Mittwoch, 28. Oktober 2020

Dienstag, 27. Oktober 2020

lifehacks mit klopapier - flauschiger leben in zellstoff

kennen sie das? sie haben sich im frühjahr bereits den gesamten keller mit klopapier vollgestopft und finden jetzt, mitten in der zweiten welle, einfach keinen platz mehr, um ihr frisch gehamstertes weißes gold noch unterzubringen?

das muss nicht sein! denn mit etwas kreativität lässt sich klopapier maximal unterhaltsam vernichten.

wohnraum-design mit klopapier
ihre wohnung müsste sowieso mal neu tapeziert werden? sie haben sogar viel zeit im moment, aber kein geld für teure tapete, weil ihr komplettes vermögen in toilettenpapier angelegt ist? kein problem! klopapier lässt sich babyleicht an jede wand tackern und bietet ihnen und ihrer familie ein flauschig-wohliges ambiente.

nachhaltige klopapier-fashion
sie haben es satt, ständig langweilige, nichtssagende billig-fashion zu kaufen, die jeder trottel trägt? sie möchten kinderarbeit, dumpinglöhne und umweltfeindliche herstellungsprozesse in der modebranche nicht länger unterstützen? dann stricken oder häkeln sie sich doch einfach ihre persönlichen super-nachhaltigen unique fashion highlights in zellstoff! 
die große auswahl an farben und motiven bringt abwechslung in ihren kleiderschrank - und sie sind der star auf jeder corona-party! geheimtipp: falls sie irgendwann nicht mehr hineinpassen, weil sie in der corona-zeit fett geworden sind, können sie die kleidung einfach und umweltfreundlich die toilette runterspülen.

10 kilo abnehmen pro woche mit klopapier
sie sind ein kleiner oder großer mops und müssen dringend abnehmen? bislang sind sie mit jeder diät gescheitert? damit ist jetzt schluss! denn klopapier verspricht eine rasche, langanhaltende sätting bei nahezu null kalorien! 
sie denken, das schmeckt doch nicht? dann werden sie überrascht sein von der kulinarischen vielfalt, die ihnen toilettenpapier bietet! ob als belag fürs pausenbrot, als grundlage einer lasagne oder aber pur zum dippen und snacken zwischendurch - sie werden klopapier lieben! 
 
kinder beschäftigen mit klopapier
ihr kind malt ihnen ständig hässliche krakelbilder oder faltet undefinierbaren müll, den sie auch noch würdigen sollen? sie empfinden dies nicht nur als nervtötend, sondern auch als schreckliche papierverschwendung? 
dann geben sie ihrem kind einfach nur noch klopapier. sobald es sich mit seinen ungeschickten patschehändchen genug daran ausgetobt hat, können sie - anstatt ihre wohnung damit zu verunstalten -  den murks guten gewissens im abflussrohr verschwinden lassen.
 
besser entspannen mit klopapier
sie sind umgeben von menschen, die ihnen den ganzen tag belanglose scheiße erzählen? ihre kinder krakeelen ständig herum? ihr chef nervt sie mit seinem gelaber? klopapier schafft auch dieses problem aus der welt!
auch wenn klopapier in den ohren nur einen geringen dämmeffekt hat, eignet es sich jedoch hervorragend, um ihrem gegenüber damit die fresse zu stopfen. geheimtipp: auch gegen das lästige schnarchen ihres partners ist klopapier eine echte wunderwaffe. einfach großzügig in den rachen stopfen - und die herrliche stille im schlafzimmer genießen!

sie wollen nie wieder spannende lifehacks mit klopapier verpassen? dann abonnieren sie dieses blog und schieben sie sich ihren daumen in den arsch. 
auch beide, wenn sie möchten.

bis bald!
ihre morphine

Samstag, 24. Oktober 2020

i stay at home

die sehnsucht nach der heimat ist auch nach 12 jahren nicht verflogen. ich habe mich hier arrangiert, nicht mehr und nicht weniger. hamburg bleibt mein lärmiger, dreckiger, stinkender und maximal bronzener käfig, in dem ich wegen meiner beziehung und wahrscheinlich auch bald wieder wegen des neuen jobs festsitze.

drei bis vier besuche pro jahr im süden machen dieses wirtschaftsasyl für mich akzeptabel. dieses jahr gestaltet sich das alles schwierig. im märz wütete corona, im frühsommer bekam ich keinen urlaub. im spätsommer wollte dann der luxus-mann mit, was zur folge hatte, dass ich mich in der heimat nicht frei bewegen konnte. immer artiges pärchenprogramm, lächeln, nicken und aufs nächste mal hoffen.

