Donnerstag, 16. Juni 2016

zicke

trotz aller unverbindlichkeit unseres arrangements streiten der luxus-mann und ich ziemlich häufig. auch über kleinigkeiten.
meist handelt es sich um missverständnisse, die bei der konversation via sms passieren. zumal der luxus-mann emoticons sehr mekwürdig einsetzt oder auch mal weglässt, sodass ich raten muss, ob es sich um eine sarkastische oder um eine arschloch-bemerkung handelt. je nach eigener befindlichkeit und grundunsicherheit liege ich damit mehr oder minder richtig oder falsch.

der luxus-mann hat die schöne angewohnheit, in solchen situationen einfach anzurufen und die situation zu klären. er ist diplomatisch, wenn die situation eskaliert.
ich eher nicht. ich bin diplomatisch, bis die situation eskaliert, bin lange geduldig, verkneife mir böse sprüche, versuche neutral zu bleiben. bricht der konflikt dann aber aus, verschanze ich mich, isoliere mich, überlege, die verbindung komplett abzubrechen. und gehe schon mal nicht ans telefon.

der wirkliche konflikt ist dabei ein konflikt mit der selbstachtung:
muss ich mir das jetzt geben, ist das gut für mich?
und ist der andere das wert?
ist es ok, jetzt sauer zu sein oder interpretiere ich etwas über?
ist es nicht vielleicht besser, sich jetzt zu trennen, denn die trennung passiert ja sowieso, in zwei wochen, zwei monaten oder zwei jahren?

fragen, auf die ich nie eine antwort weiß, die immer spiegel meines grundmisstrauens bleiben.

grundsätzlich sind alle menschen arschlöcher.
grundsätzlich sind alle menschen austauschbar.
aber was ist mit den ausnahmen?
gibt es überhaupt ausnahmen oder betrügt mich meine wahrnehmung, meine matrix, die mich auf bestimmte eigenschaften anspringen lässt wie einen pavlovschen hund?

ich habe es nie geschafft, jemandem zu vertrauen.
nicht mal meinen eltern.
nur das objekt hatte den zugang zur mir, was einer erlösung gleichkam. der verlust dieser erlösung ist immer noch desaströs, nach so langer zeit. er war eine niederlage gegen mich selbst.

das weiterleben, das überleben ist anstrengend. ich kann nicht einschätzen, ob es sich lohnt. alles bleibt immer ambivalent, abhängig von meiner hirnchemie, der qualität des letzten schlafes, den schmerzzuständen, den tablettenvorräten, den reaktionen meiner mitmenschen im alltag. auf die meisten wirke ich wie eine soziopathische zicke. anstrengend, intensiv, nervig. aber am aufreibendsten ist es für mich, mich und diesen ganzen wahnsinn 24/7 auszuhalten.

manchmal wünsche ich mir noch mal einen therapeuten, der mich begleitet, den ich all diese fragen stellen könnte. aber auch dem würde ich ja nicht vertrauen.

Kommentare:

  1. Gute Therapeuten sind eh selten. Und ohne Vertrauen wird es nicht leichter. Es bleibt wohl schwierig.

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    1. Ich glaube ja, dass die meisten Therapeuten Idioten sind.

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    2. mit dem idioten hatte ich so anderthalb jahre. und dann noch mal ne woche stationär.

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  2. Ich weiß gar nicht, ob diese (deine) Idee von Vertrauen so richtig oder überhaupt erstrebenswert ist - allumfassend jemandem zu vertrauen ist, glaub ich, wirklich sehr selten. Dabei vergisst man aber schnell, dass Vertrauen in verschiedenen Schattierungen existieren kann, und auf verschiedene Bereiche/Ebenen anwendbar ist. Ich kann doch beispielsweise Person X im Bett absolut vertrauen, würde aber in anderer Hinsicht nie auf X vertrauen? Oder eben: Freund Y kann in Sachen Pünktlichkeit und Verlässlichkeit in die Tonne gekloppt werden, aber bei tiefgründigen Gesprächen + Ratschlägen ist Y ganz vorne mit dabei.

    Oder ist das nur bei mir so?

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    1. da ist schon was dran. allerdings ist es bei mir so, dass sich misstrauen in einem punkt sich auch auf das vertrauen in anderen bereichen auswirkt. das produziert dann gewissermaßen so emotionale vergiftungserscheinungen.

