für ein schwachsinn - und vor allem keine antwort auf meine frage.

hätte ich ein kind und gäbe es ein einzelnes kind, das mein kind triezt, würde ich meinem immer raten, zurückzuschlagen. ich würde ihm zeigen, wo es schmerzhafte treffer landen kann und es ermutigen, überraschungsmomente für sich zu nutzen, den anderen aus der gruppe zu isolieren und ihn dann durch die hölle zu schicken. zumindest aus der opferperspektive habe ich damit schließlich reichlich erfahrung. schwieriger finde ich es, wenn viele kinder oder die ganze klasse gegen ein kind ist. da fällt mir dann auch nicht mehr viel ein.

ideas, anyone?


Donnerstag, 12. Oktober 2017

alles in butter

als mir der luxus-mann die tür öffnet, wirkt er munterer als gedacht.
"na?" frage ich ihn.
"nicht anfassen!" sagt der luxus-mann.
"klar, ich stürze mich sofort auf deinen schwanz!"
"bei dir weiß man nie. das machst du alles so gewohnheitsmäßig."

ich packe bücher aus, die der luxus-mann als lektüre fürs krankenbett angefordert hat, darüber hinaus lebensmittel, die ich für das abendessen eingekauft habe.
 "ich hab auch was für dich", sagt der luxus-mann. er stellt ein kleines led-blinke-monster vor mich hin. "das fandest du doch neulich so süß, als wir in dem kruschel-laden waren."
"wow, danke", sage ich und mir wird mal wieder warm ums herz. diese aufmerksamkeit tut gut. wie ein kuss oder eine umarmung. es ist die luxus-art, mir seine wertschätzung mitzuteilen.

auch wenn der luxus-mann schwerfällig geht und sich nur vorsichtig setzen kann, nimmt er bei mir in der küche platz.
"was magste denn trinken?" fragt er mich.
"rotwein?"
"gute idee, gib mir doch mal eben zwei gläser."
"darfst du denn schon alkohol trinken?"
"wieso?"
"das ist nicht gut, wenn man frisch operiert ist. ich durfte damals doch auch eine woche nicht rauchen oder trinken."
"EINE WOCHE?! EINE GANZE WOCHE?!"
der luxus-mann ist entsetzt.
"ja."
"das ist brutal."

ich kichere nur und schlürfe wein, während die luxus-blicke an meinem glas hängen.
"das ist schon krass, wie abhängig man vom alkohol ist", sagt er niedergeschlagen. "als wenn die schmerzen nicht genug wären, da muss man sich auch noch kasteien."
"ich sag ja nur, was bei mir war. muss ja nicht für dich gelten. haste den doc mal gefragt, was du alles darfst und was nicht?"
"nö."
 männer, klar.

"wie lange musst du da noch rumkochen? das sieht doch schon fertig aus", drängt der luxus-mann dann.
"haben wir etwa hunger?"
"ja klar."
"die suppe ist auch schon fertig. nur die pizze müssen noch backen, da ist ja gerade mal der käse drauf."
"wie lange denn noch?"
"fünf minuten, glaub ich."
"glauben kannst du in der kirche", sagt der luxus-mann skeptisch und zieht die augenbrauen hoch. kurz, bevor ich explodieren will, lacht er. er zieht mich auf mit seinem pünktlichkeitswahn.

dann essen wir. erst pizza, weil der luxus-mann erst was festes zwischen die kiemen braucht. er verputzt drei kleine pizze  und meint dann sogar:
"das war ja ganz lecker."
"schaffst du noch suppe jetzt?"
"na klar."
und er löffelt noch zwei große teller gemüsesuppe weg.
"offenbar nicht du nicht dem tode nah", spotte ich.
"jetzt gehts mir ja auch schon besser."

im bett nehme ich den luxus-arm und wickle ihn um mich. ganz entgegen seiner sonstigen gewohnheiten streichelt der mann sanft meinen oberarm, meinen hals und nacken.
"hmmmmmmmmmmm", mache ich. "weitermachen, bitte.
und der luxus-mann macht stumm weiter, während er sonst gerne theatralisch seufzt und sagt: "du bist so anstrengend!"
als er genug hat, nehme ich vorsichtig seine hand und verschränke meiner finger in seinen. eigentlich hasst der luxus-mann händchenhalten, aber er lässt mich gewähren.
so schlummern wir schließlich ein. 

wenn das die auswirkungen der op sind, dann bin  ich schon mal sehr zufrieden.




Mittwoch, 11. Oktober 2017

das ich im wir

der luxus-mann hat sehr feste vorstellungen vom leben. zum beispiel, dass eine frau auf jeden fall immer berufstätig sein muss und arbeitslosigkeit ein grund zur sofortigen trennung ist. dass man mehrmals im jahr in urlaub fahren muss und einmal davon mindestens drei wochen lang. und dass um 17:30 uhr zu abend gegessen wird.

das ist anstrengend für mich. heute hat der luxus-mann seine op und ich habe versprochen, deswegen noch mal für ihn zu kochen. aber ich komme frühestens um 18 uhr aus dem büro. 17:30 uhr ein essen auf den tisch zu stellen, ist also ein ding der unmöglichkeit. urlaub kann ich mir nicht spontan nehmen, nicht in meiner position und schon gar nicht, weil mein chef nun vier wochen urlaub hat. als ich meinte, dass ein essen vor 19.30 uhr unrealistisch sei, schlug mir nicht gerade begeisterung entgegen.

dabei weiß der luxus-mann, dass ich kochen ohnehin abgrundtief hasse - insbesondere nach einem langen stressigen arbeitstag. ganz grundsätzlich empfinde ich kochen als spießig und unökonomisch und merkmal der ehe meiner eltern: mein vater muffelt vor sich hin und sagt, was er alles nicht mag, meine mutter plant den lieben langen tag die nächste mahlzeit und rennt von hinz nach kunz dafür. bei der zubereitung und allem drumherum hilft mein vater kein stück. so ähnlich läuft das bei uns auch ab, wobei der luxus-mann des öfteren hereinkommt und überwacht, damit ich nicht zu viel wasser und strom verbrauche und abfälle luxusgemäß trenne. kurzum, kochen ist purer terror.

wenn ich endlich mal zuhause bin, bin ich allerdings schon mega gestresst von der arbeit und will nichts weiter als ruhe und einen drink und vielleicht noch einen schwanz, der auf mich wartet. noch mehr stress führt bei mir zu aggression und streitlust sowie zu dramatischen gedanken, dass mir jegliche freiheit geraubt wird und ich sofort diese beziehung canceln muss.

das schwierigste ist wie immer, die eigenen drastischen emotionen in ihren schwankungen zu ertragen: hass, aggression und jede menge schuldgefühle, weil ich den luxus-mann doch sehr liebe. ganz oben auf dem gefühlskonglomerat sitzt die unbändige angst, wieder sieben oder mehr jahre quasi alleine zu sein. gleichzeitig bin ich nicht sicher, ob ich beziehungen überhaupt ertrage. und ob ich im jenseits nicht sowieso besser aufgehoben bin. das alles wird ergänzt durch das tiefe gefühl fundamentaler, gegenstandsloser einsamkeit.

das gedankenkarussell dreht sich tag und nacht. wer bin ich und was will ich überhaupt? das große schöne wir weicht meine schwachen ich-grenzen auf. geliebt zu werden darf nicht das ziel sein, ist es aber irgendwie doch. wie schüttelt man einsamkeit ab? doch nicht in zweisamkeit?

der luxus-mann versteht solche gedankengänge nicht. mir fehlt jemand wie das objekt, fällt mir am wochenende ein. prompt träume ich jede verfickte darauffolgende nacht, dass ich dem objekt wieder begegne, dass wir unsere seelengespräche wieder aufnehmen und es mich dabei im arm hält, dem ort, wo ich mich einst einzigartig sicher fühlte. auch wenn es - ganz rational betrachtet - keine unzuverlässigere und unstetere person als das objekt gab.
das aufwachen ist qualvoll. die sehnsucht nach einer umarmung oder einer liebevollen geste, nach dem wortlosen und wortreichen verstandensein ist so unendlich groß. sie wächst und wuchert im allumschließenden wir. dem wir zum trotz.


