Sonntag, 15. September 2019

nightlife reloaded

da der luxus-mann aushäusig weilt, begebe ich mich nach langer zeit mal wieder alleine auf tour. das fühlt sich etwas komisch an, fast so, als hätte ich das irgendwie ein bisschen verlernt. als ich ankomme, brauche ich erstmal einen drink, um die nervosität abzulegen.

ich gehe in den raucherraum und treffe dort v. mit seiner neuen freundin. während die ex eine dumme zickenkuh war, die v. regelmäßig versetzte und betrog und so seine depressionen noch verschlimmerte, scheint die neue das totale gegenteil zu sein. fröhlich und warmherzig begrüßt sie mich wie eine alte bekannte. dann stellen wir fest, dass wir nur wenige hundert meter voneinander entfernt wohnen.
"guter fang", sage ich zu v., der vollkommen gelöst und glücklich auf mich wirkt. "ich freu mich wirklich sehr für dich!"
"wurde ja auch mal zeit", meint v. "nach all den miesen jahren mit k.!"

"lustig, dass man immer noch ein paar von den alten leuten hier rumspringen sieht", sage ich.
"einige von denen, die sonst immer hier waren, habe ich aber schon ewig nicht mehr gesehen", erwidert v. "dein objekt beispielsweise hab ich schon jahre nicht mehr getroffen."
"der wird auch leider nie mehr tanzen gehen", antworte ich.
"wie? warum das denn?"
dann erzähle ich v. die ganze traurige geschichte.

"unfassbar", sagt v., der ganz blass geworden ist. "hast du ihn denn mal wiedergesehen?"
"ich besuche ihn öfter mal, wenn mich seine freundin lässt. aber es ist natürlich nicht mehr derselbe mensch. obwohl wir uns immer noch extrem gut verstehen und er für mich ein sehr wichtiger freund ist."
"ich weiß noch, ich hab ihn mal in altona auf der straße getroffen, da gings mir gar nicht gut. er hat das irgendwie sofort gemerkt und mir ganz geschickt fragen gestellt, sodass ich irgendwann echt ins erzählen kam... dabei waren wir ja nicht näher befreundet. aber das konnte der sehr gut... dieses in-die-menschen-reinhorchen und sie zum reden zu bringen. er hat mir dann auch ein paar sachen gesagt, die ich sehr klug fand und über die ich lange nachgedacht habe."
"das ist seine gabe. die hat er auch immer noch. er kann einem sehr das gefühl geben, absolut willkommen und angenommen zu sein. das habe ich bei niemandem anders jemals sonst in dieser form empfunden."

da v.s freundin am tag drauf auf ein seminar fährt, machen sich die beiden gegen halb drei vom acker. ich gehe zunächst ein bisschen tanzen, dann mache ich es mir auf einem barhocker gemütlich, rauche eine zigarette und ordere noch einen gin tonic.

plötzlich steht ein junge mit schirmmütze vor mir. ich will eigentlich wegschauen, da ich schirmmützen allein schon so dämlich finde, dass mich der darunter befindliche kopf normalerweise auch nicht interessiert. doch beim wegschauen bleibe ich kurz in den blauen augen hängen, am blonden bart und an den weichen, vollen lippen, die mich etwas an das objekt erinnern.

"hallo", sagt die mütze. "darf ich dir vielleicht noch ein getränk ausgeben?"
"ähm, du, hör mal... ich hab nen freund", sage ich. "also wir können uns sehr gerne ein bisschen unterhalten, aber ich dachte, ich sag dir das jetzt gleich mal. nicht, dass du dich nachher um deinen invest betrogen fühlst."
"oh", sagt die mütze lächelnd, "das ist aber schade. aber einen drink können wir doch trotzdem gern zusammen nehmen?"
"natürlich."

die mütze ist richtig süß. fünf jahre jünger als ich, ein nicht-berliner aus berlin zu besuch in hh. wir verstehen uns überraschend gut, und für einen moment denke ich, wäre ich jetzt single, hätte ich nichts dagegen, ein wenig herumzuknutschen.

gegen vier will die mütze aufbrechen und drängt mich, noch mit auf eine andere party zu kommen. ich passe und fahre lieber nachhause, wo ich um halb fünf erschöpft in die federn krieche, bis um 7:17 uhr die erste luxus-nachricht des sonntags auf meinem handy plingt:
was macht meine frau?
schlafen, tippe ich zurück.
musst du dich von mir erholen, will der luxus-mann wissen.
so ähnlich, schreibe ich zurück. du weißt ja, was ausschlafen betrifft, haben wir nicht dieselbe definition.

ich habe eigentlich viel lust, von meinem abend und der mütze zu erzählen, unterlasse es aber lieber erstmal. aus der ferne gibt es sonst nur wieder streit.
vielleicht erzähle ich es demnächst aber dem objekt.
und bis dahin erstmal diesem blog.




