Freitag, 30. November 2018

altmännerliebe

alles tiptop, sagt der frauenarzt heute bei der vorsorge. ich freue mich.

der luxus-mann hat weniger glück. sein hausarzt hat ihm ins gewissen geredet und ihn zu blutdruckpillen sowie einem 24-stunden-ekg verdonnert und ihm außerdem eine überweisung zum kardiologen aufs auge gedrückt.

"ich habs doch gesagt, ich bin quasi schon tot", sagt der luxus-mann.
"dann steht einer heirat ja nichts mehr im wege", scherze ich.
"du kriegst deine witwenrente schon früh genug", erwidert der mann. "ich kenn dich. beim ficken schreist du dann wieder nach nach schneller und härter, und wenn ich sage, aber der arzt meint, ich soll auf meinen blutdruck achten und mich nicht übernehmen, nennst du mich solange ein weichei, bis ich mich totgevögelt habe."
"so ähnlich", grinse ich.

grundsätzlich bin ich aber erleichtert. die vorstellung, eines morgens neben einem toten luxus-mann aufzuwachen, hat mich mehr verfolgt als ich vor mir selbst zugeben wollte.

nichtsdestotrotz muss ich beizeiten mal wieder einen erste-hilfe-kurs machen. erst neulich hätte ich eine stabile seitenlage bei einer ohnmächtigen person hinkriegen müssen, konnte mich dann aber nicht erinnern. eigentlich müsste ein erste-hilfe-kurs alle paar jahre verpflichtend für jeden sein. herr spahn, könnten sie da nicht mal was anordnen?

Dienstag, 13. November 2018

der bärmann und die totenfamily

der luxus-mann kommt ins kinderzimmer, das mir als schnarchasyl dient. ich wache auf.

"gehst du schon? wie spät issn das?" murmle ich schlaftrunken.
"kurz nach sieben. wieso, sollen wir noch kaffee trinken? ich dachte, du schläfst lieber aus."
"nö, ich mach schnell kaffee."
"dann aber zackzack."

zehn minuten später sitzen wir am küchentisch. der luxus-mann ist ganz augenringe und tränensäcke.
"du siehst heute aus wie 64", sage ich.
"danke", erwidert der luxus-mann. "so fühl ich mich auch."
"schlecht geschlafen?"
"anstrengend geträumt."
"erzähl doch mal."

"also..." der luxus-mann setzt die kaffeetasse ab. "das war so: ich war irgendwie bei meiner familie, aber ich war schon tot. und ein anderer auch. ich habe das aber erst gar nicht so verstanden. ich war überall dabei und habe mich gewundert, dass niemand mit mir spricht und beim essen kein teller für mich auf dem tisch steht."
"krass."
"das krasse kommt noch. in der familie gabs es so einen typ, der war halb mann, halb bär. den nannten alle bärmann. der bestimmte über alles. und dann gab es aber noch den ober-bärmann, das war so ein typ wie der bärmann, aber etwa fünf meter groß. und in seiner mitte war so ein loch, da baumelten aufgehängte tote kinder drin."
"wo kamen die denn her?"
"das waren wohl so eine art opfergaben. der ober-bärmann hatte jedenfalls die totale macht über alles und alle und bestimmte auch, wann einer sterben musste."

ich rühre honig in meinen kaffee und lächle den luxus-mann an.
"du guckst zu viele horrorfilme."
"ich hab in letzter zeit gar keinen geguckt. und auch sonst nix, was in die richtung geht."
"auf jeden fall ein bemerkenswerter traum."

"nächste woche hab ich check-up in der firma", erzäht der luxus-mann. "vielleicht stellen die da fest, dass ich in wirklichkeit schon tot bin. nur noch so ein wandelnder körper, von dir ausgesaugt."
"sprechen die mit dir eigentlich auch über deinen bluthochdruck?"
"klar. die wollen immer, dass ich pillen fresse. aber ich bin ja nicht irre, ich will ja weiterhin so viel ficken können."
"ich weiß ja nicht. klar ist das alles bekackt, aber ich brauch dich schon noch n bisschen. und deine kinder auch."
"ich weiß, ich weiß. irgendwann gehts mir wahrscheinlich wie meinem vater, der jeden tag 40 verschiedene pillen nehmen muss."
"immerhin ist dein vater 80."
"aber der fickt nicht mehr."

der luxus-mann steht auf und schlüpft in seine jacke.
"tschüß", sagt er und gibt mir einen kuss.
"tschüß", sage ich. "und beware of the bärmann."


