Samstag, 11. August 2018

hungrig

ich bin mit dem luxus-mann und dem luxus-freund im club. erst ist es recht langweilig, dann beginnt der barkeeper, seine schnapsvorräte unter den wenigen gästen zu verjubeln. die stimmung steigt raketenartig.

eine frau in einem glitzertop, das ich etwas billig finde, schwingt sich auf den tresen und beginnt eine art poledance ohne stange. als sie bei uns steht, macht sie sich auf dem tresen lang und guckt uns herausfordernd an. ich offiere ihr meinen schnaps. weniger später habe ich ihre zunge im hals.

der luxus-freund feixt und findet es ultrascharf, dass wir da vor ihm rumknutschen. der luxus-mann schaut abwechselnd amüsiert und skeptisch.
"ist das ok so für dich", frage ich ihn, als die frau kurz auf dem klo verschwindet.
"ja schon", sagt er.
"begeistert wirkst du aber nicht."
"meinen kumpel macht das scharf, mich nicht."
"generell nicht oder weil wir optisch nicht dein fall sind?"
"ich steh nicht so auf lesbensex."
"es ist ja kein sex."
"auch das noch. geknutsche ist noch langweiliger. da müsste ich schon involviert sein."
 klare ansage.

die frau kommt wieder und schwingt sich neben mir auf den barhocker. wir machen dort weiter, wo wir aufgehört haben. der luxus-freund mischt sich ein, gibt einen aus. die frau zieht blank und präsentiert ihm ihre titten. ich finde das ein bisschen nuttig, aber die stimmung ist ausgelassen und frivol, es passt also irgendwie in den kontext.

"interessiert dich einer von den beiden kerlen", fragt mich die frau irgendwann.
"der blonde ist mein mann", sage ich.
"merkt man gar nicht."
"nee. der ist nicht so... extrovertiert."
"aber sexy."
"ja. das stimmt."
"warum knutscht ihr nicht?"
"das mag der nicht."
"krass... merkwürdiger typ."

viel konversation ist mit der lady, die offenbar nicht die hellste kerze auf der torte ist, nicht zu machen. aber ich genieße es, mal wieder zu knutschen, geküsst und gehalten zu werden. sanfte berührungen statt gerammel. ich bin hungrig, merke ich.

später wanken der luxus-mann und ich nachhause.
"ficken wird heute nichts mehr, was", grinse ich angesichts unseres seemannsgangs.
"wenn dann hätt ich sowieso eher bock auf mal was anderes", haut der luxus-mann raus.
"was oder wen anderes?"
"wen anderes."
"woher kommt der wunsch auf einmal?"
"hab ich derzeit verstärkt."
"bist du deswegen zur zeit so lethargisch und lustlos?"
"ich bin wie immer, ein feuerwerk", sagt der luxus-mann furztrocken.

"und bist du jetzt enttäuscht", will er dann wissen.
"warum?"
"weil die muschi nicht mit uns mitgekommen ist."
"stand nie zur debatte. dazu wär die mir auch zu beschränkt gewesen."
"soso."
"war aber trotzdem schön, mal wieder zu küssen. du machst das ja nie."
"stimmt doch gar nicht."
"kann mich nicht erinnern, wann das mal gewesen sein sollte."
"neulich, beim sex!"
"neulich, so vor drei monaten, meinst du."
"interessiert mich halt nicht so, weißte doch."
"mich schon. könntest ja auch mal fragen, wies mir so geht."
"warum denn?"
"weil man normalerweise in einer partnerschaft irgendwie am leben des anderen teilhat."
"hab ich doch."
"du weißt doch nicht mal, welche musik ich höre oder was ich gerne esse."

ich bin genervt, merke ich. genervt kommt von hungrig. ich habe appetit bekommen. auf  sanfte verführung. auf küssen und zärtlichkeiten. auf aufmerksamkeit und emotion. auf das, was es im luxus-leben selten und zur zeit so gar nicht gibt.

zuhause fällt der luxus-mann ins bett und schnarcht, während ich lange wachliege. die gedankenmühle rattert, lässt den abend revue passieren und spult dann sogar auf den leidenschaftlichen objekt-sex von früher zurück. irgendwann bekomme ich kopfschmerzen, die sonne brennt ins zimmer und jemand im haus hantiert mit einer bohrmaschine. gegen halb acht stehe ich auf und fahre kurzerhand nachhause.

hungrig.

Donnerstag, 9. August 2018

beziehung, mhd-bedroht

der luxus-mann hat traumhafte arbeitsbedingungen. er verdient für extrem wenig arbeit übermäßig gut, bezieht umfangreiche goodies und sozialleistungen und hat urlaub ohne ende. ich verdiene mäßig, habe extrem viel stress und verantwortung und muss um jeden urlaubstag kämpfen.

