Dienstag, 31. Juli 2018

fliegen mit eurowings, dem tommy hilficker und seiner perlen-uschi

ich will in die heimat und stehe schon eine stunde am gate, denn eurowings hat verspätung. der gesamte flughafenabschnitt ist brechend voll. an vier gates warten gefühlt eine million menschen. kreischende kinder flitzen zwischen genervten erwachsenen herum. sitzplätze sind aus. schlechte luft und schlechte laune machen sich zunehmend breit.

nichtsdestotrotz ist die fluggesellschaft bemüht, das beste aus der situation zu machen. unter anderem fordert sie mehrfach dazu auf, dass fluggäste mit handgepäck ihre koffer bitte aufgeben sollen - kostenlos und direkt hier am gate. so soll ein zügigeres einsteigen gewährleistet werden. einige nehmen die aufforderung wahr, dennoch sehe ich beim einsteigen immer noch unzählige handgepäckskoffer an mir vorbeirollen. entsprechend sind die gepäckfächer ruckzuck voll.

auch meine sitznachbarn - eine perlen-uschi und ihr in einem tommy-hilfiger-shirt bekleideter, hipsterknödeliger spacko - gehören zu denen, die das nachsehen haben. tommy hilficker ist deswegen grantig. er sieht es ÜBERHAUPT nicht ein, dass er als billofluggast nun ganze 50 minuten mit koffer an den klöten ausharren soll. das könne man ihm nicht zumuten. schließlich ist er ein tommy hilficker und hat eine perlen-uschi-freundin.

der hilficker beschwert sich also beim steward. der freundliche und hilfsbereite steward sichert ihm zu, dass er, falls er keinen platz mehr für seinen koffer findet, er ihn nachträglich in den gepäckraum bringen lassen würde. dann geht der steward die reihen durch und beginnt, gepäckstück um gepäckstück umzuschlichten, damit der hilficker-koffer vielleicht doch noch platz findet.

nach zehn minuten steht der steward wieder schweißüberströmt und etwas außer atem neben uns. es sei ihm gelungen, platz zu machen. der hilficker könne seinen und auch perlen-uschis koffer ganz vorn im flieger noch unterbringen und entsprechend mit beinfreiheit fliegen.

der hilficker ist jedoch keineswegs erfreut oder dankbar.
"soll ich jetzt etwa selber meinen koffer bis ganz nach vorne schleppen?" fragt er wie ein fünfjähriger, dem man gesagt hat, er solle bitte sein zimmer aufräumen.
der steward nickt.

der verwöhnte hilfiger-schnösel bewegt sich immer noch nicht.
ich halte den atem an.
der steward steht da und guckt nicht mehr ganz so nett.
"bitte, wenn sie jetzt ihren koffer nach vorne bringen und ins gepäckfach legen würden!" sagt er etwas strenger.

endlich erhebt sich der hilficker und nimmt seinen koffer in die hand.
"ich hoffe, es taucht jetzt dann auch eurowings auf meinen nächsten gehaltscheck auf!" giftet er den steward an.
der macht nur eine generös-auffordernde handbewegung und lächelt.
schimpfend entfernt sich der hilficker richtung vordere gepäckreihen, während ihm seine perlen-uschi mit debilem gesichtsausdruck nachglubscht.

"sie auch", sagt der steward zu perlen-uschi, denn der charmante, zuvorkommende hilficker-gentleman hat natürlich nur seinen koffer mitgenommen. also muss nun auch perlen-uschi ihren breiten hintern aus dem sitz wuchten und ihren koffer nach vorne rollen.

als hilficker und perlen-uschi wieder neben mir sitzen, echauffiert sich hilficker weiter. einen beschwerdebrief werde er schreiben über "ineffizientes personal" und auch die reinigung des flugzeugs scheint ihm nicht gründlich genug erfolgt zu sein.

mir hingegen scheint die reinigung des hilfickers nicht ganz gründlich erfolgt zu sein, denn in der kabine macht sich eine penetrante schweißnote breit. ich habe aufgrund der unmittelbaren intensität erst perlen-uschi, die direkt neben mir sitzt, im verdacht, doch nach und nach wird mir klar, dass die moschus-wolken aus den achseln des aufgeregt fuchtelnden hilfickers empordampfen.