Sonntag, 11. November 2018

komm ins abenteuerland der deutschen bahn

ärztekongress. trotz zahn-op, leichter hamsterbacke und kauproblemen reise ich übers wochenende in die hauptstadt, halte meine vorträge und seminare, fresse mich - soweit kaubar - durch 4-gänge-menüs in 5-sterne-hotels und finde mich dann sonntagmittag zwecks rückreise am hbf in berlin ein.

in der s-bahn zum hbf fällt mir auf, dass ich noch gar keine sitzplatzreservierung für die heimreise habe. also buche ich noch schnell eine am handy.

beim blick in meine handyticketsammlung fällt mir dann auf, dass laut reiseplan der von mir schon vor monaten gebuchte ice xyz um 13:47 uhr von gleis 8 abfahren soll, meine sitzplatzreservierung sich aber auf einen gleichnamigen ice um 13:29 bezieht. da die zugnummer identisch ist, hoffe ich, dass das so passt und sich alles weitere irgendwie vor ort klärt. falls nicht, würde ich eben noch eine weitere reservierung nachbuchen oder aber einfach auf dem boden sitzend fahren. anderthalb stunden sind schließlich keine weltreise.

als ich am hbf berlin eintreffe (wer hat eigentlich bitteschön dieses monster von bahnhof mit seinen gefühlt 500 ebenen konstruiert?!), hoffe ich, am gleis 8 den ice xyz anzutreffen, unabhängig davon, ob er nun 13:47 oder 13:29 abfährt.

doch surprise, surprise: laut anzeigentafel an gleis 8 fährt hier in den nächsten stunden kein ice xzy und auch kein anderer zug nach hh. verwirrt irre ich von gleis zu gleis, bis ich durch zufall den ice xyz an der anzeigentafel von gleis 1 entdecke. er soll um 13:29 uhr abfahren, hat aber angeblich 35 minuten verspätung.

ich bin nun vollends verwirrt und verunsichert. da ich durch mein sparticket zugbindung habe, mache ich mich vorsichtshalber auf den weg ins db reisezentrum. nach 10 minuten irrfahrten über unzählige rolltreppen und geschosse sowie gefühlt 35 anfragen durch die rumänische bettlermafia habe ich selbiges sogar gefunden und interviewe eine db-mitarbeiterin zum chaos um ice xyz.

"der fährt ein bisschen früher wegen ner baustelle", klärt sie mich über die zeitdifferenz auf.
"das wäre ja schon schön, wenn das meine db app auch anzeigen würde", motze ich.
"ich kann ihnen hier keinen kurs zur db app geben", schiebt die mitarbeiterin die verantwortung von sich.
"aber ticket und sitzplatzreservierung sind gültig, oder? weil ich hab zugbindung!"
"ja, sicher."

 dann eruiere ich das gleis-chaos.
"und der ice xyz fährt jetzt also auf gleis 1?!
"wie kommen sie denn da drauf", fragt die db-mitarbeiterin, "der fährt von gleis 8! das steht doch überall auf ihren tickets und auch im aushang!"
"nee. tut er nicht."
"also! ich habe hier die aktuellsten daten! und hier steht, gleis 8. dann fährt der auch von gleis 8!"
die db-mitarbeiterin dreht ihren bildschirm zu mir.

tatsächlich steht da mein ice xyz um 13:29 + 35 minuten auf gleis 8 verzeichnet.
"an gleis 8 vor ort steht aber nix vom ice xyz. da gibts überhaupt keinen zug, der nach hh fährt", berichte ich von meiner erkundungstour.
"jetzt gehen sie mal schön auf gleis 8 und warten da! und wenn sich was ändert, erfahren sie das schon rechtzeitig!", behauptet die db-mitarbeiterin.

misstrauisch trotte ich zurück zu gleis 8, das völlig verlassen ist. nur ein spatz und zwei tauben tummeln sich zu meinen füßen.
mir ist zunehmend mulmig zumute. da kann doch was zutiefst nicht stimmen!
nach einigen minuten beschließe ich daher, doch noch mal rüber zu gleis 1 zu gucken.