"du bist halt ne typische werberin. ihr seid alle total blöd und lasst euch verarschen", sagt der luxus-mann regelmäßig. so viel zum grundtenor. verständnis dafür, dass ich sogar manchmal spaß bei der arbeit habe und so etwas wie ehrgeiz besitze, hat er nicht. er selber lässt sich treiben, schiebt seine aufgaben seinen zahlreichen kollegen zu und liest während der arbeitszeit fußballnachrichten.

wenn es um urlaub geht, nimmt er sich frei, wann er will und setzt mich dann vor vollendete tatsachen. "nimm dir da auch mal frei, dann fahren wir da und da hin", heißt es dann. und wenn ich sage, geht nicht, da hab ich dies oder jenes projekt, ist die stimmung schlecht. ich rede mir den mund fusslig, um ihm die strukturen, unter denen ich arbeite, klar zu machen, und dass ich ohnehin ungern urlaub nehme, weil das nur bedeutet, dass ich dafür unter hochdruck wochenlang vor- und anschließend noch mal nacharbeiten muss. dass es niemandem gibt, dem ich etwas übertragen kann oder der mich unterstützt. und dass es zeiten gibt, in denen ich nicht einen nachmittag frei nehmen kann, um meine gesundheitsvorsorge zu machen. er stellt sich dämlich. oder ist es in dieser hinsicht vielleicht auch.

als ich mal leichtsinnigerweise erwähne, dass ich lust auf einen sprachkurs in verbindung mit einem bildungsurlaub hätte, reagiert er sauer. "du verdödelst nur deine zeit, und wenn wir wohin fahren wollen, geht das dann nicht." dass mein arbeitsleben voraussichtlich erst endet, wenn ich tot bin, und dasss ich angesichts dieses beschissenen umstands wenigstens ein bisschen aufsteigen möchte, um irgendwann mal sowas wie schmerzensgeld zu verdienen, versteht er nicht. er will in wenigen jahren in altersteilzeit - zu einem zeitpunkt, zu dem dies nicht einmal meinem von allen seiten gepamperten beamten-vater möglich gewesen wäre.

zwei faktoren werden unsere beziehung - sollten keine emotionalen trennungsgründe dem zuvorkommen - voraussichtlich in den nächsten zwei bis sieben jahren zum scheitern bringen: dass ich nicht in hamburg bleiben möchte und dass ich mich jobtechnisch weiterentwickeln will und muss. und dass der luxus-mann keine meiner bewegungen mitmachen, mir aber zugleich weder einen roten teppich ausbreiten noch einen ring an den finger stecken wird. innige phasen wie in den letzten wochen legen einen rosa schleier über all das. doch dann sehe ich wieder klarer. rational betrachtet hat diese beziehung eine stark begrenzte haltbarkeit.

den schussstrich jetzt schon zu ziehen, scheint mir indes unmöglich. da sind zu viele positive emotionen. ich habe mich schrecklich an den luxus-mann gewöhnt. ich habe angst vor den untiefen der depression und leere, die mich anschließend wieder überkommen werden. und ich bin bequem, habe angst vor meiner eigenen courage, genieße das kleine glück, das ich habe und das mich und meine permanente innere suche fast eingeschläfert hätte.
aber eben nur fast.



Dienstag, 31. Juli 2018

fliegen mit eurowings, dem tommy hilficker und seiner perlen-uschi

ich will in die heimat und stehe schon eine stunde am gate, denn eurowings hat verspätung. der gesamte flughafenabschnitt ist brechend voll. an vier gates warten gefühlt eine million menschen. kreischende kinder flitzen zwischen genervten erwachsenen herum. sitzplätze sind aus. schlechte luft und schlechte laune machen sich zunehmend breit.

nichtsdestotrotz ist die fluggesellschaft bemüht, das beste aus der situation zu machen. unter anderem fordert sie mehrfach dazu auf, dass fluggäste mit handgepäck ihre koffer bitte aufgeben sollen - kostenlos und direkt hier am gate. so soll ein zügigeres einsteigen gewährleistet werden. einige nehmen die aufforderung wahr, dennoch sehe ich beim einsteigen immer noch unzählige handgepäckskoffer an mir vorbeirollen. entsprechend sind die gepäckfächer ruckzuck voll.

auch meine sitznachbarn - eine perlen-uschi und ihr in einem tommy-hilfiger-shirt bekleideter, hipsterknödeliger spacko - gehören zu denen, die das nachsehen haben. tommy hilficker ist deswegen grantig. er sieht es ÜBERHAUPT nicht ein, dass er als billofluggast nun ganze 50 minuten mit koffer an den klöten ausharren soll. das könne man ihm nicht zumuten. schließlich ist er ein tommy hilficker und hat eine perlen-uschi-freundin.

