Montag, 16. Februar 2026

fuck the fleuroptag

dem fleuroptag zu entrinnen ist schwierig. es ist wie weihnachten und ostern zusammen - inflationärer nippes und fressalien zum angeblichen schnäppchenpreis. eine endlose wiederholung der wiederholung, nur in herz- statt weihnachtsmann- oder hasenform.

"wann ist denn eigentlich valentinstag", fragt der luxus-mann, als wir an der supermarkt-kasse stehen.

"heute", antworte ich.

"ach. aber wir schenken uns doch nichts, oder?"

"nicht, dass ich irgendwas erwartet hätte. nicht, dass ich irgendwas für dich hätte", sage ich bärbeißig.

der mann guckt vorsichtig und weiß: ich bin pissig wie zehn mann, nicht so sehr wegen fleurop oder nicht-fleurop, sondern weil ich urschlecht geschlafen und pms habe. und weil ich gerade gerne allein wäre. weil mir das ganze stino-pärchen-samstagsgedöns auf den wecker fällt, heute noch viel mehr als sonst.

während der mann beständig wissen will, was wir tolles, extravagantes zum zehnjährigen machen könnten und ob wir nicht vielleicht doch endlich zusammenziehen, überlege ich schon seit dem herbst, ob ich das alles so noch halten kann. 

"ich hatte mir ja versprochen, als rentnerin zurück nach n zu gehen und das haus meiner eltern zu bewohnen", sage ich zu meiner psychiaterin beim quartalsweisen check-up-termin. "aber irgendwas in mir hat das vorterminiert, ist mein eindruck. irgendwas in mir will einfach nicht noch 23 jahre in einer suboptimalen situation verharren, die ich nur mit psychiatrischer hilfe bewältigen kann."

und während der mann vorschläge für kurztrips und feiermöglichkeiten macht, freue ich mich wie ein kind aufs nächste katzensitting bei meiner lieblingskatzen-family. 10 tage flausch und ruhe in einer doppelgeschossigen eigentumswohnung mit garten statt schizo-randale im irrenhaus. das ist der beste urlaub, den ich mir vorstellen kann.

vielleicht komme ich dabei auch mit meiner entscheidung weiter. 

Dienstag, 10. Februar 2026

party for elderly people

am vergangenen samstag ließ ich zipperlein und spießertum endlich wieder einmal hinter mir und stürzte mich zusammen mit zwei luxus-kumpels ins nachtleben. anlass war das konzert von psyche, auf das ich mich schon ein ganzes weilchen gefreut hatte. 

am veranstaltungsort angekommen rannte ich erst mal meinem langjährigen stalker in die arme. der blieb jedoch ganz geschmeidig - vermutlich wegen der runzligen, rothaarigen vogelscheuche an seiner seite, die sämtliche andere frauen bissgurkig beäugte. darüber hinaus fühlte ich mich auch durch die anwesenheit der luxus-kumpels recht gut geschützt, denen der zuhause weilende mann befohlen hatte, jedem in die fresse zu hauen, der mir zu nahe kam.

als vorband spielten sea of sin, eine mir bis dato gänzlich unbekannte band. es war ein recht passionierter akt, allerdings stark beeinträchtigt durch die erkältungs- und aufregungsbedingten stimmprobleme des sängers. was an stimme fehlte, machte er durch klatsch-einsatz wett - und natürlich war gewünscht, dass das publikum hier frohgemut mit einstimmte.

solche begeisterungsbekundungsaufforderungen führen bei mir grundsätzlich zu sofortigem begeisterungsabfall und zu totaler beifallsverweigerung. wir waren ja schließlich nicht auf dem ballermann. also stand ich da, verkreuzt und verkrampft, und kämpfte mit hartnäckigen anfällen von gänsehaut, wenn die stimme mal wieder um eine terz entgleiste.

den luxus-kumpels ging es ähnlich wie mir, denn auch ihnen war das mutantenstadl-artige gepatsche zuwider.
"ich hoffe, wir müssen jetzt nicht gleich noch layla singen" sagte der eine. 
entsprechend waren wir alle recht froh, als das vorspiel zu ende ging und sich die gelegenheit ergab, die getränkevorräte aufzufüllen. 

eine gute stunde später folgte dann der hauptact - und ich war sehr gespannt. ich hatte psyche zuletzt vor 18 jahren live erlebt. damals saß darrin zeitweise mit acoustic-gitarre auf einen barhocker und schuf eine heimelige unplugged-atmosphäre. zwischendurch erzählte er von seinen früheren erfahrungen in deutschland und den "german people", die gerne "sad" guckten und bevorzugt und passenderweise "blue" trugen.  