ich bin überglücklich, als ich 50 minuten später wieder boden unter dem flugzeugkörper habe und dem schweißgeruch und der meckerei des hilfickers sowie dem anblick seiner dämlichen perlen-uschi entfliehen kann.

mein dank geht trotz verspätung ausdrücklich an eurowings. es war mir ein großes vergnügen zu erleben, mit welch freundlicher professionalität mit renitenten fluggästen wie dem stinkenden hilficker umgegangen wird. ich hätte vollstes verständnis dafür, wenn menschen, die entgegen ausdrücklicher aufforderung ihr sperriges handgepäck nicht abgeben wollen, oder aber nicht in der lage sind, ein deo zu benutzen, vom flug ausgeschlossen werden. vielleicht könnt ihr das mal bei der nächsten gesellschafterversammlung als vorschlag einbringen. danke!




die letzte verbindung

du kommst nachhause und mir stockt der atem.
so überraschend, dich nach der langen zeit wiederzusehen.
und doch so unfassbar vertraut.

du bist erschöpft von der arbeit, ziehst dir den helm vom kopf.
breitest die arme aus.
ich schlüpfe hinein.

"ich hab auf dich gewartet", sage ich.
du hälst mich fest und fester.
"ich hab auf dich gewartet", wiederhole ich.
als antwort schmiegst du deine wange an meine.

es ist nichts weiter als traum.
ein hirngespinst.
aber für mich ist es eine gewissheit.
die verbindung des herzens ist die letzte, wenn es keinen kontakt mehr im leben gibt.
mit der letzten herzfaser hälst du mich.
ganz fest.




Montag, 30. Juli 2018

elbschönheiten

sonntag, hitze und langweile treiben den luxus-mann und mich nach draußen.
da der luxus-mann schulter hat und wir daher nicht badminton im park spielen können, müssen wir uns was überlegen.

"ich will an den elbstrand. da war ich nämlich noch nie", sage ich.
"du warst noch nie am elbstrand??" der luxus-mann kann das gar nicht glauben.
"naja, nur so da an der promenade zum spazieren. aber nicht richtig im sand oder im wasser."
"dann komm. das müssen wir ändern."
und wir schwingen uns auf die räder.

"aber versprich dir jetzt da nicht so viel davon", warnt mich der luxus-mann, der meine naturromantischen vorstellungen kennt und weiß, wie schnell diese immer wieder an der hamburger großstadtrealität zerschellen.
"warum?"
"das ist da kein schöner strand. nix malediven, auch nicht ostsee. das hat halt eher industrie-charm."
"industrie-charm klingt doch gut."

als wir ankommen, schlüpfe ich begeistert aus den schuhen.
"warte", sagt der luxus-mann. "das ist dunkler sa..."
"aua!" rufe ich schon und mache zwei sätze richtung beton.
"dunkler sand ist heißer", sagt der luxus-mann belustigt. "zieh mal lieber die schuhe wieder an."

schuhe am strand reduzieren das gesamtstrandfeeling natürlich beträchtlich, aber selbst mit sandalen kann ich die hitze unter meinen füßen spüren.
"ich komme mir vor, als würde ich über lava laufen", seufze ich.
"dann lass uns doch zum wasser gehen."

also schlendern wir westwärts am wasser entlang.
"jetzt sind wir gleich an diesem strandkiosk. das sind die ganzen schickis. und die weiber, die auf schicki machen, weil sie hoffen, dass sie dann so von so einem elbchaussee-spießer gefickt werden", klärt mich der luxus-mann auf.
"du scheinst dich auszukennen", kichere ich.
"naja, früher war ich da auch manchmal und hab geguckt, ob ich was zum vögeln finde. aber ich mit meinem look hatte ich natürlich keine chance bei schicki-weibern."
"wenn die gewusst hätten, dass der blonde punk mit der verwarzten lederjacke eigentlich ein ganz abgewichster börsenspekulant ist..."
"tja. deswegen sag ich ja immer zu meinem sohn, er soll sich nicht so sehr auf äußerlichkeiten verlassen."

