Dienstag, 15. November 2016

karriereweib II

der ärztekongress war großartig.
dass ich so etwas einmal sagen würde, hätte ich nicht geglaubt. ist aber so.
die rede hat gefruchtet. die marketingtrategie ist angenommen. 10 zustimmungen, 3 enthaltungen, eine ablehnung. wobei die ablehnung von einem beiratsmitglied kam, das noch nie etwas zugestimmt hat, also insofern eine kalkulierbare gegenstimme war.
ich bin stolz auf mich. mein chef ist stolz auf mich. gestern rief sogar die geschäftsführung an und gratulierte mir zu meiner "sehr guten arbeit". 

"karriereweib", sagt der luxus-mann, als ich abends gegen 20 uhr endlich vor seiner türe stehe, durchnässt und ausgefroren.
"ich hoffe, das kommt jetzt nicht irgendwie schleimig rüber, dass ich mich gerade ein bisschen feiere", sage ich.
"nee, schon in ordnung, ich freu mich, wenn es dir gut geht."
"daran trägst aber du den größten anteil", rutscht mir raus und der luxus-mann grinst happy.

dann setzen wir uns und widmen uns ernsteren themen. diese hatte der luxus-mann schon am morgen in einer sms angedeutet. ich bin gewappnet.
"ich muss dir irgendwie vertrauen können", beginnt der luxus-mann, "das ist total essenziell, wenn das mit uns was werden soll."
"und du vertraust mir nicht?"
"genau. ich meine, ich hab so ein bisschen grundvertrauen, aber im hinterkopf analysiere ich ständig dinge, die vielleicht nicht zusammenpassen könnten."
"und die wären?"

der luxus-mann hat in meiner abwesenheit unsere gesamte schriftliche konversation seit unserem kennenlernen im april analysiert und beginnt mit einer art inquisition.
"es ist eigentlich total albern, und es ist mir peinlich, weil ich weiß, ich nerv dich, aber ich muss es einfach wissen."
ich beantworte die fragen, so gut es geht, nach bestem wissen und gewissen, immer in der angst, mit einem unbedachten satz neues misstrauen zu schüren. irgendwann scheint der luxus-mann halbwegs beruhigt.

"hattest du das bei anderen frauen auch, dieses misstrauen?" will ich wissen.
"nee."
ich bezweifle das.
"ich bin aber doch nicht die erste frau, der du so begegnest."
"nee, du bist wie r."
r. war die erste freundin des luxus-mannes, seine erste große liebe - die ihn jahrelang betrogen hat.
"ihr habt so viel ähnlichkeit, weißt du, ihr seid beide unheimlich direkt, sexuell aufgeschlossen und habt schon so viel erlebt. und genau wie du ist sie ständig auf partys gewesen."
"wo auch der typ rumgehühnert ist, mit dem sie dann gefickt hat?"
"genau. und bei dir ist das ja so ähnlich, mit dem objekt."
"mit dem kleinen unterschied, dass ich nicht mit dem objekt vögle."
"ich weiß! aber wenn er ankäme und ficken wollen würde, würdest du nicht nein sagen."
"ich verspreche dir, ich werde nicht mit dem objekt ficken."

nach der gefühlt teilweise fruchtbaren diskussion holt der luxus-mann zwei drinks. 
"baust du uns einen? fände ich jetzt glaub ich schön, noch einen zu rauchen."
"klar."
"wir könnten ja rausgehen, heute soll der mond so krass sein."
"du willst mit mir kiffen und dabei romantisch mond gucken?" grinse ich.
der luxus-mann zuckt verlegen die achseln.
"können wir gern machen"; sage ich warm, "aber vorhin hats geregnet und es war alles total bedeckt."
"oh, echt?"

wir drehen eine kleine runde um den block, aber es nieselt. der himmel ist gleichmäßig grau und lichtverschmutzt. es ist so feucht, dass wir nicht mal kiffen können.
"mist", sagt der luxus-mann.
"lass uns auf deinen balkon setzen, da stehen wir wenigstens nicht im regen."
"gute idee."

dann sitzen wir auf dem balkon, rauchen und gucken einander an.
"ich freu mich total auf unseren urlaub", sagt der luxus-mann etwas unvermittelt.
ich bin erstaunt.
"wirken die drogen oder meinst du das ernst?"
der luxus-mann schaut mich unsicher an, aber da bin ich schon aufgesprungen, greife nach seinem gesicht und gebe ihm einen dicken kuss.
"danke", sage ich. "ich freu mich auch schon total. und ich freu mich, dass du dich freust... und noch mehr, dass du mir das sogar sagen kannst."
"hoffentlich regnets da nicht die ganze zeit."
"ist ja nicht so, dass wir keinen plan hätten, was wir sonst machen können."
"was denn?"
"ne ganze menge. oral, anal, vaginal..."
der luxus-mann lacht.
"das hätte ich mir ja denken können, du hexe."

als der luxus-mann am nächsten morgen zur arbeit aufbricht, während ich noch ein weilchen liegen bleiben darf, fällt mir auf, auf welche beeindruckende größe meine zuneigung inzwischen angewachsen ist.
doch wie schaffe ich es, dass der luxus-mann mir vertrauen kann?