umso mehr habe ich mich auf den oktober gefreut. eine ganze woche franken, insgesamt acht tage urlaub, alles entspannt. die flüge gingen, viele freunde warteten auf mich. alles schien perfekt. ich fieberte hin, zählte die tage.

dann jedoch funkte mir corona dazwischen. am tag meines abflugs schossen die zahlen wie blöd in die höhe. und es kamen mir zweifel:

ich muss rund 45 minuten mit der s-bahn zum flughafen fahren. in der s-bahn ist die masken-compliance mehr als mangelhaft. dann hühnere ich am airport herum. sitze am gate. danach eine stunde in der maschine. anschließend noch mal durch den zweiten flughafen rennen. 

um mich selbst machte ich mir weniger sorgen. doch was, wenn ich das virus anschleppte und meine eltern infizierte? oder wenn in bayern ein lockdown kam und ich nicht mehr ausreisen durfte? 

ich telefonierte mit meinen eltern, äußerte meine bedenken. meine vater war wie immer in heller panik und gab merkwürdigste theorien zum besten. bei meiner mutter überwog noch immer die vorfreude. beide sagten letztlich, dass ich gerne kommen sollte, wenn ich mich das traute.

als ich unschlüssig im hausflur am briefkasten stand, kam mir meine nachbarin entgegen. sie ist schwer gehbehinert und in etwa so alt wie meine mutter. ich hole ihr öfter sachen aus der apotheke oder helfe ihr beim tragen von einkäufen, da sie alleine lebt.

"du, sag mal, gewissensfrage", sagte ich zu ihr. "wenn ich deine tochter wäre und du hättest mich monate nicht gesehen, würdest du wollen, dass ich komme? jetzt so, mit den zahlen?"
"nein", antwortete sie wie aus der pistole geschossen. "du weißt ja, mein sohn arbeitet in flensburg und pendelt... der kam ja öfter mal vorbei... aber ich hab ihm gesagt, bleibt bloß zuhause."
ich nickte.
"was haste denn, machste dir gedanken, dass deine eltern dir böse sind?" fragte meine nachbarin lieb.
"nee. das nicht. aber meine mutter wird furchtbar traurig sein. sie hat vorhin schon am telefon geweint."
"weißte, ich mach mir auch immer so viel gedanken um alles und alle anderen. bringt nix! jetzt nicht zu verreisen, ist vernünftig."

das gab mir die kraft, meine eltern erneut anzurufen und den besuch abzusagen. ich hörte, wie meine mutter wieder mit den tränen kämpfte. ich wusste, welche kleinen altar sie in meinem alten kinderzimmer für mich erbaut hatte - willkommens-girlande und süßkram und wie meist auch ein kleines geldgeschenk.

so wurde mein erster urlaubstag todtraurig. 130 euro hatte ich zudem mit der absage in der wind geschossen, noch immer kein pappenstil für mich, aber verkraftbar.

ich rief den luxus-mann an und teilte ihm meinen entschluss mit.

"aber warum denn?" wollte er wissen.
"haste mal nachrichten geguckt?"
hatte er natürlich nicht. 
"krass", sagte er. "und dänemark macht die grenzen dicht! da sind wir dann letzte woche gerade noch so rausgekommen."

"ich bin traurig", sagte ich.
"warum denn? weihnachten fährst du doch eh schon wieder runter."
"alter! sei mal realistisch! weihnachten kanns nur noch schlimmer sein!"
"hm, stimmt, könnte sein. das ist schon erschreckend."

"außerdem sage ich immer, dass andere asozial und verantwortungslos sind, wenn sie jetzt verreisen. man muss sich auch mal an den eigenen moralvorstellungen messen", füge ich hinzu.
"deine moralvorstellungen in allen ehren, aber die anderen fahren trotzdem ohne maske öffis oder verreisen oder feiern ihre türkische hochzeit mit tausend gästen."
"dann kann ich die wenigstens getrost asozial nennen."

so sitze ich also derzeit zuhause, erfreue mich so mittel an meiner integren moral und bin ansonsten sehr niedergeschlagen und voller sehnsucht. 