diesmal gab es beats satt - und darrin tanzte und ruderte mit allem, was er hatte - auch winkearme, wie ich mit meinem langjährig durch die plastische chirurgie geschulten auge feststellte. er bewies zudem, dass die männliche stimme im fortgeschrittenen alter weder auf piepsig-heiseres blecheimer-format schrumpfen noch an ausdauer verlieren muss - wie man es sonst häufig von gewissen seniorigen organen kennt.

einzig nachteilig war die m.e. mangelhafte steuerung der höhen durch die tontechnik: im fortissimo kippte es bisweilen ins unangenehme. ich ahnte, dass mir der abend hartnäckigen tinnitus bis mindestens übermorgen bescheren würde.

am ende des konzerts hatten sich noch weitere luxus-freunde und -bekannte um uns geschert. man fragte mich mehrfach, wo denn der stubenhocker-mann abgeblieben sei und brachte ideen zur fortsetzung des noch jungen abends ein. 

wir watschelten daraufhin noch in eine bar, aber allzu lange ging es dann nicht mehr. wenige biere und shots später trennten wir uns - die alten knochen machen langes stehen für die meisten von uns leider zur qual. (ja, da waren sie wieder, die zipperlein!)

ich beschloss, noch einen mp3-begleiteten spaziergang durch die nacht zu unternehmen und schlug erst wieder gegen zwei uhr morgens in luxus-hausen auf. der mann hatte zwischenzeitlich "alien romulus" geschaut, den er so unterirdisch fand, dass der plot subito seiner ausgeprägten demenz anheimgefallen war. 

so setzten wir uns noch ein weilchen auf die couch, nahmen einen letzten drink, legten platten auf und redeten, bis wir uns final bettreif fühlten.

am sonntagabend hatte ich erstmals seit langem wieder das gefühl, ein "richtiges" wochenende gehabt zu haben. das führte sogar dazu, dass ich recht gut gelaunt in den montag startete. 

wohl dosiert sollte man ausgehgewohnheiten also durchaus auch im alter beibehalten - und sich nicht komplett der spießigkeit und langeweile hingeben. 

Samstag, 31. Januar 2026

ungewolltes rampenlicht

seit drei monaten gehe ich meinem neuen job nach. es ist ganz ok, einigermaßen interessant, aber auch sehr anstrengend. überstunden sind die regel, der ton ist hart und rau, der leistungsdruck enorm. 

also kein umfeld, in dem ich idealismus oder gar langfristige träume entwickle. wenn ich im lotto gewinnen würde, fiele mir augenblicklich der stift aus der hand. und wenn ich einen besseren job fände, wäre ich ohne lange zu fackeln weg. 

seit jahresbeginn habe ich nun allerdings vermehrt termine mit dem vorstand. daran nimmt die vorstandsrige plus die abteilungschefs plus der häuptling der unternehmenskommuniaktion teil. alles männer, allesamt in leader-positionen. gegenstand der meetings ist unsere außendarstellung.

ich selbst soll eigentlich nur als zuhörerin teilnehmen, um mir daraus hinweise fürs operative geschäft abzuleiten. aber mein hirn ist ja leidergottes ein feuerwerk. und da ich das herz auf der zunge trage, rutschen mir ideen und einwände oftmals einfach so raus.

im ersten meeting - einer verkopften, ins nichts führenden männer-diskussion mit beständigem schwanzvergleich - bescherte mir mein spontaner einwurf "also, das und das brauchen wir so und so aus dem und dem grund" die erste unfreiwillige aufmerksamkeit. 

zunächst die meines direkten chefs, der ebenfalls in diesen meetings saß. "stopp!" rief er verärgert. "das ist hier NICHT das thema!"

klar, ich hatte als neue noch keine genauere ahnung, um was es da ging, und ich vertrat die unterste hierachie - die befehlsempfängerin. da ich den maulkorb jedoch herablassend fand und cheffe selbst auch ideenlos schien, wurde ich sauer: "aber es ist logisch, so vorzugehen, weil wir das [von mir gesagte] für x und y brauchen."

ich rechnete danach mit einem weiteren abbügler sowie einer rüge für meinen tonfall, aber unser new yorker vorstands-oberboss brüllte in diesem moment begeistert mit seinem enormen männerorgan:

"doch! this is exactly what we need!" - und dann zu mir: "please, go on, morphine."

