Freitag, 25. Dezember 2020

unheiliger abend

sex, drugs & heavy metal. 

so statt christbaum, krippe, kinderlein.

kann man aushalten. sehr gut sogar.




Donnerstag, 24. Dezember 2020

happy fucking christmas

ihr schnuppsis! habt es schön heute und die nächsten beiden tage. 

nicht so viel corona und pseudoharmonie inhalieren, sondern lieber intelligenzpartikel und sexualpheromone.

falls euch schwiegermama zu viel weihnachtsbraten aufzwingen will, denkt dran: die dummheit frisst, die intelligenz säuft.

ansonsten hab ich noch ein sehr nices weihnachtslied für euch. enjoy!


Dienstag, 22. Dezember 2020

halbamok

als ich bei der klinik um die ecke gehe, steht da das objekt und unterhält sich mit ein paar kollegen. es registriert mich, schaut auf und lächelt. dann kommt es auf mich zu, um mich zu umarmen und zu begrüßen.

aufgewacht.

die objekt-präsenz ist derzeit mal wieder ungeheuer, und ich frage mich, ob es davon kommt, dass ich ihm ein sehr erinnerungsgeladenes weihnachtspäckchen geschickt habe, oder eher davon, dass es tatsächlich von sich aus an mich denkt oder von mir träumt. man weiß ja nicht, was in diesem schwer geschädigtem gehirn noch so abgeht. aber ich kann das objekt spüren, wie auch immer, genau so wie es früher war.

fast unerträglich ist der gedanke, übermorgen weihnachten zu feiern. an heilig abend steht ein familientreffen mit den luxus-kindern an, tagsdrauf zweisame luxus-weihnachtsfeierei inklusive nervige kocherei, und am zweiten feiertag großes gänsebraten-essen bei den luxus-eltern. 

an zwei von drei tagen treffen wir dabei mit 6-10 menschen aus 5 haushalten zusammen, was überhaupt nicht in meine persönliche corona-protection-strategy passt. in meine depressions-stragie schon dreimal nicht, denn die sieht überhaupt keine anderen menschen vor.

aus grundanspannung und weihnachtsfrust braut sich derweil ein hochexplosives gemisch zusammen. es entlädt sich in einem mega-streit mit dem luxus-mann. der luxus-mann faselt dabei wie immer aufgebracht vom schlussmachen. der erwünschte effekt - umgehende reue meinerseits - bleibt allerdings aus, weil ich das alles längst nicht mehr ernstnehmen kann. emotionale erpressung prallt inzwischen einfach an mir ab.

stattdessen das simple gefühl der erleichterung, weil die weihnachtskacke damit ja vom tisch wäre. indes überlegt der kopf, ob ich es schaffe, noch vor silvester den mietvertrag zu kündigen und mir bis anfang april in einer anderen stadt eine wohnung zu organisieren. damit wäre auch hh endlich vergangenheit.

weil die emotionale erpressung nicht aufgeht, drängt der luxus-mann tagsdrauf auf versöhnung. das macht er wie immer so charmant und konstruktiv, dass ich einknicke. doch ich merke: etwas in mir hat sich mittlerweile sprungbereit gemacht und hofft, künftig einmal nicht ganz so hart zu fallen.

am ehesten lässt sich die welt derzeit mit drogen ertragen. ich schenke mir zu weihnachten eine neue sorte gras, die mich derart knockoutet, dass ich fast vom rad kippe. 

ich bin und bleibe eine unschöne form von lebensmüde. halblebensmüde, im permanenten halbamoklauf.

Dienstag, 8. Dezember 2020

morrison

stimmung und wetter sind gleichermaßen grau und nur knapp über dem gefrierpunkt. die schwarze welle ist unmittelbar hinter mir, und wenn ich den kopf wende, kann ich ihre bittere gischt schmecken.

ich lebe also mit blick stur nach vorne, ferngesteuert von einer großen dosis medikamente. ich habe den kopf tief zwischen die schultern gezogen und bekomme davon verspannungen.

doch am wochenende erhalte ich unerwartete unterstützung. unerwartet, weil vom luxus-mann, der sonst mit meinen psychischen ausnahmezuständen wenig anfangen kann.

beim gemeinsamen netflixen stolpern wir über den alten oliver stone-film "the doors".

