Montag, 23. Dezember 2024

worst weihnachtsgeschenke ever

der vertrag für meinen neuen job, den ich im januar begonnen hätte, wurde vollkommen unerwartet wieder aufgehoben. keine mittel für fachkräfte, trotz fachkräftemangel, tut uns leid. ich bin bedient bis zum sanktnimmerleinstag. das jahr endet damit so beschissen wie es insgesamt war.

der luxus-mann plant derweil das weihnachtsfest mit für ihn untypisch großem elan. anders als in den letzten jahren fahren die kindsmutter nr. 2 und die tochter nicht zu den großeltern und haben angekündigt, mitfeiern zu wollen. für den luxus-mann geht damit ein traum in erfüllung: weihnachten mit beiden kindern. er stürzt sich kopfüber in den kauf von geschenken und in die planung eines festmahls. 

ich, in boomer-augen als frau für essen zuständig, werde in diesem kontext instruiert, verschiedenste leckereien für die extrem verwöhnte tochter einzukaufen. ich weigere mich und beschränke mich auf das allernötigste, da madame meine mühen sowieso nicht würdigt, und da es mich grundsätzlich stört, dass sich das feine fräulein einen dreck ihren vater schert, wenn sie nicht gerade geld oder sonstige gefälligkeiten fordert. als esel ist ihr ihr vater gerade recht, sonst scheißt sie auf ihn.

gestern verkündete die tochter dann - wie von anfang an von mir erwartet - doch keinen bock auf weihnachten mit papa und patchwork-family zu haben. sie möchte zuhause alleine mit mama feiern. sprich in einem umfeld, in dem sich alles zu 1000 prozent um sie dreht und sie rundum bepuschelt wird und alles angereicht bekommt und auch kein großer bruder als potenzielle konkurrenz anwesend ist.

nun sitzen wir inmitten von bergen von lebensmitteln, nachdem auch kindsmutter nr. 1 krankheitsbedingt nicht erscheinen wird. der luxus-mann ist so enttäuscht, dass er seine aufwändige weihnachtsdeko wieder von den wänden reißt. zwischendurch ruft er bei töchterlein an und bettelt, dass sie doch kommt. ich winde mich derweil und beiße mir auf die zunge, um nicht sagen zu müssen, dass ich weihnachten in der tat lieber ohne ein arschlochkind verbringe.

kurzum, die stimmung ist so gedrückt wie fast das gesamte jahr über. am liebsten würde ich mich ins bett legen und erst 2026 wieder aufstehen. ich habe beschlossen, auch silvester nicht zu feiern. es gibt für mich keinerlei grund für irgendeine form von frohsinn oder ausgelassenheit, schon gar nicht mit ausblick auf kommendes jahr. 2024 war nur der sehr unangenehme vorgeschmack, um für noch viel schlimmeres in stimmung zu kommen, scheint mir.

magdeburg kommt mir in diesem kontext vor wie ein symbol oder vielmehr ein schlechtes omen. für die rücksichtslosigkeit des individuums, für die zündkraft toxischer nazi-parolen sogar unter ausländern - und ein deutschland, das jetzt wieder vor lauter panik-gestrüpp den wald nicht mehr sieht. politiker nutzen die kulisse schamlos zur selbstinszenierung, da bekomme ich sogar ich als pazifistin lust auf einen anschlag gegen all diese widerliche scheinheiligkeit. dafür habe ich übrigens einen neologismus geschaffen: söderismus, ein synonym für "trumpismus".

frohes fest und wohl bekomm´s, oder was man dazu auch immer sagen soll.

Donnerstag, 12. Dezember 2024

worshipping blixa bargeld & teho teardo

bislang wunderbarster abend eines erbarmungslosen jahrs.

 
 
 
 
***
 
später, als ich in luxus-hausen ankomme, hat der mann den abend über killerspiele gezockt und will wissen, ob ich jetzt feucht bin, nach immerhin zwei stunden auf tuchfühlung mit meinem idol. 
 