Freitag, 6. Oktober 2017

gimme five

es stürmt und regnet.
neben mir im glaskabuff der bushaltestelle steht ein großer junger mann in grellbunten klamotten und einem viel zu eng auf seinen rücken geschnallten rucksack. er wiegt sich, zieht grimassen, seibert und ruft immerzu laut:
"ahhhhhh... ahhhhuuuuuuu... huuuuuuu..."
"scht", macht die frau, die neben ihm steht. "sei still!"
"aaaaaaaahhhhh... huuuuuuuuuu...."
"hat die klappe! sei endlich still", raunzt die frau wieder.
seine mutter, vermute ich.

der sohn streckt die hand in den regen. seine mutter schlägt sie weg und schubst ihn grob. der sohn beruhigt sich ein bisschen, sieht aber sehr unglücklich an. seine mutter beäugt ihn misstrauisch, die mundwinkel tief nach unten gezogen. 

da kommt ein kleiner junge in blitzblauer regenjacke angestiefelt, mit ebenso blitzblauen augen. er bleibt stehen und schaut auf den fahrplan. der große beobachtet ihn fasziniert. auch der kleine hat den langen bemerkt und wirft ihm einen schüchternen blick zu. das ermutigt den behinderten und er winkt dem kleinen zu, als seine mutter wegschaut. der kleine schaut schüchtern - und winkt dann wunderbarerweise einfach zurück.

die szene entlockt mir ein lächeln. doch es kommt noch besser. der behinderte tritt einen schritt aus dem wartehäuschen heraus und auf den kleinen jungen zu, streckt den arm aus und ballt eine faust. der kleine schaut kurz zu mir, ich nicke ihm aufmunternd zu. da macht er ebenfalls einen schritt auf den langen zu und berührt mit seiner kleinen faust die große.

gimme five.
gimme life.

es sind diese winzigen gesten, die mir auch an dunklen tagen den glauben an die menschheit bewahren.

Mittwoch, 27. September 2017

überraschungsei

entgegen meiner erwartung hat der luxus-mann direkt nach dem beratungstermin bei einem zwielichtigen chirurgen diesem das go fürs anlegen des skalpells gegeben.
ein mann, ein wort, und ich als seine frau bin mal wieder beeindruckt. ich kannte ja sonst eher die variante "ein mann, viele wörter" und versprechen, die nicht eingehalten wurden.

"es macht halt sinn", sagt der luxus-mann auf meine nachfrage, ob er sich sicher sei mit der entscheidung. "und ob ichs jetzt den machen lass oder einen von den 120 anderen, da ist für mich kein unterschied."
"trotzdem, mutig von dir", sage ich. "ich habe andere sagen hören, dann fühlten sie sich nicht mehr als vollwertige männer."
"ich definiere mich ja nicht über meinen job oder mein auto oder sonstigen scheiß", meint der luxus-mann. "und so ein typischer familien-daddy bin ich auch nicht. also definiere ich mich halt auch nicht über meine spermien!"

in zwei wochen ist also d-day.
"der chirurg hat gesagt, dass ich dann dicke eier kriegen werde und dass mich meine frau deswegen pflegen und bekochen muss!" fordert der luxus-mann.
"ok, schatz, war ne schöne zeit mit dir... aber das wird mir jetzt ein bisschen zu häuslich", kichere ich.
 "und er hat auch gesagt, dass ich meine frau dann beißen und kneifen und nach herzenslust bestrafen soll, das ist wichtig für den heilungsprozess!"
"der übermut wird dir noch vergehen."
"fürchte auch."



Sonntag, 24. September 2017

schwarz - rot - braun

hat nicht mal 100 jahre gedauert bis zur weimarer republik des 21. jahrhunderts.


p.s.: hab ich irgendwelche ausländischen leser, die mich aufnehmen möchten? so in kuba vielleicht?


Samstag, 23. September 2017

luxus-shoppen

der luxus-mann möchte eine lampe kaufen, also nehmen wir uns gemeinsam frei und gehen an einem freitag in so läden, wo man lampen, möbel und lebenswichtiges gedöns wie serviettenringe mit einhornmotiven kaufen kann.
"was brauchst du denn alles so?" will der mann im auto wissen.
"nix", sage ich.
"wie, nix?"
"naja, wenn mir was unheimlich geiles unheimlich günstiges vor die füße fällt, nehme ichs mit, aber ich wüsste jetzt nicht, was konkret. außerdem gefällt mir da, wo du hinwillst, in der regel eh nix."

darüber hinaus bin ich mir sicher, dass es gar keine gelegenheit geben wird, um nach sachen zu schauen, die ich brauchen könnte. wegen der gesuchten lampe hatten wir nämlich bereits mehrfach stunden in möbelhäusern und lampengeschäften verbracht, doch die lampen waren entweder zu hell, zu dunkel, hatten nicht das passende luxus-wohnungs-design oder waren dem luxus-mann schlichtweg zu teuer. wir hatten auch bereits schon lampen im einkaufswagen, doch jedesmal auf dem weg zur kasse fiel dem luxus-mann ein, dass es ja noch etwas besseres, helleres, dimmbareres, günstigeres geben könnte. woraufhin wir dann zurückgingen, noch mal eine stunde zwischen den lüstermonstern umhertrabten und schließlich ohne lampe wieder den laden verließen, weil es ja irgendwo DIE lampe geben musste, in einem der läden, in denen wir noch nicht waren, auch wenn es die inzwischen vermutlich nur noch jenseits von hamburg gab.

wir starten die tour um zehn uhr vormittags in einem lampenladen mit umfangreichem sortiment. dort ist ein unheimlich netter verkäufer ohne schleimige verkäufermentalität, der sich mit einer affengeduld den fragen des luxus-mannes stellt. er flitzt eilfertig zwischen computer, lager und ausstellungsfläche hin und her und entwickelt mit der zeit kleine schweißperlen an der oberlippe, bleibt aber konstant freundlich und kompetent.
der luxus-mann murmelt etwas von "teuer", "interessant" und "mal schauen" und zieht mich dann aus dem laden. sodann entern wir den nächsten, wo das spiel erneut beginnt - mit einer weniger freundlichen verkäuferin.

nach dem dritten laden will der luxus-mann dann in ein möbelhaus.
"wir waren hier schon mindestens dreimal lampen gucken", erwidere ich. "das war dir alles zu teuer und zu hässlich."
"aber vielleicht gibts da jetzt ja was neues!" sagt der luxus-mann hoffnungsvoll.
ich verdrehe nur die augen, denn den satz habe ich im zuge der lampen-shoppingaktion schon öfter gehört.

in der lampenabteilung gibt es - genau wie von mir vorhergesehen - dieselben kreischhässlichen, überteuerten dinger wie vor wenigen monaten. der luxus-mann spaziert nichtsdestoweniger unbeirrt zwischen den leuchtmonstern hin und her und fragt mich ein ums andere mal:
"und die da? haben wir uns die letztes mal schon angeschaut?"
"ja", knurre ich. "die fandest du zu teuer/hell /dunkel /hässlich."

dann geschieht ein kleines wunder und der luxus-mann bleibt mehrere minuten vor einer lampe stehen, knipst sie an und aus und wieder an, hält probeweise eine zeitung davor, um die lesehelligkeit zu prüfen, während gleichzeitig 95 andere lampen einander überblenden, und meint schließlich selig zu mir:
"die ist doch ganz ok!"
"die hattest du schon mal in der hand, die fandest du letztes mal scheiße."
"quatsch! wie findest du sie?"
"die hat soviel pseudodiamanten-geglitzer wie die lüster in so türken-butzen" sage ich. "wenn du meinst, dass das in deine düster-wohnung mit den ganzen totenschädeln passt..."
"aber die ist günstig! das steht preishammer!"
"das steht überall preishammer oder supersparpreis oder wahnsinnspreis dran. das ist nur marketing!"
"quatsch."
"doch, komm gucken!"

als ich mit meiner beweisführung fertig bin, ist der luxus-mann zwar um eine illusion ärmer, aber immer noch in die lampe verliebt.
"ich glaub, ich nehm die. die kostet ja auch nur 149 euro."
"gut", sage ich, glücklich, damit weiteren lampen-suchaktionen zu entrinnen, "nimm sie."
"aber du findest sie hässlich?" fragt mich der luxus-mann unsicher.
"ich finde die mega-hässlich, aber es ist deine wohnung und deine lampe!" sage ich. "das musst du für dich entscheiden!"
"hm", zögert der luxus-mann, aber ich habe schon ein exemplar aus dem regal gezogen und dränge den mann fest untergeärmelt zur kasse.

ich bete, dass an der kasse keine schlange ist, denn wartezeit würde bedeuten, dass das luxus-hirn gelegenheit zum aufwerfen neuer zweifel hat, aber das schicksal ist mir hold: vor uns ist nur ein mensch mit zwei sachen. das bedeutet gerade mal ausreichend zeit für umständliche luxus-überlegungen, ob er lieber bar oder mit karte zahlen möchte. als wir das möbelhaus verlassen, ist es erst 15 uhr - und wir haben tatsächlich erfolgreich eingekauft.
 "wollen wir was essen? ich hab bärenhunger", sagt der luxus-mann - und weil er wegen seiner tollen hässlichen neuen lampe so gute laune hat, lädt er mich sogar ein.

während wir auf unser essen warten, fummelt der luxus-mann mit gerunzelter stirn an seinem iphone rum.
"was ist, irgendwelche besorgniserregenden börsenturbulenzen", frage ich.
"neenee", sagt der luxus-mann und starrt weiter angestrengt auf das dislay.
dann hält er mir sein handy vor die nase und sagt:
"guck, die lampe sieht doch fast aus wie meine! und hier bei amazon kostet die nur 99 euro!"
"die ist anders. außerdem kannst du so doch gar nicht sehen, wie hell die leuchtet."
"ich bestell die jetzt einfach und wenn sie scheiße ist, tausch ich sie halt um."
"und was ist mit der lampe, die wir eben gekauft haben?"
"die bringen wir gleich zurück!"