Donnerstag, 12. September 2019

undsoweiterundsofort

john neumeier ballett - immer wieder ein (sommernachts)traum. ja, ich bin immer noch partygirl oder vielmehr party-omma, aber kultur kann ich halt auch. und dem puck hätt ich auch gern auf den arsch geklatscht. obwohl es schon kinky war, dem oberon-elfenkönig dabei zuzusehen.

das zweite wochenende in folge strohwitwe. hallo hamburg. ich bin die frau, die derzeit verwirrt durch altona schleicht und nicht so recht weiß, was sie mit sich anfangen soll. zum trost gibts erdbeer-milchshake von der bekannten fastfood-kette. wenigstens nicht so viel alk. abends verkrümle ich mich dann nach luxus-hausen und atme den luxus-duft, der im kopfkissen steckt.

weil die frühere objekt-wohnung nur einen katzensprung von meiner aktuellen entfernt ist, laufe ich da nun öfter mal vorbei. jedesmal brennen sich die tränen durch die augenlider. nicht nur aus trauer. sondern auch, weil das objekt und ich uns immer noch kennen, aller widrigkeiten zum trotz. das ist so unfassbar wunderbar, dass ich es kaum glauben kann. das hat magie und bringt meine kleine seele mächtig in aufruhr. genau das ist die intensität, die ich brauche.

ansonsten viel typo3. ich baue und bastle. gründlich sein und frickeln liegt mir jedenfalls. das kann ich acht stunden, ohne auf die uhr zu gucken.

und sie so?



Donnerstag, 5. September 2019

der hausgeist

seit einigen wochen passieren ab und an merkwürdige dinge in luxus-hausen. das licht im flur geht nachts an und aus, ohne dass jemand den schalter berührt. ebenso der fernseher. wir nennen das phänomen liebevoll den "hausgeist".

vor ein paar tagen erzählt der luxus-mann, dass er nachts von geräuschen aufgewacht sei:
"das war ein ganz lautes klacken, mehrmals in abständen hintereinander, und es kam aus der küche. und du kennst mich ja, ich glaub nicht an irgendwelchen religiösen quatsch oder geister-scheiß, aber ich hab mich total gegruselt. es fühlte sich an, als wäre da jemand in der wohnung, aber jetzt nicht so n einbrecher oder so."
"bist du nachgucken gegangen?"
"nee", gesteht der luxus-mann. "das war mega gruselig, ich hab die bettdecke über den kopf gezogen und gehofft, dass das weggeht."
am nächsten morgen habe er dann in der küche nachgeschaut, ob etwas im kühlschrank  oder in einem der regale umgekippt oder abgestürzt sei, doch alles war ganz normal.

als ich den luxus-mann gestern besuche, ist er ganz gerädert, denn er hat abermals schlecht geschlafen.
"du wirst es nicht glauben, aber mitten in der nacht geht hier auf einmal die heiztherme an", berichtet er. "ich hab mich tierisch erschreckt, denn wenn die hochfährt, piept die ganz laut."
der luxus-mann schwört, er habe die therme nicht angefasst und auch nicht an der waschmaschine hantiert, die sich neben der therme befindet.
"danach musste ich aufstehen, um die heizung wieder auszuschalten, da hatte ich wieder dieses grusel-gefühl. ich konnte dann ewig nicht mehr einschlafen."
"klingt fast, als hättest du hier wirklich nen geist", lache ich.

abends liegen wir im bett und lauschen ins dunkel.
"irgendwie finde ich das gerade ein bisschen unheimlich hier", sage ich. "nach allem, was du mir erzählt hast. und das mit dem licht und dem fernsehen hab ich ja selber schon so oft miterlebt. ich dachte halt, da hantiert jemand in der nachbarwohnung mit ner fernbedienung und erwischt ab und an unsere frequenz. aber so alles in allem ist das schon recht sonderbar."
"ich glaub ja eigentlich überhaupt nicht an sowas, aber so langsam... weiß ich nicht", gibt der luxus-mann zu.
"naja, ist ne alte wohnung... hier sind wahrscheinlich auch schon leute drin gestorben. vielleicht..."
"hör auf! da will ich jetzt gar nicht dran denken, sonst kann ich wieder nicht schlafen!"

