Freitag, 18. Oktober 2024
kürbissuppe burning hellfire
Samstag, 12. Oktober 2024
dystopia
traum der letzten nacht:
die nazis haben die macht in deutschland übernommen und führen unter anderem krieg gegen israel. die israelis kommen mit schneeweißen bombern, die ein bisschen aussehen wie passagierflugzeuge. man muss auf der hut sein, man kann das verwechseln.
im traum lebe ich in berlin und bin mit einer freundin gerade in der nähe des tiergartens unterwegs. da wir kinderlos sind, werden wir von den nazis gejagt, die uns als nutzlose entartete frauen remigrieren oder noch schlimmeres wollen. da sehen wir israelische bomber über dem tiergarten schweben. meine freundin rennt in den tiergarten hinein, sie kennt wohl einen bunker dort. ich bin zu langsam und muss hoffen, dass mich die israelis zwischen büschen und bäumen nicht entdecken. bzw. dass sie keine bomben für den tiergarten verschwenden, wenn es woanders doch viel interessanteres zu zerstören gibt.
tatsächlich geht der angriff für uns glimpflich ab. aber meine freundin ist verschwunden. ich erfahre, dass im bunker nazis waren, die sie direkt gefangengenommen haben. ich weiß, dass ich jetzt in großer gefahr bin, denn die nazi werden meine freundin foltern und sie wird ihnen verraten, wo ich und andere kinderlose sich verstecken. und ich weiß leider auch, dass massenvergewaltigungen zu den beliebten nazi-foltermethoden zählt, aus hohn, weil frauen wie wir keine kinder wollen.
ich habe also totale panik und renne durch die stadt. krampfhaft überlege ich, wo ich mich verstecken könnte. ich komme zu einer tankstelle, als ich bemerke, scheiße, da sind gerade ein paar hochrangige nazis mit ihren dicken autos. eine rennende frau ohne kinder kommt denen bestimmt hochverdächtig vor. ich quetsche mich schnell hinter ein mäuerchen, aber der obernazi hat mich schon gesehen. seine schergen zerren mich hervor und der obernazi tötet mich kurzerhand per kopfschuss.
ich weiß nicht genau, was dann passiert, aber als ich wieder zu mir komme, bin ich an einem fremden ort, der wohl auch mitten in berlin liegt, der aber geheim und unsichtbar ist. dort treffe ich meinen mann wieder, der schon länger dort ist. ein sehr hübscher mann, ich bin gleich feuer und flamme für ihn.
der ort, an dem wir sind, ist äußerst merkwürdig. alle menschen dort sind ungeheuer reich und bauen sich eine art parallelgesellschaft auf - mit dem ziel, irgendwann die herrschaft über deutschland und vielleicht noch weitere länder zu erlangen. die genaueren politischen tendenzen (demokratisch, sozialistisch, fortführen der nazi-diktatur) sind unklar, aber es ist ein märchenhaft schöner ört. jedes haus ist ein schloss oder eine burg, und alle menschen tragen prächtige kleider. vom mittelalter-kostüm bis zu extravagenten edel-fetisch-outfit ist alles dabei.
anfangs sehe ich vor allem weiße reiche säcke. aber je weiter wir durch diese welt gehen, desto mehr menschen jeder couleur lerne ich kennen. es sind sogar homosexuelle und transen darunter, und alle sind akzeptiert und atemberaubend schön.
besonders mein mann wird auffällig hofiert und scheint sich in all dem prunk wohlzufühlen, während ich bezweifle, hierher zu gehören. ich trage auch immer noch den alten mantel, in dem ich hingerichtet wurde.
einer der anführer aus der edel-gesellschaft nimmt mich schließlich mit auf eine art rundgang und erklärt mir diese wundersame welt. meinem mann, so erfahre ich, sei hier ein fester platz vorbestimmt, und als seine frau dürfe ich mich deshalb voll und ganz zuhause fühlen. der anführer zeigt mir eine art wappen, das wiederholt neben vielen anderen wappen auf die wände der schlösser und burgen gemalt ist. dieses wappen, sagt er, sei das wappen der familie meines mannes. und die gehöre schon immer hierher.
von meinem mann wird allerdings erwartet, dass er sich undercover durch das zerbombte berlin bewegt und bei der vorbereitung der neuen welt mithilft. das ist ein problem, denn mein mann scheint ein kriegstrauma zu haben. er bekommt in der stadt panikattacken und springt jedesmal mit einem satz zurück in die unsichtbare geheim-parallelwelt. man stellt ihm sodann einen helfer zur seite, der sich in berlin auskennt, aber das nützt nicht viel.
