Sonntag, 17. Juli 2016

tierischer nervenkrieg

ich bin gerne alleine, aber manchmal macht alleinsein die dinge kompliziert. so musste ich am freitagmorgen eine kleine op über mich ergehen lassen. danach, so die ärzteschaft, müsse ich abgeholt und 24 stunden zuhause betreut werden, wegen vollnarkose und blutungsgefahr und so.

ohne familie und mit ungefähr drei bis vier halbwegs verlässlichen sozialen kontakten in dieser stadt ein kompliziertes unterfangen. v., mein lieber kumpel, hätte mir sofort geholfen, doch er arbeitet am anderen ende der stadt und bekam so kurzfristig auch keinen urlaub. der luxus-mann sagte erst zu, sprang aber wieder ab, weil er arbeiten musste, ebenfalls keinen urlaub bekam und somit erst ab nachmittag zeit hatte. auch die lederjacke musste arbeiten, aber nachdem der luxus-mann abgesagt hatte, bekniete sie ihren chef, einen halben tag im homeoffice arbeiten zu dürfen.
"dann komm ich morgens nach der op zu dir und arbeite bei dir, bis dein typ da ist, ok?"
dafür liebte ich die lederjacke mal wieder.

das einzige problem stellte nun noch die heimfahrt aus der klinik dar. nach vier langen diskussionen ("haben sie denn keine angehörigen? - nein? - auch keine beste freundin? - nein, wirklich nicht?") mit meinem behandelnden arzt jedoch hatte ich das ok, dass ich mit dem taxi nachhause fahren dürfe, wenn mich der taxifahrer bis in die wohnung bringt.

nachdem ich die op einigermaßen gut überstanden und die zeit mit der lederjacke überwiegend verschlafen hatte, klingelte gegen 14 uhr der luxus-mann an der tür. zu dem zeitpunkt machte ich gerade das katzenklo sauber und entdeckte den dritten tag in folge keine würste im klo. die katze hatte offenbar verstopfung. ich hatte keinen plan, was ich tun sollte. die lederjacke telefonierte ihre aktuelle freundin herbei, die tiermedizin studierte. die kreuzte kurze zeit später auf und meinte nach einer kleinen begutachtung der lage, ich solle die katze besser gleich in die tierklinik bringen.

der luxus-mann, der katzen überhaupt nicht mag, war inzwischen genervt und zog fresse. ich bot ihm an, schon mal nachhause zu fahren, und dass ich ja mit den öffentlichen nachkommen könne.
"du sollst aber doch nicht allein sein."
"wenn ich in der u-bahn zusammenbreche, holen die schon nen arzt."
"das ist aber auch eine versicherungsrechtliche frage!"
letzten endes lief es darauf hinaus, dass der luxus-mann mich und die katze widerwillig in die tierklinik fuhr.
"wehe, die kackt ins auto", sagte er während der zehnminütigen fahrt ungefähr 25 mal.
"die kackt nicht, das ist ja das problem", erwiderte ich ein ums andere mal.

dann endlich waren wir in der klinik. abgesehen davon, dass mir bereits postoperativ schummrig und übel war und der raum um mich routierte, stank es im wartezimmer erbärmlich nach hund. die katze, die wie immer erst nach langem kampf in den kennel gestopft werden konnte, schrie und schrie.
dem luxus-mann wurde das zu viel.
"dann fahr doch schon mal einkaufen und ruf mich danach an, dann sag ich dir, wie weit wir hier sind", schlug ich vor.
so manövrierte ich den luxus-mann kurzfristig aus der nervengefahrenzone.

zum glück war in der klinik nicht viel los und wir wurden nach rund 20 minuten aufgerufen. wir liefen den langen flur hinunter, dann stand ich mit meinem schreienden bündel katze vor einem hoch attraktiven mann mit grauen schläfen und den blauesten augen, die ich seit langem gesehen hatte. glück muss frau haben, und in not einen tierarzt, bei dem einem sofort die eierstöcke klappern.

