Sonntag, 18. September 2016

daddys

"die gucken alle", sagt der luxus-mann, als wir über den flohmarkt schlendern.
"findest du mich auffällig?" frage ich.
"ja klar."
"wegen der stiefel?"
"ja. und dein rock... und die strümpfe. und die haare."
"ich habe ja immer angst, langweilig zu sein."
der luxus-mann blinzelt in die sonne:
"zu sein oder auszusehen?"
"auszusehen."
der luxus-mann lacht:
"darum musst du dir keine gedanken machen, weder um das eine, noch um das eine, so kapriziös wie du bist."
"kapriziös!"
"ja, das trifft es nunmal am ehesten."

"auf die daddys machst du jedenfalls richtig eindruck", stellt der luxus-mann fest.
"vielleicht, weil ich so nach freiheit aussehe?"
"vielleicht, weil du so nach ficken aussiehst", grinst der luxus-mann.
"findest du?"
"schon. du strahlst das aus."
"hast du dir das gedacht, als du mich das erste mal gesehen hast?"
"nee, da hab ich gedacht, die ist interessant."
ich kichere geschmeichelt.
"du hast halt was sehr spezielles", sagt der luxus-mann.
"ist das gut", will ich wissen.
"weiß nicht", sagt der luxus-mann. "leute wie ich finden das gut, aber ich kann mir auch vorstellen, dass viele das verstörend finden."
"die stinos?"
"ja."

ich schaue den luxus-mann von der seite an. wie ich dieses profil liebe, denke ich mir. und wie gut es zu dieser rauen, immer etwas verrucht klingenden stimme passt.
"was guckst du?"
"nüx nüx."
"du brütest doch was aus!"
"nein. ich gucke nur."
der luxus-mann hält inne und schaut mir ins gesicht.
"bin ich auch so ein daddy, in deinen augen?"
"nee. du bist punk."
der luxus-mann lächelt geschmeichelt, wird dann aber wieder ernst.
"heute morgen so im bad, da hab ich gesehen, dass ich voll faltige augen hab."
"kannste dir ja wegoperieren lassen, wenns dich stört."
"stört dich das nicht?"
"nö. das ist deine geschichte. das ist authentisch."
"aber schön ist es nicht."
"doch. das bist du, und du bist schön. in meinen augen. in meinen beschränkten augen, die doch glaub ich ziemlich viel an dir sehen."
der luxus-mann sagt nichts darauf, wie immer, weil er komplimente nicht verknusen kann.

"wollen wir kuchen essen", fragt der luxus-mann, als wir auf dem nachhauseweg an einem café vorbeikommen.
"nee."
"magst du keinen kuchen?"
"nicht so wahnsinnig. außerdem hab ich zwei kilo zugenommen."
der luxus-mann schaut mich von oben nach unten und von unten nach oben an.
"wo?"
"das sieht man jetzt nicht so, verteilt sich immer ganz gut bei mir."
"schade, ich hatte gehofft, an den titten."
"soll ich mir die titten machen lassen?"
"nee, warte mal ab. vielleicht in 20 jahren, falls wir dann noch zusammen sind und du bei mir einziehen musst als meine persönliche sklavin, weil du sonst flaschen sammeln müsstest. dann bist du nämlich nicht mehr frisch genug zum nacktputzen."
ich zeige dem luxus-mann den stinkefinger.

"aber noch mal zu den daddys...", fängt der luxus-mann wieder an, während er ein stück heidelbeerkuchen verdrückt.
"was findest du an denen? warum fickst du die?"
ich zucke die achseln.
"ich ficke die ja nicht explizit. die finden mich irgendwie."
"aber die sind doch todlangweilig."
"die meisten schon. aber mit denen passiert fast immer was, wenn sie fremdgehen, und das finde ich dann spannend."
"wie meinst du?"
"ich mag dieses staunen. die werden dann noch mal kind, irgendwie. so ganz verletzlich. und das, wenn man denen einfach nur den schwanz hält. und wenn sie dann danach zu mutti ins nest zurückhoppeln... dann nehmen sie vielleicht was mit. ich weiß ja nicht."
"wofür hälst du dich, für eine krankenpflegerin?"
"nenn es männerpflegerin, wenn du so willst."
"und für dich, was ist es für dich? das macht dich doch nicht wirklich geil, oder?"
"nicht der mann, eher das, was ich auslöse. die macht, die ich habe. bewegen und bewegt werden, das ist so das, was ich am leben am meisten mag."

der luxus-mann schaut mich aus seinen kornblumenblauen augen indifferent an.
"a. meinte gestern auch, mit jemandem wie dir müsse man vorsichtig sein."
"mit jemandem wie mir?"
"ja. jemand, der nicht ganz richtig im kopf ist."
"ich glaube, in meinem kopf ist vieles sehr viel richtiger als in anderen köpfen. nur weil ich nicht in eine medial betäubte leistungsgesellschaft passe, die konsumgütern huldigt und in lebensformen von 1950 verhaftet ist, bin ich nicht krank. ganz im gegenteil."
"du weißt wie ich das meine."
"nein. du bist da sehr ambivalent."
"najaaa... er meint halt, ich solle aufpassen, wie ich mit dir umgehe."
"so in die richtung, mich nicht zu verletzen?"
"ja."
"beeindruckend, dass leute, die mich nicht einmal auch nur von fern gesehen haben, immer ganz genau wissen, wie ich ticke und wie man mit mir umzugehen hat."
der luxus-mann ist verlegen.
"ich habe a. auch gesagt, dass ich das mit dir sehr entspannt finde, weil du trotz allem nie zickig bist."
"soso."
"ich hab ihm aber auch erzählt, dass ich immer noch angst vor dir habe."
ich grinse.
"gut so."

später liegen wir im bett, sehen einen langweiligen horrorfilm, trinken und vögeln ein paar mal.
"willst du noch ausgehen? fragt der luxus-mann.
ich drücke meine nase in seine achselhöhle.
"nein", sage ich dann mit nachdruck.
"kenn ich gar nicht an dir."
"hast du angst, dass ich mich mit dir langweile?"
"hm, weiß nich."
"tu ich nicht. du kannst sogar sportschau mit mir gucken."
"und erotikkanal."
"und die sendung mit der maus."
ich schmiege mich an den luxus-mann.
"ok so für dich?"
"willst du schlafen?"
"ja bitte."
"so?"
"genau so."



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