Freitag, 16. Oktober 2020

im zwei fall

in umbruchsphasen wie diesen bin ich dünnhäutig. alles trifft mich mit voller wucht und ich habe keine filter mehr übrig, um auf die hereinbrechende emotionslawine zu reagieren. 

der luxus-mann findet mich schwierig, weil ich dann extrem schnell an die decke gehe. 

ich finde den luxus-mann schwierig, weil er so wenig empathie hat, dass er fortwährend benzin in mein gefühlsgeloder schüttet. was dazu führt, dass ich mich noch mehr in mir verstricke und verzettle.

kontraproduktiv, dass ich mich in solchen zeiten verstärkt an meinen partner binde, weil ich sicherheit suche. der luxus-mann, ohnehin unterkühlt, entzieht sich dann noch mehr als sonst. 

totale distanz. irgendwie ein déjà-vu.

am liebsten würde ich meine sachen packen und zum objekt in den osten ziehen. 

der potenzielle neue job wird auf so etwas aber keine rücksicht nehmen. "vollgas" wird erwartet und dass es nichts gibt, was wichtiger als der job ist. 

mein potenzieller neuer chef: ein cdu-mitglied. und ich weiß, es wird nicht passen. und muss doch anderweitig so schlecht nicht sein.

oder kann ich passend machen, was nicht stimmt? mit etwas flexibilität?

ich bin nicht dehnbar, eher breche ich.

entsprechend bin ich nach wie vor zerrissen wie ein altes federkissen. tausende daunen, die im wind tanzen. kein fortschritt, kein stillstand, nur heilloses durcheinander.

alles, was ich weiß, ist, dass ich nicht für die liebe gemacht bin. 

und für den kapitalismus auch nicht. 

Sonntag, 11. Oktober 2020

das bewerbungsgespräch

bewerbungsgespräche machen mir immer angst. dabei könnte ich theoretisch entspannt sein, schließlich habe ich einen ganz guten job und bin nicht darauf angewiesen, gewollt zu werden. mein hirn aber sieht das anders. das malt schon mal prophylaktische schreckensszenarien.

im traum fahre ich zum bewerbungsgespräch und komme entgegen meiner erwartung (= irgendein bürohaus) auf einem unübersichtlichen gelände an. es ähnelt einem schlammigen kz mit parkhausartigen gebäudedecks und ist auch infrastrukturell ausgesprochen 50er-jahre-mäßig. 

es ist nicht ganz einfach, hineinzukommen. zunächst muss ich mich registrieren lassen und einchecken. das ganze nimmt mehr als 20 minuten in anspruch. panisch bemerke ich, dass ich nun zu spät zum eigentlichen gespräch komme. 

ich haste mit einer mitarbeiterin in die cafeteria, wo es ein altes braunes schnurtelefon gibt. über dieses gebe ich meinem potenziellen chef in spe bescheid, dass es aufgrund des mir nicht angekündigten registrierungsverfahrens noch etwas dauert.

das gewusel um mich herum ist enorm und ich bin völlig geplättet, dass so irrsinnig viele mitarbeiter an einem so ausgesprochen hässlichen ort arbeiten. ich frage die mitarbeiterin an meiner seite, ob denn hier auch leute im homeoffice arbeiten, da mir der job als homeoffice-job verkauft worden sei. sie sagt mir, dass hier eigentlich alle immer präsenzarbeiten und dass man das selbstverständlich auch von mir erwarte.

ich bin sehr mittel begeistert und denke, oh nein. die weite fahrt, dieser schreckliche ort und dann diese furchtbare unruhe durch diese tausenden menschen! das ertrage ich nicht. präsenzarbeiten scheidet ohne frage aus.

die mitarbeiterin nervt mich, doch auch etwas zu essen, wenn ich schon mal in der cafeteria bin. sie nötigt mich zu einem belegten brötchen. des lieben friedens willen kaufe ich ein beknacktes brötchen. toll, das muss ich jetzt in der hand halten beim bewerbungsgespräch, schließlich kann ich mich da ja nicht hinsetzen und mampfen und mit vollem mund von mir erzählen.

überraschenderweise holt mich mein potenzieller chef in spe aus der cafeteria ab. es ist ein schmieriger kleiner wicht im karierten anzug. zur begrüßung grinst er fies und heißt mich mit ironischem unterton willkommen. ich entschuldige mich erneut für die verzögerung und weise noch einmal darauf hin, dass ich von meiner headhunterin nicht über den komplizierten  registrierungsprozess aufgeklärt wurde. auch, wenn es jetzt so aussieht, als habe ich mir nur in der cafeteria vollfressen wollen.

der chef grinst weiterhin fies und meint, dass wir das ganze gern abkürzen könnten. er habe sich meine bewerbung noch einmal genau angesehen und zwei interpunktionsfehler entdeckt. unter diesen umständen sei ich ohnehin ungeeignet.

ich schüttle ihm die hand, danke ihm ironisch für das gespräch und versichere ihm, die abneigung sei ganz meinerseits. dann suche ich die bahn und fahre den weiten, weiten weg enttäuscht nachhause.