irgendwann muss der luxus-mann dann aber doch eingeschlafen sein, denn ich erwache von seinem schnarchen. doch außer dem schnarchen ist da noch ein weiteres geräusch. wasserprasseln, denke ich, und überlege kurz, ob es draußen regnet. doch ich bin so im halbschlaf, dass ich gleich wieder weiterpenne.

heute morgen beim zähneputzen entdeckt der luxus-mann dann eine wasserlache in der badewanne.
"oh fuck, meine dusche tropft", ärgert er sich. "und nicht zu knapp, wie das aussieht. muss ich mal dem vermieter bescheid geben."
"da lief heute nacht das wasser", sage ich.
"quatsch", meint der luxus-mann. "so n duschkopf tropft eben manchmal."
"doch, ich bin davon aufgewacht. das hat richtig geprasselt, so wie regen. oder wie wenn da jemand duscht. guck mal, da neben der wanne ist auch wasser!"

in der tat schwimmt auch unter dem badezimmerregal ein pfütze - so, als wäre die wanne undicht oder als habe es von der decke geregnet.
"jetzt wirds aber wirklich merkwürdig!", findet der luxus-mann. "muss ich denn nun nen klempner oder nen exorzisten rufen?"

wie auch immer - wir finden, unser hausgeist muss dringend über die themen strom- und wasserverschwendung aufgeklärt werden. sonst wird das künftig nichts mehr mit der friedlichen koexistenz.


Montag, 2. September 2019

herzklopfen mal anders

gegen 22 uhr klingelt das telefon und der luxus-mann ist dran.
"mir is ganz komisch. ich glaub, ich hab schüttelfrost."
ich bin total verblüfft, denn wenige stunden zuvor war ich noch in luxus-hausen und der mann putzmunter.
"schüttelfrost?! hast du wieder magendarm?"
"nee, ist glaub ich kreislauf oder so. kann das sein? mir gehts irgendwie nicht gut, das macht mir jetzt sorgen. kannst du mir sagen, was das ist?"
"öhm. warte mal."

ich google schnell kreislaufprobleme und schüttelfrost, bekomme aber keine ergebnisse. dann mir fällt ein, dass ich sowas manchmal nach zu vielen energy drinks habe. koffein-schock oder so.
ich rufe den mann zurück.

"hast du heute vielleicht zu viel kaffee getrunken? nachdem wir ja die ganze nacht unterwegs waren und kaum gepennt haben?"
der luxus-mann überlegt.
"hm, das kann sein."
mir fällt auf, dass er nicht richtig sprechen kann. seine zähne schlagen aufeinander.
"das muss ja ein heftiger schüttelfrost sein. leg dich mal besser hin."
"hab ich schon. mir ist ganz kalt, ich liege unter zwei decken."
"und trink mal was. also keine cola, sondern wasser. in kleinen schlucken, damit dir nicht schlecht wird."

"wird das irgendwie n bisschen besser jetzt?" will ich nach ein paar minuten wissen.
"nee. eher schlimmer", meint der luxus-mann. "ich kann meine beine und arme nicht mehr richtig steuern, das zittert alles und verkrampft sich."
"sicher, dass das kreislauf ist?" bin ich misstrauisch, denn das passt in meinen augen irgendwie alles nicht zusammen. "kannst du mal deinen blutdruck messen?"
"ok, ich ruf dich gleich wieder an."

"205 zu 148", vermeldet der luxus-mann kurze zeit später.
"alter!" sage ich entsetzt.
"zu hoch, ne", ächzt mein mann.
"aber hallo", sage ich.
"krass, dass der blutdruck jetzt so hochschießt. das war doch noch nie. ist das wegen dem schüttelfrost?"
"ich glaub nicht, dass das schüttelfrost ist. vielleicht zitterst du, weil dein blutdruck so hoch ist."
"meinst du? aber wär mir dann nicht zu heiß?"
"ich bin keine ärztin, aber ich glaub, ich ruf mal besser einen an."
"nee, lass mal. ich bleib einfach liegen, das wird schon besser werden."

kaum hat der luxus-mann aufgelegt, wähle ich die rufnummer des ärztlichen notdienstes. fragen wird ja wohl erlaubt sein, denke ich mir. wenigstens sollten mir die sagen können, ob ich abwarten kann oder einen krankenwagen rufen muss.