also machte ich noch sehr bescheiden zwei, drei ausführungen, betonte, dass es sich um rein theoretische und vollkommen optionale ideen handle, die aber eben praktisch, ökonomisch und zielführend wären. dann befahl der vorstand dem obersten kommunikationshäuptling, bis in zwei wochen ein erstes konzept zum geplanten paper zu machen. und zwar so, wie ich vorgeschlagen hatte. 

ich hatte nach diesem termin den eindruck, dass mein chef alles andere als angetan von meiner unerwünschten proaktivität war. doch wenn der vorstand so begeistert war, konnte er mich nicht nachträglich zusammenfalten. den kommunikationshäuptling beneidete ich ebenfalls nicht, der hatte jetzt dank mir eine mammutaufgabe an der backe.

dann hatten wir die zweite vorstandssitzung. der kommunikationshäuptling musste das konzept präsentieren, wofür er eine poppige powerpoint-präsentation mit vielen bunten bildern zusammengebastelt hatte. die ganz offensichtlich über die dürftigen inhalte hinwegtäuschen sollte.

der vorstand durchschaute das sofort und war not amused. mein chef wiegelte ab: das sei ja nun auch keine leichte aufgabe, auch nicht für einen super erfahrenen kommunikationshäuptling. man könne das durchaus diskutieren. dann begann erneut der männer-ego-schlagabtausch. 

ich saß herum und langweilte mich, aber in einer ecke meines hirns brodelte es schon wieder: "wenn ich einen vorschlag machen dürfte..." und dann erklärte ich, wie ich das paper-konzept strukturiert hätte, auf welche konkreten inhalte ich setzen würde und in welcher relation ich sie zueinander sehe, was dann exakt das gewünschte resultat erzielen würde.  

als ich fertig war, wartete ich auf einen erneuten maulkorb von cheffe. aber der kam nicht. dann meinte der vorstand, dass er meinen vorschlag großartig fand. und malte ihn weiter aus. der kommunikationshäuptling sagte gar nichts mehr. nur mein chef warf noch dann und wann ein: "jaja, genauso hätte ich das auch gemacht!" 

mein herzchen wummerte derweil technoid. ich konnte fühlen, wie meine dekorativen roten aufregungs-flecken im gesicht glühten. am liebsten wäre ich im erdboden versunken, aber ein bisschen stolz war ich natürlich trotzdem, als underdog die dicken krawatten-tiere beeindruckt zu haben.

dann kamen wir zum ende der einstündigen laberverstaltung, die man auch auf fünf minuten hätte zusammendampfen können. der vorstand wandte sich an mich - und trug mir kurz und knapp auf, das konzept für das paper zu erstellen.

na toll - da hatte ich mir mit meiner vorlauten fresse die aufgabe des kommunikationshäuptlings eingehandelt! 

und weiß jetzt gar nicht, wie ich das finden soll.

eigentlich wollte ich nur einen ruhigen schreibtisch-job mit hohem freiheits- und homeoffice-anteil. jetzt hatte ich häuptlings-aufgaben und war nicht nur keine häuptlingeline ohne häuptlingsgehalt, sondern auch immer noch ein newbie - und nicht zuletzt ein mensch, der jedes profilierungsgehabe hasst und selbst am liebsten unbehelligt unter dem radar läuft. ganz davon abgesehen hatte ich bereits mit meinen nichthäuptlings-aufgaben den arsch voll zu tun.

zwei tage später erfuhr ich via flurfunk, dass der vorstand den kommunikationshäuptling auf der abschussrampe positioniert hatte. hire und fire ist bei uns ja an der tagesordnung. 

das macht meine lage noch schwerer einschätzbar. frauen mit guten ideen laufen immer schnell gefahr, in einer männerwirtschaft zertrampelt oder schlichtweg gnadenlos ausgenutzt zu werden. wenn ich pech habe, bekomme ich jetzt ständig komplexe häuptlingsaufgaben, die ich on top zum tagesgeschäft für mein mickergehalt erledigen soll. 

was mir als neuling dann möglicherweise auch nicht in der gewünschten qualität gelingt. was wiederum hochgefährlich wäre, da unser vorstand so rasch begeistert wie enttäuscht ist und aus dieser spontanen emotion heraus entscheidungen trifft, die blitzschnell folgen für ein arbeitsverhältnis haben können. selbst wenn ich zehnmal abliefere und das elfte mal verkacke, bin ich garantiert genauso fix weg vom fenster wie der häuptling der unternehmenskommunikation.

falls jemand einen guten rat oder am besten eigene erfahrungen hat, wie man sich in so einer situation politisch geschickt verhält, wäre ich sehr interessiert. gerne auch via e-mail. 