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  3. Immer schön langsam tun - besser nix sagen als streiten.
    Du bist auf einem guten Weg und hast schon einige Erfolge errungen.
    Im Moment läuft es halt gar nicht - versuch es auszuhalten und dich an deinen Erfolgen zu erfreuen.
    Wenn es dir wieder besser geht ist auch der Luxus-Mann wieder ein Guter.

    Aushalten und abwarten bis es wieder besser ist. Nach meiner Erfahrung der einzige Weg so etwas zu überstehen ohne das hinter nur noch Scherben da sind.

    Ich denk an dich :)

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    1. es ist halt so, wie es immer ist: nobody´s perfect und so wie ich meine macken hab, hat sie der luxus-mann auch. die sind auch spürbar in unserem sehr begrenzten alltag.
      zum beispiel die leidenschaftslosigkeit des luxus-mannes macht mir manchmal echt zu schaffen. gerade wenn es mir nicht so gut geht, bin ich extrem glücklich, wenn ich mich soweit einkriege, dass ich mich begeistern und für eine sache erwärmen kann, anstatt muffelnd zuhause zu sitzen und der einsamkeit zu fröhnen. die begeisterung verfliegt aber ganz fix, wenn da jemand ist, der a) entweder gar nix dazu sagt, b) sich zwei desinteressierte silben abringt oder c) sich darüber lustig macht, dass ich das jetzt gut finde. dafür könnt ich ihn jedes mal erschlagen.
      ich muss das glaub ich mal ansprechen. ich kann da die klappe nicht halten. auch wenn ich weiß, dass männer ü40 sich nicht mehr ändern.

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    2. das problem ist dann halt auch meine enorme wut und impulsivität. das mit dem erschlagen meine ich ganz real. ich hau dann auch schon mal zu. deswegen sollte man mir auch besser keine kinder anvertrauen. ;)

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  4. Vor dem erschlagen würde ich es vorziehen ihn darauf anzusprechen.
    Ich bin ein großer Verfechter der Theorie dass miteinander reden hilft ;)
    Woher soll der Gute sonst auch Wissen was dich nervt?
    Männer Ü40 ändern sich nicht mehr? Oh oh - ich bin deutlich Ü40 und meine Erfahrung ist eine andere.....
    Auch das mit der Wut und Aggressivität kenne ich von mir besser als mir lieb ist. Und auf die Erfahrung hätte ich gerne verzichtet.
    Bei mir ist es zumeist Überforderung oder unterdrückte Trauer.
    Seit dem ich das weiß frage ich mich in so einer Situation immer erst mal was mit mir los ist und manchmal war das Thema mit ein paar Tränen vom Tisch. Wenn nicht war ich zumindest nicht mehr so destruktiv im Umgang mit mir ...

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    1. das ist auch der absolut richtige ansatz.

      metamorphosen bei männer ü40: jetzt bin ich auf die geschichte dahinter gespannt! ;)

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    2. Die Geschichte dahinter?
      Es war einmal – halt falscher Anfang….
      Vor so ziemlich genau 10 Jahren ist mir mein Leben wie ich es kannte um die Ohren geflogen – Frau weg – Kinder weg (wenn auch nicht die eigenen) – Haus weg. Das einzige was mich damals am Leben hielt war das Wissen, dass wenn ich mein Leben beende, ich auch 3 andere Leben unwiederbringlich zerstöre. Hört sich vielleicht komisch an – war aber so.

      Ich war und bin ein sehr unsicherer, ängstlicher Mensch (klar ist auch dass es für Außenstehende ganz anders aussieht).
      Was du schreibst, dass es absolut für den Ar..h ist was andere sagen, wenn du es selbst nicht fühlst kenne ich nur zu gut.
      Da hilft auch keine noch so gute Selbstreflexion (da bin ich auch Meister drin) oder das Wissen darum dass der andere Recht hat.
      Du fühlst es nicht und darum ist es nicht da. Punkt.