"und, hast du dann doch mal eine von den elbschönheiten geknallt?" will ich wissen.
"ach, die ein oder andere im ein der anderen sommer schon. aber es ist jetzt hier halt nie so mein revier geworden. dazu waren die mir auch zu doof. und eben zu offensichtlich auf kohle aus."
"kann man hier überhaupt ficken, so überbevölkert wie das ist?"
"doch. damals sowieso. und nachts sieht das ja keiner."

wir machen pause und setzen uns auf ein mäuerchen. unter uns liegt eine runzelige dürre frau im bikini, mit dickem lidschatten und lippenstift, fetter klunkerkette, tausend goldfunkelnden armreifen, riesigen ohrringen und der obligatorischen ray-ban-sonnenbrille.
der luxus-mann schaut erst sie, dann mich nachdenklich an.
"soll ich mir mal die haare abschneiden?"
"nein! auf gar keinen fall! ich liebe deine langen haare! du hast voll den curt-cobain-look!"
"manchmal nerven die halt. und mein sohn findet mich peinlich."
"dein sohn lebt ja auch in einer instagram-welt."
"aber du sagst mir, wenns peinlich wird, ja? nicht dass es mir mal wie der da geht und ich nicht mehr schnalle, wenns richtig scheiße aussieht?"
"ja. ich sags dir auch, falls du mal eine fettabsaugung brauchst", lache ich.
der luxus-mann zwinkert und kneift mich.

später stehen wir am steg in övelgönne und gucken schiffe.
"mit so einem musste ich auch mal fahren", sagt der luxus-mann und zeigt nach unten auf ein großes antikes segelschiff. "das war so ein dämlicher betriebsausflug."
"kannst du segeln?"
"kein bisschen. ich hatte keinen plan und hab einfach gemacht, was die anderen gesagt haben. und dann sind wir in nen sturm gekommen und das scheiß schiff hat geschwankt wie blöde und mir war die ganze zeit über schlecht. war eine total beschissene aktion und mega anstrengend."
"also kein segeln mit dem luxus-mann."
"nee, besser nich. mir wird zu schnell schwindelig und übel."

ich nehme den luxus-mann in den arm, küsse seine dreitagebärtige wange und blicke in sein markantes, schönes profil.
"was starrst du auf mein olle gummel?" sagt der luxus-mann unsicher.
"ich mag deine nase. ich mag alles an dir, glaube ich."
"auch wenn ich nachts pupse?"
"naja, das vielleicht ein bisschen weniger!"
und der luxus-mann grinst selig und küsst mich ausnahmsweise zurück.



Samstag, 21. Juli 2018

fuck all therapists

"gehst du eigentlich noch zur therapie?" fragt der luxus-mann und guckt mich streng an.
"nö", sage ich schnöde.
"rum?"
"nee, ich hätte noch stunden gehabt, aber das war wieder zunehmend so eine luschige veranstaltung, ich hab eh nur wieder durchgekaut, was ich schon weiß. wozu soll ich da weiter hinlatschen? kaffeekränzchen kann ich auch anders haben."

"aber du nimmst doch noch medikamente!"
"das eine hat ja nicht direkt was mit dem anderen zu tun."
"doch klar."
"nein. das wäre so, wie wenn du einem diabetiker vorwirfst, dass er nicht mehr in den sportverein geht. klar beeinflusst sport den blutzuckerspiegel, aber nicht nur."
"du machst es dir einfach!"
"danke für deine unterstützung. es bringt mich echt weiter, wenn du arschig wirst!"
"ich mein ja nur."
"lass mich mal machen. das muss jetzt so, denke ich."

es gibt den punkt, an dem man einfach leben muss. in therapie zu bleiben, bedeutet, im nest zu bleiben. nie fliegen zu lernen. immer angewiesen sein auf die hand, die einen hält, solange die krankenkasse diese bezahlt.

irgendwann kommt aber der punkt, an dem man einsehen muss: ich werde nie zufrieden sein. ich werde immer suchen. aber verdammte axt, ich werde einfach das beste draus machen.
irgendwie.
irgendwo.
und vielleicht mit jemandem an meiner seite, der das alles so aushält wie der luxus-mann.




