Sonntag, 4. September 2016

an seiner seite

nach der objektiven begegnung am freitag bin ich zwar zunächst verwirrt, doch ich denke keine sekunde daran, das gestrige date mit dem luxus-mann zu canceln.

nach meiner ankunft in der luxus-wohnung setzen wir uns zunächst auf den balkon und nehmen einen drink.
"und, warst du gestern noch aus?" will der luxus-mann wissen.
"ja", sage ich.
"und war nett?"
"war ok. einiges los. das objekt war auch da", sage ich vorsichtig.
"echt? und hat er was gesagt oder was?"
"ja, es hat mir ganz freundlich hallo gesagt und wir haben uns kurz unterhalten. und ich hab was mitgebracht", sage ich und ziehe einen joint aus meiner tasche. "das ist ne weiße witwe. sozusagen die premiumklasse im bereich marihuana."
"wo hast du den denn jetzt her?"
"hab ich gedreht. die weiße witwe ist vom objekt."
"wie, die ist vom objekt? hat er dir das verkauft?"
"nö. war ein geschenk."
"und wieso schenkt er dir das?"
"er ist halt so. hat er schon ein paar mal gemacht. ich war auch verwundert, weil wir nicht mehr befreundet sind. befriedet schon, aber wir haben so ja keinerlei kontakt. aber großzügig war das objekt eigentlich immer."

der luxus-mann schenkt mir einen undefinierbaren blick.
"wie war das für dich?"
"ich fand das angenehm. das ganze zerwürfnis war schon belastend, wenn man sich öfter über den weg läuft."
"das war nicht die frage. wie hat es sich angefühlt, mit ihm zu reden?"
gefährliche fangfrage. ich denke nach.
"fremd. ich war auch überrascht. aber insgesamt schon angenehm. ich bin erleichtert, dass wir uns nicht mehr stumm und hasserfüllt anstarren. das war auch irgendwie... kindergarten. dazu gab und gibt es zu viel, was wir aneinander schätzen."
ich bete, dass das nicht zu harter toback für den luxus-mann ist, doch er sagt:
"wie gesagt, ich könnts ja verstehen, wenn ihr fickt."
"wir ficken aber nicht. wir haben lediglich diesen lächerlichen kleinkrieg beendet und das objekt hat mir ein geschenk gemacht. das ich jetzt hier mit dir teile."

die entscheidung, ein geschenk vom gefühlten konkurrenten mit dem luxus-mann zu teilen, kostet mich mut, weil ich mit ablehnung rechnen muss. denn ohne ein gewisses grundvertrauen könnte er diese geste auch als beleidigend empfinden: da schleppt die alte gras von dem typen an, an dem sie immer noch irgendwie hängt! was für eine schlampe! wahrscheinlich hat sie ihm dafür einen geblasen oder schlimmeres! aber es ist mir wichtig, dem luxus-mann zu zeigen, dass ich ihm nicht verheimlichen will, beschenkt worden zu sein. und es ist mir wichtig, dass, falls luxus-mann und objekt aus irgendeinem grund einmal aufeinander treffen sollten, keine lügen oder heimlichkeiten auffliegen, was dann unweigerlich dazu führen würde, dass der luxus-mann weg wäre. deshalb setze ich auf dieses grundvertrauen, das ich zu spüren glaube und das ich weiter aufbauen möchte.

doch der luxus-mann überrascht mich positiv.
"dann schmeiß mal n feuerzeug her", sagt er und rupft die gezwirbelte spitze ab.
und ich strahle, während ich ihm zusehe, wie er die ersten züge pafft, mit meiner speziellen technik für nichtraucher, die ich beim kiffen selbst anwende, weil der rauch dann weniger kratzig kommt.
"angenehmes zeug", sagt er dann sogar.
"angeblich so das beste, was man auf dem markt kriegen kann."
"wie kommt der an sowas, ich dachte, das ist so ein sozialversager?"
"nur weil er einen sozialen beruf hat, ist er doch kein sozialversager. ich verdiene umgerechnet auch nicht so viel mehr."
"haste auch wieder recht."

später gehen wir aus. während wir nebeneinander im club stehen, fühle ich mich unendlich wohl. immer wieder drehe ich den kopf, sehe in dieses markante profil und schätze mich glücklich, so einen hübschen und integren mann an meiner seite zu wissen. als könne er gedanken lesen, sagt der luxus-mann quasi aus dem nichts:
"ich geh ja echt gerne mit dir aus."
"ich finde das auch schön, dass das möglich ist. kultur sollte man irgendwie teilen können."
"aber es bedeutet natürlich auch, dass man dann kaum mehr was hat, was man allein machen kann."
"du weißt, dass ich auch alleine weggehe."
"ja! das hast du ja auch erst gestern wieder unter beweis gestellt!" lacht der luxus-mann.
"aber es wäre doch auch schrecklich, wenn man NUR NOCH dinge zusammen macht, auch wenn man gleiche interessen hat."
"ja, auf jeden. heute beispielsweise war ich im fitness, und da war so ein pärchen, das kam zeitgleich mit mir. danach hab ich die frau im trainingsraum gesehen. ohne den typ. die stand da komplett verloren und guckte sich die augen aus. die konnte nicht alleine an die geräte gehen! die hat echt gewartet, bis er auftauchte, und dann sind die gemeinsam trainieren gegangen. und dann war er wieder weg, auf klo oder was auch immer, und sie stand wieder total doof rum und hat gewartet wie bestellt und nicht angeholt."
"schlimm. das finde ich am abschreckendsten an so klassischen paaren, dass die so assimiliert sind, dass die nicht mehr 'ich' sagen können. deshalb möchte ich, dass du deine freundschaften pflegst und abende unter männern hast, wo ich nicht dabei bin."
"aber frauen sind auch ok, oder? wenn ich hier so meine bekannten begrüße?"
"klar doch. war jetzt nur ein beispiel."