Mittwoch, 28. Januar 2026

mensch versus maschine

ich bin begeisterte zweite-weltkrieg-doku-guckerin. es entspannt mich, wenn ich schwarzweiße bewegtbilder aus dieser zeit sehe - beispielsweise bomben, die auf städte fallen, halberfrorene wehrmachtsoldaten in russland oder ein kz-krematorium von innen. fragen sie mich nicht warum, es geht mir auch mit horrorfilmen so.

auf du-röhre findet sich theoretisch jede menge für meinen geschmack passendes material. allerdings steigt der anteil ki-generierter beiträge darunter massiv. 

kürzlich fiel mir mit erstaunen auf, dass mich diese videos nahezu kaltlassen - ja, dass meine aufmerksamkeit regelmäßig abschweift und ich mich am ende an den inhalt kaum erinnern kann.

woran liegt das, fragte ich mich? die ki-videos sind alle gut gemacht, geradezu voyeuristisch aufbereitet, übertreffen einander mit spektakulärem bildmaterial und bewegenden geschichten. auch das niveau ist niedrig-verständlich gehalten und der inhalt sogar für geistige zwerge leicht zu erfassen.

irgendwann fiel es mir wie schuppen von den augen: maßgeblich verantwortlich für den demenz-effekt muss der sound dieser videos sein. ein ki-sprecher nimmt mich einfach null mit. seine tonlage ist in der regel zwar professionell, aber belanglos-monoton, die stimme fast ohne modulation. wenn er beispielsweise über die gegen politische gefangene eingesetzten foltermethoden spricht, klingt es, als beschreibe er die einrichtung eines wohnzimmers oder verlese eine gebrauchsanweisung. 

darüber hinaus ist im hintergrund fast überall dieselbe vermutlich lizenzfreie soundkulisse installiert. auch sie ist kalt, beliebig und ohne jegliche emotion. sie könnte ebenso landschaftsaufnahmen intonieren, ein tutorial für excelkalkulation oder den maschinellen abfüllprozess von tütensuppe. 

kurzum, ein teil meines gehirns muss sich beim zuhören derart langweilen, dass es direkt abschaltet.

vermutlich bin ich einfach zu alt für die beschränkte intelligenz der künstlichkeit. oder es zeigt sich hier, was ki auf nachfrage durchaus auch von sich selbst behauptet - nicht ansatzweise mit einem menschen mithalten zu können, wenn es um emotion und authentizität geht. zumindest noch nicht. 

und das finde ich irgendwie sehr beruhigend.

Donnerstag, 22. Januar 2026

in flauschiger mission

kürzlich ereilte mich die anfrage eines älteren ehepaars, ob ich nicht ihren kater vorübergehend aufnehmen wolle. die besitzer planen, mehrfach jährlich für mehrere wochen in ihrer finca auf malle zu weilen und haben keinen nerv, el kater in ein flugzeug einzuchecken.

was mich in ein mächtiges dilemma stürzte, denn ich liebe katzen. allerdings bin ich als langweilige mittvierziger-vollspießerin seit rund zwei jahren besitzerin einer teuren ledercouch. sie ist das einzige möbelstück in meiner wohnung, das einen vierstelligen betrag gekostet hat.

couch und katze vertragen sich erfahrungsgemäß schlecht. der letzte gastkater ließ sich nicht lange von kissen, kisten und anderem mit bedacht installiertem rückzugs-gedöns beeindrucken. er hatte zielgerichtet die mit einer decke großflächig geschützte couch als sein reich auserkoren. die eroberung erfolgte in seinem speziellen fall von unten: er quetschte sich immer wieder unter das gute stück und schabte so lange mit den krallen an der stoffbespannung der unterseite, bis er ein großes loch hineingefetzt hatte. 

ab diesem zeitpunkt wohnte er gewissermaßen in der couch und kam nur zum fressen und zur abendlichen kuschelrunde heraus. was der couch nicht wirklich gut tat, zumindest ihrer stoffbespannung nicht, die seither ausgeleiert durchhängt.

leider finde ich katzige anarchie nicht nur nervig, sondern auch unwiderstehlich. und immerhin weilt die black princess jetzt schon 7 jahre jenseits des regenbogens. 

maybe it´s time for a fluffy mission. habe ja auch sonst nix sinnvolles zu tun.