im behandlungszimmer schilderte ich kurz die problematik und verhaspelte mich mehrfach, weil mein gehirn nach der narkose noch nicht wieder ganz funktionierte. also entschuldigte ich mich, erzählte kurz, dass ich heute morgen operiert worden sei, und der tierarzt nickte mitfühlend und verständnisvoll. dann bat er mich, die katze aus dem sack respektive aus dem kennel zu lassen.

ich öffnete den kennel sehr vorsichtig in der erwartung, dass uns die katze gleich ins gesicht und dann in irgendeine ecke springen würde. doch die katze saß in die hinterste ecke gepresst und rührte sich nicht.
"können sie sie rausholen oder wehrt sie sich dann", fragte der arzt.
ich versuchte es und zog das sich sträubende und wie wahnsinnig haare werfende bündel katze aus dem korb. dann untersuchte sie der arzt eingehend und kam zum schluss, dass es sich wahrscheinlich schon mal nicht um darmverschluss oder ähnlich schlimmes handelte. also bekam die katze ein klistier.
"muss ich in deckung gehen?" fragte ich, während ich meine kleine schwarze eisern festhielt.
der doc lachte.
"nein, das dauert so 15 bis 20 minuten."

ich stellte mir vor, wie ich beim etepetete luxus-mann im auto saß und die klistierte katze unmengen zu scheißen begann. danach würde ich den luxus-mann nie wieder sehen, das war mir klar. also rief ich ihn an und bat ihn, mich in einer halben stunde in meiner wohnung zu treffen. dann lief ich mit der katze im kennel nachhause.

schweißgebadet und schmerzverkrümmt kam ich zuhause an - ich sollte ja eigentlich eine woche lang nichts heben oder tragen - und entließ die katze in freiheit. sie flitzte sofort hinter den dicken vorhangschal und ward nicht mehr gesehen. ich hoffte, dass sie nicht in den vorhang scheißen würde, beschloss aber dann, ihr zu vertrauen und packte noch ein paar sachen für das wochenende beim luxus-mann.

pünktlich wie immer stand der luxus-mann vor meiner tür.
"das war ja klar, dass das nicht klappt, wenn du das planst", meckerte er los. "anderthalb stunden haben wir nun wegen dir und deiner katze vertüdelt!"
"ey, weißt du, wie schwierig das war, das mit der op unter einen hut zu kriegen?! ich hab hier nicht meine family sitzen, mir pudert hier keiner den arsch. und dass die katze verstopfung kriegt, wenn ich operiert werde, hab ich mir auch nicht ausgesucht."
"kein geld aber ne katze haben", moserte der luxus-mann weiter.
"ich komme mit meinem geld ausgezeichnet klar! und tu mal nicht so, als hättest du schon mal IRGENDWAS für mich bezahlt, was über den wert eines getränkes hinausgeht. außerdem hab ich dich noch nie um was gebeten, das ist VERFICKTESCHEIßENOCHEINS das erste mal, dass du was für mich tun sollst."

der luxus-mann war nun so clever zu schweigen, um meine wut nicht weiter anzufachen. stumm und pissig saßen wir im auto und fuhren richtung schanze.
als ich endlich todfertig beim luxus-mann im bett lag, guckte ich auf mein handy. meine mutter hatte viermal angerufen. wahrscheinlich dachte sie, ich sei bei der op über den jordan gewandert. ich rief sie zurück.
"wieso meldest du dich nicht, wir wären hier fast vor sorge gestorben!" legte meine mutter sofort los.
ich kam gar nicht zu wort, sagte nur kurz, alles ok, und legte wieder auf.
danach fiel mir ein, dass heute abend meine katzensitterin nach der püppi schauen wollte. ich musste sie vorwarnen, dass sie die katze heute vermutlich nicht mehr aus ihrem vorhangschal kriegen würde. außerdem wollte ich gern wissen, ob sie sich nun entscheißen hatte können und ob das kacki vorschriftsmäßig im klo gelandet war. gegen 17 uhr bekam ich entwarnung: die katze hatte gemacht, war aber völlig verstört und mochte weder fressen noch sich anfassen lassen. normal, fand ich. und: auf meine kleine sitterin war verlass - wunderbar.

