Donnerstag, 26. März 2026

lieb sein! warum unser feminismus ein witz ist

aktuell sorgt der fall collien fernandes für einen großen medialen aufschrei: deep fake-pornos von der eigenen frau verbreiten? schlimm, ganz schlimm, finden auch viele männer - vor allem in der öffentlichkeit. 

hinter vorgehaltener hand oder wenn frau den raum verlässt, hört sich der konsens meiner erfahrung nach allerdings ganz anders an: 

wieso, ist doch ne geile schnitte. muss sich doch nicht verstecken! was stellt die sich an, wahrscheinlich einfach verklemmt. und überhaupt, das war doch ein kompliment! mit einer richtig schäbbigen alten hätte man(n) das schließlich gar nicht erst gemacht. dafür muss man den guten ulmen jetzt nicht so fertigmachen, der hatte bestimmt seine gründe! diese collien kann garantiert auch ne richtige bitch sein, das seh ich der doch schon im gesicht an! 

tatsache ist, dass laut google-daten die anfragen nach deep fake pornos von collien fernandes  in den letzten tagen enorm in die höhe geschossen sind. das zeigt: zumindest ein nicht ganz kleiner teil der männer findet das also überhaupt nicht schlimm, sondern richtig geil. 

das passt wie die faust aufs auge dazu, wie viele männer - wohlgemerkt nicht alle, ich pauschalisiere das nicht, es gibt auch ein paar echte helden, die super solidarisch mit frauen sind - hierzulande feminismus betrachten: dass eine frau vor allem zunächst dieselben pflichten hat wie ein mann, bevor man(n) bereit ist, mit ihr über irgendwelche rechte zu diskutieren. die frau soll erst mal bitteschön ein gutes einkommen mit nachhause bringen, gefälligst ihr eigenes auto benutzen (ein angemessenes frauen-autochen in pastellfarbe natürlich, kein ps-bolide) und die getränkekisten mal schön selber in den keller schleppen. 

und dann sieht man(n) schon gleich, hoho, dass sich frauen ja ständig drücken - spätestens bei den schweren getränkekisten. da kriegt sie dann eklige schweißflecken und jammert hinterher rum, dass ihr die arme wehtun!

feminismus in deutschland ist also immer noch eine äußerst peinliche angelegenheit und beschränkt sich mehr oder minder auf eine art arbeitserlaubnis für frauen. aber auch das nicht so richtig, sondern eher so mit augenzwinkern, denn: man(n) weiß ja, dass die frau das alles eigentlich gar nicht so gut kann wie ein mann! man(n) schaut sich das also generös an, betreibt ein wenig mansplaining - und tätschelt der frau später beim blowjob den kopf. gut gemacht, schatzilein, lieb bist du.

kochen, putzen oder kinder großziehen bleiben derweil überwiegend frauensache, wie statistiken zeigen. weil: kinder brauchen schließlich ihre mutter! der mann kann auch leider nicht so gut gemüse schnippeln - er ist genetisch auf fleisch ausgerichtet und steht höchstens mal im sommer am grill. er sieht auch leider einfach nicht, wenn der staub im regal liegt, weil er eine angeborene staubblindheit hat. entsprechende aufgaben kann die frau entschieden besser erledigen, denn diese kompetenzen sind ihr schlichtweg angeboren. also sei so lieb und stell dich nicht so an - das bisschen haushalt, und die kinder hast ja eigentlich vor allem du gewollt!

lieb sein ziemt sich als frau ebenso im job. den chef ein bisschen anhimmeln, das macht sich gut. fleißig und redlich sein, aber niemals zu kompetent. hübsch dankbar, aber nicht unsichtbar. gerne regelmäßig ankommen und sich ein anerkennendes kopftätscheln abholen. aber bitte nicht zu viel wollen, vor allem keine beförderungen und oder größere gehaltserhöhungen.

den allerschlimmsten verrat am feminismus betreiben aber nicht männer - sondern misogyne frauen. egal ob im job oder beim paarungsverhalten: viel zu viele frauen betrachten ihre geschlechtsgenossinnen als brutale konkurrenz, die es aus dem weg zu räumen gilt. vor allem dort, wo die luft dünner wird, muss man sich als frau vor solchen frauen dringend in acht nehmen. 

wo der mann offenherzig sexistisch und klischeehaft agiert, sind misogyne frauen zunächst vordergründig freundlich und unterstützend, ja, manchmal sogar ermutigend und scheinsolidarisch: wir frauen müssen doch zusammenhalten! sie loben andere frauen auch gerne: ach, was hast du das gut gemacht! wie hübsch du aussiehst, und wie toll diese bluse dir doch steht.

