Mittwoch, 30. Januar 2019

sich arrangieren

obwohl ich zurückhaltend bin und meine wünsche eher vorsichtig äußere, habe ich mich zeitlebens für nicht besonders diplomatisch gehalten. jedenfalls kam es schon vor, dass ich zu forsch war und anderen damit auf die füße gelatscht bin. meiner mutter zum beispiel, die mich dann gern mal verkloppt hat für dinge, die ich als kleines kind schlichtweg nicht verstanden hatte. seither habe ich immer angst, meine bedürfnisse durchzusetzen, vor allem bei menschen, von denen ich weiß, dass sie mir nicht gewogen sind.

interessanterweise komme ich mit der gespielin in sachen kompromissfindung klar. die besuchserlaubnis wurde verlängert, und ich habe sogar konkrete angaben, wann ich den besuch anmelden und mit ihr abstimmen kann. besser gehts nicht. so viel klarheit macht mich ruhig.

schwierig ist es überraschender- und auch wieder nicht überraschenderweise mit dem luxus-mann. obwohl das objekt durch den unfall vom bildschönen, muskelbepackten hünen zu einem totenblassen klappergestell mutiert ist, das kaum sprechen, nicht gehen, nicht essen und wahrscheinlich auch nie wieder ficken kann, schlägt mir unverständnis entgegen, als ich sage, dass ich es in ein paar wochen wieder besuchen will.

"ich dachte, das wär ne einmalige sache", raunzt der luxus-mann ungehalten.
"nö", sage ich frank und frei. "das wär vielleicht ne einmalige sache geworden, wenn er sich lediglich die beine gebrochen hätte oder ähnliches. aber er ist ein pflegefall! und vielleicht wird das immer so bleiben."
"seine freundin wird dir was erzählen, wenn du dich da so aufdrängst!" sagt der luxus-mann ziemlich aggressiv.
"seine freundin stellt sich nicht so an, die hats mir schon erlaubt!" pfeffere ich zurück.

der luxus-mann schaut zweifelnd.
"was stört dich denn so sehr daran, wenn ich ihn alle paar wochen mal besuche?" frage ich. "ich meine, ich zieh mich da doch nicht nackig aus und hühner mit dem rum! ich bin froh, wenn ich das verstehe, was er da so nuschelt und wenn ich bewirken kann, dass er sich freut und sich für kurze zeit mal nicht alleine fühlt."
"ich finde halt, du übernimmst dich", sagt der luxus-mann.
"inwiefern?" erwidere ich verdattert.
"du sagst, du fühlst dich schwach und schwindelig, vor ein paar wochen bist du zusammengebrochen und im krankenhaus gelandet, weil dich das objekt so stresst..."
"ich hatte nicht wegen dem objekt stress, sondern weil die situation so fürchterlich und so ungewiss war und ich bezweifelt habe, dass ich mit meinem anliegen bei seiner freundin und seiner familie durchkomme. weil ich für ihn da sein wollte und erstmal nicht konnte. inzwischen fühle ich mich ganz gut."
"ich glaube trotzdem nicht, dass seine freundin das gut findet, wenn du da dauernd hinfährst."
"das ist mir egal. wenn sie das nicht gut fände, hätte sies mir ja verbieten können. jetzt hat sie ja gesagt, und damit ist das für mich ok. über mögliche ungeäußerte befindlichkeiten zerbreche ich mir nicht den kopf. für mich zählt das wort."

der luxus-mann überlegt, aber es fehlen ihm sachliche argumente, die er ins feld führen könnte.
"wie gesagt, der kann nicht ficken", betone ich noch mal und kichere: "selbst falls sich da noch was regen würde, da steckt n katheder drin."
"man braucht ja nicht zwingend einen schwanz, um sex zu haben", merkt der luxus-mann an.
ich seufze genervt.
"versuch dir mal vorzustellen, du kannst nicht essen, nicht alleine kacken gehen, nicht rumlaufen, nicht lesen und liegst den ganzen tag nur im bett, hast nen schlauch im schwanz stecken und siehst aus wie der tod auf zwei beinen, weil du eine lungenentzündung nach der anderen hast. dann kommt eine frau und sagt, hey, lass uns fummeln. glaubst du ernshaft, dir wäre danach?"
"was weiß ich!"
"und denkst du, mir wäre danach, wenn ich diese hilflose, ausgemergelte gestalt sehe, dieser anblick, bei dem ich aufpassen muss, nicht loszuheulen?"
"du bist strange und nymphoman, dir trau ich alles zu. außerdem isses dein objekt. du liebst es."

ich merke, wie mich die diskussion ermüdet und ich aufpassen muss, nicht gleich stocksauer zu werden. schließlich bin ich auf kooperation angewiesen.
"du hast verlustängste und ich verstehe das beim objekt sogar. aber ich liebe jetzt dich und ich werde dich nicht wegen dem objekt verlassen", sage ich.
"naja, wir werden sehen", meint der luxux-mann nur angefressen.

ich fürchte, es werden also noch längere debatten zu führen sein, in der hoffnung, dass ich den luxus-mann an den gedanken gewöhnen kann, dass ich das objekt ab und an besuche.
daumendrücken erwünscht.




Kommentare:

  1. Ich kann leider nicht in Worte fassen, was ich ausdrücken möchte.
    Aber ich möchte Danke sagen für die geschriebenen Emotionen gegen über dem Objekt und dem Luxus-Mann.
    Sie sind für beide sehr wertvoll.

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