"es geht mir so ein bisschen wie mit dir", sage ich.
"wie meinst du?"
"es war durch und durch fantastisch. sogar besser als erhofft. aber ich hätte den ja gern mal früher erlebt. so in den 80ern."
"waaa-has?! sag mal, spinnst du?" der mann streckt die hand aus und versucht, mich in den oberschenkel zu kneifen. "soll das heißen, ich bin ein alter opi?"
"ich hätte euch beide eben gern mal so getroffen wie damals... so als spindeldürre jungs mit wirren frisuren, punkerkluft und hang zur dekonstruktion. die energie gespürt, mit der ihr damals durch die nacht gezogen seid. das amphetamin in eurem schweiß gerochen, den zigarettenrauch in euren haaren..."
"warte mal!"

der luxus-mann verschwindet im hinterzimmer und kommt dann mit einem kleinen fotoalbum wieder.
"hab ich dir schon mal die fotos gezeigt, als ich mir die haare knallweiß gefärbt hatte?"
"nee."
"hier guck mal! diese frise hat mich eine abmahnung gekostet. da hab ich noch für die scheiß bank gearbeitet."
"von deinem chef, der immer so einen auf abstand zu seinen untergebenen gemacht hat?"
"genau der. ein widerlicher wichser!"
 
"musik wie blixa hab ich natürlich keine gemacht", räumt der luxus-mann dann ein. "bin total unmusikalisch, kann ja nicht mal ein instrument spielen."
"macht doch nix", finde ich. "du hast gemalt. richtig geile bilder."
"ich weiß nicht. das war ja auch nur kurz. ich wüsste gar nicht, was ich heute malen sollte. dabei hab ich bald so viel zeit."
"vielleicht bist du nicht mehr verzweifelt genug."
"wahrscheinlich. zu alt, zu saturiert, zu oberflächlich... und keine blixa-gene."

der luxus-mann schaut mich prüfend an, weil ich nichts darauf sage.
"du musst das jetzt dementieren!" klagt er.
ich grinse und knuffe die luxus-wange: "du kannst mir den nacken streicheln, dann überleg ich mir das noch mal."

Sonntag, 8. Dezember 2024

drama statt zuversicht: wie man aus kindern panikhäschen macht

ich habe mich oft gefragt, warum ich so wenig stressresistent bin und grundsätzlich dazu neige, mir größere sorgen als nötig zu machen. beim nachdenken darüber fällt mir immer wieder ein, wie schwierig es für mich war, mich bei problemen meinen eltern anzuvertrauen. denn meine eltern sind weder gute zuhörer und noch konstruktive problemlöser. 

positiv ist zwar, dass sie an meinem wohlergehen grundsätzlich interessiert sind, damals wie heute. das bedeutet, ich darf probleme immer adressieren, ohne dass ich zurückgewiesen werde. 

allerdings ist die reaktion meiner eltern so ziemlich die kontraproduktivste, die man sich vorstellen kann. noch beim schildern meines problems erfolgen dramatische ausrufe ("wie furchtbar!")  und wirre zwischenfragen. so kann man sich weder etwas zusammenhängend von der seele reden, noch erfährt man eine linderung der ängste und sorgen. ganz im gegenteil: zumindest als kind erlebt man seine angst so als mehr als berechtigt. das problem scheint in der tat ungeheuer groß, wahrscheinlich größer als angenommen, möglicherweise sogar unlösbar.

in phase zwei folgt dann die übertragung der verantwortung für das persönliche wohlergehen. meine eltern schildern dann wiederholt und sehr ausführlich, wie furchtbar sie sich wegen mir sorgen, dass sie beispielsweise nicht schlafen können wegen mir oder dass meine mitteilung für sie gesundheitliche auswirkungen hatte.

als reaktion meinerseits werden fürsorge, trost und sogar dankbarkeit für diese verquere form der anteilnahme erwartet. meine aufgabe ist es dann, zu erklären und zu beruhigen und zu versichern, dass alles gar nicht schlimm sei und mir selbst das problem eigentlich gar nichts ausmache. am besten ist es zu behaupten, dass ich schon eine lösung gefunden habe und sicherlich in kürze alles wieder eitel sonnenschein sein werde. kurzum, ich kümmere mich um das wohlergehen meiner eltern und nicht umgekehrt - und mein (mir jetzt noch größer scheinendes) problem löse ich ganz alleine.

passiert es, dass ich wegen meines problems kräftemäßig gerade nicht zur verbreitung von guter laune und zuversicht in der lage bin, folgt phase drei: die beleidigte-leberwurst-phase bzw. emotionale erpressung. das bedeutet, man gibt sich eingeschnappt, weil man für das sorgen-aufblasen und dramatisieren nicht die gewünschte einfühlsame rückmeldung erhielt. es wird also eine belastungssituation in einer belastungssituation geschaffen - und ich muss mich nicht nur um mein hefekuchenartig aufgeblasenes problem, sondern auch noch um den schiefen haussegen kümmern. 