Mittwoch, 20. September 2017

straffe muschis und hartz mit hirn

ich schreibe derzeit darüber, dass ausgeleierte muttis sich bitteschön die muschi straffen lassen sollen. sonst tritt das "lost penis syndrom" auf. das kann man recht gut frei mit "würstchen in turnhalle syndrom" übersetzen. also obacht, liebe weibliche leserinnen, man muss als frau heutzutage nicht nur außen, sondern auch innen straff sein!

das mit dem "innen straff" ist allerdings nicht immer so leicht wie im falle der weiblichen muschi. beim hirn sind da noch große potenziale offen. das zeigt beispielsweise die rtl2-redaktion bei formaten wie "hartz und herzlich", eine sendung, bei der ich mich frage, ob hier die afd als sponsor fungiert. oder aus welchem grund werden hier sozial benachteiligte menschen derart klischeeüberladen vorgeführt? 

wer doku-soaps guckt und damit ohnehin eine vollständige hirnerschlaffung risikiert, sollte also wenigstens dran denken, dass darsteller in doku-soaps immer gekauft sind (ein wichtiger anreiz, wenn man von einem menschenunwürdigen existenzminimum lebt!) und so in szene gesetzt werden, dass es ins tv-format passt. das weiß ich, weil ich selber manchmal solche ekelerregend schwachsinnige sendungen machen muss.  in diesem fall soll vermittelt werden: arme sind dumm! und weiter: weil sie so dumm sind, kommen sie mit dem haufen kohle, den sie vollkommen unberechtigerweise vom staat schnorren, nicht zu rande. diese stigmatisierung einer ohnehin stigmatisierten gesellschaftsgruppe halte ich für grundlegend unethisch. auch, wenn es ja nur "harmlose unterhaltung" sein soll.

"die welt ist so schlecht, da sollte man keine kinder reinsetzen", sage ich heute zu meiner kollegin, die mutter zweier kinder ist.
sie widerspricht mir nicht.
(soll sie mal, ich bin ja auch die chefin!)

wie auch immer.
die message für das 21. jahrhundert lautet: straffe muschis first. alles andere kann warten.



Samstag, 16. September 2017

das mörder-dope

nachdem ich einige male gras vom obekt bezogen habe, hat der luxus-mann nun seinerseits seine connections ausgegraben.
"ich will nicht, dass du gras vom objekt nimmst und dem dann dafür einen bläst oder sowas!"
"hörma, wenn ich dem einen blasen wollen würde, wäre das vollkommen unabhängig davon, was ich dafür kriege", halte ich meinen finger in die offene wunde.
"ich besorg uns was", hat der mann daraufhin versprochen und es nun, monate später, in der tat in die tat umgesetzt.

wir haben nicht nur gras, sondern auch drei große klumpen dope bekommen. pechschwarz ist es und sehr harzig.
"boah, ich glaube, das wird richtig knallen", sage ich, als ich daran schnuppere.
"mein dealer hat gesagt, er hat das gras und das dope gemischt und sei daraufhin gelähmt gewesen."
"naja, verkäufergeschwafel", sage ich leichthin. "was haste bezahlt?"
"fuffi."
"alta! das ist aber ganz schön viel fürn fuffi! da bekomm ich vom objekt nicht mal die hälfte gras für! das ist bestimmt ganz minderwertiger kram."
"quatsch. das objekt zieht dich ja auch ab!"
"gar nicht!"
"wohl."
"gar nicht!"
"ist ja auch egal. wollen wir das mal so probieren? also ne mische?"
"ok."

da ich die besseren joints drehe, walte ich meines amtes und bereite uns eine schöne rolle. ich dosiere das zeug  erstmal vorsichtig - besser nix merken als dann tatsächlich gelähmt rumzuhocken und nicht mehr rechtzeitig aufs klo zu kommen.

dann sitzen wir im unwirtlichen herbstwetter auf dem balkon und schmöken.
"pfffffffffffffff", sagt der luxus-mann. "das schmeckt aber streng!"
ich nicke.
"und es kratzt derbe in der lunge", schnauft der luxus-mann und beginnt dann zu husten.

wir lassen die tüte zwischen und hin- und herwandern und sagen eines weile nix.
ich merke, wie mir schwindelig wird. nicht das entspannte in-watte-gepackt-feeling wie sonst, sondern eher unangenehmes herzklopfen und taumel.
"mein herz schlägt ganz schnell", sagt da der luxus-mann.
"meines auch."
"und im kopf isses komisch."
"angenehm komisch oder eher unangenehm?"
"hm", der luxus-mann zuckt die achseln, "kann ich nicht sagen, irgendwo dazwischen. was meinst du?"
"ziemlich psychoaktiv", murmle ich und habe das gefühl, als könne ich über ein drittes ohr am hinterkopf sehr laut die große straße nebenan hören. ich muss mich auf etwas anderes konzentrieren, um nicht vom verkehrslärm überwältigt zu werden.

"lass uns reingehen, mir ist eiskalt", stupse ich den luxus-mann an.
"mir ist warm."
"mir nicht. komm."
"wollen wir nen film gucken? ich hab noch was von david lynch."
"meinetwegen."

sobald ich unter der warmen kuscheldecke liege, drifte ich weg. der film zieht an mir vorbei. der luxus-mann kneift mich ein paar mal und sagt: "du sollst nicht schlafen! du sollst diesen tollen film mit mir gucken!", aber es ist nichts zu wollen. es ist freitag, kurz nach 22 uhr und ich hab mich in einen schlaffen haufen mensch verwandelt. irgendwann merke ich, wie der luxus-mann fernseher und lichter ausschaltet.

um acht uhr morgens erwache ich wieder und fühle mich sehr ausgeruht. der mann schnarcht entgegen seiner gewohnheit noch neben mir.
ich taste unter der bettdecke nach seiner morgenlatte.
"bist du schon wach?" murmelt der luxus-mann.
"ja."
"du warst so lustig gestern abend."
"warum?"
"ich hab dich gefragt, willst du noch film gucken? und du so total verpennt: hmhmhmhmmmm... dann frag ich: oder soll ich dich noch ficken? und du wieder so: hmhmhmmmmm.... dann frage ich, soll ich dir ins gesicht pieschern, und du wieder so: hmhmhmhmmmm!"
der luxus-mann lacht sich schlapp.
"du bist gemein", sage ich gespielt beleidigt und schnippe gegen die luxus-eier.
"aua."
"ficken oder was?"
"boah, ich bin voll fertig! ich muss weiterschlafen."
"ach komm. er steht doch schon."
"na gut, meinetwegen. bläst du ihn noch n bisschen?"

nach einer kurzen nummer dreht sich der luxus-mann auf die seite und beginnt, wieder zu schnarchen.
ich pieke ihn.
"aua", murmelt er.
"kaffee?"
"mann, was bist du denn heute so wach, schlaf doch noch n bisschen."
"nö. mir is langweilig."
"oh mann", stöhnt der luxus-mann. "du bist so ne anstrengende frau! du tötst mich irgendwann, echt!"
"ich kann ja brötchen holen gehen", schlage ich vor.
das bringt den luxus-mann in die horizontale.
"echt? boah. dass ich das noch mal erlebe! du bist vor mir wach und holst brötchen!"
"ja klar mach ich das, warum denn nicht?!"
"aber was mit körnern."
"damit du gut scheißen kannst?"
"du bist so ordinär, weißt du das?!"
"ja, da stehst du doch drauf."
"stimmt."

"jedenfalls ist das dope nicht arbeitstauglich, glaub ich", sagt der luxus-mann, als wir später am küchentisch sitzen und unsere brötchen mümmeln.
"muss man zumindest erst die richtige dosis rausfinden", sage ich. "dann könnte es ne super einschlafhilfe werden, wenn man mal so gestresst-überdreht ist und nicht abschalten kann."
"ja, vielleicht. obwohl ich schon wieder schlafen könnte."
"ich auch. dann lass uns doch mal ins bett gehen."
"nö, ich treff mich nachher mit kumpels im stadion. pauli spielt."
"axo. dann verpiesel ich mich mal."
"können ja heute abend ausgehen, wenn wir gestern schon nicht mehr geschafft haben."
"ja, aber dann nix kiffen, ok?"
"bin ich blöd?"
"manchmal."
der luxus-mann kneift mich in die nippel.
"aua."
"das haste verdient, du freches weib."
"dann bis später, alter kiffer."
"bis später, schöne."





