Montag, 5. Dezember 2016

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seit unserer rückkehr vom meer läuft alles verquer. ha. reimt sich sogar, die scheiße.

obwohl der luxus-mann und ich in einer offen-festen beziehung (ich soll treu sein, am besten praktisch, er soll ficken dürfen, zumindest theoretisch) leben, habe ich gestern gewagt, einen lieben twitter-bekannten zum glühwein zu treffen.
platonischer- und angekündigterweise. ich soll ja transparent sein, damit vertrauen möglich ist. bla.
zuvor deswegen auch offen gelegt, wer das ist, wie alt, welcher beruf, familienstand, wie lange mir bekannt, in welchem ausmaß, wann wir uns treffen, wo wir uns treffen, etc.
soweit, so gut.

gegen 22 uhr - ich bin gerade auf dem rückweg - erreicht mich die erste nachricht des luxus-mannes.
ob ich denn immer noch beim glühweintrinken sei.
nein, schreibe ich zurück, gerade auf dem nachhauseweg.
ob ich es vergessen habe, fragt er.
hö? in der tat scheine ich etwas vergessen zu haben, kann mich an nichts erinnern, grüble panisch wie einst in meiner exbeziehung nach liebesschwüren, geburtstagen, zusagen und absagen jeder art.
du hast es vergessen, werde ich jetzt beschuldigt.
was denn?
du wolltest doch noch anrufen!
ich bin perplex.
wollte ich? hm. vielleicht hatte ich etwas ähnliches unbedacht in einem im potenzialis formulierten nebensatz erwähnt, also würde ich ihn halt in gottesnamen noch anrufen.

zuhause kommt mir erst mal meine mutter dazwischen, die verkündet, mein vater sei wieder im krankenhaus, aber bereits erfolgreich operiert, aus der narkose erwacht und in der lage, sich zu verständigen. ich freue mich kurz.
dann wähle ich die nummer des luxus-mannes.

"und?" fragt der als erstes.
"was?"
"wie wars?"
"normal."
"wie normal?"
"na ganz harmlos. total nett. wie das halt ist, wenn man freunde oder bekannte trifft."
"und sonst?"
"was und sonst?"
"was habt ihr so gemacht?"
"wir waren kurz glühwein trinken und dann noch in einer kneipe."
"kurz, das waren drei stunden!"
"wir waren ERST KURZ glühwein trinken, nicht LANGE, weils so kalt war, und sind dann noch in eine kneipe."
"was heißt kurz?"
"maaaaaaaaaann. ich hatte keine stoppuhr mitlaufen!"

angespanntes schweigen.
"war so klar, dass du wieder vergisst, was du versprochen hast!" kommt der nächste vorwurf.
"wieso? warum?"
"du wolltest anrufen!"
"kann mich nicht erinnern, etwas derartiges versprochen zu haben."
"doch."
"na gut, dann hab ich es meinetwegen vergessen. mea culpa. mein vater ist heute ins krankenhaus gekommen, da war ich möglicherweise von abgelenkt."
"war ja klar, ist ja immer so."
"du bist so konstruktiv, das liebe ich so an dir", spotte ich jetzt.
"du hast auch versprochen, dass du dir was einfallen lässt, damit ich nicht mehr eifersüchtig sein muss! und was ist? nichts."
"das ist nicht so einfach! das, was ich vorgeschlagen habe, wolltest du alles nicht. und wenn ich dir was sage, glaubst du es mir eh nicht. ich bin derzeit wirklich ratlos. ich will da mit meiner therapeutin drüber sprechen. mitkommen willst du ja nicht."
"nein. du bist krank, nicht ich."
"weißt du, viellleicht würde mir ja was einfallen, wenn du mich nicht permanent damit unter druck setzen würdest! alle paar tage fragst du: und? was ist jetzt? hast du dir was einfallen lassen? da vergeht mir echt die lust. das war aus liebe heraus gesagt, durchaus ernst gemeint, aber so schrumpft mir meine liebe weg und dann seh ich keinen grund mehr, warum ich genau wie in meiner letzten eifersuchtsbeziehung ständig was beweisen sollte. das ist zermürbend und erniedrigend, und ich lasse mich von keinem mann mehr so erniedrigen."