Samstag, 14. Juli 2018

sternschnuppen

"is voll schön hier", sagt der luxus-mann selig am telefon. er ist mal wieder auf festival unterwegs und liegt vor seinem zelt, während seine kumpels schon schnarchen.
"der mann ist auch schon ganz schön voll", analysiere ich.
"ja, isser. aber das magsss du ja."
"du bist besoffen halt so schön zärtlich und anhänglich."

"ichab... mein kumpel heute erzählt, wie entspannt wir miteinander sinn... und dass es im bett so gut klappt", erzählt der luxus-mann. "da warnse alle neidisch. die hamm alle kein sex mehr, irgendwie. die könnten auch nich 'ficken' zu ihren frauen sagen."
"versteh ich ja immer nicht, warum man dann zusammen bleibt."
"kinner..."
"die haben auch nix davon, wenn ihre eltern sexuell frustriert sind."

"oh.... oh! da war eine sternschnuppe!" ruft der luxus-mann entzückt.
"dann wünsch dir mal schnell was."
"oh! da is noch eine..."
"zwei wünsche."
"mussich die jetz sagn?"
"warum nicht?"
"nee, das geht nich... das hätte dann nämlich was mit dir zu tun..."
und so, wie der luxus-mann das sagt, geht es mal nicht um sexuelle sonderwünsche.
und ich kann spüren, wie mein herz einen impuls bekommt und schneller zu pochen beginnt.

"ich finds schön, dass wir jetzt wieder so innig sind", sage ich warm.
"warn wir das mal nich?"
"naja... so die wochen vor berlin.... und dann hatten wir ja auch krach, die eine nacht."
"wir hatten krach?!"
"die nacht, in der du so schlimm besoffen warst. weißt du wahrscheinlich nicht mehr."
"doch, doch, ganz dunkel.... erinnerich mich. aber das war doch nich schlimm."
vielleicht ist es gut, dass sich der luxus-mann nicht mehr so ganz erinnern kann.

"jedenfalls muss ich ja zugeben, dass ich dich manchmal hin und wieder so ein klitzeklein bisschen ganz ok finde", gebe ich im luxus-oton zu.
"ich hab die frau auch sehr gern."

und meine kleine welt ist mal wieder so sehr ok, wie sie nur sein kann.

Dienstag, 10. Juli 2018

männer- und weiberwirtschaft

seit ich denken kann, gibt es diesen ruf nach weiblichen führungskräften. man braucht sie, weil sie anders sind als männer. männer setzen auch schlechte ideen hemdsärmelig durch, protzen mit erfolgen, die keine sind, und gehen hinterher auf firmenkreditkarte in den puff, um sich zu feiern. deswegen brauchen wir frauen. die sind kommunikativ, denken 360-grad-mäßig und können teams ganz toll leiten, weil sie so sozial denken.

soweit die theorie. in der praxis habe ich anderes erlebt. die pr-welt ist recht frauendominiert. in agenturen hatte ich ausschließlich weibliche chefs - und ich kann es mit einem satz sagen: keine einzige war eine gute chefin.

chefin nummer eins verabschiedete sich täglich auf einen "wichtigen geschäftstermin" und kam dann vier stunden später mit neuen extensions und frisch gebotoxt wieder. wahlweise mit ihrem freund, dann war die bluse oft falsch geknöpft und der lippenstift verwischt. ich war damals praktikantin und habe nichts gelernt, was ich mir nicht selber beigebracht habe. auf den hund aufgepasst habe ich viel.

chefin nummer zwei war es wichtig, dass man zwischen 8 und 8:30 uhr im büro war, damit das meeting schon stattgefunden hatte und man dann um 9 uhr "regulär" zu arbeiten beginnen konnte. mittagspausen entfielen regelmäßig, feierabend war frühestens  ab 19 uhr möglich, gearbeitet wurde oft bis 22:30 uhr. und wehe, es passierte ein fehler. dann wurde gebrüllt, gemobbt, mit türen geknallt und mit kündigung gedroht.