Kommentare:

  1. ganz einfach: immer schön daheim bleiben und auf ein Eigenleben verzichten. Vielleicht doch noch schwanger werden?.....[btw: redest Du nicht mehr mit mir? War ich schlimm?]

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    1. nee, schwanger, haus und garten wäre so ziemlich das schlimmste für den luxus-mann. ;)
      und ich lasse mir auch nicht verbieten, mein leben zu leben. das weiß er. ich habe mich ja schon mal so eingeschränkt wegen eines eifersüchtigen typens. fehler sollte man nicht wiederholen. ist ja auch ein wesentlicher grund, warum ich so wahnsinnig wütend auf die eifersucht des luxus-mannes reagiere. da steckt auch noch all die wut drin, die eigentlich für jemand anderes bestimmt war.

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    2. p.S.: alles gut! hab gerade noch mal meine mails durchforstet. hab keine nachricht von dir?

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  2. Wahrscheinlich gar nicht, oder nur extrem langsam über sehr lange Zeit.. Er wird wahrscheinlich nie aufhören hinzuschauen, Situationen zu hinterfragen und zu analysieren. Täte er das nicht mehr, würde er alles missachten, was ihn das (sein) Leben bisher gelehrt hat. Denn er kann nicht mehr sein, als die Summe seiner Teile, das heißt, seiner Erfahrungen, seiner Prägungen und dem, was er aus Fehlern und überhaupt aus seinem Tun gelernt hat.

    Und er hat wohl unter anderem gelernt, dass ein Fehler gewesen ist, eben nicht hingeschaut zu haben, keine Schlüsse gezogen zu haben und es deshalb anderen leicht gemacht zu haben ihn zu hintergehen, ihn zu belügen und zutiefst zu verletzen.

    Es gibt für ihn keinen Anlass, jemandem nur aus dem einen Grund zu vertrauen, dass er es verlangt.

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    1. ich kann mir schon vorstellen, dass es übel ist, wenn du zum ersten mal so richtig richtig verliebt bist und dann da jemand ist, mit dem du ständig betrogen wirst. bzw. er hatte sich ja aus liebe damit auch arrangiert und jahrelang gute miene zum bösen spiel gemacht. kann schon nachvollziehen, dass das selbstfolter war, die ihn mehr geprägt hat, als ihm lieb ist, und dass er das nicht noch mal erleben will.
      zwischendurch hatte er immer nur fickbeziehungen ohne verpflichtungen wie mit mir und dann die beiden langen beziehungen mit seinen kindsmüttern. die waren wohl jeweils recht harmlos, keine partygängerinnen und auch sonst so konservativ drauf, dass ihm das vertrauen da gelungen war. trotzdem passte das dann wiederum nicht mit seinem leben zusammen, mit abhängen in punk-kneipen und sonstigen läden, und dem freien leben. mit der einen ging es etwas besser, mit der hat er bis heute ein sehr gutes verhältnis, mit der anderen ist es schwieriger.

      ich verlange kein vertrauen, ich halte vertrauen auch für etwas, was sich sehr, sehr langsam aufbauen muss. ich bin ja selber keine heldin im vertrauen und innerlich auch immer auf dem sprung, frei nach dem motto: wenn das nichts wird, musst du immer was wissen, was du alternativ willst. oder auch wen eben. wird jetzt mit zunehmendem alter auch nicht leichter, und ich spüre, dass die möglichkeit, sich auf jemanden so spießbürgerlich-bequem einzulassen, auch einen reiz ausübt und mich ruhig macht. trotzdem schrillt auch bei mir da immer eine alarmglocke: vorsicht, vorsicht, das ist nicht von dauer!
      eigentlich kanns daher gar nicht darum gehen, ein hundertprozentiges vertrauen aufzubauen, sondern vielmehr darum, den kampf gegen die eigenen unsicherheiten zu gewinnen.

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  3. fuer so karriereweibserei kann man sich ruhig mal ein wenig abfeiern!

    das mit dem vertrauen muss er wohl aber selber schaffen. ich glaube nicht, dass Sie da etwas tun koennen.

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    1. also was er sich wünscht, ist sowas wie klare kommunikation. ich bin ja eher verschwurbelt, deute an, mache subtile scherze...

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  4. Aber dann weißt du doch, was du zu lassen hast. Bzw., drück dich klarer aus. Vertrauen kann man jemandem nur schenken. Vielleicht sollte der Mann dir das Geschenk einfach machen ohne Beweise oder Bedingungen. Risiko is King!

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    1. das ist das einzige, was ich weiß.
      und last but not least ist es ein risiko für beide seiten. ich falle tiefer als er. er hat in hh seine familie(n) und freunde, die er seit ewigkeiten kennt. ich hab zwei, drei hoschis, sonst niemanden, der mich auffängt, wenn ich falle.

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