im hintergrund läuft derweil das rufmord-programm: hast du diese bluse gesehen, unmöglich, wie fett die darin aussieht! und guck dir dieses protokoll an, da fehlt ja wohl die hälfte. komplett inkompetent ist die! 

nun könnte man fragen: vielleicht ist es dann ja ganz gut, dass die meisten frauen keine chefposten innehalten? doch misogyne frauen, die dich aus dem weg räumen wollen, solidarisieren sind im entscheidenden moment mit den männern: guck mal, hier, da ist ein fehler in der bilanz, mit der kann ich nicht zusammenarbeiten. das muss konsequenzen haben!

wie auch männer ziehen misogyne frauen eher unscheinbare, brave, liebe geschlechtsgenossinnen vor. frauen, die am besten ein bisschen weniger hübsch, ein bisschen weniger jung und ein bisschen weniger kompetent sind, und die gerne auch ein bisschen mehr pech mit männern haben. eine selbstbewusste, kompetente und am ende vielleicht sogar noch erfolgreiche frau gilt unter misogynen frauen genauso schnell als bitch wie unter männern.

lieb sein ist demnach auch unter misogynen frauen die wichtigste aller survival-maßnahmen. und solange dem so ist - solange nicht nur männer, sondern auch frauen andere frauen sexistisch und herabwürdigend behandeln und die mechanismen der patriarchalisch strukturierten welt nicht nur bejahen, sondern bewusst für ihre zwecke instrumentalisieren - können wir den feminismus prinzipiell begraben. 

Samstag, 21. März 2026

die zapfsäulen-dompteure

der irankrieg zeigt klar auf, wie totally am arsch wir mit fossilen energien sind. die inflation droht heftig anzusteigen, wenn die blockade länger andauern sollte - mit den bekannten auswirkungen auf den alltag eines jeden von uns.

doch das einzige thema in der presse sind die spritpreise. geheult wird darüber am allerliebsten, während man 20 minuten mit laufendem motor vorm aldi parkt, weil mutti kurz einkaufen will.

ihr habt doch alle die gepuderten ärsche kanalisationsrohrweit offen.

in rheinland-pfalz wird das thema indes populistisch für den wahlkampf ausgeschlachtet: wer kriegt die autofahrer als wähler, cdu oder spd? alexander schweitzer ist in der aufholjagd, holt das popcorn raus!

ja, ich weiß, jetzt seid ihr wieder beleidigt, weil ich so unsensibel bin und nicht an den "kleinen mann" vom dorf denke, der ja nur kurz zu seiner schicht antreten will und dafür dringend das auto braucht. 

aber auch dem kleinen mann nutzt günstiger sprit alleine gar nichts. der braucht viel weitreichendere sicherheiten: eine stabile miete, günstige und gesunde lebensmittel, ein bezahlbares sozialsystem, einen sicheren arbeitsplatz. die spritpreis-nummer ist in diesem kontext doch nur populistisch aufgebauschtes arschgekrieche: wir kümmern uns, light-version!

während sich leise zuspitzende katastrophen im hintergrund brennen und nach echten reformen schreien. aber da kann man als politiker leider so rein gar nix machen. 

lieber noch schnell ein wurst-foto für twitter, und dann ein beischläfchen mit der gas-industrie. 

gute nacht, deutschland. 

p.s. er hat es wenigstens hinter sich.

Mittwoch, 25. Februar 2026

liebe hoch 3

noch just bevor ich irgendwelche besuchskater- und sofa-sicherungspläne wälzen konnte, hatten meine langjährigen katzensitting-kunden einen akuten verreise- und betreuungswunsch. statt meine couch christo-und-jean-claude-mäßig in decken zu verhüllen, packte ich meine sieben sachen und zog für zehn tage um.

auch wenn ich hier keine katzenherzen mehr erobern muss - die drei damen sind mir seit sechs jahren bestens vertraut und lieben mich abgöttisch - ist es immer wieder herzzerreißend schön, unfassbar unterhaltsam und dabei absolut tiefenentspannend.

morgens werde ich geweckt, weil mindestens eine sich irgendwann sanft auf meine brust setzt und mich wachschnurrt. der platz auf mir ist bisweilen auch mal umkämpft - nicht jede teilt ihn beliebig.  

dann ist arbeit angesagt und mein kopf schaltet nur unwillig von flausch auf werbekacke um. wenn ich im größten stress stecke (stets hausgemachter art - die arbeitsmengen wären theoretisch zu bewältigen, aber aufgrund strukturellen wahnsinns sind permanente umwege und multitasking nötig, zumeist auch höhere improvisationskunst, weil grundlagen und fundamentales nie "prio" haben und deshalb immer fehlen), genügt ein blick auf die friedlich schlummernden oder gemütlich blinzelnden fellknäule, um den puls wieder auf ein gesundes maß abzusenken. 