chefin nummer drei war vordergründig freundlich, zumindest, solange es gut lief (= dinge wurden ohne zu hinterfragen so gemacht, wie sie es wünschte). hinterrum lästerte sie gerne über unsere leicht übergewichtige volontärin ("fette sind immer faul!"), unterstellte einem trotz gelben schein, nur zu simulieren, und machte ihr gesamtes team vor geschäftspartnern schlecht, um ihre eigenen fehler zu kaschieren. unsere guten ideen waren natürlich immer ihre.

ein grund, warum ich agenturen den rücken gekehrt habe, war in der tat auch, dass ich diese weiberwirtschaft nicht mehr ertragen konnte. die hinterfotzigkeiten, die oberflächlichkeit, das ausspielen des teams, das offene auffordern zur denunziation, die zickigkeiten und die hysterische aggressivität, mit der persönliche launen an den mitarbeitern ausgelassen wurden. wären diese weiber wenigstens gute ökonome gewesen. aber mitnichten: zwei der drei agenturen waren permanent von der pleite bedroht. bei chefin nummer eins zahlten sogar die eltern die miete fürs büro.

ich arbeite lieber mit männern, oder sagen wir so: in einem gemischten team. männer neutralisieren die zickigkeit der frauen, sabotieren das intrigenspiel mit ihrer manchmal plumpen direktheit und haben - zumindest meiner erfahrung nach - das bedürfnis, der frau gegenüber irgendwie gentleman zu bleiben. ich persönliche ziehe sogar anzügliche sprüche der verschlagenheit und der falschen freundlichkeit vieler frauen vor: lieber ein sexistischer schleimscheißer als eine hinterfotzige hexe.

das ist nur meine meinung. scheinbar. in der tat wünschen sich laut einer forsa-umfrage unter deutschen fach- und führungskräften  nur 3 prozent der frauen eine weibliche vorgesetzte.

das soll jetzt kein plädoyer für einen seehoferschen hofstaat sein. ich denke, die mischung machts. und es wäre außerdem schön, wenn es irgendwann eine demokratie in teams gäbe, die es angestellten ermöglicht, einen chef oder chefin schlichtweg zu feuern, wenn er oder sie dem unternehmen schadet. als teamverantwortliche hatte ich oft wirklich geniale teams, die sich aber nicht entfalten konnten, weil die geschäftsführung so kontraproduktive vorgaben machte. seit jahren rede ich mir den mund fusselig, werde dann aber mit sprüchen abgebügelt wie "ich bin der chef/die chefin, deswegen wird das so gemacht!" rationale argumente und erfahrung zählen dann nicht.
das einzige tröstliche in diesem kontext: was diese grundsätzliche stumpfheit betrifft, gibt es keine geschlechtsspezifischen unterschiede.


Dienstag, 3. Juli 2018

prinzessin auf der erbse

mein luxus-geburtstagsgeschenk sind drei tage berlin.
reiner stadturlaub, kein eventurlaub.
das habe ich noch nie gemacht. denn berlin ist hässlich, ohne event sogar langweilig.
trotzdem freue ich mich drauf.  denn berlin war immer irgendwie geil.
immer mit begegnungen. immer mit irgendeiner guten überraschung.

die erste überraschung erleben wir gleich bei der ankunft, als wir in unserem hotelzimmer stehen.
"boah, ist das scheußlich", sage ich, als ich in dem hotelzimmer stehe, das uns der luxus-mann spendiert hat.
"und das erst bett! da kommen ja schon die federn aus der matratze!" maule ich.
der luxus-mann schaut konsterniert.
ich sehe ihn enttäuscht an.
"das sieht hier aus wie in nem billigen motel!"
"das war nicht billig!" rechtfertigt sich der luxus-mann. "auf den bildern sah das ganz anders aus!"

ich nehme mein handy und google die website des hotels.
"da! guck! die zimmer sehen im netz genauso scheiße aus wie live!"
"ich war auf einer anderen seite. da sah das besser aus."
"und warum guckst du nicht auf die homepage?"
der luxus-mann zuckt die schultern.
"du weißt doch auch, wie wichtig es für mich mit meinem kaputten rücken ist, dass ich zumindest ein ordentliches bett habe! wie soll ich da schlafen? das bett ist hart wie ein brett und die matratze bestimmt 20 jahre alt!"
"was hätte ich denn machen sollen? das konnte ich doch nicht wissen!"