an gleis 1 stehen inzwischen einige bekofferte menschen und schauen ähnlich dumm wie ich aus der wäsche. ich frage drei junge herren:
"warten sie hier auf den ice xyz nach hh?"
"ja, also wir hoffen, dass der das ist. der sollte ja eigentlich auf gleis 8 abfahren."
zumindest scheine ich hier mit meiner totalen verwirrung nicht alleine und vielleicht sogar gar nicht mal so falsch zu sein.

nach einer halben stunde dummen herumstehens ertönt plötzlich eine lautsprecherdurchsage. wie an allen größeren bahnhöfen versteht man nur ab und an ein wort. aber mit viel fantasie und vereintem lauschen können wir uns eine information daraus basteln, die irgendwas mit gleis 8 und gleis 1 zu tun hat. hoffnungsvoll wähnen wir uns möglicherweise am richtigen gleis.

ungefähr 3 minuten vor einfahrt des ice xyz beschließt die deutsche bahn, spontan noch einmal für spannung zu sorgen, denn der ice xyz verschwindet nun komplett von der anzeige an gleis 1. stattdessen rauscht ein ice auf dem weg nach münchen an.

panik am bahnsteig der titanic. im hintergrund wieder eine lautsprecherdurchsage, die aber im lärm der ankommenden reisenden vollkommen untergeht. dann zieht mich einer der drei typen auf gleis 2 direkt nebenan. ein blick auf die anzeigentafel dort verrät uns, dass der ice xyz nun also hier abfahren soll.

die letzten minuten banger hoffnung verstreichen, dann fährt tatsächlich ein ice auf gleis 2 ein und oh wunder, es ist der stark verspätete ice xyz nach hh. ich steige ein, finde sogar trotz vertauschter wagenreihung meinen sitzplatz und mache es mir bequem.

so kommt es, dass ich zwar verspätet, aber glücklich in hh lande.

und die moral von der geschicht: traue keinem db-mitarbeiter nicht!

Dienstag, 6. November 2018

zahntans finale austreibung

heute war ich bei einem sehr coolen kieferpriester, der zahntan zwecks finaler austreibung in die zange nehmen soll.

als ich die praxis betrat, war ich angenehm überrascht. eine sehr freundliche arzthelferin nahm mich empfang. kaum hatte ich meinen arsch auf das unfassbar bequeme sofa im wartebereich gewuchtet - es lagen zu meiner entzückung ausgaben der "art" aus anstelle der üblichen "gala" und anderen hausmuttimagazinen - wurde ich auch schon zum röntgen gebeten.

fünf minuten später stürmte dann der kieferpriester ins wartezimmer. er war in etwa in meinem alter und bewegte sich mit dem ungelenken überschwang des jungen jim morrison. er hieß mich zweifach herzlich willkommen und bat mich, mich im zahnarztstuhl niederzulassen. dann brachte er sein bärtiges gesicht mit der eckigen intellektuellenbrille ganz nah an meins und inspizierte die lage.

nach längerem stochern und klopfen und schmerzhaftem abtasten des von zahntan dämonisch ausgebeulten zahnfleischs machte er ein geheimnisvolles priestergesicht und teilte mir mit, dass ein zexorzismus per wurzelspitzenresektion nicht anzuraten sei. warum und wieso erläuterte er mir, indem er ein papier nahm und darauf einen kreis und einen strich malte.
"also... wenn ich eine resektion mache, muss ich erst einen riesigen krater in die seite des unterkiefers bohren..." er malte einen mehrfachkringel um den strich. "dann muss ich das entzündete gewebe ausschälen" - es folgten spitzen, die in den kreis piekten - "und dann..." - er malte noch drei blitze in den kreis - "muss ich hier von unten drei wurzelkanäle säubern und neu füllen."
"klingt scheußlich."
"ist es auch. es dauert mindestens eine stunde, und ich hatte noch keinen patienten, dem ich den zahn nach 10 jahren nicht doch ziehen musste. was dann problematisch ist, weil sie von der resektion besagten krater im kiefer haben, in den man kein implantat mehr setzen kann, ohne vorher aufwändig den knochen aufzubauen."
"ich will sowieso, dass sie den zahn ziehen."
"ja? prima, dann sind wir ja einer meinung."

nach dieser frohen botschaft hätte ich den kieferpriester am liebsten umarmen mögen.
doch es kam es noch besser.

er rückte die brille zurecht, schaut kurz in den rechner und sagte dann:
"morgen um 9?"
"was ist da?"
"da führe ich den zexorzismus durch."

