Dienstag, 29. November 2016

schneckenhaus

der erste gemeinsame urlaub. morgen abend geht es los.
vier tage, drei nächte.
das geht kaum als urlaub durch, finden wir.

dennoch sind wir beide aufgeregt, der luxus-mann noch mehr als ich.
er verheimlicht mich seiner zweiten exfrau, aus angst, sie könnte ihm verbieten, seine tochter zu sehen.
"was mach ich, wenn sie anruft?"
"dann sagst du, ich bin nicht da."
"und wenn sie sagt, ich soll vorbeikommen, ihr irgendwas mit der kleinen helfen?"
"dann sagst du, das geht jetzt nicht."
"hm."

der luxus-mann ist nicht glücklich mit der situation.
"irgendwann wird es sowieso rauskommen. und ich denke mal, dass sie dann so richtig sauer ist, wegen deiner heimlichtuerei", mutmaße ich. "ich glaube sowieso, dass sie was ahnt. deine erste frau weiß es ja auch, und die beiden stehen in kontakt. ich würde wetten, dass die ihr ohnehin schon was gesteckt hat."
mit dieser antwort ist der luxus-mann noch viel weniger happy.

ich habe eher sorge, dass mir meine rückzugsmöglichkeit fehlen könnte.
mein iso-schneckenhaus.
von zeit zu zeit meldet sich dieses bedürfnis.
wenn wir auf dem balkon sitzen, ich rauchend, der luxus-mann in die ferne blickend.
wenn wir fernsehen, oder besser gesagt: der luxus-mann fern- und ich wegsehe.
"ich fahr mal zu mir", sage ich dann schnell, ernte meist einen erstaunten bis enttäuschten blick, aber der luxus-mann weiß ja, dass ich am wochenende oft aufträge bearbeite oder mich um kitty kümmern muss.

im urlaub kann ich nicht sagen: ich bin dann mal weg.
im urlaub bin ich zusammen.
vier verfickte tage und drei nächte.

es fühlt sich fest an. ich ersticke.
ich muss lernen, mich in dieser feste zu entspannen.
die geborgenheit gegen meine sich aufbäumende freiheit ausspielen.
der freiheit beruhigend zuflüstern, du wirst mir bleiben, du musst dich nur ein wenig kleiner machen.

du und dein immenses autonomiebedürfnis, hatte einst das subjekt gespottet
und: es scheint, als lebtest du in deiner eigenen welt, und die welt der anderen kann dir nichts anhaben, weil du gar nicht zu ihr gehörst.
meine welt.
die der anderen.
wahrscheinlich für immer inkompatibel.
aber vielleicht schaffe ich ja eine art friedliche koexistenz.
und gehe mit meinem schneckenhaus noch einmal in diesem leben vor anker.



Kommentare:

  1. Sie packen das!
    Notfalls kann man sich ja auch im Urlaub wunderbar Auszeiten voneinander nehmen.

    Ich wuensche Ihnen eine schoene, stressfreie Zeit!

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    1. mussten wir komischerweise gar nicht. es war alles perfekt. das wetter, das hotel, die ausflüge und wir. das war wow.

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