beim notdienst geht eine resolute frauenstimme ran.
"205 zu 148!" ruft sie, als ich die symptome und die werte geschildert habe. "ich gebe das gleich an unseren arzt weiter, der kommt vorbei."
"ähm, brauchen wir den denn? mein freund weiß nämlich gar nicht, dass ich sie jetzt angerufen habe... ich wollte eigentlich nur kurz wissen..."
"geben sie mir mal seine nummer!" unterbricht mich die frau sehr bestimmt. dann legt sie gleich auf, um den luxus-mann anzuklingeln.

ich warte zehn minuten, dann rufe ich erneut in luxus-hausen an. hoffentlich ist er nicht sauer, denke ich, denn mehr als ärzte hasst der luxus-mann nur hysterie und übertriebene aktionen.
"ähm, du, ich hab da jetzt beim notdienst angerufen... und das hat so ein bisschen eigendynamik bekommen, als ich sagte, wie hoch dein blutdruck ist... da kommt jetzt jedenfalls gleich ein arzt..."
"ich weiß", stammelt der luxus-mann. "und hoffentlich beeilt der sich!"

das ist so untypisch für den luxus-mann, dass ich weiß, es ist wirklich ernst.
"ich komm rum", sage ich und springe schnell in jeans und pulli."mach doch schon mal die tür auf. nicht, dass du uns hier gleich ohnmächtig wirst und wir dann nicht mehr in deinen hochsicherheitstrakt kommen."
"gute idee", sagt der luxus-mann schwach.

als ich eintreffe, stehen schon zwei rettungswagen vor der tür. drinnen sind sechs mann zugange und verdrahten den luxus-mann mit einem ekg, während der arzt wissen will, ob er trinkt, drogen eingeworfen oder irgendwelche medikamente genommen bzw. nicht genommen hat. dann bekommt er ein spray, das den blutdruck runterfahren soll.

"170 zu 110", notiert der arzt zufrieden nach einer weile. "das ekg sieht gut aus, mit dem herzen ist alles in ordnung, da haben sie glück."
"was war das denn jetzt", fragt der luxus-mann, dessen kopf so rot aussieht, als würde er gleich explodieren.
"das kommt vom bestehenden bluthochdruck", meint der arzt. "das kann durchaus mal passieren, vor allem, wenn dann noch stressfaktoren dazu kommen wie seelische oder körperliche belastung, zu viel alkohol... oder wie jetzt so ein wetterumschwung... dann kommt es zur hypertensiven krise und solchen anfällen."

"und jetzt?" frage ich.
"legen wir ihm einen zugang und nehmen ihn mit zur beobachtung ins krankenhaus", antwortet der arzt.
"zugang?!" echot der luxus-mann und will sich von der couch aufrappeln. "warum das denn? das will ich nicht."
"damit wir ihnen eine infusion geben können."
"nee nee! keinen zugang! und ich will auch in kein krankenhaus."

der arzt sieht mich fragend an. ich zucke die achseln und rolle die augen.
"also, wenn ihre freundin bei ihnen bleibt, müssen sie nicht unbedingt ins krankenhaus", sagt er dann zögerlich. "auch, wenn es wirklich besser wäre! aber allein bleiben dürfen sie jetzt auf keinen fall."
"komm, jetzt sei nicht so blöd", stupse ich den luxus-mann an, doch der bleibt stur.
der arzt guckt ungeduldig. 
"na gut, ich bleibe da", erkläre ich mich dann einverstanden. "was muss ich denn im ernstfall machen?"
"112 rufen", sagt der arzt."ob er dann will oder nicht, damit ist nämlich nicht zu spaßen. und morgen früh soll er sich gleich bei seinem hausarzt melden. der bluthochdruck muss behandelt werden."
er drückt mir einen arztbrief und den wisch mit den ekg-aufzeichnungen in die hand, verabschiedet sich und zieht mit seiner truppe von dannen.

"alter", ächzt der luxus-mann und sinkt wieder zurück auf die couch. "danke."
"dafür nich", sage ich und setze mich zu ihm. "wie isses denn jetzt?"
"schon viel besser. aber ich glaub, ich kann noch nicht schlafen, ich bin noch ganz aufgedreht."
"kein wunder."

erst weit nach ein uhr kuscheln wir uns ins bett.
"mir tut alles weh, auch die brust", klagt der luxus-mann.
"wenn das alles so gekrampft hat."
"davon wirds wohl kommen... komisch, was so ein körper manchmal macht! das war echt unheimlich!"
"ich hab dir ja immer gesagt, dein blutdruck ist nicht ganz ok."
"ich glaube ja, du killst mich", sieht mich der luxus-mann liebevoll an.
"meinst du."
"ja. wundert mich, dass das nicht beim ficken passiert ist."
"vielleicht nächstes mal."
der luxus-mann kneift mich.
"nix nächstes mal! das will ich nie wieder erleben!"

jetzt schauen wir mal, wie es weitergeht und was der hausarzt spricht.