"oh geil", ruft der luxus-mann. "da hätt ich ja noch mal so richtig bock drauf."
"du sagst doch immer, du guckst filme nicht zweimal."
"den würde ich trotzdem gern nochmal sehen. weißt du, ich hab den damals im kino geschaut, und zwar mit der schwester von b. die war total spießig drauf. also hab ich für den abend statt meiner punkerkluft mal ein seriöses t-shirt ohne aufdrucke und normale jeans angezogen. ich dachte, vielleicht kann ich die nach dem kino noch poppen."
"und ist die strategie aufgegangen?"
"nee. ich saß da im sessel mit meinen spießerklamotten neben dieser spießertusse und fühlte mich die ganze zeit total unwohl. und das bei so einem film, wo es um kunst und freisein und drogen und party geht! das hat mich total deprimiert."
"ich hab den film zwar auch schon gesehen, aber ich würde ihn auch noch mal angucken."

gesagt, getan. wir liegen im bett und wollen gerade auf "start" klicken, als der luxus-mann fragt, ob ich nicht kiffen möchte.
"nee", sage ich. "viel zu kalt auf deinem balkon. außerdem verpass ich dann zu viel vom film."
"dann bleib doch hier. wir rauchen zusammen einen, hier im bett."

mir klappt die kinnlade runter.
"aber du bist doch total gegen rauchen in der wohnung."
"dann machen wir heute mal eine ausnahme. so für jim morrison und für dich, weil du ja so deprimiert bist."

das finde ich so klasse, dass ich freiwillig aufstehe und uns einen schönen dicken joint drehe. (das objekt wäre stolz auf mich.)
"ich will aber rotwein dazu", sage ich dann.
der luxus-mann schaut skeptisch.
"geht das denn? du nimmst so viel tabletten, und dann kiffen UND auch noch wein?"
"ey! jim morrison hat 3 flaschen scotch am tag geschafft und hat sich dann noch h reingezogen."
"deswegen isser ja auch tot."

trotzdem bekomme ich meinen willen.
"nich die asche ins bett krümeln, ja?" ermahnt mich der luxus-mann noch, bevor ihm die glut ins seidenkissen fällt und ein brandloch hinterlässt.
doch da können wir schon nur noch gläsern kichern.

der film selbst begeistert uns unerwartet wenig.
"damals fand ich den typ supercool, aber wenn ich mir das heute anschaue, muss ich ehrlich sagen, der wär mir total auf den wecker gefallen", sagt der luxus-mann.
"das ist ja auch hier recht überzeichnet dargestellt", sage ich. "ich glaub nicht, dass er immer so komisch gehaucht diesen lyrischen blubb von sich gegeben hat. das ist halt so ein klischee, das der regisseur wahrscheinlich unbedingt erfüllen wollte."
"trotzdem, ich muss sagen, mich hat der film jetzt irgendwie... geradezu enttäuscht. ich glaube, ich bin inzwischen tatsächlich so spießig wie ich mich damals angezogen habe, um der ische zu gefallen."
"du bist halt alt."
"danke, frau. das ist alles, was ich hören wollte."
 
und während der mann noch ein wenig sport1 guckt, habe ich mich schon zusammengekringelt  wie ein kleinkind und schlafe auf dem luxus-bauch ein.

als ich 11 stunden später die küche betrete, wo der mann frühstück gemacht hat, leuchtet mir ein adventskalender entgegen. 
"für miiiich?" quieke ich entzückt.
"klar. du willst doch jedes jahr so ein ding."
 "cool. danke. ich umarme dich jetzt aber nicht, weil ich mich ja bedanken und dich nicht quälen will."
 
der luxus-mann grinst:
"ich glaube, meiner frau gehts tatsächlich besser, die ist schon wieder frech."