die erlösung vom bösen zahntan wird mich damit früher als erhofft ereilen. allerdings muss alles gut gehen - schließlich soll ich am wochenende vor 50 ärzten stehen, meine vorträge halten und dabei entzückend und nicht hamsterbackig-verbläut aussehen.
der kieferpriester versprach, alles dranzusetzen und auch noch drei ave marias hinterherzusingen, damit das möglich wird, idealerweise ohne allzu viele weitere verdauungsbeschleunigend hohe dosen von antibiotikum.

glaube, hoffnung und kieferpriesterkunst. das muss mich jetzt retten.
beten sie gern weiter mit.
danke.

Sonntag, 4. November 2018

ausflug in die hölle oder die geschichte vom bösen zahntan

wie immer, wenn es eigentlich rund läuft, wagt mr. murphy eine erneute attacke auf mein fragiles ich.

normalerweise muss ich mir um meine zähne keine sorgen machen. die sind in der regel sehr gesund, darüber hinaus werden sie exzellent gepflegt. nur ein backenzahn stellt sich an. nennen wir ihn mal das sorgenkind.

das sorgenkind hatte bereits vor etwa 6 jahren eine wurzelbehandlung einschließlich krone bekommen und schien sich danach in stabiler seitenlage zu befinden. am ende der sich über viele wochen ziehenden behandlung war jedenfalls gefühlt alles gut.

bis letzte woche.

alles fing ganz harmlos an: ich bekam schnupfen. am zweiten schnupfentag begann meine rechte untere kieferhälfte zu ziepen, doch das schrieb ich der erkältung zu. ungefähr 12 stunden lang. dann, in der nacht von freitag auf samstag öffnete die hölle in meinem unterkiefer ihre pforten: zahntan war erwacht.

als chronische schmerzpatientin bin ich ja um eine pharmazeutische antwort nicht verlegen. da dr. google sagte, ibu + zahnschmerz = supi, warf ich eine ein. 10 minuten, 15 minuten, auch eine halbe stunde später: keine wirkung. also noch eine ibu. gewartet, nix. ich war perplex und nahm noch diclofenac hinterher, weil das stärker antiinflammatorisch wirkt. der schmerz ging nun zwar nicht weg, war aber nicht mehr so intensiv und ich konnte etwas schlummern.

samstagmorgen war alles noch schlimmer. die ganze wange puckerte und jemand schien mir permanent glühende nadeln zwischen rechte schulter und hinterkopf zu treiben. egal ob sitzend, stehend, liegend oder gehend, zahntan ließ sich in keiner lage dazu überreden, ruhe zu geben. ich zögerte nicht lange und rannte zum notdiensthabenden zexorzisten.

der war eine ganz coole ärztin, die mir dann freundlich, aber unmissverständlich klar machte, dass es keine hilfe für mich gab, weil man bei einem bereits wurzelgefüllten zahn wie dem sorgenkind keine weitere wurzelbehandlung so einfach machen kann.
ich wand mich vor schmerzen und flehte und bettelte, während zahntan meine rechte gesichtshälfte gefühlt dämonenwaberartig ausstülpte.
eine wochen penicillin, sagte die ärztin.
"un wann wia das bessa?" nuschelte ich verzweifelt.
"morgen sollte sie schon etwas linderung spüren."

großartige aussichten. aber was solls.

ich fuhr richtung luxus-mann, weil dort eine apotheke war, die samstagabend noch geöffnet hat, besorgte das medikament und warf die erste pille ein.

"kannst du denn überhaupt nachher mit auf party?" fragte der luxus-mann angesichts meiner sehr geknickten wenigkeit.
"weiß nich", sagte ich."vielleicht, wenn ich noch ganz viel voltaren nehme?"
"wie viel darf man denn davon nehmen?" argwöhnte der luxus-mann. "du schmeißt doch hier gefühlt alle stunde was ein."

gute frage. das wusste ich gar nicht so genau. also schaute ich im internet nach und stellte entsetzt fest, dass ich bereits mehr als die tageshöchstdosis eingenommen hatte. dabei war es erst 19 uhr. mehr, so hieß es bei meiner quelle, könne zu einer vergiftung führen.

