Samstag, 21. März 2026

die zapfsäulen-dompteure

der irankrieg zeigt klar auf, wie totally am arsch wir mit fossilen energien sind. die inflation droht heftig anzusteigen, wenn die blockade länger andauern sollte - mit den bekannten auswirkungen auf den alltag eines jeden von uns.

doch das einzige thema in der presse sind die spritpreise. geheult wird darüber am allerliebsten, während man 20 minuten mit laufendem motor vorm aldi parkt, weil mutti kurz einkaufen will.

ihr habt doch alle die gepuderten ärsche kanalisationsrohrweit offen.

in rheinland-pfalz wird das thema indes populistisch für den wahlkampf ausgeschlachtet: wer kriegt die autofahrer als wähler, cdu oder spd? alexander schweitzer ist in der aufholjagd, holt das popcorn raus!

ja, ich weiß, jetzt seid ihr wieder beleidigt, weil ich so unsensibel bin und nicht an den "kleinen mann" vom dorf denke, der ja nur kurz zu seiner schicht antreten will und dafür dringend das auto braucht. 

aber auch dem kleinen mann nutzt günstiger sprit alleine gar nichts. der braucht viel weitreichendere sicherheiten: eine stabile miete, günstige und gesunde lebensmittel, ein bezahlbares sozialsystem, einen sicheren arbeitsplatz. die spritpreis-nummer ist in diesem kontext doch nur populistisch aufgebauschtes arschgekrieche: wir kümmern uns, light-version!

während sich leise zuspitzende katastrophen im hintergrund brennen und nach echten reformen schreien. aber da kann man als politiker leider so rein gar nix machen. 

lieber noch schnell ein wurst-foto für twitter, und dann ein beischläfchen mit der gas-industrie. 

gute nacht, deutschland. 

p.s. er hat es wenigstens hinter sich.

Mittwoch, 25. Februar 2026

liebe hoch 3

noch just bevor ich irgendwelche besuchskater- und sofa-sicherungspläne wälzen konnte, hatten meine langjährigen katzensitting-kunden einen akuten verreise- und betreuungswunsch. statt meine couch christo-und-jean-claude-mäßig in decken zu verhüllen, packte ich meine sieben sachen und zog für zehn tage um.

auch wenn ich hier keine katzenherzen mehr erobern muss - die drei damen sind mir seit sechs jahren bestens vertraut und lieben mich abgöttisch - ist es immer wieder herzzerreißend schön, unfassbar unterhaltsam und dabei absolut tiefenentspannend.

morgens werde ich geweckt, weil mindestens eine sich irgendwann sanft auf meine brust setzt und mich wachschnurrt. der platz auf mir ist bisweilen auch mal umkämpft - nicht jede teilt ihn beliebig.  

dann ist arbeit angesagt und mein kopf schaltet nur unwillig von flausch auf werbekacke um. wenn ich im größten stress stecke (stets hausgemachter art - die arbeitsmengen wären theoretisch zu bewältigen, aber aufgrund strukturellen wahnsinns sind permanente umwege und multitasking nötig, zumeist auch höhere improvisationskunst, weil grundlagen und fundamentales nie "prio" haben und deshalb immer fehlen), genügt ein blick auf die friedlich schlummernden oder gemütlich blinzelnden fellknäule, um den puls wieder auf ein gesundes maß abzusenken. 

wie man auf die idee kommt, sich drei katzen anzuschaffen, habe ich mich und irgendwann auch die besitzer gefragt. mir wäre das doch eine zu viel. weil man ja auch nur zwei streichelhände hat. 

wie oft steckt familiendynamik dahinter: ursprünglich waren es nur zwei, aber eines tages schleppte die jüngste tochter ein kitten an, das einzog und blieb. drei kinder, drei katzen, das war dann letztlich auch eine stimmige sache.

nicht nur im entspannten, zugewandten wesen der katzen, sondern auch in der gesamten wohnung spürt man die liebevolle, ruhige und besondere atmosphäre, die in dieser familie herrscht. 

