Donnerstag, 20. Oktober 2016

10 dinge, die ich an hamburg hasse

ich bin sozusagen wirtschaftsflüchtling und vor achteinhalb jahren von süddeutschland nach hamburg ausgewandert. des jobs und damals auch der liebe wegen. die liebe hat nicht lange gehalten und die liebe zum job hat sich nie so recht entwickelt. ähnlich ging es mir mit dieser stadt. trotzdem bin ich hier backengeblieben. warum, frage ich mich oft. es gibt doch so viel, was ich hier abgrundtief hasse.

1. alles penner oder was
die meisten hamburger sind freundlich. oberflächlich freundlich. doch loyalität in hamburg muss man suchen. mit der lupe. die malgucken- und kommichheutenichtkommichmorgen-mentalität herrscht allerortens. finde ich persönlich anstrengend. freunde finden? fehlanzeige. da hat uwe uns übrigens recht: ohne die menschen hier wäre diese stadt vielleicht etwas liebenswerter.

2. zwischen porsche und eierschaukel
zeigen, was man hat, am liebsten, indem man mit seinem polierten schlitten durch enge straßen schubbert. wer hier keinen porsche hat, fährt geländewagen. ist ja auch wichtig, gibt ja so viel gelände in hamburg. dabei spielt es keine rolle, ob man ein stressblinder businesshengst ist oder eine kleine mutti, die kaum übers lenkrad schauen kann. drinsitzen ist alles. auch wenn man eine viertelstunde braucht, um in die parklücke zu kommen. falls man denn eine findet.

3.der wohnungsmarkt
dazu muss man nicht viel sagen. jeder, der sich schon mal mit 100 anderen um eine überteuerte bruchbude gekloppt hat, weil andere bruchbuden genauso überteuert sind und ebenfalls mindestens 100 bewerber haben, weiß, wovon ich spreche. die oberen 10000 und unsere stadt interessiert das natürlich wenig. die haben geerbte pfeffersackimmobilien oder sind sonstwie reiche vollidioten.

4. der kiez
hier trifft sich, was zusammengehört: alkohol, dummheit, brutalität und reichlich kotze.

5. der hvv
undurchschaubares zonensystem, überteuerte preise und jedes jahr werden die fahrpreise hochgemogelt.3,20 € kostet mich aktuell eine einfach fahrt in die innenstadt - und ich wohne noch relativ zentral. wenn ich ausgehe, ist die hin- und rückfahrt oft teurer als der eintritt.

6. die bettelmafia
fußgänger müssen aufpassen, dass sie nicht stolpern, denn alle zehn meter sitzt ein zumeist südländischer oder osteuropäischer typ mit einem becher in der hand auf dem asphalt. anders als echte obdachlose hat er allenfalls eine decke oder eine tüte bei sich, kein umfangreiches gepäck. die mitglieder der bettelmafia sitzen da ausschließlich zu den ladenöffnungszeiten, als hätten sie einen 9-18-uhr-job. sie schreien ohne unterbrechung "dankäääbittäääädankääääbittääää" und fuchteln wild herum. die stadt interessiert das natürlich nicht, solange sich keiner in die luft sprengt und dabei irgendwas teures beschädigt.

7. fahrradverschleiß
man braucht rund alle 12 monate ein neues rad, weil das alte geklaut ist. die polizei schaut entspannt zu. als ich mal anzeige erstattete, erhielt ich nach nicht mal einer woche einen bescheid, dass der fall ad acta gelegt worden sei. da fühlt man sich super unterstützt. auch die idee mit der "fahrradstadt hamburg" wird derart stümperhaft umgesetzt, dass man sich fragt, ob irgendeiner von den heinis da schon mal in hamburg rad gefahren ist.die neuen zusätzlichen radwege werden zwar eifrig genutzt, allerdings vorzugsweise als park- und halteplätze sowie als abstellmöglichkeit für mülltonnen und umzugswagen.

8. weihrauch, viel weihrauch um nichts
alles muss auf hochglanz poliert sein und für das marketing der stadt herhalten. armut wird indes an den stadtrand gedrängt oder liegt auf alten matratzen in nach urin stinkenden nischen auf st. pauli.