Sonntag, 10. September 2017

kastration

"früher musste ich immer beim kastrieren der ferkel helfen", erzählt der luxus-mann. "das war so widerlich. schlimme tierquälerei."
"was musstest du denn machen, da rumschnippeln und die eier rausquetschen und abschneiden?" frage ich.
"nee, ich musste die festhalten. die haben natürlich geschrien wie am spieß und sich gewehrt... und dann all das blut..."
"hm, nicht schön."

trotz aller schlechter erlebnisse in seiner kindheit und dem grundlegenden ekel vor allem, was mit spritzen, skalpell und arzt zu tun hat, überlegt der luxus-mann derzeit, ob eine sterilisation nicht doch sinnvoll wäre.
"wenn wir uns mal trennen und ich dann wieder rumpoppe, könnte zumindest nicht einfach irgendeine frau auftauchen und behaupten, sie sei schwanger und bekäme jetzt unterhalt von mir", sagt der luxus-mann.
"zum beispiel", sage ich. "reicht ja, was du bislang abdrückst."

der luxus-mann schaut mich nachdenklich an.
"nur doof wäre, wenn ich die echt liebe und die dann unbedingt ein kind von mir will... und ich kann dann nicht mehr!"
"aber du sagst doch immer, du bist sowieso zu alt und möchtest den ganzen scheiß nicht noch mal von vorne durchmachen."
"das stimmt natürlich. aber wenn ich die wirklich liebe... und die vielleicht auch noch total reich ist... und man sich ein kindermädchen und eine putzfrau und all das leisten könnte..."
"dann wirst du davon trotzdem nicht jünger. und die anderen eltern denken dann, da holt der opa sein enkelkind von der kita ab, wenn du da anschlörrst."
"find ich ja auch nicht gut. aber wenn die frau das unbedingt will..."

"das ist doch quatsch. ich hatte auch mal einen mann, der unbedingt kinder wollte. trotzdem hätte ich keine mit dem bekommen, auch wenn mein leben dann in wohlstand verlaufen wäre. weils einfach nicht gepasst hat. man bekommt doch nicht dem partner zuliebe kinder, die man gar nicht will. genauso wenig, wie man sich für jemanden verschleiert oder sich die titten vergrößern lässt."
"ich kenne frauen, die machen das."
"und findest du die gut?"
"nee. das ist verlogen."
"ich hatte auch mal eine freundin, die hat jemanden wegen seiner kohle geheiratet und ein paar jahre lang ein leben in saus und braus geführt. gelangweilt hat sie sich trotzdem. und dauernd rumgevögelt. bis ihr typ die scheidung eingereicht hat. jetzt lebt sie wieder bei ihrer mutter."

der luxus-mann seufzt.
"jedenfalls hab ich jetzt einen termin bei einem urologen."
ich reiße die augen auf: "echt?"
"ja, da staunst du, was?"
"aber mach das bitte nicht wegen mir! das musst du ganz von dir aus wollen!"
"aber es wäre ja insgesamt betrachtet ganz vernünftig. auch wenn ich das echt gruselig finde!"
"angenehm ist sowas nie."
"das kannst du doch gar nicht beurteilen!"
 "hallo?! ich habe mir letztes jahr in vollnarkose eine kupferkette in die gebärmutter pieken lassen. weißt du noch, wie du meinstest, das mit meinen schmerzen danach könne nicht normal sein?  und  dann habe ich fünf von zwölf monaten durchgeblutet. das war auch nicht schön! und jetzt schmeiß ich hormone ein, werde fett, depressiv, kann thrombosen kriegen und erhöhe mein krebsrisiko. sag mir jetzt nicht, ich könne nicht beurteilen, dass das alles unangenehm sein kann!"
"na gut, aber beschwer dich dann nicht, wenn ich nur noch lethargisch rumhänge."
"warum das denn?"
"als sie unseren hund kastriert haben, hat der auch nur noch gepennt."
"weiß nicht, ob das bei menschen auch so ist. dann würde das doch keiner machen!"
"bestimmt."
"frag das doch mal den arzt!"
"ja, stimmt, das sollte ich ihn mal fragen."

 t.b.c.



Mittwoch, 6. September 2017

fünf jobs in vier tagen

ich bin pr-managerin, head of content, social media managerin und funktionspressesprecherin.
seit gestern bin ich nun auch noch webmaster für typo3 und baue tatsächlich seiten.
kann man ja mal machen.

zwar dauern kleine fusselprojekte jetzt wochen, weil ich immer an irgendeiner anderen baustelle beschäftigt bin. aber ich habe beschlossen, möglichst langsam zu machen, viel zu jaulen, wie schwierig das alles sei und das als basis für die gehaltsverhandlungen zu nutzen.

(hallo arbeitgeber, bock auf ein allround-talent, das nicht mehr so viel bock auf dumpinglohn hat?)

ansonsten nicht viel.
durch den ständigen stress kann ich überhaupt nicht mehr pennen.
mit dem mann streite ich viel. er langweilt sich, ich sehe das ende meiner todos nicht mehr.

gesundheitlich fühle ich mich, als müsse ich bald sterben. anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich, wenn ich gegen 19:30 oder 20:00 uhr endlich mal nachhause komme, im grunde sofort ins bett falle.

dank der hormonellen verhütung habe ich zwei kilo zugenommen und der arsch fühlt sich an, als hinge er in schwabbelwabbelwellen über den hosenbund. tut er zwar nicht, aber ich mag das gefühl eben nicht.

sonntag wird mein glückstag, sagt mein glückskeks, und dass ich etwas blaues tragen soll. wenn der glückskeks will, werde ich gerne komplett blau sein. sicher ist sicher.

Mittwoch, 30. August 2017

spaß mit eltern

zum glück bin ich ja nicht lehrerin geworden. für den mut, das studium dennoch zu ende zu bringen, um dann eine vollkommen andere laufbahn einzuschlagen, klopfe ich mir immer noch auf die schulter. zwar bin ich in meinem job auch nicht hundertprozent happy. aber das liegt daran, dass es ein job ist und dass ich jobs grundsätzlich als lästiges, aber notwendiges übel empfinde. doch hat mein job wenigstens nichts mit eltern zu tun - und das ist mein großes glück.

ich habe immer wieder männer mit kindern kennen gelernt. sofern diese aus gesichterten verhältnissen stammten, legten sie alle dasselbe verhalten an den tag.

1. die totale überwachung
zunächst dabei die kritik an der kindsmutter: die kindsmutter sei hysterisch, ängstlich und bewache das kind zu sehr, sodass es zur unselbstständigkeit neigt und ausgeprägte ängste zeigt. selber bringen die väter aber dann ihre kinder bis an den tisch im klassenzimmer. das kind mal die 100 meter alleine zur schule laufen lassen? nie im leben! todgefährlich! in der hecke lauert jeden tag der böse mann und eine ampel richtig zu interpretieren, kann dem kind auch nicht zugetraut werden. und dann das totschlagargument: die anderen eltern bringen auch ihre kinder zu schule!

2. die dauerbespaßung
hach, so ein kind ist ja so anstrengend! warum kann es sich nicht mal eine halbe stunde allein im kinderzimmer beschäftigen? ständig ist man als vater gefordert, muss kreativ sein und seine eigenen bedürfnisse zurückstellen! macht man das eine sekunde nicht, läuft das kind zu mama und sagt, dass es bei papa total langweilig sei und dass es ständig alleine gelassen werde. hat der luxus-mann papatag, kann ich allerdings weder nachrichten und anrufe erwarten. man(n) muss sich ja in jeder einzelnen sekunde bemühen, mindestens so dauerunterhaltsam wie mama zu sein. wie hoch ist die wahrscheinlichkeit, dass dieses kind lernt, sich mit sich selbst zu beschäftigen?

3. das zuscheißen des kindes mit materiellem mist
im kinderzimmer sieht es wieder aus wie bei hempels unterm sofa, klagt der vater, denn die vielen spielsachen, bücher und klamotten aufzuräumen sei fast unschaffbar. geschenke sind jedoch grundsätzlich ein schwieriges thema, denn das kind hat alles, weiß nie, was es sich wünschen soll - und freut sich auch nicht mehr richtig, wenn es etwas bekommt. aber wehe, es bekommt mal nichts! dann könnte es ja glauben, man habe es nicht so richtig lieb. dass zeit, zuwendung, empathie und das gemeinsam durchstehen der kleinen kindlichen probleme viel mehr zählen, wird total ignoriert.

meine entscheidung, niemals kinder haben zu wollen, steht seitdem ich mitte 20 bin. weil ich kinder nicht mag und eltern noch viel weniger. und zumindest laufe ich dann nicht gefahr, irgendwann dieselben unzulänglichkeiten an den tag zu legen und die welt mit kleinen unreflektierten narzissten zu verseuchen.