Freitag, 30. August 2019

auf achse

als ich das objekt heute besuche, wirkt es sehr viel fideler als beim letzten mal. es betont, dass es ihm gut geht - und so sieht es auch aus: volle und für seinen blassen teint recht rosige wangen.
"wollen wir heute wieder rausgehen", frage ich, und das objekt ist sofort dabei.
ich lasse es fix in den rollstuhl verfrachten, dann kann es losgehen.

"willst du fahren oder soll ich schieben?" frage ich.
"schieben!" sagt das objekt und lehnt sich entspannt zurück, während ich das durchaus nicht ganz steigungsfreie gelände bewältigen muss.
"puh, sag mal, bist du schwerer geworden", hake ich nach, als ich den kleinen abhang vor dem eingang hochrolle.
"weißnich", nuschelt das objekt und grinst sich einen, weil ich mich so abrackere. ich muss spontan an früher denken, als es immer sagte: "es ist so schön, wenn du dir so viel mühe gibst."

als wir wieder drinnen sind, begegnen wir meinem lieblingspfleger, der auch gleich heraneilt und mir hilft, das objekt aus dem rollstuhl zu heben und ins bett zurückzupacken.
"hat er dir schon erzählt, was er die letzte zeit gemacht hat?" fragt der pfleger.
"nee, was denn?"
"der ist hier ständig unterwegs mit dem rolli! neulich war der schon fast im nachbardorf, da krieg ich nen anruf und muss ihn wieder einsammeln, weil er im kopfsteinpflaster steckengeblieben ist!"
der pfleger lacht. ich mag ihn dafür, denn jeder andere wäre ob der situation wahrscheinlich weniger amüsiert gewesen.

"ich werte das mal als gutes zeichen", sage ich.
"jo", meint der pfleger. "schau dir mal seine arme an, der hat echt muckis gekriegt. aber faul ist der!"
er fixiert das objekt, das frech grinst.
"weißt du, wie er hier die kollegen verarscht? der kann sich nämlich ausgezeichnet selber im bett bewegen, aber er lässt sich immer bedienen! ich glaube, das genießt der!"
der pfleger knufft das objekt und macht high five mit ihm.
"mich hat er eben auch schön den rolli anschieben lassen", sage ich.

kurz darauf ist der pfleger wieder weg und ich schiebe uns eine dvd rein. dann setze ich mich zum objekt ins bett und kuschle mich an.
"schöööön", seufzt es, drückt meine hand und gibt mir einen kuss.
da rieche ich es. 
das objekt duftet nach objekt.
"du, das ist doch dein duft", sage ich und schnuppere noch mal an brust und hals.
"ja", strahlt das objekt. "das... ist... mein... parfum."
"das von früher, oder?"
"ja. genau... das."

als ich später im bad stehe, entdecke ich die kleine schwarze dose mit dem cremeparfum darin. das hat das objekt also offenbar einfliegen lassen. 1000 erinnerungen für mich.

nach zweieinhalb stunden mache ich mich auf den heimweg. als ich in den bus richtung bahnhof steigen will, steht ein beagle an der tür, der freudig auf mich zuwuselt, bis sein frauchen, eine feine ältere dame, an der leine zieht:
"ansgar, komm mal her."
"ansgar ist aber ein hübscher", sage ich, denn beagles finde ich fast immer toll.
ansgar kommt wieder zu mir rübergetappert, schnuppert und lässt sich streicheln.
"jaja, und tut immer so, als würde er zuhause nie angefasst!" schmunzelt die dame.
"meine katze ist genauso, kaum sitzt man, wird sich hingeworfen und der bauch hochgereckt."

leider steigen ansgar und sein frauchen schon vor dem bahnhof aus. ich bin der letzte mohikaner im dorf-bus und der busfahrer dreht balkanmukke auf. die sonne scheint durch das seitenfenster auf mich, und noch immer kann ich den objektduft an mir riechen. er wird mich heute in den schlaf begleiten.