der hilficker beschwert sich also beim steward. der freundliche und hilfsbereite steward sichert ihm zu, dass er, falls er keinen platz mehr für seinen koffer findet, er ihn nachträglich in den gepäckraum bringen lassen würde. dann geht der steward die reihen durch und beginnt, gepäckstück um gepäckstück umzuschlichten, damit der hilficker-koffer vielleicht doch noch platz findet.

nach zehn minuten steht der steward wieder schweißüberströmt und etwas außer atem neben uns. es sei ihm gelungen, platz zu machen. der hilficker könne seinen und auch perlen-uschis koffer ganz vorn im flieger noch unterbringen und entsprechend mit beinfreiheit fliegen.

der hilficker ist jedoch keineswegs erfreut oder dankbar.
"soll ich jetzt etwa selber meinen koffer bis ganz nach vorne schleppen?" fragt er wie ein fünfjähriger, dem man gesagt hat, er solle bitte sein zimmer aufräumen.
der steward nickt.

der verwöhnte hilfiger-schnösel bewegt sich immer noch nicht.
ich halte den atem an.
der steward steht da und guckt nicht mehr ganz so nett.
"bitte, wenn sie jetzt ihren koffer nach vorne bringen und ins gepäckfach legen würden!" sagt er etwas strenger.

endlich erhebt sich der hilficker und nimmt seinen koffer in die hand.
"ich hoffe, es taucht jetzt dann auch eurowings auf meinen nächsten gehaltscheck auf!" giftet er den steward an.
der macht nur eine generös-auffordernde handbewegung und lächelt.
schimpfend entfernt sich der hilficker richtung vordere gepäckreihen, während ihm seine perlen-uschi mit debilem gesichtsausdruck nachglubscht.

"sie auch", sagt der steward zu perlen-uschi, denn der charmante, zuvorkommende hilficker-gentleman hat natürlich nur seinen koffer mitgenommen. also muss nun auch perlen-uschi ihren breiten hintern aus dem sitz wuchten und ihren koffer nach vorne rollen.

als hilficker und perlen-uschi wieder neben mir sitzen, echauffiert sich hilficker weiter. einen beschwerdebrief werde er schreiben über "ineffizientes personal" und auch die reinigung des flugzeugs scheint ihm nicht gründlich genug erfolgt zu sein.

mir hingegen scheint die reinigung des hilfickers nicht ganz gründlich erfolgt zu sein, denn in der kabine macht sich eine penetrante schweißnote breit. ich habe aufgrund der unmittelbaren intensität erst perlen-uschi, die direkt neben mir sitzt, im verdacht, doch nach und nach wird mir klar, dass die moschus-wolken aus den achseln des aufgeregt fuchtelnden hilfickers empordampfen.

ich bin überglücklich, als ich 50 minuten später wieder boden unter dem flugzeugkörper habe und dem schweißgeruch und der meckerei des hilfickers sowie dem anblick seiner dämlichen perlen-uschi entfliehen kann.

mein dank geht trotz verspätung ausdrücklich an eurowings. es war mir ein großes vergnügen zu erleben, mit welch freundlicher professionalität mit renitenten fluggästen wie dem stinkenden hilficker umgegangen wird. ich hätte vollstes verständnis dafür, wenn menschen, die entgegen ausdrücklicher aufforderung ihr sperriges handgepäck nicht abgeben wollen, oder aber nicht in der lage sind, ein deo zu benutzen, vom flug ausgeschlossen werden. vielleicht könnt ihr das mal bei der nächsten gesellschafterversammlung als vorschlag einbringen. danke!




die letzte verbindung

du kommst nachhause und mir stockt der atem.
so überraschend, dich nach der langen zeit wiederzusehen.
und doch so unfassbar vertraut.

du bist erschöpft von der arbeit, ziehst dir den helm vom kopf.
breitest die arme aus.
ich schlüpfe hinein.

"ich hab auf dich gewartet", sage ich.
du hälst mich fest und fester.
"ich hab auf dich gewartet", wiederhole ich.
als antwort schmiegst du deine wange an meine.

es ist nichts weiter als traum.
ein hirngespinst.
aber für mich ist es eine gewissheit.
die verbindung des herzens ist die letzte, wenn es keinen kontakt mehr im leben gibt.
mit der letzten herzfaser hälst du mich.
ganz fest.




Montag, 30. Juli 2018

elbschönheiten

sonntag, hitze und langweile treiben den luxus-mann und mich nach draußen.
da der luxus-mann schulter hat und wir daher nicht badminton im park spielen können, müssen wir uns was überlegen.