Montag, 28. August 2017

der katzenschreck

dass die beiden nachbarsmuschis fremdgehen und sich regelmäßig in die luxus-wohnung schleichen, wissen sie ja bereits.

letzte woche erreicht mich auf arbeit eine nachricht des luxus-mannes:
"bin heute nacht um drei von penetrantem mauzen aufgewacht. katze stand neben meinem bett und wollte raus."

wie es sich herausstellte, hatte es sich katze nummer eins offenbar unbemerkt im kinderzimmer bequem gemacht und den moment verpasst, in dem der luxus-mann schlafen gehen wollte und die balkontür schloss.
 "ich hab das erst gar nicht geschallt", sagt der luxus-mann. "das ging erst so ganz leise mau an... und dann wurde es immer lauter und lauter! bis ich endlich aufgestanden bin und die tür aufgemacht habe. ganz penetrantes gemauze, ich sag dir das!"
"besser penetrantes mauzen als penetrant stinkendes katzenkacki", lache ich. "hätte ja auch passieren können, wenn du sie nicht gehört hättest."
"hör mir auf!"

die schuldige für den nächtlichen zwischenfall ist schnell gefunden:
"du hast die während meines urlaubs damals bestimmt heimlich gefüttert!" behauptet der luxus-mann. "jetzt sind die ermutigt und denken, sie haben hier ihr zweites zuhause."
"so ein quatsch", sage ich. "außerdem, was ich bin ich jetzt schuld, deine nachbarn könnten doch abends auch mal bis zwei zählen, wenn die schon wissen, dass die kittis gern mal rüberluschern."
"hoffentlich passiert das nicht wieder", sorgt sich der luxus-mann.
"du hast sie mit der einsperraktion bestimmt zutiefst geschockt," bin ich mir sicher.

doch ich sollte mich täuschen. denn schon am nächsten tag bekommt der luxus-mann erneut katzenbesuch.
"ich hab nur ein kleines geräusch vernommen", berichtet der luxus-mann. "da war die in der rumpelkammer und saß im regal. ganz oben, ich kann mir gar nicht erklären, wie die da hingekommen ist."
"tja, die sind halt sportlich", grinse ich.
"dich freut das natürlich wieder."
"klar. hab ich einen grund mehr, zu dir zu kommen."
"das habe ich befürchtet", jammert der luxus-mann. "deswegen klatsche ich jetzt künftig in die hände, wenn die auf dem balkon auftauchen. dann verpissen sich die."
"du katzenschreck", erwidere ich empört.
"ich will die aber nicht wieder über nacht beherbergen müssen!"
"dann machst du halt kurz licht und schaust in die zimmer, bevor du die tür zumachst."
 "viel zu umständlich."

"wenn du rumklatschst, dann klatsch ich dich auch", drohe ich. "auf die eier."
"na gut, dann sollen sie halt kommen. aber du sorgst dann dafür, dass die auch wieder abhauen!" verpflichtet mich der luxus-mann.
"das kriegen wir hin", tröste ich ihn. 



Samstag, 26. August 2017

das parteien-traumschiff

überall in der stadt hängen nun wieder unsinnige wahlplakate. die sehen aus, als wären sie alle von der gleichen agentur gemacht: bild, spruch, büschken farbe. wahnsinnig kreativ. und gerne knallig. knallig-blau für die alternativen deppen, knallig-rosa für schwule porschefahrer und andere kapitalisten, knallig-grün für knallfrösche und alle, die grün hinter den ohren sind. so wissen die wähler gleich: hallo, wir sinds, eure parteien mit dem knall! wir tun nix, wir wollen bloß spielen!

bei wahlplakaten zählt das bild, wissen alle, die im marketing arbeiten. daher kann man die sprüche auch einfach den praktikanten anvertrauen, hat sich auch die wahl-agentur bestimmt gedacht. raus kommt dabei sowas: "unser klimaziel: endlich handeln" von den grünen. das ist mein absoluter lieblingsspruch, bei dem ich mich frage: was wird denn da gehandelt? devisen? rohstoffe? oder etwa dope auf der straße? letzteres wäre ja schon fast sympathisch.

in sachen authentischer illustrierung von wahlversprechen hat ganz klar christian lindner die nase vorn. "die sicherheit muss besser organisiert sein als das verbrechen", steht da, und zwar mit düster-grauem fahndungsfoto von lindner daneben. ja, dass so einige politiker verbrecher sind, leuchtet ein. denn für konzerninteressen entwickeln sich fast alle parteien zu willfährigen steigbügelhaltern.hauptsache, der rubel, also die parteispende, rollt. korruption ist in deutschland erlaubt und willkommen. muss man auch keiner steuern für zahlen. btw., die linke ist die einzige partei, die keine solchen "spenden" entgegennimmt, muss man der fairness halber erwähnen.

wahlplakate sind wissenschaflichen studien zufolge übrigens vollkommen irrelevant für die meinung in der bevölkerung. sie überzeugen absolut niemanden von irgendwas. was nicht überrnascht. das ist nämlich in etwa so, wie wenn die öffentlich-rechtlichen durch die ausstrahlung von musikantenstadl und traumschiff ihrem "demokratieauftrag" nachkommen. beides ist grenzlos dumm, unausweichlich-ineffizient und kostet einen haufen schotter. aber es muss halt sein, denn ist es schon seit 50 jahren so: wenn wahlen sind, muss jede erdenkliche fläche mit plakaten zugekleistert werden, ob es nun passend ist oder nicht. strategiefreier verdrängungswettbewerb eben.

sogar an meinem lieblingsplatz im moor prangt derzeit ein wahlplakat der spd. oder halt, prangte. denn ich habe es natürlich umgehend entfernt. dies war vollkommen legal, da es sich schließlich um ein naturschutzgebiet handelt und nicht um eine ideologische müllhalde und der erholungswert des ortes durch das schmierige konterfei eines spd-kandidaten zweifelsfrei stark geschmälert wurde.

ich bin gespannt, wie die wahlen im september ausgehen werden. ich befürchte, es wird eine cdu-afd-koalition geben, die die letzten reste des einstigen sozialstaates endgültig demontieren und dabei willfährig von spd, fdp und grünen unterstützt werden wird.








Montag, 21. August 2017

schleimer und schurken

eine exkollegin hat geheiratet. eine milchfresse, die ihr jeden tag blumen schenkt.
jeden. verfickten. tag.

ich mag blumen, ich habe nichts gegen blumen und ich finde es in ausnahmesituation ja auch sehr nett, welche zu bekommen. passiert das öfter als einmal im jahr, werde ich allerdings misstrauisch und fange an, das schleimig zu finden. denn mal ehrlich: was soll ich mit verfickten scheißblumen, wenn ich dafür auch einen latte macchiato in extra groß mit liebevoll handgeklöppeltem milchschaum oder ein megascharfes mittagsmenü bei meinem lieblingsasiaten haben kann?

trotzdem verfluche ich manchmal den luxus-mann für sein proletenhaftes chauvitum.
blumen und auch sonstige zuwendungen kann man bei ihm knicken.
beim frühstück meckert er über meinen kaffee, lässt mich gönnerhaft sein brot schmieren und danach alleine abspülen und aufräumen.
wenn ich krank bin, lässt er mich alleine und fragt auch nicht nach, ob es mir besser geht.
auch mehr als zehnsekündige ausführungen über mein arbeitsleben werden kommentiert mit "das interessiert mich nicht, das ist total langweilig."

andere frauen würden den luxus-mann als schwer verhaltensgestört einordnen.
aber ich komme klar damit.
finde es sogar oft lustig.

lustig und befreiend. denn ich bin um antworten nicht verlegen und ziehe den luxus-mann seinerseits auf, indem ich mich über seinen superpünktlichen stuhlgang, den allmorgendlichen putzzwang oder seine grenzenlose spinnenangst beömmle. beim joggen treibe ich ihn erbarmungslos die sieben kilometer und motiviere ihn, indem ich sein keuchen und jammern nachäffe und ihm in allen farben schildere, dass ich ihn, wenn er erstmal 100 kilo wiegt, zur fettabsaugung schicke.

manche männer würden mich vermutlich als schwer verhaltensgestört einstufen. jedenfalls kommt nicht jeder mit meinem humor klar.

"hast du das eigentlich mit allen so gemacht", will der luxus-mann wissen.
"ja", sage ich.
"und wie haben die reagiert?"
"nicht immer so gelassen wie du."
"erzähl doch mal!"
"naja, einer meiner exen kam beispielsweise mal zu mir und meinte, er wolle mir was erzählen, aber ich dürfe bitte nicht lachen, es sei ihm etwas unangenehm. ich sagte ganz verständnisvoll, quatsch, sag doch ruhig, warum sollte ich lachen? dann erzählt er mir, er sei beim arzt gewesen und habe sich seine hämorrhoiden veröden lassen. was wohl recht schmerzhaft war. und was mache ich? ich lache. aber so richtig laut!"
"so kenne ich dich. mies und mitleidslos. du würdest sogar lachen, wenn ein kind auf der straße hinfällt und heult."
"mach ich tatsächlich."
 "nichts anderes habe ich erwartet."

weil ich so wenig verwöhnt werde, gibt es jedoch situationen, die mich wahnsinnig flashen. als ich am wochenende ans meer fahre und den luxus-mann am telefon frage, ob er mich am nächsten tag vom bahnhof abholt und er wie zu erwarten "nö, was soll ich denn am scheißbahnhof" antwortet, sage ich scherzhaft betroffen:
"so liebst du mich also!"
"ja klar liebe ich dich", antwortet er da leichthin.
ich sage nichts dazu, nehme das nicht weiter ernst und lege dann schnell auf, weil mein essen kommt.

um zwei uhr nachts plingt mein telefon und ich bekomme die folgende nachricht:
"du hast mich heute so quasi gefragt, ob ich dich liebe, und ich hab ja gesagt. ich hab nachgedacht und gemerkt, das war nicht gelogen. ich habe das gesagt, weil das wirklich so ist."
und weil ich so genau weiß, dass mein mann kein schleimer oder lügner ist, haut diese message rein. aber so richtig. mein herzchen wummert und mir wird ganz warm.

wir lieben anders. bisweilen lieblos sogar. aber für uns ist es einfach perfekt.