all das war mir als kind selbstverständlich nicht bewusst. aber ich fühlte mich immer fürchterlich schuldig, dass ich so schlimmes kind war, das seinen eltern so schreckliche qualen bereitete.

seit ich nicht mehr zuhause wohne, versuche ich, meine sorgen und ängste ausschließlich mit mir selbst auszumachen. allerdings verhindert mein elterlich fehlgeprägtes über-ich vielfach souveräne reaktionen. es macht mir bei kleinsten unsicherheiten die hölle heiß, lässt mich nächtelang wachliegen und verursacht mir verspannungen und kopfschmerzen. 

das steht offenbar im kontrast zu meinem auftreten. denn viele menschen behaupten interessanterweise, ich wirke äußerlich sehr vernünftig und aufgeräumt. doch das ist nur eine gut funktionierende maske. meine tiefsitzende allgemeine lebensangst und daueranspannung kennen nur personen, denen ich wirklich nahe bin.

vielleicht kann diese kleine geschichte eine warnung sein: bitte schenken sie ihren kindern nicht nur aufmerksamkeit, sondern immer auch zuversicht - und unterstützen sie es möglichst ruhig und konstruktiv bei problemen. halten sie ihre eigenen eventuell dabei aufsteigenden ängste von ihrem kind fern und besprechen sie diese lieber in ruhe mit ihrem partner. es ist sicherlich normal, dass sich eltern die sorgen ihrer kinder manchmal sehr zu herzen nehmen und sich auch mal verzweifelt und hilflos fühlen. aber ihr kind sollte niemals für ihr persönliches seelenheil geradestehen müssen. diese verantwortung liegt ganz und alleinig auf ihrer seite, zumindest bis das kind selbst erwachsen ist.

Freitag, 29. November 2024

kiss me, beat me, rape me, kill me

männer haben große angst. deshalb also terrorisieren, schlagen, vergewaltigen und töten sie frauen. klare sache und soweit komplett (psycho-)logisch. wer sich klein fühlt, macht sich groß. großes maul, fette fäuste.

frau ist in diesem kontext verpflichtet, nach den ursachen zu fragen. und natürlich auch dazu, darüber nachzudenken, wie frau dieser schlimmen männlichen angst möglich sanft und diskursiv begegnen kann. (jawohl, ganz richtig, eine frau sollte stets fürsorglich und verständnisvoll sein, sonst ist sie nämlich eine emanze, und eine zickige noch dazu!)

dabei wird sie vermutlich feststellen, dass frauen bislang im grunde immer noch recht wenig zu sagen haben. die regierungen sind in der regel männlich, die meisten vorstände ebenfalls, was bedeutet, dass frauen bislang eher nebenrollen in politik und wirtschaft bekleiden. frauen sind statistisch gesehen außerdem immer noch diejenigen, die brav die meiste care-arbeit leisten und eltern- und teilzeit nehmen, damit der pascha pascha bleiben und sich einen drauf runterholen kann, wenn er sonntags für zwei stunden mit den bälgern in den zoo geht.

aber die benachteiligung des mannes begann unlängst schleichend. so haben frauen inzwischen ein paar grundrechte erhalten, die sie einst nicht hatten. sie dürfen studieren und danach das einkommen aus ihrem akademikerberuf zum haushalt beisteuern, während sie ihre gottgewollte care-arbeit verrichten. in einigen jobs werden sie sogar genauso gut bezahlt wie männer. sie dürfen außerdem wählen und einfach so (also in bestimmten ländern und unter zahlreichen hürden) abtreiben. (abtreibung - ein freibrief dafür, grenzenlos den annäherungsversuchen verhütungsunwilliger männer nachzugeben!)

gegen eine derart gnadenlose anspruchshaltung der frau muss man(n) dringend aktiv werden. denn wie heißt es so schön: wehret den anfängern, äh, anfängen. bei zu vielen privilegien werden frauen bloß übermütig. das sieht man schon allein daran, dass mehr als die hälfte aller studierenden weiblich ist. frauen nehmen männern also erst die studienplätze weg und danach auch noch die guten jobs! und am ende ist man(n) ganz arbeits- und nutzlos, da testosteron und aggression plötzlich nichts mehr wert sein sollen. 