dann fiel ich in einen sehr, sehr tiefen schlaf, aus dem mich der luxus-mann erst am späten abend wecken konnte.
"ich dachte schon, mir dir stimmt was nicht", sagte er und ich sah zum ersten mal so etwas wie latente besorgnis in seinem gesicht.
"ich lebe noch", sagte ich verschlafen.
"willst du mal was essen?"
ich schüttelte den kopf.
"wann hast du denn das letzte mal was gegessen?" wollte der luxus-mann wissen.
ich überlegte.
"heute vormittag. die lederjacke hatte mir kirschen mitgebracht."
"das ist kein essen."
"ok, ich ess was, aber nur was ganz kleines."
der luxus-mann überlegte.
"suppe?" schlug er vor, wohlwissend, dass man suppe noch am leichtesten in mich hineinbekam.
ich nickte schwach.

dann saßen wir in der küche und aßen waldpilzcremesuppe aus der tüte. der luxus-mann nötigte mich, auch ein brot zu futtern. danach waren meine lebensgeister wieder geweckt. als der luxus-mann die suppenteller in die spülmaschine räumen wollte, stellte ich mich hinter ihn und ließ die finger unter seinen hosenbund wandern.
"willst du dich etwa dafür revanchieren, dass du das ganze wochenende bei mir rumliegen darfst?"
"ich knie auch gern bei dir, das weißt du doch."
der luxus-mann grinste und ließ sich bereitwillig die hose ausziehen.

später saßen wir im wohnzimmer und hörten musik.
"was wollen wir denn jetzt noch machen?" fragte ich.
"nichts", sagte der luxus-mann, "du sollst dich ausruhen. und du darfst nicht trinken oder rauchen."
"wir könnten doch was spielen."
der luxus-mann riss die augen auf und lachte:
"spielen?!"
"das hab ich manchmal mit dem objekt gemacht", rutschte mir raus.
zum glück schaltete der luxus-mann nicht sofort in den eifersuchtsmodus, sondern fragte:
"was denn spielen?"
"naja... zum beispiel scrabble. oder schach."
"tittenmemory?"
"verarschen kann ich mich selber!"
"nee, ich mein das ganz ernst."
der luxus-mann stand auf und ging in die rumpelkammer. dann kam er mit einem spiel zurück. auf der packung stand tatsächlich "tittenmemory".
"cool, ja, das will ich spielen!"

nach drei runden, von denen ich jede haushoch verloren hatte, packten wir zusammen und beschlossen, schlafen zu gehen.
"ich hab das übrigens noch nie mit ner frau gespielt", sagte der luxus-mann. "mit dir geht sowas."
"heirate mich doch", sagte ich scherzhaft.
"im leben nicht", sagte der luxus-mann. "bei dir weiß ich nie, was in deinem kopf vor sich geht."
"das ist doch so schwer nicht."
"das sagen sie alle."
"aber wir kommen gut klar, oder?"
"ja. aber ich liebe dich nicht."
"na und, ich liebe dich auch nicht. aber ich mag dich."
"ich schätze dich auch... irgendwie. und es ist interessant mit dir."
"tut mir leid, wenn das heute doof für dich war."
"ging so."
"ich dank dir, trotzdem. dass ich hier sein kann und dass du jetzt auf mich aufpasst."
"du stehst ewig in meiner schuld, und ich werde das gnadenlos ausnutzen", grinste der luxus-mann. "sexuelle gefälligkeiten, bis ich irgendwann keinen mehr hochkriege."
"ich bitte darum."
"morgen früh darfst du hier gleich nacktputzen."
"das fände ich sogar heiß."
"hör auf. sonst krieg ich hier gleich wieder ne latte und kann nicht schlafen."
"das fände ich nicht schlimm."
"ich weiß. aber du sollst dich schonen. deshalb gehen wir jetzt ins bett."
"na gut."
"dann abmarsch, zähneputzen."
"aye-aye, daddy."