sein scheitern wird zur unerwarteten gefahr. trotz der familiären zugehörigkeit des mannes droht uns der ausschluss aus der noblen gesellschaft, die inzwischen genauso totalitär wie die nazis auftritt. ich biete den anführern an, ich könne doch die aufgabe meines mannes übernehmen, aber mir wird erklärt, dass ich als frau nur zweierlei sein könne: ehefrau und mutter oder sexsklavin. und da mein mann in den augen der feinen herren und damen kein mann ist und nicht zum beschützer von reich und familie taugt, muss ich wieder flüchten und mich verstecken. in der letzten traumsequenz werde ich gefangen, von vier der noblen herren vergewaltigt und so öffentlich entehrt.
aus der traum.
ich hoffe wirklich sehr, dass ich keine hellseherischen fähigkeiten für die zukunft dieses landes besitze. dinge wie diese beunruhigen mich jedenfalls sehr. wir sind auf dem weg der gleichschaltung in eine engstirnige, verbotsbestimmte gesellschaft, die wahrscheinlich bald von noch mehr hass und denunziationen geprägt sein wird.
Montag, 7. Oktober 2024
alles neue macht der oktober
zackdibumm. ein anruf, eine jobzusage. ab demnächst also wieder bildungsmarketing bzw. hochschulmarketing, sobald meine weiterbildung abgeschlossen ist. vielleicht kehrt damit ein wenig sinn in mein desillusioniertes jobleben zurück. leider ist es nur eine teilzeitstelle. also wieder armut trotz arbeit. aber es ist wahrscheinlich eine gemütliche warte, um weiter ausschau zu halten, ohne am tropf des amts für irrsinn zu hängen. besser ein bisschen arm als abhängig.
der luxus-mann hat sich nach seinem urlaub und mit auferstehung unseres sexlebens fast spontan von den nachwirkungen seiner op erholt. sex beschleunigt die heilung, wer hätte das in diesem fall gedacht. "erzähl das mal deinem geschäftstüchtigen arzt, der macht gleich einen puff auf", rate ich dem luxus-mann.
ich selbst habe seit drei tagen brustschmerzen. beim abtasten einen dicken knubbel gefunden. da ich vor vier wochen aber erst beim brustultraschall war, halten sich meine ängste zunächst in grenzen. was weh tut, ist normalerweise kein krebs. ebenso wenig beunruhigt mich derzeit der polyp in meiner gebärmutter, der demnächst entfernt werden soll. "das jahr der unterleibsoperationen", nennt der luxus-mann 2024.
der luxus-sohn feiert geburtstag mit seiner patchwork-familie. ernste themen kommen dabei auf den tisch. "wo sollen wir uns eigentlich verstecken, wenn hier mal krieg ist?" will er von uns wissen. seine eltern wiegeln ab: so schlimm wird es doch sicher nicht kommen. "wenn wir ein viertes reich bekommen, wäre kein krieg für mich das schlimmste", sage ich. "denn dann bin ich dankbar, wenn uns jemand so richtig gründlich plattmacht. so platt, dass wir die nächsten 50 jahre erstmal mit was anderem beschäfigt sind als zu hetzen und zu hassen. vielleicht braucht ein verwöhntes land das ab und an... eine totale niederlage, um wieder demut zu lernen."
oktober, ach, mein zweitliebster monat. an dessen ende der traditionelle dänemark-urlaub als höhepunkt steht, kalt und golden und zeitweise auch mal grau. so mag ich es. für immer herbst, das wär´s.
Montag, 30. September 2024
it´s simply home
Mittwoch, 25. September 2024
amt für irrsinn, version 2024
schon 2008 als noch-studentin habe ich irre momente mit dem arbeitsamt und der agentur für arbeit erlebt. lesen sie hier des dramas neusten akt, version 2024.
vor drei wochen hatte ich eine akute frage zu meinem arbeitslosengeldbescheid. der war nämlich nur für vier monate ausgestellt worden, obwohl ich nach 17 jahren durchgängig arbeit doch eigentlich anrecht auf ein jahr arbeitslosengeld hätte. ich vermutete, dass das etwas mit meiner derzeit stattfindenden weiterbildung zu tun hatte, ohne genauere logische erklärungen dafür im bescheid finden zu können. da ich muffensausen hatte, dass ende des jahres abrupt und vielleicht irrümlicherweise schluss mit der knete sein könnte, wollte ich dringend jemand kompetentes sprechen.