obwohl die familie sehr wohlhabend ist, gibt es in dieser wohnung keine designer-möbel, keine protzige rolex-sammlung im regal, keine playstation und keine teure sound-anlage. dafür gläserweise pinsel, farben und bastelkram sowie unmengen von alten büchern. alle wände und regale sind mit bildern nahezu plakatiert - familienfotos (fotos, auf denen sich unverkrampft umarmt wird!), aber auch kunst und selbstgemachtes in teils wilden kombinationen, die man nur verstehen kann, wenn man hier aufgewachsen ist und die bedeutung der einzelnen momente kennt. 

die tatsache, dass all diese momente in derart emotionaler kohärenz aufgestellt und aufgehängt sind, macht das innehalten und die wertschätzung sichtbar, zeigt die liebe, die hier spürbar aus jedem winkel und jeder ritze dringt. etwas in mir ist tief davon berührt. 

die kinder sind groß und studieren, jedes in einer anderen stadt, allerdings nicht bwl oder irgendetwas, was sie zu nützlichen robotern der gesellschaft macht, sondern kunst und film. eltern, die ihren kinder mut machen (nicht ohne eigene ängste und zweifel, wie ich weiß), sich künstlerisch-gestalterisch statt karriereorientiert zu entfalten - das ist ein zutrauen, das ich selbst nie erlebt habe. in meinen mir strikt vorgebenenen formen und mustern bin ich klein geblieben, voller angst vor dem scheitern, viel zu kompromissbereit - und allenfalls mit einer ahnung davon, was wirklich in mir stecken könnte.

und bevor sie mich jetzt fragen, ob all das nicht vielleicht einen kinderwunsch in mir auslöst: den einzigen wunsch, den ich hier spontan entwickle, ist einzuziehen und mich adoptieren zu lassen. 

Montag, 16. Februar 2026

fuck the fleuroptag

dem fleuroptag zu entrinnen ist schwierig. es ist wie weihnachten und ostern zusammen - inflationärer nippes und fressalien zum angeblichen schnäppchenpreis. eine endlose wiederholung der wiederholung, nur in herz- statt weihnachtsmann- oder hasenform.

"wann ist denn eigentlich valentinstag", fragt der luxus-mann, als wir an der supermarkt-kasse stehen.

"heute", antworte ich.

"ach. aber wir schenken uns doch nichts, oder?"

"nicht, dass ich irgendwas erwartet hätte. nicht, dass ich irgendwas für dich hätte", sage ich bärbeißig.

der mann guckt vorsichtig und weiß: ich bin pissig wie zehn mann, nicht so sehr wegen fleurop oder nicht-fleurop, sondern weil ich urschlecht geschlafen und pms habe. und weil ich gerade gerne allein wäre. weil mir das ganze stino-pärchen-samstagsgedöns auf den wecker fällt, heute noch viel mehr als sonst.

während der mann beständig wissen will, was wir tolles, extravagantes zum zehnjährigen machen könnten und ob wir nicht vielleicht doch endlich zusammenziehen, überlege ich schon seit dem herbst, ob ich das alles so noch halten kann. 

"ich hatte mir ja versprochen, als rentnerin zurück nach n zu gehen und das haus meiner eltern zu bewohnen", sage ich zu meiner psychiaterin beim quartalsweisen check-up-termin. "aber irgendwas in mir hat das vorterminiert, ist mein eindruck. irgendwas in mir will einfach nicht noch 23 jahre in einer suboptimalen situation verharren, die ich nur mit psychiatrischer hilfe bewältigen kann."

und während der mann vorschläge für kurztrips und feiermöglichkeiten macht, freue ich mich wie ein kind aufs nächste katzensitting bei meiner lieblingskatzen-family. 10 tage flausch und ruhe in einer doppelgeschossigen eigentumswohnung mit garten statt schizo-randale im irrenhaus. das ist der beste urlaub, den ich mir vorstellen kann.

vielleicht komme ich dabei auch mit meiner entscheidung weiter. 

