Freitag, 1. Juli 2016

zärtliche bande

alles ist offen, alles ist 50:50. ich spüre das herz flattern wie eine kleine verängstigte fledermaus, als ich die treppen in die zweiten stock erklimme. unter der tür steht der luxus-mann, unsicher lächelnd. ich lächle auch, sehr kurz, um ihm dann seine jacke entgegenzuschleudern, die er mir geliehen hatte.

wir sitzen im wohnzimmer, angespannt, ich mit angezogenen beinen, die hände tief in den taschen meines kapuzenpullis vergraben.
"und, was ist los", eröffnet der luxus-mann das gespräch.
"das war ja wohl ein unterirdisches wochenende", sage ich geradeheraus.
"unterirdisch", wiederholt der luxus-mann.
"jawohl", sage ich.
dann erzähle ich den abend aus meiner sicht.

als ich bei meiner entschuldigung ankomme, fällt mir der luxus-mann ins wort.
"du hast dich nicht bei mir entschuldigt!"
"sehr wohl! und du hast gesagt, dass ich reden kann, was ich will, und dass dich das nicht interessiert."
"niemals."
"doch."
"dann weiß ich das nicht mehr."
"wie, das weißt du nicht mehr?"
"war ich wohl zu breit."
"ja, besoffen warst du, voll bis obenhin!"
"als ich am nächsten morgen aufgewacht bin, dachte ich nämlich noch so: wenn sie sich wenigstens entschuldigt hätte."
"wenn du nicht zuhörst oder so viel säufst, dass dus nicht mitbekommst... glaub bloß nicht, dass ich jetzt hier nen kniefall mache."

der luxus-mann schaut mich an:
"kapierst du jetzt eigentlich, warum ich so sauer war?"
"nein."
"das find ich schräg."
"warum?"
"du hast gelogen."
"wie was gelogen? wir waren voll am rumfabulieren: dass ich ne performance vor deinen freunden abliefere, dass die das mitfilmen und im internet verchecken.... das stimmte doch auch nicht."
"das war ja klar. aber wir hatten mal ein gespräch so unter männern, zum thema saufen und ficken, und ich habe allen erzählt, dass ich damit kein problem habe. jetzt sieht das aus, als wäre ich unehrlich."
"aber es sind deine freunde! warum sollten sie eine fremde ische ernster nehmen als dich?"
"du hast mehr glaubwürdigkeit."
"seh ich nicht so. außerdem, wie gesagt, der kontext! wir haben rumgealbert, alle hatten einen im tee."
"trotzdem. ich fand das unmöglich."

"und, was hast du jetzt in all den tagen des nachdenkens für dich rausgefunden?" fragt der luxus-mann weiter.
"als am sonntag deine gehässige nachricht ankam, dachte ich, so, jetzt hab ich keinen bock mehr. die ganze zeit diese kleinlichen streitereien... mir stehts bis hafenkante, der kann sich jetzt was anderes zum ficken suchen."
der luxus-mann ist hart überrascht:
"du hast ernsthaft überlegt, das hier zu beenden?"
"ja. also bis ich dann weiter drüber nachgedacht habe, aber das war mein erster impuls."
"du findest mich kleinlich und gehässig?"
"manchmal. und ich habe mich gefragt, warum du mich überhaupt triffst. du sagst nie ein nettes wort, alles was ich weiß, ist, dass du lieber kleine frauen hast mit haaren bis zum arsch, und dass die am besten 50 kilo wiegen sollten, und dass du meine zehen zu krumm findest..."
der luxus-mann grinst:
"das hast du dir alles gemerkt?"
"klar. andere anhaltspunkte zu dem, was dir gefällt, hab ich nicht. ich weiß nur, was ich alles nicht für dich bin."

ich hole mir eine zigarette aus der schachtel und gehe auf den balkon zum rauchen. der luxus-mann kommt mir nach.
"ich find das krass."
"was?"
"dass du das hier aufgeben willst."
"dann sag mir, warum nicht."
der luxus-mann setzt sich und blinzelt vorsichtig wie ein eichhörnchen.
"ich finde... ich finde das mit dir sehr angenehm. und ich sehe überhaupt keinen grund, das aufzugeben. im gegenteil... wir haben richtig guten sex... ich kann mit dir saufen gehen... ich darf frauen anbaggern, ohne dass du stress machst... ich kann mit dir über so viel reden, was uns so als... als eher düstere und depressive menschen so beschäftigt... ich will das nicht beenden. als ich dich damals das erste mal gesehen hab und ja gerade diese andere frau angebaggert habe... ich dachte mir, die ist jung und hübsch und nett, aber du, du bist interessant... und hast tiefe."

