noch just bevor ich irgendwelche besuchskater- und sofa-sicherungspläne wälzen konnte, hatten meine langjährigen katzensitting-kunden einen akuten verreise- und betreuungswunsch. statt meine couch christo-und-jean-claude-mäßig in decken zu verhüllen, packte ich meine sieben sachen und zog für zehn tage um.
auch wenn ich hier keine katzenherzen mehr erobern muss - die drei damen sind mir seit sechs jahren bestens vertraut und lieben mich abgöttisch - ist es immer wieder herzzerreißend schön, unfassbar unterhaltsam und dabei absolut tiefenentspannend.
morgens werde ich geweckt, weil mindestens eine sich irgendwann sanft auf meine brust setzt und mich wachschnurrt. der platz auf mir ist bisweilen auch mal umkämpft - nicht jede teilt ihn beliebig.
dann ist arbeit angesagt und mein kopf schaltet nur unwillig von flausch auf werbekacke um. wenn ich im größten stress stecke (stets hausgemachter art - die arbeitsmengen wären theoretisch zu bewältigen, aber aufgrund strukturellen wahnsinns sind permanente umwege und multitasking nötig, zumeist auch höhere improvisationskunst, weil grundlagen und fundamentales nie "prio" haben und deshalb immer fehlen), genügt ein blick auf die friedlich schlummernden oder gemütlich blinzelnden fellknäule, um den puls wieder auf ein gesundes maß abzusenken.
wie man auf die idee kommt, sich drei katzen anzuschaffen, habe ich mich und irgendwann auch die besitzer gefragt. mir wäre das doch eine zu viel. weil man ja auch nur zwei streichelhände hat.
wie oft steckt familiendynamik dahinter: ursprünglich waren es nur zwei, aber eines tages schleppte die jüngste tochter ein kitten an, das einzog und blieb. drei kinder, drei katzen, das war dann letztlich auch eine stimmige sache.
nicht nur im entspannten, zugewandten wesen der katzen, sondern auch in der gesamten wohnung spürt man die liebevolle, ruhige und besondere atmosphäre, die in dieser familie herrscht.
obwohl die familie sehr wohlhabend ist, gibt es in dieser wohnung keine designer-möbel, keine protzige rolex-sammlung im regal, keine playstation und keine teure sound-anlage. dafür gläserweise pinsel, farben und bastelkram sowie unmengen von alten büchern. alle wände und regale sind mit bildern nahezu plakatiert - familienfotos (fotos, auf denen sich unverkrampft umarmt wird!), aber auch kunst und selbstgemachtes in teils wilden kombinationen, die man nur verstehen kann, wenn man hier aufgewachsen ist und die bedeutung der einzelnen momente kennt.
die tatsache, dass all diese momente in derart emotionaler kohärenz aufgestellt und aufgehängt sind, macht das innehalten und die wertschätzung sichtbar, zeigt die liebe, die hier spürbar aus jedem winkel und jeder ritze dringt. etwas in mir ist tief davon berührt.
die kinder sind groß und studieren, jedes in einer anderen stadt, allerdings nicht bwl oder irgendetwas, was sie zu nützlichen robotern der gesellschaft macht, sondern kunst und film. eltern, die ihren kinder mut machen (nicht ohne eigene ängste und zweifel, wie ich weiß), sich künstlerisch-gestalterisch statt karriereorientiert zu entfalten - das ist ein zutrauen, das ich selbst nie erlebt habe. in meinen mir strikt vorgebenenen formen und mustern bin ich klein geblieben, voller angst vor dem scheitern, viel zu kompromissbereit - und allenfalls mit einer ahnung davon, was wirklich in mir stecken könnte.
und bevor sie mich jetzt fragen, ob all das nicht vielleicht einen kinderwunsch in mir auslöst: den einzigen wunsch, den ich hier spontan entwickle, ist einzuziehen und mich adoptieren zu lassen.