Dienstag, 10. Februar 2026

party for elderly people

am vergangenen samstag ließ ich zipperlein und spießertum endlich wieder einmal hinter mir und stürzte mich zusammen mit zwei luxus-kumpels ins nachtleben. anlass war das konzert von psyche, auf das ich mich schon ein ganzes weilchen gefreut hatte. 

am veranstaltungsort angekommen rannte ich erst mal meinem langjährigen stalker in die arme. der blieb jedoch ganz geschmeidig - vermutlich wegen der runzligen, rothaarigen vogelscheuche an seiner seite, die sämtliche andere frauen bissgurkig beäugte. darüber hinaus fühlte ich mich auch durch die anwesenheit der luxus-kumpels recht gut geschützt, denen der zuhause weilende mann befohlen hatte, jedem in die fresse zu hauen, der mir zu nahe kam.

als vorband spielten sea of sin, eine mir bis dato gänzlich unbekannte band. es war ein recht passionierter akt, allerdings stark beeinträchtigt durch die erkältungs- und aufregungsbedingten stimmprobleme des sängers. was an stimme fehlte, machte er durch klatsch-einsatz wett - und natürlich war gewünscht, dass das publikum hier frohgemut mit einstimmte.

solche begeisterungsbekundungsaufforderungen führen bei mir grundsätzlich zu sofortigem begeisterungsabfall und zu totaler beifallsverweigerung. wir waren ja schließlich nicht auf dem ballermann. also stand ich da, verkreuzt und verkrampft, und kämpfte mit hartnäckigen anfällen von gänsehaut, wenn die stimme mal wieder um eine terz entgleiste.

den luxus-kumpels ging es ähnlich wie mir, denn auch ihnen war das mutantenstadl-artige gepatsche zuwider.
"ich hoffe, wir müssen jetzt nicht gleich noch layla singen" sagte der eine. 
entsprechend waren wir alle recht froh, als das vorspiel zu ende ging und sich die gelegenheit ergab, die getränkevorräte aufzufüllen. 

eine gute stunde später folgte dann der hauptact - und ich war sehr gespannt. ich hatte psyche zuletzt vor 18 jahren live erlebt. damals saß darrin zeitweise mit acoustic-gitarre auf einen barhocker und schuf eine heimelige unplugged-atmosphäre. zwischendurch erzählte er von seinen früheren erfahrungen in deutschland und den "german people", die gerne "sad" guckten und bevorzugt und passenderweise "blue" trugen.  

diesmal gab es beats satt - und darrin tanzte und ruderte mit allem, was er hatte - auch winkearme, wie ich mit meinem langjährig durch die plastische chirurgie geschulten auge feststellte. er bewies zudem, dass die männliche stimme im fortgeschrittenen alter weder auf piepsig-heiseres blecheimer-format schrumpfen noch an ausdauer verlieren muss - wie man es sonst häufig von gewissen seniorigen organen kennt.

einzig nachteilig war die m.e. mangelhafte steuerung der höhen durch die tontechnik: im fortissimo kippte es bisweilen ins unangenehme. ich ahnte, dass mir der abend hartnäckigen tinnitus bis mindestens übermorgen bescheren würde.

am ende des konzerts hatten sich noch weitere luxus-freunde und -bekannte um uns geschert. man fragte mich mehrfach, wo denn der stubenhocker-mann abgeblieben sei und brachte ideen zur fortsetzung des noch jungen abends ein. 

wir watschelten daraufhin noch in eine bar, aber allzu lange ging es dann nicht mehr. wenige biere und shots später trennten wir uns - die alten knochen machen langes stehen für die meisten von uns leider zur qual. (ja, da waren sie wieder, die zipperlein!)

ich beschloss, noch einen mp3-begleiteten spaziergang durch die nacht zu unternehmen und schlug erst wieder gegen zwei uhr morgens in luxus-hausen auf. der mann hatte zwischenzeitlich "alien romulus" geschaut, den er so unterirdisch fand, dass der plot subito seiner ausgeprägten demenz anheimgefallen war. 

so setzten wir uns noch ein weilchen auf die couch, nahmen einen letzten drink, legten platten auf und redeten, bis wir uns final bettreif fühlten.

am sonntagabend hatte ich erstmals seit langem wieder das gefühl, ein "richtiges" wochenende gehabt zu haben. das führte sogar dazu, dass ich recht gut gelaunt in den montag startete. 

wohl dosiert sollte man ausgehgewohnheiten also durchaus auch im alter beibehalten - und sich nicht komplett der spießigkeit und langeweile hingeben.