"und für dich, wäre für dich hier heute ein interessanter typ dabei?" bohrt der luxus-mann nach.
"klar", sage ich grinsend. "einen beobachte ich auch schon die ganze zeit."
der luxus-mann schaut verunsichert.
"rate mal, wer", sage ich.
"der da?" deutet der luxus-mann auf einen bärtigen hipster.
"nee! auf so ne schwuchteligen milchschnitten steh ich null!"
"oder der?"
"hallo?! das ist ne hühnerbrust, und kleiner als ich wahrscheinlich auch noch."
"dann sag mal."
"kommste nicht drauf?"
"nee."
"na du."
"ich?"
"ja klar."

der luxus-mann grinst stolz in sich hinein.
"du willst also echt keinen von hier?"
"nö. aber ich weiß, was ich will."
"du weißt, was du willst?!"
"ja klar."
"und was willst du?"
jetzt bin ich doch zu verlegen, um einfach "dich" zu sagen.
"ich genieße das hier mit dir gerade total, merkst du das nicht?" sage ich stattdessen.
der luxus-mann schaut so cool er irgend kann, aber es entgeht mir nicht, dass er bewegt ist.
"ich nehm mich halt nicht als so attraktiv wahr, weißte, auch wenn mir das andere oft sagen", sagt er dann.
"ich weiß, du bist mir da sehr ähnlich."

zum morgen hin sind wir erschöpft und betrunken und sitzen auf einer couch in der ecke. eigentlich wollen wir gehen, aber es schifft wie aus kübeln, und keiner von uns hat einen schirm oder eine richtige jacke dabei.
"trink ich jetzt noch ein bier oder mach ich jetzt schluss mit dem saufen und steck ihn dir nachher noch mal rein?" fragt der luxus-mann.
"wir können ja auch hier zum ficken aufs klo gehen."
"nee, das hatt ich schon mal, in einem kino."
"ich hatte das auch schon, aber ich dachte so, um ein gutes zeitliches intervall zu erwischen zwischen nicht-besoffen-genug und zu-besoffen-zum-ficken."
"würdest du denn wollen?"
"ich bin geil wie nachbars lumpi."
da grinst der luxus-mann glücklich. er lässt seine hand an meinem oberschenkel nach oben wandern und streichelt meine muschi.
mir wird noch heißer, als mir ohnehin schon ist.
"boah, ich will jetzt gehen und mich von dir ficken lassen", flüstere ich.
"ich hab da auch eine ganz klare meinung zu", sagt der luxus-mann und setzt sich so hin, dass ich sehen kann, wie sich seine erektion in der hose abzeichnet.
"olala!"
"los komm! lass uns gehen."
"aber es regnet!"
"scheiß auf den regen."
"wir könnten aber doch ein taxi..."
"scheiß aufs taxi, wir gehen."

und wir gehen, und zuhause lieben wir uns wild und rau.
"ich glaube, es gibt leute, die würden uns beneiden", sagt der luxus-mann.
"denke auch."
"schlafen?"
"unbedingt. wann kommt deine tochter morgen?"
"um elf."
"fuck, das ist in vier stunden."
"ja, ich weiß. aber hat sich gelohnt, oder?"
"definitiv."



Kommentare:

  1. Und wieder ein gelungenes Treffen. Läuft.

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  2. Ich freu mich so für dich! Du sammelst Glücksmomente!

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    1. danke. ich freu mich auch. auch wenn ich weiß, wie tief mich das wieder runterreißen wird, wenn es nicht mehr da ist.

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    2. Warum sollte es nicht mehr da sein? Ihr zwei wachst mehr und mehr zusammen.

      Was ich so von Dir lese haben sich zwei Menschen getroffen mit all ihren Baustellen, die gerade zusammen wachsen und ihr eigenes Reich mit all den Ecken und Kanten gestalten, das wird ein schönes individuelles Zuhause...Glaubst Du nicht?

      Schau bei Frau Finchen, ich liege mit solchen Vorhersagen richtig. ;)

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    3. ich bin da sehr vorsichtig. länger als drei jahre hab ich noch nie was durchgehalten. sobald alltag da war, ging es nicht mehr. das ist so die erfahrung. und immer, wenn ich doch gewollt hätte, hatten die typen schiss. wie das objekt. vielleicht such ich mir auch automatisch die, die mir zu ähnlich sind in meiner angst.

      denn ich hab richtig krass angst vor dem moment, und natürlich strickt sich das hirn dann schmerzlosere abkürzungen zurecht (selber schluss machen oder auch einfach nen noch geileren ficker finden, der den luxus-mann ausblendet).

      zusammenwachsen ist ja zudem erklärtes nicht-ziel. im moment ist das wie ein pflaster, das schon ziemlich lange auf der wunde babbt und das festgeklebt ist, sodass man es nicht abreißen mag. ;)

      seit samstag hat er auch nicht mehr viel gesagt. ich glaube ja, dass ihn die objektgeschichte beschäftigt. wenn der sich seine wort-case-szenarien zusammenspinnt, ist der nicht aufzuhalten. ich will nicht behaupten, dass ich das nicht von mir kenne. ;) aber ich bin zumindest ansatzweise noch beeinflussbar dann. er nicht. er dreht mir dann die worte im mund rum und sich alles so hin, dass es ein schlechtes licht auf mich wirft.

      was hast du bei frau finchen vorausgesagt? ich hab da ein bisschen gelesen, aber nichts einschlägiges gefunden.

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