ich versuchte es zunächst per e-mail, aber ich wusste bereits aus vorheriger leidvoller erfahrung, dass das arbeitsamt auf digitale anfragen in der regel nicht reagiert. also rief ich in der zentrale an. am telefon sagte mir eine dame, sie könne mir leider nicht weiterhelfen, da nur meine betreuerin vor ort diese meine hochspezielle frage beantworten dürfe. ich meinte, kein problem, dann solle sie meiner beraterin bitte bescheid sagen, dass ich einen termin bei ihr wünsche, und das gerne ein wenig zackig.
als ich zwei wochen später immer noch keinen vor-ort-termin hatte - termine werden grundsätzlich per reitendem boten, sprich per brief verschickt, hatte man mir gesagt, und mich um geduld gebeten, da bote und pferd dafür auch in stimmung sein müssen - rief ich erneut an, sagte mein sprüchlein auf und bat darum, meine beraterin kurzerhand hier am telefon sprechen zu dürfen. das ginge nicht, sagte man mir. man könne mich nicht einfach so durchstellen, denn da könne ja jeder kommen und herumfurzen und den beratern die zeit stehlen. so im übertragenen sinne die aussage. ich kochte innerlich kurz auf, bat dann jedoch höflich darum, dass meine beraterin mich zurückriefe. das ginge klar, sagte mir der mann am telefon, ich würde innerhalb der kommenden 48 stunden einen rückruf erhalten.
48 stunden vergingen, kein rückruf erfolgte. ich zähmte meine wut und sagte mir, dass die beraterin gerade vielleicht sehr viel zu tun hat. nach 72 stunden rief ich dann doch lieber noch einmal in der zentrale an. die dame dort bestätigte mir, dass mein rückrufwunsch bei meiner beraterin in der to-do-liste verzeichnet sei. er würde sicherlich bald geschehen.
am nächsten vormittag - ich lag gerade halbnackt auf der liege in der physiotherapie - klingelte mein handy. ich wollte hinspringen, war jedoch zu langsam. natürlich stammte der anruf von meiner betreuerin. sie hatte mir auf den ab gequatscht, ich möge sie bitte zurückrufen.
kaum zuhause tat ich wie mir geheißen, erreichte über die in der anrufliste angezeigte nummer jedoch nur einen roboter. der sagte mir, ich müsse in der zentrale anrufen. also gut. der mann am anderen ende der leitung verkündete jedoch erneut, er könne mich leider nicht durchstellen, aus besagtem da-könne-ja-jeder-kommen-grund. ich musste ein wenig hyperventilieren, um keinen rumpelstilzchentanz am telefon aufzuführen. dann drängte ich den kooperativen herrn, meine beraterin unbedingt über meinen auf ihren wunsch erfolgten, aber leider nicht zielführenden rückruf in kenntnis zu setzen, und dass sie mich bitte am kommenden tag anrufen möge. ich würde dann extra dafür den gesamten tag am handy lauern und sie keinesfalls verpassen. leicht säuerlich versprach der telefonist, dies so zu handhaben.
gestern dann rief mich meine beraterin tatsächlich noch einmal an. endlich konnte ich meine frage loswerden. dachte ich dummerweise. denn ich irrte mich. die beraterin teilte mir mit, dass sie nicht befugt sei, diese meine hochspezielle frage zu beantworten. dies könne nur die zentrale tun, und zwar auch nur dann, wenn ich dort eine entsprechende durchwahl wählte. ich wies darauf hin, dass ich bereits unzählige male mit der zentrale telefoniert hatte und man dort meine frage sicherlich schon als mehrstrophiges gedicht auswändig aufsagen oder im chor singen und dazu tanzen könne, man mir aber immer wieder versichert hatte, die antwort dürfe mir ausschließlich meine beraterin vor ort geben. die beraterin hielt dagegen, dass dem nicht so sei - sie könne noch nicht einmal auf meinen bescheid zugreifen. ich bot ihr an, ihr diesen kurz per e-mail rüberzubeamen, aber natürlich ging das nicht, wegen datenschutz.
kurzum, wir kamen keinen zentimeter weiter. irgendwann gab ich auf. sollte die kohle im dezember tatsächlich auslaufen, könnte ich mich ja dann immer noch aufregen und das amt für irrsinn notfalls einfach anzünden.
heute passierte dann gleich noch einmal ein lang herbeigesehntes wunder: ich hatte einen brief mit einen vor-ort-termin beim arbeitamt zwecks frageklärung im briefkasten! der termin war gestern um 13:15 uhr.
et voilà, so funktioniert das amt für irrsinn immer noch sehr erfolgreich seit mindestens 2008.