ich bin pissed für drei mann und stehe mit überkreuzten armen unter der tür.
"jedenfalls, tolles geburtstagsgeschenk! und guck mal, direkt nebenan ist die küche, deswegen stinkt es hier auch so ekelhaft nach bratenfett!"
"dann lüften wir halt."
"der gestank sitzt doch in den wänden!"

ich gehe runter zur rezeption. will ein anderes zimmer.
ich bekomme ein anderes zimmer gezeigt.
"das ist ein einzelzimmer", stelle ich fest. "und die matratze ist genauso durch."
die empfangsdame zuckt die schultern wie der luxus-mann zuvor. sie hat keinen kaputten rücken, ihr ist das wurscht.
"können sie unser bett aufbetten?" frage ich, und es ist keine frage, denn ich bin in not. eine nacht in diesem bett und die kommenden wochen werden entweder in schmerzen oder in einem fluffigen mantel von schmerzmitteln verschwinden. beides hinderlich, ich muss ja arbeiten.
aufbetten geht aber nicht. dafür bekomme ich ein paar decken zum unterlegen.

der luxus-mann findet, ich übertreibe, nennt mich prinzessin auf der erbse und fängt wieder mit meinen angeblich falschen vorstellungen von urlaub an. ich sage nichts mehr, aber in mir arbeitet es. was denkt sich der luxus-mann eigentlich, mir so ein grottiges geschenk zu machen? selbst wenn er NICHT nachgedacht hat, müsste ich ihn dieses nichtnachdenken ankreiden.

ich merke, wie sich die borderline-glasglocke über mich senkt, meine verbindung zur welt und mir selbst kappt. die glasglocke schützt mich, wenn ich schutzlos bin, aber sie isoliert mich auch. ich bin sehr weit weg, was dem luxus-mann natürlich nicht entgeht und für die angeknackste stimmung nicht unbedingt förderlich ist.

kurze zeit später will der luxus-mann essen. willenlos trotte ich durch die gegend. mir ist jeder appetit vergangen. der luxus-mann geht drüber hinweg und bestellt mir einen salat, weil er der meinung ist, dass ich essen muss, wenn er isst. während er seine pizza in sich reinschaufelt, sitze ich vor meinem unerwünschten salat und beschwere mich über zu viel öligen thunfisch, den ich mit der gabel hin und herschiebe, bis alles ein braungrauer matsch ist.

ich treibe es jetzt auf die spitze. ganz bewusst. der luxus-mann lässt sich davon nicht irritieren und futtert meinen salat einfach mit weg. am ende esse ich doch ein paar tomaten, weil ich plötzlich angst habe, dass mich der luxus-mann verlassen könnte, weil ich so zickig bin und weil ich mich zickig selber nicht leiden kann.

danach ziehen wir durch ein paar kneipen, die der luxus-mann allesamt doof findet. ich trinke zwei mittelmäßige erdbeer-daiquiris und entspanne mich alkoholbedingt langsam wieder etwas, was ich auch bitter nötig habe, denn die erste nacht wird schlaflos. der luxus-mann schnarcht komplett durch. ich finde nicht eine sekunde ruhe, während ich mich auf der ollen matratze hin- und herwälze.

am nächsten morgen bin ich in todesstimmung, muss aber hellwach sein und dirigieren, denn der luxus-mann war das letzte mal vor 15 jahren in berlin und hat davon abgesehen den orientierungssinn eines eichhörnchens. wir traben touridoof zum reichstag, dann zum dom und danach zum alex. es ist nicht scheiße, aber auch nicht schön, sondern vor allem anstrengend, weil ich völlig übermüdet bin und mich das heiße wetter schafft.

am abend treffen wir eine freundin von mir und sitzen mit ihr in einer skurrilen bar in den hackeschen höfen. ich bin noch immer disconnected, fühle mich der szenerie enthoben, eine weitgehend stumme beobachterin.  meine freundin und der luxus-mann unterhalten sich, als wenn sie sich schon zehn jahre kennen, und ich bin ganz erleichtert, weil der luxus-mann menschen, die wie meine freundin im naturschutz oder in sozialen berufen arbeiten, meist dämlich findet und das dann auch noch deutlich zeigt.