deshalb ist es wichtig, dass man(n) frau ab und an in ihre schranken weist. ein klaps hier, ein faustschlag dort. oder eben ein ungefragter penis, der in irgendeine körperöffnung ejakuliert. gerne auch mehrere, während frau betäubt ist, damit sie nicht immer so verdammt zickig ist und sich anstellt. dann und nur dann sind testosteron und aggression immer noch so wirksam wie in der steinzeit. an dieser verifizierten tatsache kann man(n) sich dann festhalten. festhalten wie an einem teddy vorm einschlafen, damit der alptraum der emanzipierten frau hoffentlich fernbleibt. 

das war kleiner exkus zum internationaler tag gegen gewalt an frauen.

Donnerstag, 21. November 2024

der pädo-zwerg und andere liebe onkels

dass ich als weibliches wesen sexualisiert werde und dass sexuelle handlungen auch ohne mein einverständnis an mir vorgenommen werden können, musste ich frühzeitig lernen. so etwa in der zweiten klasse. entsprechend adleraugenmäßig schaue ich hin, wenn sich vermeintlich liebe onkels jungen mädchen nähern. 

so trug es sich zu, als wir kürzlich auf einer hausparty waren. eine mutti aus der nachbarschaft hatte zu ihrem ehrentag freunde, kollegen und auch uns eingeladen. vaddi machte den grillmeister, die beiden töchter - 12 und 13 - mimten die djanes des abends. 

nennen wir besagten nachwuchs mal giselle und gisela. sehr hübsche, gut entwickelte und recht selbstbewusste mädchen, die sich mit knappen tops, knallengen jeans und ordentlich make-up für den abend maximal aufgebrezelt hatten. sehr zum entzücken der männlichen gäste.

"holla die waldfee", sagte auch der luxus-mann, als giselle an ihm vorbeischwirrte. "die ist ja ein echter burner!"
"interessante art, mit der du kinder betrachtest", sagte ich spitz.
"die wirkt sehr erwachsen, finde ich... bekommt auch schon richtig dekolleté."
"interessant, auf welche körperteile du bei kindern achtest. das mädchen ist zwei jahre jünger als deine eigene tochter!"
"ich sag ja nur."
"nein, du sexualisierst."
"ganz ehrlich, ich würde die niemals anfassen oder bedrängen oder sowas! noch nicht mal, wenn sie das unbedingt wollte."
"glaub ich dir. aber deine art und weise der betrachtung ist sexistisch."
"wenn die sich so lolitamäßig zurechtmacht!"
"dann legt sie es wohl darauf an, oder wie? echt armselige denke. da hätte ich von dir als vater was anderes erwartet."
 
nach diesem disput war die stimmung deutlich angeknackst. sie wurde auch nicht besser, als der luxus-mann eine hübsche blonde fremde anflirtete und ich mich von einem schleimigen unternehmensboss im dreireiher beschwatzen ließ, im hinterzimmer billard zu spielen. der gnomige kerl bejubelte meine mäßigen manöver jovial mit "eiskalt eingelocht!" und schleppte kichernd ein glas sekt nach dem anderen an.

doch zurück zu giselle und gisela. das gegenüber des badezimmers gelegene wohnzimmer war für den abend freigeräumt und zur tanzfläche umfunktioniert. da ich wegen der sekt-druckbefüllung dauernd pinkeln rannte, entging mir somit nicht, dass giselle dort ihre hüften schwang, während die etwas zurückhaltendere gisela die turntables, also spotify, managte. neben giselle tanzte sehr ausdauernd und auf tuchfühlung ein herr mit hornbrille, der alterstechnisch mindestens ihr vater hätte sein können. ich bemerkte seinen ungezügelt gierigen blick, der den zierlichen mädchenkörper förmlich auszog, und auch sein schon vor lauter seibern vollkommen außer kontrolle geratenes grinsen.