Kommentare:

  1. ich frage mich, weshalb sie den luxus-mann immer luxus-mann nennen?
    ganz ehrlich: in meinen augen scheint das eher ein luxus-arschloch zu sein! aber das ist nur meine meinung.

    der mag keine tiere; ergo mag er sich selber nicht und die, die ihn umgeben. aber er liebt es, wenn man sich ihm hingibt, sich unterwirft. wie devot sind sie eigentlich?

    schwänze laufen doch zu haufe durch die strassen, wenn auch vielfach nicht immer ein porsche oder daimler als gehänge dranbaumelt.

    "wehe, die katze scheisst ins auto ..." wenn ich so etwas lese, werte frau sehkrank, brodelt mir die fontanelle! erbärmlich …

    ehe ich hier zu höchstform auflaufe und temperaturalarm aufleuchtet, fahre ich lieber runter.

    gute besserung ...

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    1. ich glaube, da haben sie was falsch verstanden. der luxus-mann ist nicht reich. der hat einen gut bezahlten job und eine irre wohnung. sonst ist der genau wie ich antikapitalistisch und links-sozialistisch. der fährt auch keinen porsche, sondern nen uralten vw. und er würde niemals markenklamotten tragen.

      er ist tatsächlich ein bisschen arschloch - das muss er auch, um mir zu gefallen, aber er weiß drum, dass er eigentlich ein weichei ist - z.b. indem er probleme mit körperausscheidungen wie blut und kacke hat. das ist bei ihm so, wie frauen oft angst vor spinnen haben. da kann nicht hingucken.

      ansonsten kenne ich relativ wenige männer, die auf katzen stehen oder tiere extrem lieben. vielleicht hunde noch, aber katzen sind eher ein frauending. die theorie, dass die sich dann alle selbst nicht mögen, finde ich ein bisschen steil. m.e. gibt es niemanden, der sich komplett mag. es gibt immer charakterzüge, denen man kritisch gegenüber steht.
      im übrigen habe ich auch schon extrem tierliebe männer erlebt, die mit sich nicht klarkamen und komplexe schoben und eifersüchtig waren.

      das mit dem unterwerfen war auch nicht ernst gemeint. es ist ein spiel. wir parodieren das auch. ich bin dem luxus-mann absolut ebenbürtig und er respektiert mich, weil er mich nicht nur sexy, sondern auch noch klug und interessant findet.

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    2. klug und interessant finde ich sie auch, sonst würde ich bei ihnen hier nicht lesen. ich fand sie auch klug und interessant bei blogger.de.

      aber wissen sie: seid dem ich die menschen kenne, liebe ich die tiere. natürlich insbesondere katzen, wenn sie denn zweibeinig sind ;)

      schöne woche noch ...

      HacE

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    3. jep, industrieforelle.
      vorerst eliminiert.

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  2. ein hoch auf die lederjacke :)

    und schnelle heilung / gute besserung fuer Sie.

    von einem katzeneinlauf habe ich aber auch noch nie gehoert X-)

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    1. mir gehts ganz gut, aber das mit der pupsi funzt nicht...

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    2. Mist :/

      Lässt die sich den Bauch streicheln/massieren? Wirkt ja manchmal Wunder.

      Andererseits... Als ich mal in Japan war, konnte ich 9 Tage lang nicht. stirbt man, Frau & Katz auch nicht gleich dran.

      Also auf gutes gelingen... Oder so ;)

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    3. bei katzen ist das ein bisschen diffiziler. die verschlucken ja viel haare, menschen jetzt eher weniger. ;) die haare können so klumpen im darm bilden und den verstopfen. dann weitet sich der darm und das katz kann nie wieder normal scheißen. oder er bricht, das heißt, die katz platzt innerlich. was meist den tod bedeutet. daher sollten die schon täglich oder wenigstens alle zwei tage ordentlich käckern.
      bei menschen kann man ja abführmittel verabreichen. also bevor ich neun tage lang steine im darm hab, schmeiß ich lieber was ein. ;)

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