Sonntag, 13. August 2017

sweet harmony

nachdem der luxus-mann aus dem patchwork-familien-urlaub zurückgekehrt ist, sind wir inniger denn je..

unfassbar für mich. ein jahr und viereinhalb monate und wir sind wie siamesische zwillinge.
ein teil voneinander, quasi.

"ich kann mich gar nicht erinnern, dass das jemals so gut war mit jemand anderes", sage ich zum luxus-mann.
"vielleicht, weil man sonst auch anders rangegangen ist."
"was meinst du?"
"naja... sonst hat man sich ja kennengelernt, weil man sich verliebt hatte. also so die ganze kiste mit der rosa brille. die versaut es einem ja meist, weil nach ein paar monaten so die realität durchkommt.
"und du meinst, wir hatten erst ganz viel realität und dann kam erst rosarot?"
"so ähnlich."

wie auch immer. wir genießen unser rosarot.


Freitag, 11. August 2017

mr. fettfleck oder warum ich bewerbungsgespräche nicht mehr ernst nehmen kann

auf meine schriftlichen bewerbungen erhalte ich in der regel absagen oder noch öfter: gar keine antwort. nachdem mich das anfangs grämte und ich panisch meine unterlagen mehrfach von headhuntern checken ließ, weil ich den fehler auf meiner seite wähnte, fand ich heraus, dass sich auf die von mir anvisierten posten minimum 100 und maximum bis zu 500 leutchen bewerben, dass die unternehmen aber keine kapazitäten in der hr haben und deswegen nur die obersten 10 bewerbungen auf dem stapel überhaupt anschauen. hinzu kommen unternehmen, die ihre stellen längst intern per vetternwirtschaft vergeben haben und ausschreibungen nur pro forma machen, weil sie es sich nicht mit ihren öffentlichen trägern verscheißen dürfen.

daraufhin sparte ich mir klassische bewerbungen fast vollständig, es sei denn, ich habe einen guten tag, an dem ich die kreative irre raushängen lasse. ansonsten versuche ich es über beziehungen oder hoffe darauf, entdeckt zu werden, was ab und an auch passiert.

eine firma, die mich entdeckt hatte, lud mich zunächst zu einem unverbindlichen kennenlern-telefonat ein. gute idee, fand ich, hatte ich doch keinen bock, nach gütersloh zu reisen, dann wieder mal auf den reisekosten sitzen zu bleiben  und anschließend eine monatelange schlacht mit dem arschlochamt um deren erstattung zu schlagen.

das telefonat war nett und man versprach, sich wieder bei mir zu melden. das passierte nur zwei tage später und man schlug mir ein weiteres telefonat vor, das aber nun jemand anders führen würde.
gesagt, getan.

telefonat zwei war ähnlich angenehm wie telefonat eins, der firma schien klar zu sein, dass es kaum alternative humane ressourcen mit meinen derart ausgefeilten fähigkeiten gab und erklärte sich sogar theoretisch bereit, mir ein recht anständiges gehalt zu zahlen.

nach einer woche erhielt ich einen anruf und die zusage zu einem weiteren telefonat, das nun mit meinen direkten mitarbeitern vor ort in hamburg geführt werden sollte. wieder dauerte das gespräch über eine stunde, gestaltete sich aber recht nett, auch wenn ich es langsam über hatte, immer wieder neuen menschen meine exquisiten fähigkeiten zu schildern und eifrig die werbetrommel für mich zu rühren.

nach drei telefonterminen schließlich wagte das unternehmen, mich auf meine potenziellen künftigen kollegen loszulassen und arrangierte ein persönliches vorstellungsgespräch für mich. in der email mit dem termin fand ich den hinweis, ich möge mich bei ankunft unter der angegebenen handy-nummer kurz melden, da das büro neu, noch nicht ausgeschildert und daher sehr schwierig zu finden sei - und mich daher jemand abholen würde.

10 minuten vor dem anberaumten gespräch rief ich die genannte nummer an. niemand ging ran. ich sprach auf mailbox, dass ich mich in etwa fünf minuten an der genannten adresse einfinden würde und mich freue, wenn mich dort jemand abholte.

5 minuten vor dem gespräch stand ich dann wie bestellt und nicht abgholt im wahrsten wortsinne vor dem riesigen kontorhaus. niemand war gekommen, um mich über die acht stockwerke voller großraumbüros und kreativ-zellen zu meinem arbeitgeber in spe zu führen. also rief ich erneut die nummer an, die ich anrufen sollte. nun war das handy ausgeschaltet.

die letzte minute tickte. was sollte ich tun? zum glück hatte ich noch die nummer aus gütersloh von meinen ersten beiden gesprächen. die rief ich an. eine mir unbekannte mitarbeiterin ging ran, machte dann aber freundlicherweise meine ehemalige hr-tante ausfindig.
"sie wurden nicht abgeholt?" fragte sie mich kühl.
"nein. und ich habe schon zweimal bei herrn b. angerufen, der hat sein handy aus."
"warum sind sie dann nicht schon einfach hochgegangen?"
"weil ich hier vor einem gebäude mit ungefähr 100 büros stehe und der name des unternehmens nicht ausgeschildert ist. außerdem sollte ich abgeholt werden, steht in der e-mail. wenn ich jetzt einfach losrenne, steht herr b. vielleicht in kürze hier unten auf der straße und denkt, ich sei gar nicht erschienen."
die dame erklärte sich daraufhin gnädigerweise bereit, in dem büro anzurufen.

fünf minuten später tauchte eine junge frau auf, die mich - offenbar durch das foto in meiner bewerbung - richtig als frau morphine identifizierte. sie führte mich durch das büro-labyrinth und stellte mich dann in einem etwa 10 qm großen büro ab, in das schreibtische von sieben mitarbeitern gequetscht waren. die luft war zum schneiden.

ein moppeliger kleiner mann mit einem fettfleckigen t-shirt rollte auf mich zu und gab mir die hand. unter seinen fingernägeln waren dicke schwarze ränder. zu meinem entsetzen war dies herr b., mein potenzieller künftiger chef.

"sorry, wenn ich ein bisschen spät bin, ich hatte sie wie gebeten mehrfach angerufen und ihnen auch auf mailbox gesprochen, sie hatten leider das handy aus. eine dame aus ihrer niederlassung in gütersloh musste erst ihre kollegin benachrichtigen, dass ich schon längere zeit warte."
"kann ja mal sein, dass man in einem meeting ist", sagte der kleine fette unfreundlich.

dann saß ich an einem tisch, mit dem ungepflegten herrn b., der jungen frau und einer älteren vertriebsmitarbeiterin. letztere nahm mich zusammen mit herrn b. in ein kreuzverhör, bei dem ich zwar blut und wasser schwitzte, mich aber letztlich als fachlich kompetent beweisen konnte, obwohl mich inzwischen zweifel beschlichen, ob ich wirklich unter dem widerlichen fettsack arbeiten wollte. die beiden frauen waren aber ganz nett, und einen ekel im team gibt es ja immer, sagte ich mir.

nach rund einer stunde schaltete sich noch ein weiterer mitarbeiter per videokonferenz hinzu, um mich in erneutes kreuzverhör zu verstricken. der mitarbeiter saß offenbar im homeoffice, im hintergrund war ein bild mit zwei gören, vermutlich seine kinder. vielleicht ist das ja doch ein cooles unternehmen, dachte ich, da ist einer papi und darf homeoffice machen und auf seine kids aufpassen.
"schön, wenn man bei ihnen bei bedarf auch mal homeoffice machen darf", sagte ich am ende des kreuzverhörs also wohlwollend. "nicht jedes unternehmen bietet so eine familienfreundliche arbeitsatmosphäre."
"naja, ich habe eigentlich urlaub", sagte der mitarbeiter dann. "aber ich musste an dem gespräch teilnehmen und konnte wegen der kinder nicht weg."
ups.

nach anderthalb mäßig gemütlichen stunden und atemnot, weil vier menschen zweieinhalb kubikmeter luft atmen mussten, war ich fertig. die junge frau brachte mich nach draußen.
"ach, michaela, herzlichen glückwunsch", rief jemand auf der treppe der jungen frau zu.
"oh, sie hatten geburtstag", fragte ich sie überrascht.
"ja, heute."
"dann auch von mir herzlichen glückwunsch", sagte ich warmherzig.
"oh, vielen dank... ich hoffe ja, dass ich jetzt endlich nachhause kann", sagte die frau.
"wieso, darf man bei ihnen am geburtstag früher gehen?"
"nein, aber ich habe auch urlaub und musste heute reinkommen."

an diesem punkt war der job für mich gestorben. ein ungepflegtes, unzuverlässiges und herablassendes ekel von chef hätte ich gerade noch verkraftet. aber dass ein unternehmen es für normal befand, ein vorstellungsgespräch anzuberaumen und dafür zwei von vier mitarbeitern aus dem urlaub zurückzupfeifen, erschien mir willkürlich und ausbeuterisch.

dass mich der fette klops nicht einstellen wollte, war keine überraschung. normalerweise machte ich mir nie die mühe, über absagen nachzudenken oder sie zu beantworten. diesmal jedoch schrieb ich zurück, dass auch ich mir unter gar keinen umständen eine anstellung hätte vorstellen können und daher sehr frohgestimmt über die absage sei.

auf ein neues.
weiterhin daumen drücken, bitte.