zahntan war das wuscht. der wütete und steigerte sich von stunde zu stunde in seiner macht. reden, schlucken und sogar atmen (wie fies kann bitte ein nasenloch wehtun?!) fielen mir immer schwerer. irgendwann legte ich mich wimmernd zu bett und machte dem luxus-mann klar, dass ich zuhause bleiben und sterben würde.

die nacht war ohne eine sekunde schlaf. wann hilft das bekackte antibiotikum endlich, fragte ich mich immer wieder. das netz gab unterschiedliche informationen dazu. ganz egal, ich brauchte dringend noch ein schmerzmittel, und zwar was starkes.

als der luxus-mann von der party nachhause kam, fragte ich ihn:
"haschu noch ne tramaaa von mia?"
da der luxus-mann selber ab und an rücken hat, hatte ich ihm mal ein paar tramal von mir mitgebracht. als pillenskeptiker hatte der luxus-mann die garantiert nicht geschluckt, sondern irgendwo gebunkert.
tatsächlich hatte er noch zwei tabletten in seiner badetasche. allerdings waren die seit letztem jahr abgelaufen.
"ejaaaaa, ich nehm di jez", beschloss ich.
"nee, komm, am ende bringst du dich aus versehen um", nahm mir der luxus-mann die pillen wieder weg. "du hast eh schon so viel zeug intus."
ich war zu schwach für langes kämpfen und ging wieder zu bett.

am nächsten morgen war ich in aller hergottsfrühe auf den beinen, weil ich nachhause zu meinen tramalvorräten wollte. meine knie wackelten, der kopf dröhnte. zahntan hatte noch mal ordentlich feuerholz ins fegefeuer nachgelegt, um meine seele besser grillen zu können.

in der bahn wurde mir schwindelig und schlecht. ich hatte angst, in ohnmacht zu fallen, gleichzeitig wäre ich für eine ohnmacht sehr dankbar gewesen. zittrig und schwach wie eine alte omma schleppte ich mich die letzten meter nachhause, wo mein tramal auf mich wartete.

ich nahm eine tablette und wartete auf die göttliche erleichterung.
sie blieb aus. die schmerzen wurden etwas weniger intensiv, mehr nicht.
noch mehr tramal.
irgendwann befand ich mich in einem schwebenden zustand, recht entspannt. die schmerzen waren dennoch da, traten aber aufgrund der allgemeinen totalen relaxtheit etwas in den hintergrund.

abgesehen von den momenten, in denen ich aufstehen musste, um mein penicillin einzunehmen, tramal nachzulegen oder auf klo zu gehen, verließ ich das bett in den nächsten 72 stunden kaum. ich fragte mich ab und an, ob ich nicht etwas essen sollte, aber kaum war der gedanken zu ende gedacht, verschwand er in einer neuen schmerzwelle und dem alles überragenden bedürfnis, einfach weiter vor sich hinzudämmern.

an tag 4 war es soweit. ich stand für eine stunde auf und versuchte, etwas fernzusehen. spaßeshalber stieg ich auf die waage. ich hatte 3 kilo verloren.

seit gestern bin ich der hoffnungsvollen meinung, dass zahntan eventuell ausgetrieben werden könnte. mein allgemeinzustand ist gut (bis auf schreckliche müdigkeit, kopfschmerz und antibiotikumbedingten durchmarsch), der zahn kann ganz vorsichtig wieder kauen (wissen sie, wie umwerfend toastbrot nach einer woche flüssignahrung schmeckt?!) und die backe ist kaum mehr geschwollen. nur die nerven im gesicht prickeln und pieken noch.

der zexorzist hatte mir allerdings klargemacht, dass zahntan nur dann weichen würde, wenn er eine wurzelspitzenresektion durchführt oder den zahn ganz zieht. die wurzelspitzenresektion ist der favorit meines zexorzisten, allerdings hat die nur 70-80% erfolgschancen. da mir klar war, dass zahntan mich beim nächstbesten mal wieder ganz tief in den unterkiefer ficken würde, beharre ich auf einer zahnentfernung. scheiß aufs geld.

wie der zufall es so will, muss ich nun aber erstmal noch mit meinem desolaten zahn auf ärztekongress fahren. entweder ohne antibiotikum (die therapie läuft offiziell morgen aus), was mir ersparen würde, dass ich mich auf offener bühne einscheiße, oder aber mit, falls der zexorzist meint, dass das nötig sei.

wie auch immer, drücken sie mir die daumen. und zehen. und zahnwurzeln.
danke.