Freitag, 2. September 2016

falling apart

sich trauen. sich treu sein. dem anderen trauen. ihm treu sein.
beides kann ich nicht, allenfalls in bruch-teilen. ein halbes standbein, ach was, eher eine krücke mit akuter einknickgefahr.

das wichtigste ist die alternative. gehen sie niemals in eine verhandlung ohne alternative. eine alternative zu haben bedeutet macht. haben sie keine alternative, sind sie nackt. dann können sie vielleicht noch lügen, aber wehe, sie werden enttarnt. das ist nicht von mir, sondern von jack nasher. wirtschaftspsychologie. aber wir sind einer meinung. meine alternative ist mir heilig. denn wenn man ihm keine wahl lässt, ist der mensch kein mensch mehr. die westliche philosophie, der priester in clockwork orange, der das experiment verdammt. ich habe lange genug keine wahl gehabt. weil ich mir keine wahl gelassen habe. weil ich darauf gewartet habe, dass mir jemand die wahl lässt. ich war damit ein experiment für jedermann.

wenn das große zweifeln wieder beginnt, bemerke ich, wie ich goldwaagig werde. ein satz in whatsapp kann dem luxus-mann jetzt den kopf kosten. virtuelle kommunikation schockt mich sowieso. wie ist das gemeint? hat er das smilie vergessen? oder ist das sarkasmus? eine echte frage oder eine rhetorische, die mir sagen soll, mensch mädchen, was bist du dämlich? gibt es vielleicht sogar einen bewussten oder unbewussten semantischen unterschied zwischen der satzaussage und dem dahinter gesetzten smilie?

bei smilies denke ich immer an clowns, hinter einer lustigen maske verborgene brutale serienkiller.
traue keinem smilie, niemals.

innerhalb von 48 stunden habe ich mich so innerlich lichtjahre vom luxus-mann entfernt.
ich brauch dich weniger, ach was,  ich brauch dich gar nicht.

in einem saublöden moment schicke ich dem objekt eine nachricht. keine antwort, glück gehabt. trotzdem hasse ich mich dafür. ein wodka, eine line seit langem mal wieder. zwei minuten später todesangst und reue, die sich nur mit einer tavor wieder wegdrücken lassen.

ich falle in einen unruhigen schlaf, in dem ich von meinen eltern träume. ich wache auf von meiner eigenen stimme, die sagt: "und mit jedem jahr wächst die angst vor dem moment, an dem sie sterben. und weil es niemandem gibt, an den ich all das gute weitergeben könnte, das sie mir geschenkt haben."


Kommentare:

  1. Mh, darf ich Dich mal umarmen? Wenn ja fühl Dich umärmelt so vorab.

    Zu den Alternativen, ich hoffe ich steche jetzt nicht in ein Wespennest, sind es denn wirklich echte Alternativen oder sind es nur Fluchtwege, die man sich selber baut um im angedachten Katastrophenfall dann schon einen Ausweg zu haben?

    Sicher wir können uns jeden Tag aufs Neue entscheiden, tun das auch mehr oder weniger bewusst und unbewusst, aber eigentlich, wenn man so zurück schaut gibt es schon eine Linie auf der man wandert. Oder?

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    1. das ist ja süß. :) danke. ich bin ja ein totales kuscheltier.

      die "alternativen" in den kontext waren jetzt eher weit gefasst. eine alternative kann bedeuten, fremd zu gehen (alternative von sehr unterschiedlicher qualität ;)), oder sich auch einfach auf sich zu konzentrieren, oder so etwas zu tun, was ich als studentin getan habe, nämlich bewusst keine beziehungen einzugehen, weil ich damals so einen fantastischen freundeskreis hatte und ich diesen ständig um mich wissen wollte. da hätte ein typ keinen platz gehabt.
      im nachhinein bereue ich nichts, das zeigt mir, ja, da ist schon eine linie. meine ist halt sehr stark verwackelt und verzweigt, während andere so hübsche gerade linien haben.

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    2. Ok, verstehe.

      Aber mal so unter uns zwei, die beide keine geraden Linien haben:

      Wenn Du Dir die Leute mit den astrein geraden Linien anschaust, hast Du dann nicht auch manchmal das Gefühl, dass sie irgendwie nicht so wirklich richtig im Leben stehen und das sie beim leisesten Windstoß total aus der Bahn geraten könnten?

      Sie hatten vielleicht Glück, haben ihr Leben, was aus ihrer Sicht wahrscheinlich o.k. ist, bisher gelebt, aber wenn ich mir so die geraden Linien anschaue, ich finde sie schon ziemlich fad im Sinn von jedem Tag Erbsensuppe.

      Zum Thema fremdgehen, wenn ihr beide darüber sprecht fällt es in meinen Augen eher ins Poly, denn ihr redet und wenn es eben aus dem Grund heraus ist andere Haut zu spüren, "Marktwert checken" oder auch sich zu beweisen, dass man ja gar nicht so fest gebunden ist, hüstel, hei dann mach es, sofern es Dir und Euch damit besser geht.

      Aber sprecht miteinander, sagt die, die schon seit 11 Jahren so lebt.

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    3. ich möchte auch nicht tauschen, letzten endes. wenn ich viele lebensentwürfe so anschauen - haus, garten, kind - dann wäre das mein untergang. am ende vielleicht sogar noch in den job rennen und glauben, seinen selbstwert daraus ziehen zu können. und du hast recht, diese leute fallen meist sehr hart, wenn irgendwas die heile kleine welt ins wanken bringt, wie arbeitslosigkeit, krankheit etc. da bin ich natürlich in den stürmen des lebens wesentlich "geübter".
      trotzdem wäre manchmal ein bisschen gerader nicht schlecht. ;) einfach, weil es dann manchmal nicht ganz so kompliziert wäre.

      so, eine die also schon seit 11 jahren polygam lebt? sehr cool. ich kenne nur ein paar, das das so richtig richtig durchzieht. mit ehe und allem. haus, garten und viele bunte ficker. ;) aber da steht er auch sehr drauf, zuzusehen.

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