Mittwoch, 9. August 2017

eier ab

nachdem ich die kupferkette los bin und wieder hormonell verhüte, habe ich stante pede zurück zu meinem alten frauenarzt in der innenstadt gewechselt. er ist russe und ich komme mit seiner nüchternen und engagierten art sehr gut klar.

heute nahm ich allen mut zusammen und fragte nach der möglichkeit der sterilisation.
"hm, für eine frau ist das natürlich..."
"ich weiß, dass ich eigentlich zu jung bin!" falle ich ihm ins wort.
"es ist ja ihr körper und ihre entscheidung", meint er dann überraschend mild.
"aber?"
"es ist ein laparoskopischer eingriff. in vollnarkose. sie müssen sich danach mindestens zwei wochen wirklich schonen."
"zwei wochen geht doch."
"es können bei dem eingriff umliegende organe sehr leicht verletzt werden."
"das habe ich gelesen."
"das kann beispielsweise zu inkontinenz führen."
"das weiß ich, das ist aber auch das einzige, wovor ich angst habe."
"und es ist teuer."
"wie teuer?"
der arzt nennt eine summe. ich hätte mit mehr gerechnet.
"das ist finanzierbar. ich habe gespart."

der arzt lehnt sich in seinem weichen sessel zurück und schaut mich nachdenklich an.
"warum sie? warum nicht ihr partner?"
"sie meinen, warum er sich nicht vasektomieren lässt?"
"genau. das ist so einfach und risikoarm und sogar billig im vergleich."
"er fürchtet um seine männlichkeit und dass er dann keinen mehr hochkriegt."
"aber es ist keine op. der samenleiter wird über den hoden durchtrennt. kein eingriff, keine narben, keine schmerzen, kaum risiken. in den usa ist das eine standard-verhütungsmethode."
"er wehrt sich mit händen und füßen."

der doc seufzt.
"reden sie doch noch mal mit ihm. wenn sie zusammen zu einem urologen gehen, nimmt ihm das bestimmt die angst."
"seine angst ist nicht rational. er glaubt auch, dass spinnen von außerirdischen auf der erde ausgesetzt wurden, um die menschheit zu vernichten", kichere ich.
der doc grinst kurz, wird aber dann gleich wieder ernst:
"aber es muss ihm doch klar sein, was für einer gefahr er sie aussetzt."
"das ist ihm wurscht."
der doc zieht die augenbrauen hoch.
"also ich meinte nicht wurscht im sinne von: die alte kann ruhig draufgehen, sondern eher so, dass er sich damit überhaupt nicht befassen will. alles was mit krankheit und arzt zu tun hat, bereitet ihm übermäßige angst, habe ich den eindruck."
der doc schaut bedeutungsvoll drein.
"ich hatte schon immer eine vorliebe für männer mit neigung zu hypochondertum und panik", sage ich entschuldigend.

"also gut", sagt der doc und holt dann einen gelben überweisungsschein. "ich habe einen kompetenten kollgen in einem hamburger krankenhaus, der kann sie zum thema sterilisation sehr gut beraten. und dann reden sie bitte noch mal mit ihrem partner. vielleicht ist ihm nicht bewusst, dass eine sterilisation ein großer eingriff in den organismus ist."

als ich draußen bin, fühle ich mich maßlos erleichtert. selbst wenn der luxus-mann wahrscheinlich nicht mitziehen wird, scheint hilfe für mich doch in greifbarer nähe.


Freitag, 28. Juli 2017

traumgewaber

wie immer, wenn ich die realität nicht aushalte, kommen die träume. so wunderbar, dass man nicht aufwachen möchte.

letzte nacht war ich am strand in estland, den wir irgendwie eine ganze woche lang übersehen hatten. vor krassen felsformationen erstreckte sich der weißeste, weichste sand, den man sich vorstellen kann, und ein blitzblaues meer. der luxus-mann konnte sich zwar nicht recht dran freuen, weil die börse gerade in den crash ging und meine eine war auf der ständigen suche nach einem klo, das sich mir dann in einer form einer dusche zeigte, denn die esten, erklärte mir eine dame, pinkelten ausschließlich unter der dusche, wie sie mir gleich anschaulich vormachte. sonst aber war es wunderbar.

ich wachte auf, weil mir der luxus-mann ins gesicht schlug.
"aua!" sagte ich.
"deine handy klingelt!" rief er unwirsch. "mach das aus!"
ich lauschte kurz.
"das ist nicht mein handy", sagte ich.
es war das luxus-handy, das aus irgendwelchen gründen um vier uhr nachts den wecker programmiert hatte.

aufgrund des herpes beschränkt sich unser körperkontakt derzeit auf derlei liebevolle aktionen. der luxus-mann hält mich für gemeinhin verseucht.

"du hast mir meinen traum kaputt gemacht", maulte ich.
zur strafe träumte ich dann von einem splitterfasernackten george clooney, der ein pupsendes schwein und einen kleinen elefanten in seinem hotelzimmer hielt. das schwein war trotz seiner verdauungsprobleme ausgesprochen liebenswert und schleckte den kleinen elefanten ständig mit großer hingabe ab. george clooney gab derweil nonchalant in eine seidendecke geschlungen ein interview.



Dienstag, 25. Juli 2017

der job ist ein arschloch

im job stress, der mir nah geht. emotionale, unstrategische und unlogische gf-entscheidungen. ich muss sie ausführen. so viel fremdschämen geht gar nicht.

wie immer will ich weg, muss aber bleiben. jobs fallen nicht vom himmel, auch wenn ich gern hier endlich die segel streichen würde. außerdem muss man aushalten und sich brav selbst ausbeuten, sagen die erfolgreichen anzugwichtel. die müssen es ja wissen.

ich kriege pickel davon, sage ich zum luxus-mann, und tatsächlich habe ich heute herpes. der körper zeigt mir sehr genau, was tragbar ist und was nicht. fickt also die anzugwichtel.

ich spreche mit einer headhunterin, die mir sagt, wie unterbezahlt ich bin. sie soll mir lieber einen job besorgen anstatt mich vollzulullen mit dingen, die mir klar sind, die sich aber nicht ändern werden. nicht in diesem unternehmen, bei dem sich entwicklungschancen nur auf verantwortung und aufgaben beziehen, nicht aber auf entlohnung und ausgleich.

zwei tage nach dem urlaub fühle ich mich, als hätte ich nie urlaub gehabt.
nachts kann ich nicht schlafen, routieren mir doch schier unbewältigbare to-do-massen im kopf.
der herpes blüht und warnt.

der job ist ein arschloch.


Donnerstag, 20. Juli 2017

nordistik für fortgeschrittene

der luxus-mann und ich haben das baltikum erkundet. dabei kam mal wieder unsere sehr unterschiedliche urlaubsaffinität zum tragen.

"du bist total gelangweilt und unglücklich", wirft mir der luxus-mann an den kopf, während wir durch tallinn spazieren. "dir gefällt es hier nicht!"
"hm, doch", sage ich. "aber mir... mir gibt das halt nicht so viel. ob ich jetzt hier oder woanders zwischen touris gequetscht an einem vollkommen überteuerten getränk nippe, ist mir relativ wurscht."
"da fährst du lieber zu deinen eltern!"
"ja. da kann ich ausschlafen und ich-sein... und meine freunde endlich mal wiedersehen und gute gespräche führen. das ist erholung für mich."
"das ist langweilig."
"das ist aber nachhausekommen für mich. fremd bin ich schon in hamburg, dafür muss ich nicht wegfahren und überteuerte mainstream-scheiße abarbeiten.

"wir müssen überlegen, wie wir das in zukunft gestalten", sagt der luxus-mann, als wir wieder in hamburg gelandet sind.
"ich denke, es ist besser, du fährst mit deinen kumpels weg. die haben auch so viel geld wie du, denen macht das nix, ein paar wochen in schicken hotels zu verbringen. schau, ich verdiene so wenig und ich habe so wenig urlaub.... jeder tag, an dem ich einfach nur ausschlafen kann, ist mir gold wert."
"das geht aber nicht, eine partnerschaft ohne gemeinsame urlaube."
"dann musst du dich von mir trennen."

kurzum, urlaub ist beim luxus-mann und mir keine quell der freude, sondern vielmehr ein kontext von unterschiedlichen erwartungen und missverständissen.