"ich will an den elbstrand. da war ich nämlich noch nie", sage ich.
"du warst noch nie am elbstrand??" der luxus-mann kann das gar nicht glauben.
"naja, nur so da an der promenade zum spazieren. aber nicht richtig im sand oder im wasser."
"dann komm. das müssen wir ändern."
und wir schwingen uns auf die räder.

"aber versprich dir jetzt da nicht so viel davon", warnt mich der luxus-mann, der meine naturromantischen vorstellungen kennt und weiß, wie schnell diese immer wieder an der hamburger großstadtrealität zerschellen.
"warum?"
"das ist da kein schöner strand. nix malediven, auch nicht ostsee. das hat halt eher industrie-charm."
"industrie-charm klingt doch gut."

als wir ankommen, schlüpfe ich begeistert aus den schuhen.
"warte", sagt der luxus-mann. "das ist dunkler sa..."
"aua!" rufe ich schon und mache zwei sätze richtung beton.
"dunkler sand ist heißer", sagt der luxus-mann belustigt. "zieh mal lieber die schuhe wieder an."

schuhe am strand reduzieren das gesamtstrandfeeling natürlich beträchtlich, aber selbst mit sandalen kann ich die hitze unter meinen füßen spüren.
"ich komme mir vor, als würde ich über lava laufen", seufze ich.
"dann lass uns doch zum wasser gehen."

also schlendern wir westwärts am wasser entlang.
"jetzt sind wir gleich an diesem strandkiosk. das sind die ganzen schickis. und die weiber, die auf schicki machen, weil sie hoffen, dass sie dann so von so einem elbchaussee-spießer gefickt werden", klärt mich der luxus-mann auf.
"du scheinst dich auszukennen", kichere ich.
"naja, früher war ich da auch manchmal und hab geguckt, ob ich was zum vögeln finde. aber ich mit meinem look hatte ich natürlich keine chance bei schicki-weibern."
"wenn die gewusst hätten, dass der blonde punk mit der verwarzten lederjacke eigentlich ein ganz abgewichster börsenspekulant ist..."
"tja. deswegen sag ich ja immer zu meinem sohn, er soll sich nicht so sehr auf äußerlichkeiten verlassen."

"und, hast du dann doch mal eine von den elbschönheiten geknallt?" will ich wissen.
"ach, die ein oder andere im ein der anderen sommer schon. aber es ist jetzt hier halt nie so mein revier geworden. dazu waren die mir auch zu doof. und eben zu offensichtlich auf kohle aus."
"kann man hier überhaupt ficken, so überbevölkert wie das ist?"
"doch. damals sowieso. und nachts sieht das ja keiner."

wir machen pause und setzen uns auf ein mäuerchen. unter uns liegt eine runzelige dürre frau im bikini, mit dickem lidschatten und lippenstift, fetter klunkerkette, tausend goldfunkelnden armreifen, riesigen ohrringen und der obligatorischen ray-ban-sonnenbrille.
der luxus-mann schaut erst sie, dann mich nachdenklich an.
"soll ich mir mal die haare abschneiden?"
"nein! auf gar keinen fall! ich liebe deine langen haare! du hast voll den curt-cobain-look!"
"manchmal nerven die halt. und mein sohn findet mich peinlich."
"dein sohn lebt ja auch in einer instagram-welt."
"aber du sagst mir, wenns peinlich wird, ja? nicht dass es mir mal wie der da geht und ich nicht mehr schnalle, wenns richtig scheiße aussieht?"
"ja. ich sags dir auch, falls du mal eine fettabsaugung brauchst", lache ich.
der luxus-mann zwinkert und kneift mich.

später stehen wir am steg in övelgönne und gucken schiffe.
"mit so einem musste ich auch mal fahren", sagt der luxus-mann und zeigt nach unten auf ein großes antikes segelschiff. "das war so ein dämlicher betriebsausflug."
"kannst du segeln?"
"kein bisschen. ich hatte keinen plan und hab einfach gemacht, was die anderen gesagt haben. und dann sind wir in nen sturm gekommen und das scheiß schiff hat geschwankt wie blöde und mir war die ganze zeit über schlecht. war eine total beschissene aktion und mega anstrengend."
"also kein segeln mit dem luxus-mann."
"nee, besser nich. mir wird zu schnell schwindelig und übel."

ich nehme den luxus-mann in den arm, küsse seine dreitagebärtige wange und blicke in sein markantes, schönes profil.
"was starrst du auf mein olle gummel?" sagt der luxus-mann unsicher.
"ich mag deine nase. ich mag alles an dir, glaube ich."
"auch wenn ich nachts pupse?"
"naja, das vielleicht ein bisschen weniger!"
und der luxus-mann grinst selig und küsst mich ausnahmsweise zurück.