auf dem rückweg fragt mich der luxus-mann nach weiteren ausgeh- und partymöglichkeiten.
"in der nähe gibt es nix. da müssen wir richtung warschauer straße."
"schon wieder u-bahn-fahren? nee!"
ich zucke die schultern.
"los ist eh nix spezielles. morgen wäre aber eine coole party mit konzert im urban spree."
"dann gehen wir lieber da hin."
"ok. aber die machen erst um eins auf. nicht, dass du wieder um halb elf losrennen willst."
"wie, um eins?"
"um ein uhr nachts. um zwei ist dann das konzert."
"sind die irre?! was kostet das denn?"
"zehner."
"das geht ja. aber um eins! also echt."
"also ich würde da echt gern hin, aber du musst ja am sonntag fahren. das heißt, wir sind dann vielleicht um fünf im hotel, müssen aber um zehn aus dem zimmer sein. und du fährst dann drei stunden autobahn."
"stimmt! da ist ja schon sonntag! dann geht das nicht."
"deswegen sag ich ja, hotel in berlin ist echt witzlos, vor allem auf der toten ecke da."

auf dem nachhauseweg ist der luxus-mann eingeschnappt, beschuldigt mich, nicht ordentlich geplant zu haben, während ich ihn anklage, blind irgendein hotel in einem uninteressanten viertel gebucht zu haben, und das an einem wochenende, am dem total tote hose ist. dann gehen wir schlafen, jeder auf seine art unzufrieden und motzig.

samstagmorgen rennen wir noch mal durch den prenzlauer berg, weil der luxus-mann glaubt, dass es dort irgendwie besonders alternativ und linksökologisch sei, doch das gegenteil ist der fall. trotz warnungen meinerseits ist die luxus-enttäuschung groß.
"das ist ja so spießig wie in eppendorf! da gibt es sogar die gleichen langweiligen schicki-läden!"
"sag ich doch die ganze zeit. da ist kreuzberg schon interessanter."

ich bin es zwischenzeitlich ohnehin leid, herumzulatschen. ich habe ein blase am fuß und rückenschmerzen deluxe. zum glück sind wir für den nachmittag wieder verabredet. grillen im garten und ein bisschen fussi gucken. es wird herrlich entspannt und sogar lecker, obwohl ich grillzeug eigentlich nicht mag. langsam, ganz langsam
beginne ich mich wohlzufühlen, kehre wieder in die welt zurück.

die letzte nacht naht. ich merke, dass ich mich auf zuhause und mein kuschliges bett freue. ich quatsche recht viel und habe auch lust zu ficken. wieder erwarten schnarcht der luxus-mann kaum, nur die matratze foltert mich, sodass ich um acht uhr morgens schon aufstehe, um koffer zu packen.

"und wie fandest du berlin", frage ich auf der heimfahrt.
"naja, ok so", sagt der luxus-mann. "aber irgendwie eben auch langweilig."
"sag ich ja. architektonisch ist die stadt vollkommen reizlos. kulturell inzwischen auch größtenteils und konsumtechnisch gibts da nichts, was du nicht auch in hamburg kriegst."
"ich dachte halt, das nachtleben wäre ganz spannend."
"war es mal, so vor 15-20 jahren. da konntest du theoretisch an jedem tag der woche auf einschlägige veranstaltungen gehen. aber wenn du heute was erleben willst, musst du echt lange voraus planen. coole partys sind da nur noch so einmal im monat, ansonsten gibts halt ein paar konzerte oder festivals, für die es sich zu kommen lohnt."
"ich glaube, ich muss da nicht noch mal hin. ich dachte, berlin ist wie in dem film 'tod den hippis'."
"der spielt in den 80ern, das ist 35 jahre vorbei. außerdem isses bloß ein film."
"trotzdem."
"vielleicht hast du ja die falschen vorstellungen von urlaub", grinse ich.
der luxus-mann blinzelt und kneift mich.

dann sind wir zuhause und zum ersten mal nach vier tagen überkommt mich der hunger.