      Zu der Zeit haben mich liebe Freunde mit den Worten „komm doch mal mit – das wäre was für dich“ zu einer Motorsportveranstaltung mitgenommen. Das ist eine Mischung aus BMX und Mountainbike nur mit Motorrädern (nennt sich Trial). Sie hatten Recht – ich mach das mittlerweile fast 10 Jahre mit Begeisterung.
      Natürliche Reaktion bei Angst ist langsam zu machen, sprich kein Gas mehr zu geben. Das kommt an einem steilen Hang mit einem 80kg schweren Motorrad besonders gut – es legt dich unweigerlich auf die Nase. Dabei hab ich gelernt (zumindest einigermaßen) mit meinen Ängsten umzugehen, sie als Teil von mir zu sehen und - wo und wann möglich - gegenzusteuern.
      Das hat auf mein ganzes restliches Leben abgefärbt, ich bin viel gelassener und ruhiger geworden – meine Ängste haben viel weniger „Macht“ über mich.
      So ganz nebenbei hab ich dabei viele neue Menschen kennen gelernt und unwahrscheinlich viel positives Feedback bekommen.
      Ich weiß auch nicht wie das ging – aber heute ist es so, dass es mir schon leichter fällt mich gut zu finden.
      Die Phasen in denen ich mich so fühle wie du es Adahmo beschreibst hab ich immer noch (die letzten 2 Tage waren mal wieder so), aber ich verzweifle nicht mehr so daran. Ich versuche (und manchmal gelingt es mir auch) einfach abzuwarten und gerade in so einer Phase gut mit mir umzugehen (da könnte ich übrigens auch niemand gebrauchen der so mit mir umgeht wie du es vom Luxus-Mann beschreibst).

      Es ist nicht alles gut – aber es ist erträglicher geworden.

      Das hab ich hinbekommen – als Ü40 – und wenn ich das so lese bin ich ziemlich stolz darauf.

      Das ist auch der Grund warum ich dir immer so gut zurede – weil ich weiß dass es zu schaffen ist – und dir einfach wünsche dass du es auch schaffst…

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    3. das macht hoffnung. und du weißt ja, ich bin weltmeisterin im hoffen.
      es ist nur ein arsch voll arbeit, und bisweilen fragt man sich halt, wozu. weil man es sich nicht wert ist und gründe außerhalb sucht. ständig anstrengende kognitive perspektivwechsel. aber manchmal hab ich auch spaß daran. auf meinen kopf kann ich mich verlassen, allem zum trotz.
      aber danke für deine geschichte und dein vertrauen. :)

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  5. Ambivalent, abhängig von deiner Gehirnchemie- irre, wie du es schaffst manche Dinge zu beschreiben. DU brauchst keinen Therapeuten,du gibst dir alle Antworten selber. Vögeln und Spaß haben, ohne Gefühle- sowas geht auf Dauer nur bei abgestumpften Menschen, also vergiß es. Vertrau dir selbst. Am Ende des Tages weißt du schon was dir guttut und was nicht-bin mir ziemlich sicher!

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    1. das haben mir auch immer alle therapeuten gesagt: dass ich eine enorme fähigkeit zur selbstreflexion habe und die antworten alle bereits kenne. was einen scheiß nutzt, weil ich es zwar weiß, es aber nicht empfinden kann. ich weiß, dass ich nicht dumm bin, fühle es aber so. ich weiß, dass ich nicht hässlich bin, schäme mich aber. und all das mündet dann konsequent in selbstschädigenden handlungen.
      das ist der knackpunkt bei mir.

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    2. Ich denke, du weißt selbst, daß dein Knackpunkt wahrscheinlich tief vergraben in deiner Vergangenheit, wahrscheinlich in Deiner Kindheit liegt. Wenn du schreibst TherapeutEN, hast du wahrscheinlich auch schon ne Therapie hinter dir, richtig? Als Mann kann man sowieso keine Tipps geben-wir haben (99%) keinen Missbrauch erfahren, paar Kilos zu viel und graue Haare dürfen wir haben, im Beruf werden wir eher bevorzugt usw. Die weibliche Psyche ist glaub ich viel tiefgründiger. Aus deinen Geschichten geht hervor, daß du ein intelligenter, nachdenklicher, sensibler, ich finde sehr toleranter Mensch bist. Alles tolle Eigenschaften-sei nicht so streng mit dir, egal was die aktuelle Hirnchemie gerade mit dir macht. Sei ein bißchen stolz darauf, wie du tickst. Versuch es!

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    3. der knackpunkt heißt: kein vertrauen. nicht in mich, nicht in andere. es gibt viele einzelne punkte in meiner kindheit, die dieses vertrauen kaputt gemacht haben könnten. könnten, aber halt nicht müssen. meine geschichte ist nicht unendlich viel schrecklicher als die anderer. aber andere verfügen offenbar über diese zauberhafte eigenschaft der resilienz, die mir komplett abzugehen scheint. ich habe da ein paar artikel drüber gelesen, das scheint wohl sogar größtenteils eine frage der genetik zu sein.

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