Donnerstag, 16. Juli 2026
verhängnisvolle leidenschaft
Freitag, 3. Juli 2026
es wird wieder in die hände gespuckt, das frettchen steigert das bruttosozialprodukt
hurray again! das frettchen macht die deutsche wirtschaft fit. nach dem unschlagbaren einspar-coup durch die umbenennung des bürgergelds hat das schlaue nagetier nun herausgefunden, warum in deutschen betrieben seit jahren alles abkackt.
das liegt nämlich gar nicht an den schweren fehlentscheidungen und der zukunftsblindheit der vorstände, die - wie bei vw - einst international erfolgreiche traditionsunternehmen in den ruin wirtschaften. das liegt alles ausschließlich daran, dass sich einige arbeitnehmer - zumindest die in tarifgebundenen unternehmen - erst ab dem dritten tag krankschreiben lassen müssen.
dem wirkt das frettchen nun effizient entgegen, indem sich alle arbeitnehmer gleich vom ersten tag an krankschreiben lassen sollen. ja, das wird all den trägen bastarden und drückebergern eine lehre sein! und das freut auch die hausärzte sehr, denn diese faulen hunde, die bekanntlich aus lauter langweile den halben tag lang nur dem echo ihrer leeren wartezimmer lauschen, bekommen dadurch endlich mal was zu tun. eine absolute win-win-situation also!
sicherlich gibt es künftig auch viel mehr angestellte, die sich das warten in den vollgedrängelten arztpraxen lieber gleich ersparen, krank ins büro fahren und dort den rest der kollegen anstecken. auf diese weise kann man als chef gleich die motivation des gesamten teams testen - und weicheier, die beispielsweise im fieberkrampf auf dem büroflur herumrollen oder auf den toiletten zusammenbrechen möchten, schneller aussortieren.
ja, es ist wie immer ein ausgesprochen effizienter, rundum ausgeklügelter plan, der da dem frettchenhirn entwichen ist. da geht ein raunen durch das land - und die viel proklamierte FREUDE an der arbeit steigt gegen unendlich - insbesondere mit der aussicht, bald bis 70 werkeln zu dürfen, bei einem rentenniveau, das noch mehr unbändige lust auf malochen bis 95 macht.
danke, danke, danke! mehr bleibt an dieser stelle nicht zu sagen. als einzige politische anregung bliebe vielleicht noch der verpflichtende einsatz von panzerschokolade am arbeitsplatz - diese maßnahme würde euphorie und durchhaltevermögen noch einmal ins schier unermessliche steigern.
Samstag, 27. Juni 2026
hauptsache!
als kleines strohblondes mädchen von drei oder vier jahren hatte ich einen spezial-ausdruck für orte, dinge und momente, die mir im besondere maße richtig, schön oder aufregend erschienen.
zum beispiel der geruch von nassem waschbeton nach einem regenguss. das kribbeln im bauch, wenn es beim radfahren steil bergab ging - und wie unglaublich sicher sich das trotzdem anfühlte, so im kindersitz, eingeklemmt zwischen den starken armen meines vaters. oder der kleine wald-spielplatz nahe des freibads: dort gab es ein rotes karussell, welches ich irrsinnig toll fand, auch wenn ich mich als kleiner angsthase lange nicht damit fahren traute.
das waren für mich sogenannte "hauptsachen".
ich habe anderen nie von diesen hauptsachen erzählt, weil ich ahnte: das sind in wirklichkeit eher nebensächlichkeiten. wenn mir andere kinder von dingen oder momenten berichteten, die einen bleibenden eindruck bei ihnen hinterlassen hatten, waren das häufig urlaubsreisen, geburtstagsfeiern oder - etwas später im leben - besondere schulische leistungen. dinge, die mir vollkommen unbedeutend erschienen.
also behielt ich meine hauptsachen strikt für mich - denn mir war klar, man würde mich dafür auslachen. auch meine eltern würden wieder die augen verdrehen und finden, dass ich mir meine spinnereien endlich mal abgewöhnen und ein normales kind werden müsse. eines, das mit gleichaltrigen spielt, anstatt sich hinter büchern und zeichenpapier zu vergraben.
heute kann ich meine hauptsachen gar nicht genug würdigen. es waren immer augenblicke, in denen ich ganz da und mit der welt eins sein konnte. augenblicke, die frei von problemen und bedrohungen waren, in denen ich zu einhundert prozent sicher war. als kind habe ich solche hauptsachen tatsächlich immer wieder erlebt - auch wenn ich mit mobbing, gewalt und missbrauch großgeworden bin. immer wieder hauptsachen zu finden und für eine kurze zeit vollkommen in ihnen aufzugehen, das war eine art training, das mich zu dem menschen gemacht hat, der ich bis heute bin: jemand, der schönheit, atmosphäre und verbundenheit ungeheuer intensiv erleben kann.
einige frühere hauptsachen habe ich in die gegenwart hinübergerettet - wie beispielsweise ein bestimmtes kinderbuch. es ist eine art seismograf meines wohlbefindens: ich erlaube es mir nur dann zu lesen, wenn alles, wirklich alles, für einen moment in ordnung ist und ich mich vollkommen sicher fühle.
ich habe dieses buch seit rund drei jahren nicht mehr angefasst - ganz bewusst. hauptsachen werden offenbar weniger, je älter man wird, je stärker sich probleme häufen, je weniger man verbundenheit erlebt und je seltener sich räume für echte, wahrhaftige beziehungen öffnen.
ich versuche deshalb, mich wenigstens an meine hauptsachen zu erinnern, ihnen nachzuspüren, und aus ihnen eine tröstliche bedeutung für die lasten von gegenwart und zukunft abzuleiten. und ich werde es nicht leid zu hoffen, doch noch menschen zu begegnen, die ebenfalls so etwas wie hauptsachen kennen und erleben können.
Mittwoch, 10. Juni 2026
suizid
triggerwarnung: dieser beitrag handelt von suizid. ihn zu lesen kann für entsprechend sensible personen oder solche in krisensituationen belastend sein.
als ich von der beerdigung des luxus-papas nachhause komme, treffe ich meine nachbarin im treppenhaus. sie ist ganz blass.