wie man auf die idee kommt, sich drei katzen anzuschaffen, habe ich mich und irgendwann auch die besitzer gefragt. mir wäre das doch eine zu viel. weil man ja auch nur zwei streichelhände hat. 

wie oft steckt familiendynamik dahinter: ursprünglich waren es nur zwei, aber eines tages schleppte die jüngste tochter ein kitten an, das einzog und blieb. drei kinder, drei katzen, das war dann letztlich auch eine stimmige sache.

nicht nur im entspannten, zugewandten wesen der katzen, sondern auch in der gesamten wohnung spürt man die liebevolle, ruhige und besondere atmosphäre, die in dieser familie herrscht. 

obwohl die familie sehr wohlhabend ist, gibt es in dieser wohnung keine designer-möbel, keine protzige rolex-sammlung im regal, keine playstation und keine teure sound-anlage. dafür gläserweise pinsel, farben und bastelkram sowie unmengen von alten büchern. alle wände und regale sind mit bildern nahezu plakatiert - familienfotos (fotos, auf denen sich unverkrampft umarmt wird!), aber auch kunst und selbstgemachtes in teils wilden kombinationen, die man nur verstehen kann, wenn man hier aufgewachsen ist und die bedeutung der einzelnen momente kennt. 

die tatsache, dass all diese momente in derart emotionaler kohärenz aufgestellt und aufgehängt sind, macht das innehalten und die wertschätzung sichtbar, zeigt die liebe, die hier spürbar aus jedem winkel und jeder ritze dringt. etwas in mir ist tief davon berührt. 

die kinder sind groß und studieren, jedes in einer anderen stadt, allerdings nicht bwl oder irgendetwas, was sie zu nützlichen robotern der gesellschaft macht, sondern kunst und film. eltern, die ihren kinder mut machen (nicht ohne eigene ängste und zweifel, wie ich weiß), sich künstlerisch-gestalterisch statt karriereorientiert zu entfalten - das ist ein zutrauen, das ich selbst nie erlebt habe. in meinen mir strikt vorgebenenen formen und mustern bin ich klein geblieben, voller angst vor dem scheitern, viel zu kompromissbereit - und allenfalls mit einer ahnung davon, was wirklich in mir stecken könnte.

und bevor sie mich jetzt fragen, ob all das nicht vielleicht einen kinderwunsch in mir auslöst: den einzigen wunsch, den ich hier spontan entwickle, ist einzuziehen und mich adoptieren zu lassen. 

Montag, 16. Februar 2026

fuck the fleuroptag

dem fleuroptag zu entrinnen ist schwierig. es ist wie weihnachten und ostern zusammen - inflationärer nippes und fressalien zum angeblichen schnäppchenpreis. eine endlose wiederholung der wiederholung, nur in herz- statt weihnachtsmann- oder hasenform.

"wann ist denn eigentlich valentinstag", fragt der luxus-mann, als wir an der supermarkt-kasse stehen.

"heute", antworte ich.

"ach. aber wir schenken uns doch nichts, oder?"

"nicht, dass ich irgendwas erwartet hätte. nicht, dass ich irgendwas für dich hätte", sage ich bärbeißig.

der mann guckt vorsichtig und weiß: ich bin pissig wie zehn mann, nicht so sehr wegen fleurop oder nicht-fleurop, sondern weil ich urschlecht geschlafen und pms habe. und weil ich gerade gerne allein wäre. weil mir das ganze stino-pärchen-samstagsgedöns auf den wecker fällt, heute noch viel mehr als sonst.

während der mann beständig wissen will, was wir tolles, extravagantes zum zehnjährigen machen könnten und ob wir nicht vielleicht doch endlich zusammenziehen, überlege ich schon seit dem herbst, ob ich das alles so noch halten kann. 

"ich hatte mir ja versprochen, als rentnerin zurück nach n zu gehen und das haus meiner eltern zu bewohnen", sage ich zu meiner psychiaterin beim quartalsweisen check-up-termin. "aber irgendwas in mir hat das vorterminiert, ist mein eindruck. irgendwas in mir will einfach nicht noch 23 jahre in einer suboptimalen situation verharren, die ich nur mit psychiatrischer hilfe bewältigen kann."

und während der mann vorschläge für kurztrips und feiermöglichkeiten macht, freue ich mich wie ein kind aufs nächste katzensitting bei meiner lieblingskatzen-family. 10 tage flausch und ruhe in einer doppelgeschossigen eigentumswohnung mit garten statt schizo-randale im irrenhaus. das ist der beste urlaub, den ich mir vorstellen kann.

vielleicht komme ich dabei auch mit meiner entscheidung weiter.