ich lausche und lächle.
"ich glaube, das ist das erste mal, dass du mir sowas ähnliches wie ein kompliment machst."
"dabei hast du das gar nicht verdient nach deiner aktion", grinst der luxus-mann.
"aber gestern beispielsweise, als ich meine tochter abgeholt hab, da hatte meine ex so freundinnen zu besuch... das war mir so ein graus, da zuzuhören, diese oberflächliche nettigkeit und dieser dämliche scheiß, über den die da gelabert haben... und da hab ich an dich gedacht, und dass ich das... dass ich das mit dir einfach als total angenehm empfinde. und dass... dass einem so ein mensch wie du nicht jeden tag begegnet."
ich muss glücklich grinsen.
"scheiße, jetzt hab ich dir noch ein kompliment gemacht", sagt der luxus-mann, "du wirst das alles irgendwann gegen mich verwenden."
"klar."
"du, ich trau dir alles zu."
"wie meinst du das?"
"ich trau dir einfach... alles schlechte zu. mit deiner krankheit... ich stell mir das so vor, dass dir dann alles total egal ist. du hast so viel scheiße in deinem leben gehabt, und du sagst ja auch immer, du hasst alle menschen... und am wochenende zum beispiel, als du dich da so lange mit meinem kumpel unterhalten hast, hab ich gedacht, du fickst den gleich."
"hä?!"
"na aus rache. um mir eins auszuwischen."
"hallo?! gehts noch?"
"deswegen bin ich auch abgehauen."
"du bist abgehauen, weil du dachtest, ich schleppe wegen deiner zickerei deinen kumpel ab, deinen verheirateten kumpel, den ich kaum kannte, und der auch überhaupt nicht mein typ ist?"
"ja."

ich will laut lachen, verkneife es mir aber.
"du bist eifersüchtig", sage ich.
der luxus-mann sagt nichts.
"das heißt, du darfst rumficken und vor meinen augen weiber abschleppen, und ich soll brav an deiner seite bleiben?!"
"nein! ich weiß, dass du frei sein willst... und du sollst das auch bleiben! nur... es macht mir halt was aus."
"du bist eifersüchtig."
"ja, mein gott, ich bins. und ich fürchte, wir werden uns deswegen auch noch öfter streiten."
der luxus-mann schaut mich fragend an, als wäre ich eine tickende zeitbombe, die gleich hochgeht. fast habe ich mitleid, als ich sage:
"in deinem speziellen fall werde ich einfach mal versuchen, das als eines deiner vielen komplimente zu werten."

später liegen wir im bett. der luxus-mann streckt seine hand aus und wandert mit den fingern unter meinen gürtel in meine jeans. zieht sie dann wieder zurück und lässt sie auf meinem bauch ruhen. dann beginnt er, sehr sachte meine arme, meinen rücken und meinen nacken zu streicheln. ich halte fasziniert inne, denn berührungen außerhalb des sexuellen kontextes kennt der luxus-mann sonst nicht.
"ist das angenehm", fragt er irgendwann.
"ja. total. fühlt sich sehr... geborgen an."
"aha."
"wann fühlst du dich eigentlich geborgen", frage ich.
der luxus-mann zuckt die achseln:
"ich weiß nicht mal, was das ist. hatte ich nie."
"manchmal würde ich dich wirklich gern in den arm nehmen, weißt du. aber du magst das ja nicht."
"sowas ist mir unangenehm."
"ich muss auch nicht ganze zeit so ein dauergefummel und händehaltescheiß haben. aber so ab und an bin ich ganz gern katze."
"ich merks. dann komm, kuschel dich an, ausnahmsweise."
ich krieche ganz nah an den luxus-mann heran, bis ich den kopf auf seine schulter legen kann, atme seinen duft und lasse mich weiter streicheln. das herz schlägt mir bis zum hals, aber ich begreife, hier geschieht etwas besonderes, zauberhaftes, das ich mit allen sinnen aufsaugen und speichern möchte.

die berührungen verändern sich. der luxus-mann schiebt mein t-shirt hoch, küsst meine brüste und beginnt dann, an meinen jeans zu zerren.
"zieh das mal aus", sagt er.
ich pelle mich aus der jeans und dem slip, dann dreht mich der luxus-mann um und beginnt, mich in 295 stellungen zu ficken - bis mir irgendwann auffällt, dass es draußen dämmert, die vögel zwitschern und meine muschi vollkommen wundgerammelt ist.