vor der toilette stieß ich mit dem luxus-mann zusammen, dessen gespräch mit der blonden offenbar beendet war. 
"hast du den typ gesehen", platzte er sofort heraus.
"welchen?"
"na, hier, dieser alte kerl mit der brille, der an giselle dran ist! total widerlich, ein junges mädchen derart anzutanzen!"
"ist mir auch aufgefallen. echt abstoßend."
"ich überlege die ganze zeit, ob man das der mutter sagen muss", fand der luxus-mann.
"holla die waldfee", erwiderte ich sarkastisch. "in welcher nische hast du denn dein verantwortungsgefühl wiedergefunden?"
 "ja, ich weiß, das vorhin war ein bisschen daneben."
"ziemlich daneben."
"von mir aus. hast du spaß mit papa schlumpf?"
"geht so. und du, bei barbie abgeblitzt?"
"die fand ich wirklich heiß. aber auch etwas jung."
"ich bin untröstlich. dann muss ich papa schlumpf wohl ziehen lassen und wieder mit dir altem langweiler nachhause."
"ey! ich kneif dich gleich."
"hol mal lieber was zu trinken. und danach spielen wir hier ein bisschen sittenwächter, okay?"
 
zurück im wohnzimmer tanzte der typ immer noch ekstatisch mit giselle. seine hände fuchtelten wenige zentimeter über ihren hüften durch die luft und sein becken reckte sich bedrohlich dem ihrem entgegen. ich starrte ihn an, bis er merkte, dass ich ihn anstarrte. daraufhin vergrößerte er den abstand zu giselle und unterbrach die begattungsartigen bewegungen, die er mit seinem unterleib vollführt hatte.
"er hats geschnallt", sagte der luxus-mann neben mir in mein ohr.
"wenn ich mich umdrehe, geht er bestimmt gleich wieder voll ab", schätzte ich die lage ein.

doch dann begab sich der ekeltyp auf toilette. als er zurückkam und wieder auf giselle zusteuern wollte, ergriff der luxus-mann seine chance, sprach ihn an und verwickelte ihn in ein gespräch. ich sah eine weile zu, dann beschloss ich, um rückfällen vorzubeugen, giselle besser jenseits der tanzfläche zu beschäftigen. ich fragte sie, ob alles ok sei und ob sie nicht ihre schwester ablösen und etwas anderes auflegen wolle. vielleicht etwas weniger kuschliges, mit schnelleren beats.
 
die selbstbewusste giselle wirkte oberflächlich aufgeräumt und unbekümmert, merkte jedoch an, dass sie ihren tanzpartner ziemlich weird fand. da sie ohnehin nicht mit giselas dj-programm einverstanden war, drängte sie richtung spotify-zentrale. daraufhin entspann sich ein immer lauter werdender streit der beiden schwestern, der damit endete, dass giselle wutentbrannt die treppen hinaufstürmte und türeschmetternd in ihrem zimmer verschwand. god bless you, puberty.

kurz darauf kam der luxus-mann auf mich zu.
"konntest du unseren speziellen freund auf seine erotische darbietung ansprechen?" fragte ich.
"ich habe ihn gefragt, ob er das nicht selber schräg findet, eine zwölfjährige auf so eine art anzutanzen. er hat sich natürlich rausgeredet, vonwegen, das sei doch nur spaß gewesen."
"super, hauptsache nicht reflektieren und keine verantwortung übernehmen."
"er hat jedenfalls schnell abgelenkt und ich musste mir dann ewigkeiten irgendwas todlangweiliges über programmieren und it-kack anhören."
 
"wo ist giselle denn jetzt?" wollte der luxus-mann dann wissen.
"in ihrem zimmer. sieht nicht so aus, als wolle sie sich noch mal unters volk mischen. die hat sich vorhin total mit ihrer schwester gezofft."
"dann ist ja gut."
"sollen wir das jetzt so auf sich beruhen lassen?" ich linste richtung ekeltyp, der sich nun am buffet hungrig würste in den gierschlund schob.
"ich weiß nicht. ich glaube, ich werde das der mutter bei gelegenheit mal erzählen. vielleicht nicht heute auf der eigenen geburtstagsparty. aber ich seh die ja öfter mal auf der straße."
 
ich grinste vor mich hin:
"so langsam wirst du wieder der mann, den ich liebe."
"ich hoffe doch. ich bin nämlich kein sabbernder pädo-zwerg!"
"aber ein alter weißer boomer mit manchmal total chauvinistischer weltanschauung."
"danke, das kann ich jetzt noch nicht mal dementieren."
"tröste dich, mein schatz. selbsterkenntnis ist der erste weg zur besserung."