eisiges schweigen.
"und? wollen wir jetzt so ins bett gehen?" frage ich, denn die uhr zeigt mittlerweile fast mitternacht.
"hm."
schweigen.
"ist ja vielleicht auch quatsch, sich nach einem so schönen urlaub so zu streiten", deeskaliert der luxus-mann dann.
"find ich eigentlich auch", sage ich.
"sind ja auch nur kleinigkeiten."
"naja!"
"ich habe mich halt am samstag schon so über dich geärgert."
"warum? wir haben samstag doch noch telefoniert, da klangst du ganz entspannt."
"als du ausgestiegen bist, hast du nur deine sachen aus dem kofferraum geholt und bist dann ohne tschüß zu sagen gegangen."
"ich WOLLTE dir gern tschüß sagen, aber kaum hatte ich die kofferraumklappe geschlossen, bist du einfach weggefahren! ich hatte mich da auch kurz geärgert, weil ich es so unfreundlich und unangemessen fand. dann dacht ich, na gut, vielleicht bist du auch genervt und froh, wenn du deine ruhe hast und zuhause bist."
"ich hätte dich gern am samstagabend später noch gesehen."
"du hast gesagt, dass es dich nicht stören würde - das war deine wortwahl! danach hab ich gedacht, dann lieber nicht, bei so wenig begeisterung."
"aber du kennst mich doch."
"du erwartest von mir, dass ich dich kenne, und dass ich deine ganzen macken und despektierlichkeiten einfühlsam und wohlwollend ertrage, aber selber machst du mir permanent vorwürfe."

pause, dann:
"ich hab übrigens dienstag doch zeit", sagt der luxus-mann dann.
"ok."
"also du kannst dir überlegen, ob wir uns morgen, dienstag oder mittwoch sehen."
"ok. ich schau mal", sage ich mit recht wenig lust, den luxus-mann zu sehen.
"tschüß."
"gute nacht."

nachts wälze ich mich von einer seite auf die andere und der zorn kocht noch mal so richtig hoch in mir.
ich fühle mich gefangen.
stasiartig überwacht und verhört.
ich hätte einfach auflegen sollen!
warum lasse ich mich so unter druck setzen?
einfach ausbrechen!
lieber einsam als noch mal dieser terror.

gegen morgen ist meine wut am überkochen.
ich teile dem luxus-mann knapp mit, dass ich mittwoch vorbeischauen würde, wir dann reden können und ich ggf. meine sachen erstmal mitnehme. und dass er bis dahin nicht mit allzu viel euphorie meinerseits rechnen sollte. 
seither hageln äußerungen des unverständnisses auf mein handy ein.
ich lese sie nicht mehr, schotte mich komplett ab.
irgendwie muss ich jetzt diesen arbeitstag überstehen, ohne sichtbar vor allen kollegen zu heulen.




Kommentare:

  1. ach menno. was hat der mann bloss fuer ein problem?

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    1. komplexe. nichts als komplexe. ich hab das ganze ja schon mal durch. deswegen reagiere ich sicherlich auch ziemlich heftig.

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  2. Natürlich ist er krank. Krank vor Eifersucht. Sollte ER sich mal was überlegen - nicht Du.
    Muss wieder und wieder über den Satz meiner einstigen Thera nachdenken: "Seltsamerweise kommen nicht die Menschen in die Praxis, die es nötig hätten. Sondern die, an denen sie es auslassen."

    Nur: Ihm das so per sms zu "geben"... Er weiß ja nicht, was alles in Dir vorging, bis Du ihm geschrieben hast. Ach Mensch. Redet doch einfach. Nicht Mittwoch. Heute.

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    1. ich hab immer das problem, dass, wenn ich aufgeregt/zornig/megagestresst bin, ziemlich wenig sagen kann, was mich eigentlich stört. so die sache mit es-auf-den-punkt-bringen. ich habe dann so dermaßen auf mich einstürmende gedanken und gefühle, da seh ich mich nicht draus. ist so das borderline-ding, denk ich.
      in meiner letzten eifersuchtsbeziehung hab ich in so situationen auch einfach rausgeblubbert, was mir so einfiel. das hats nicht besser gemacht. im gegenteil. der damalige typ konnte meine argumente recht einfach aushebeln, weil es nur emogewusel war und eben keine wirklichen argumente. am ende war ich wieder die dumme auf diese weise.
      so kommt man aber beim streiten nicht weiter.

      der luxus-mann hat mir vorhin das persönliche gespräch angeboten. heute. ich hab um etwas zeit gebeten, um mich zu beruhigen.

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