"es ist halb fünf!" stupse ich den luxus-mann an, der gerade die dritte flasche wein öffnet.
"na und?"
"wann musst du morgen arbeiten?"
"so um acht sollte ich im büro sein. also wenn wir so halb sieben aufstehen, reicht mir das."
"wollen wir uns dann mal schlafen legen? ich meine, zwei stunden potenzieller schlaf sind zwei potenzielle stunden schlaf."
"ok. möchtest du mit musik einschlafen?"
"mir egal."

ich putze zähne und krieche dann ins luxus-bett zurück. ich spüre, dass meine linke rippe schmerzt, ebenso meine oberlippe, die zudem aussieht, als hätte mir jemand eine gescheuert, weil der luxus-mann beim leidenschaftlichen küssen viel zu heftig zugebissen hat. auch mein linker nippel ist lädiert und geschwollen.
"du tier, schau, was du gemacht hast!"
"du musst ja morgen nicht arbeiten, dann muss ich mir doch auch keine sorgen machen, dass mich dein chef wegen misshandlung anzeigt."
ich kichere.
"war aber doch geil, oder?" fragt der luxus-mann und küsst mich ganz zart. "sag bloß, du willst das jetzt immer noch aufgeben."
"nein, das war schön. und intensiv."

wir liegen einander zugewandt, und starren uns in die schattengesichter.
"wie findest du die musik?"
"seltsam. aber sehr schön irgendwie. meditativ."
"das hab ich gehört, als ich durch asien gewandert bin. das war wunderbar, ganz alleine zu sein, mit dieser musik... die ist, als wolle sie mir meine melancholie irgendwie bestätigen."
"dafür liebe ich musik auch. da fühle ich mich immer so verstanden, weil da jemand meine gefühle so authentisch zum ausdruck bringt."
"ja genau. genau das ist es."
und dann schlafen wir ein, nase an nase, einander nahe wie nie zuvor.

der morgen beginnt hektisch. ich werde wach, weil mich der luxus-mann durchschüttelt.
"schnell, schnell, es ist halb zehn! wir haben verschlafen!"
in windeseile springt der luxus-mann in anzug und krawatte und gelt sich die langen haare nach hinten. ich schlüpfe benommen in mein totenkopf-shirt und die ollen jeans. während ich mir notdürftig ein haargummi in die locken friemle, hat der luxus-mann schon den aufzug geholt. während wir nach unten fahren, betrachten wir uns im fahrstuhl-spiegel.
"niemand würde in diesem moment glauben, dass wir irgendwas miteinander zu tun haben", grinst der luxus-mann.
"spießer", sage ich mit einem warmen lächeln.
"punkerbraut", sagt der luxus-mann liebevoll.
"king of augenringe", sage ich.
"ich glaub, ich hab noch viel zu viel promille, um jetzt auto zu fahren", gibt der luxus-mann zu.
"fährst du bahn?"
"nee. solange ich mein auto finde, bin ich auch nicht zu besoffen, um zu fahren:"

draußen täschelt mir der luxus-mann unbeholfen die schulter:
"bis morgen."
"ach, sind wir verabredet? hab ich gar nicht mitbekommen."
"wär doch schön", sagt der luxus-mann schüchtern.
"na ausnahmsweise. und nur, wenn du mir die muschi leckst."
"ist gebongt."
"dann machs mal gut, pass auf die verkehrskontrolle auf und versuch bitte, bis morgen zu überleben, sonst muss ich nämlich mit einem deiner kumpels ficken", sage ich lässig.
"das ist NICHT lustig."
"entkrampf dich mal. humorlosigkeit ist nicht gut für deinen blutdruck."
" und du pass auf dein freches mundwerk auf. sonst mach ich dir noch eine geschwollene unterlippe."
"aye-aye, daddy."
"bis dann."





Kommentare:

  1. Nun läuft es wieder und hat eine neue Stufe erreicht.

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    1. Sehr cool.

      Interessante Musik übrigens.

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    2. die musik ist mir gewissermaßen vor die füße gefallen, weil ich ja meinen mp3-player beim luxus-mann liegen hatte und die letzte woche deswegen meine alte musik auf dem iphone gehört habe. da war der song noch drauf. den habe ich irgendwie nie zuvor bewusst gehört. ist ja manchmal so im zeitalter des raubkopierens, dass man gewisse schätze erst später zu schätzen lernt.

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  2. Freut mich sehr für dich - ich finde das hast du echt gut gemacht...

    Wenn das mal nicht ein Fortschritt ist :)

    Wärst du in der Nähe würde ich dich mal fest umarmen oder wahlweise in den Arm knuffen

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    1. danke. in den arm knuffen ist gerade schlecht, ich hab so viele blaue flecken. ;)

      woher kommst du eigentlich?

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    3. das hier ist ein blog, kein chat. ;) das langweilt andere, wenn es zu privat wird und den kontext zum text verliert, hab ich so die erfahrung gemacht.

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    4. Alles klar - wollt dir nicht zu nahe treten.

      Meinen Kommentar hab ich wegen zuviel persönlicher Information gelöscht.

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    1. so ein wissendes grinsen. man kann es durch das ganze blog spüren. ;)

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  4. Das ist kein Mann mit mangelndem Selbstwertgefühl. Der hat eine ausgeprägte Verlustangst!

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    1. ich würde sagen, das eine ist die folge des anderen, oder? wer sich selbst wenig mag, hat angst, dass er auch von anderen nicht gemocht wird.

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  5. Freut mich total für Dich. Aber überrascht wäre ich nur gewesen, wenn es anders gelaufen wäre!

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