9. fachärztemangel
sechs bis zwölf wochen wartezeit auf einen frauenarzt- oder orthopädentermin? normal. manchmal fliege ich in meine alte heimat, weil ich dort schneller einen termin bei meinen alten ärzten bekomme. auch kinderärzte sind angeblich so rar gesät, dass viele mütter mit ihren kranken kindern oftmals bis in den nächsten stadtteil fahren müssen.

10. wenig spaß für viel kohle
ein milchkaffe to go vier euro. schwimmbad zehn euro. gin tonic 8,50 euro.
zum vergleich die heimat: milchkaffee meist unter drei euro, schwimmbad 3,50 euro, gin tonic durchschnittlich 6,50 euro.

"warum bleibst du denn hier", fragt mich der luxus-mann.
"weils wo anders noch beschissener mit den jobs aussieht", sage ich.
"und wenn du woanders einen job bekämst?"
"dann wär ich weg hier."
"soso."
"aber im moment isses ja ganz ok. auch wegen dir."
"soso", schmunzelt der luxus-mann.
"du bist tatsächlich so ziemlich der einzige grund, warum ich mich nicht mit hochdruck hier wegbewerbe."
da schweigt der luxus-mann und grinst verhalten in sich hinein.
komplimente kann ich.



Kommentare:

  1. moin,
    immerhin ein Grund nicht weiter zu ziehen ;-)
    ansonsten, setz statt Hamburg einfach mal Köln, Berlin, München, von mir aus Hannover oder New York ein(Liste kannst Du beliebig fortsetzen) es sieht egal wo genauso aus,
    liebe Grüsse und bleib dran, der mag Dich mehr als ihm klar ist

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    1. das stimmt. und das gras auf der anderen seite wirkt natürlich immer grüner. aber die leute hier gehen mir schon schwer auf den keks. auch meine kollegen sind teils so drauf. denen darf man immer hinterherarbeiten und hinterräumen. neben dem ganzen ärger, den man wegen denen hat, weil die die einfachsten werte nicht leben können.

      ich bleib auf jeden fall dran! nur eifersucht nervt mich halt hart. ich bin da leider durch eine frühere beziehung stark vorbelastet.

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  2. Ja, die Hamburger sind den Amis recht ähnlich. Ihre Herzen haben eine geometrisch einzigartige Form, die maximale Oberfläche mit minimalem Volumen verbindet. Im alltäglichen Umgang unter (Halb)fremden sehr angenehm und Kantenfrei, aber für mehr nicht geeignet. Verabredungen und Absprachen gibt es nur unter Vorbehalt, Einladungen sind als Höflichkeitsgeste und nur als Geste zu verstehen. Wie viel angenehmer sind da doch die WienerInnen: Von außen genau so grantlig wie von innen.

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    1. an wien als heimat hab ich auch schon gedacht. ich will ja unbedingt mal einige sehr liebenswerte wiener blogger besuchen.

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  3. Ich finde Hamburg ungemütlich und kalt. Nicht wegen dem Wetter.

    Mal ein paar Tage zum Bummeln und feiern ok, aber zum Leben und Arbeiten, never ever.

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    1. man ist in der tat sehr alleine hier, wenn man nicht mit geld und äußerlichem prunk um sich werfen kann. ich bringe immer gern das thema umzug. früher hatte ich meist mehr freiwillige helfer, als sinnvoll waren. die haben sich manchmal regelrecht totgetreten, wenn es von der einen kleinen studentenbutze in die nächste ging. hier muss ich umzugshelfer BEZAHLEN. alle stecken nur in ihrem eigenen kleinlichen kram, der zwei dinge umfasst: kohle scheffeln und irgendwie ein protziges heim für die familie hinzuzimmern.

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  4. Woanders ist auch Scheiße. Glaub ich...

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    1. ich träume ja immer vom süßen landleben. ohne je auf dem land gelebt zu haben. ;)

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  5. Hamburg hört sich kraß nach Deutschland an...

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    1. wie geagt: wien. das wärs ja. hab auch gerade die stellenanzeigen eines wiener unternehmens im auge, das mir gut gefällt.

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