"du musst auch sagen, wenn du mal freiräume brauchst", meint der luxus-mann. "das kam ja in wien schon so durch."
"hab ich doch. ich hab dir gesagt, lass mich mal in ruhe zwei stunden auf zimmer chillen und nutze die chance, souvenier-läden abzuklappern, ohne dass ich mit genervter fresse draußen stehe und nachher über deine fragwürdigen errungenschaften lache."
"ich will halt gern, dass du mitkommt und auch was siehst."
"souvenierländen sind das letzte für mich. in jedem gibts den gleichen naiven kitsch für menschen mit zu viel kohle."
"ich mag halt kitsch."
"ich nicht. aber ich gebe dir die chance, ganz entspannt deiner vorliebe nachzugehen. ohne mich. während ich meiner vorliebe im urlaub, nämlich chillen, nachgehe."
"das finde ich nicht gut."
"also doch keine freiräume", spotte ich, und der luxus-mann guckt sauer.

bei der analyse der ursachen unserer unterschiedlichkeit sind wir ebenso weit voneinander entfernt wie bei der problemlösung.
"ich versteh dich ja", sage ich. "im alltag hast du einen job, der dich total unterfordert und der extrem stereotyp ist. klar, dass du irgendwann abenteuer suchst."
"genau. und meine 50 tage urlaub nutze ich dann halt nicht dafür, zuhause rumzugammeln."
"bei mir ist das aber anders. ich habe einen extrem anstrengenden job. ich muss mich ständig fortbilden und technologische neuerungen erfassen. ich reise und muss an kongressen teilehmen. ich mache immer mal wieder überstunden, und ich habe nur das gesetzliche minimum an urlaub. erholung bedeutet für mich daher vor allem nichtstun."
"selber schuld, verhandle halt besser."
"das sagt der, der bloß warten muss, was die gewerkschaft an weiteren annehmlichkeiten für ihn durchboxt!"
"ich verdiene gar nicht viel!"
"du bist hardcore überbezahlt, und wenn ich deine chefin wäre, würde ich dich rauschmeißen, genau wie 25 andere von deiner sorte auch."
"was heißt hier bitte "von deiner sorte"?"
"leute, die auf arbeit tatenlos rumsitzen und ihre zeit mit witzelesen totschlagen."

nach dem urlaub verziehen der luxus-mann und ich uns, um ohne einander unsere wunden zu lecken.
total sinnvoll.
und sehr erholsam.



Montag, 10. Juli 2017

g20

vornweg: ich mache keinen hehl daraus, dass ich in vielerlei hinsicht sozialistisch denke, auch wenn ich nicht auf ganzer linie mit den linken mitgehe. ich würde mich auch in mancherlei hinsicht anarchistisch einordnen, auch wenn ein anderer teil in mir sehr spießig und fast cdu-like ordnungsliebend ist. die popularistischen springer-medien waren nach g20 natürlich sofort am krakeelen, dass die linken bzw. "linksanarchisten" (was definitorisch nicht zusammengeht und einen sematischen synkretismus bedeuten würde, aber solche feinheiten entgehen den systemkonformen axel-springer-blindschleichen ja gerne) die krawalle gutheißen. ich versuche also mal zu differenzieren, auch wenn ich dabei vielleicht einige vemeintliche stereotype erfülle.

also g20.
hallo hamburg, du wunderst dich über die achso schlimmen krawalle und denkst sicherlich, dass ihr ja total ok wart und die aggression nur von der anderen seite kam.
da vergesst ihr spacken aber leider, dass man genehmigte demos nicht einfach abblasen kann, weil versammlungsfreiheit und so zumindest auf dem papier zu den grundrechten zählt.
da vergesst ihr arschlöcher auch, dass man, wenn man gefahrenzonen vom aumaß eines ganzen stadtteils, der auch herzstück ist, errichtet, nicht nur anwohner ausgesprochen unangenehm an eine diktatur erinnert. die tage im stacheldraht und zwischen polizei-armeen waren nicht lustig.
nicht zuletzt vergesst ihr, dass es sich um eine stadt handelt, in der unzählige millionäre und andere geldscheißende spacken ihre residenzen haben, aber auch nur, weil unsereins für hungerlöhne schuftet oder zwei jobs braucht, um über die runden zu kommen. hamburg ist damit eine stadt der extremen sozialen unterschiede, eine stadt, in der der eine auf kosten des anderen lebt.
das alleine sind für mich gründe, um auf die barrikaden zu gehen. oder euch zumindest täglich einen fetten haufen vor euer hässliches, goldglitzerndes rathaus zu scheißen.

gewalttouristen, nunja.
die haben nicht verstanden, dass krawall ein wirkliches ziel haben muss, dass der kapitalismus sich nicht in kleinwagenbesitzern und pupsigen einzelhändlern, die einen nicht zu gewinnenden konkurrenzkampf gegen große konzernketten fighten, manifestiert. warum wirft man fensterscheiben bei unserem kleinen bäcker ein? einem, dem am monatsende ebenso wenig wie anderen arbeitern bleibt, einem, der obdachlosen nach feierabend das restgebäck schenkt? gewalttouristen haben auch keinen schimmer, wie es ist, in dieser stadt zu leben, die einerseits in geradezu perversem ausmaß protzt und anderseits aus reiner habgier soziale mindeststandards missachtet - auf kosten von alten, kindern und kranken.
gewalttouristen haben jedoch eines wirklich gut drauf, und zwar, wie man die polizei tanzen lässt. wir sind hier, ach nein, wir sind da, ach nein, wir sind schon weg. das hat guerilla-grips, und dafür gibt es einen sympathiepunkt. insgesamt also geile performance, aber eben abzüge in der konzept-note.

die liebe pozilei.
ich bin kein fan von uniformierten schlägertrupps. solche haben wir hier zuhauf. ich schätze aber menschen, die für unsere grundrechte einstehen und konflikte schlichten und die schwachen beschützen.
ich habe eine mutter getroffen, die - zusammen mit ihren beiden kleinen töchtern - mit schlagstöcken von der polizei angegriffen wurde. sie wollte nur ihre kinder aus der kita holen, aber das passte den blauen jungs nicht.
bei der polizei gibts gute köpfe und tapfere herzen, aber eben leider auch viele schwachmaten, die spaß am krawall haben und darin den gewalttouris in nichts nachstehen. ich verstehe, dass man mit einem so schwachen image, wie es die polizei als arbeitgeber überwiegend hat, nicht wirklich auswahlmöglichkeiten bei den bewerbern hat. ich verstehe aber nicht, dass man solche leute auf andere leute loslässt.
die "guten" tun mir leid. die stehen zwischen pflichtbewusstsein bei der auftragserfüllung, angst vorm jobverlust, angst vorm druck, den gewaltbereite kollegen und chefs auf sie ausüben - und möchten last but no least einfach nur einen guten job machen. das ist dann eine frage des kollegialen umfelds, der abhängigkeiten und der persönlichen stärke, auf welche seite man fällt. mein opa väterlichseits beispielsweise war ein glühender nazionalsozialist und ausländerhasser, aber als es 1943 darum ging, mit seiner truppe in russland dörfer anzuzünden und frauen zu vergewaltigen, ist er lieber spazieren gegangen. man kann also durchaus seine wege finden und seiner eigenen ethischen stärke folgen. nicht jeder hat aber das rückgrat dazu. dass es welche mit rückgrat gibt, und zwar nicht wenige, zeigt bspw. die arbeitsgemeinschaft "kritische polizisten" im netz.
aus den g20-krawallen habe ich all in all ungefähr genauso viel schönes wie auch horrorstorys über die einsatzkräfte gehört. unter den uniformen stecken menschen, hat die polizei groß geworben. ich sage, ja, mit sicherheit, aber unter den schwarzen masken stecken ebenfalls menschen. das wird natürlich mal wieder vergessen, wenn mainstream-medien wie die mopo die leute in menschen und monster einteilen.

eines wurde überdeutlich: krawallmacher werden das menschenverachtende system, in dem wir leben müssen, nicht verändern können. sie setzen aber ein wichtiges signal, indem sie dem staat zeigen, dass es nichts zu lachen gibt, wenn der sturm erstmal losbricht. liebe politiker, die ihr nun nach diesem wochenende sicherlich gedankenlos zu eurem daily business übergeht und einen haken unter dieses wochenende setzt: be afraid. und natürlich kann geschossen werden. eines tages, wenn ihr auch in zukunft wieder zu den lasten der vielen den privilegierten den arsch pudert. wenn ihr weiterhin unsere grund- und menschenrechte aushebelt - auch im geheimen, wie es euch feiglingen so beliebt, weil ihr dann nicht mal mit leiser kritik rechnen müsst.

natürlich kann man an dieser stelle totschlagargumentmäßig drauf hinweisen, dass es in anderen ländern alles viel schlimmer ist. terror, todesstrafe, folter. aber kann man jemandem, der ein bein verlieren wird, ernsthaft damit trösten, dass andere ganz ohne beine im rollstuhl sitzen? ich glaube nicht.