eingegraben in meine herzschale mag ich nicht feiern gehen. der luxus-mann und sein kumpel wollen indes in den lieblingsclub, ein bisschen abhängen, mal unter menschen sein. ich schiebe den anstehenden besuch beim objekt vor, sage, potenzieller spreader-event und pflegeheim passen nicht gut zusammen, und verkrieche mich im luxus-bett.
Sonntag, 18. September 2022
das geben und nehmen
Freitag, 16. September 2022
fäulnisprozesse
nichts läuft. für alles braucht es drei, vier anfänge, bis der anfang zum durchgang wird. und selbst beim durchgang ist nicht klar, ob er nicht eher ein abfluss ins unbrauchbare ist. wenig licht im tunnel, das ende unabsehbar.
der august hängt mir nach. meine corona-erkrankung, der plötzliche tod eines lieben freundes und einer bekannten, die schwere, wahrscheinlich ebenfalls tödliche erkrankung eines anderen. die absage für einen job, der mich für den rest des lebens von allen finanziellen sorgen befreit hätte.
der september nährt sich von meiner schwäche und beklemmung, von der rezession in allen dimensionen, bewegt sich in eine gefühlt fatale richtung, auch politisch: die cdu hat alle überholt, es würde uns eine erneute groko drohen. einzig positiv das annähern der fdp an die 5% grenze.
der eindruck, dass das leben, die gesellschaft, der gesamte planet sich in einem fäulnisprozess befindet. dahindämmern und zerfallen, das wasser bis zum hals, aber keine chance mehr, in eine andere richtung zu schwimmen.
weil ich noch immer geben will, weil es meine art ist, weil das herz weiter die alten naivschaf-lieder pfeift, hängt sich der rest des zum untergang geweihten an mich wie ein betonklotz.
alles in mir sehnt sich nach zuhause. oder einem sehr einsamen, warmen ort. oder zumindest einer echten perspektive. bislang jedoch ist alles nur glaskugelguckerei.
Sonntag, 11. September 2022
der kleine weltuntergang
patchwork-familien-feier. kindsmutter 1 rundet und hat zum essen eingeladen.
ihr sohn, also der luxus-sohn, kommt ein wenig später. er ist sichtlich geknickt. in einer ruhigen minute erzählt er mir, dass er die aufnahmeprüfung für sein zweitstudium vermasselt hat.
dann erzählt mir der luxus-sohn von seinem vierwöchigen spanientrip. ein lowbudget-roadtrip mit vier kumpels in einer alten rostlaube. seine augen leuchten beim erzählen.
Sonntag, 4. September 2022
therapeutic confrontation
ich wohne in einer stadt mit fast 2 millionen menschen. doch mr. murphy gelingt es, mich immer wieder mit den schatten der vergangenheit zu konfrontieren.
so begab es, dass ich vor einiger zeit die ehemalige objektgespielin plötzlich bei mir auf der straße traf. auf mein freundliches, schüchternes "hi" hin belegte sie mich mit einem finsteren blick aus ihrem verbitterten gesicht. ich ging rasch weiter, um mir eventuelle feindselige äußerungen zu ersparen.
seither hegte ich den vagen verdacht, die gespielin könne neuerdings irgendwo in meinem stadtteil wohnen. als ich mal wieder die objekt-mutti an der strippe hatte, fragte ich daher behutsam um drei ecken, ob sie denn noch kontakt mit der gespielin habe. die objekt-mutti sagte, dass sich die gespielin noch sporadisch melde, aber sie wisse sonst kein neuigkeiten aus ihrem leben.
ich beschloss, mich nicht weiter zu beunruhigen. es konnte alles ein zufall gewesen sein.
keine zwei wochen später erhielt ich dann eine anfrage von katzenbesitzern aus der nachbarschaft. ich freute mich, sagte sofort zu und verabredete mich mit der dame zu einem unverbindlichen kennenlernen. vertrauen ist ja wichtig, wenn es um vierbeinige familienmitglieder geht.
die katzenbesitzer wohnten nur eine bushaltestelle entfernt in einem riesigen, verschachtelten und recht schäbig wirkenden gebäudekomplex an einer großen straße. als ich endlich die hausnummer gefunden hatte und klingeln wollte, entdeckte ich den namen der gespielin auf einem der schilder.
der erste instinkt war, die beine in die hand zu nehmen und wegzulaufen. aber ich hatte ja einen termin und verbindlichkeit ist mir wichtig. also rein in die höhle der löwin.
wie es mr. murphy wollte, wohnte die gespielin natürlich genau auf der etage der katzenleute. ich würde also beim künftigen kommen und gehen direkt vor ihrer tür herumhampeln müssen.
den kennenlerntermin hielt ich sehr kurz, murmelte etwas von "noch arbeiten müssen" und sah zu, dass ich land gewann. auf keinen fall wollte ich der gespielin auf dem flur begegnen, denn dazu war ich in diesem moment viel zu verunsichert und unvorbereitet.
die halbe nacht grübelte ich, ob ich das sitting absagen sollte. anderseits hatte mir die gespielin fast zwei jahre lang mit ihren hass-attacken das leben schwer gemacht. warum sollte ich mich weiterhin von ihr einschüchtern lassen? sie konnte mir nichts mehr. sie hatte das objekt nicht mehr unter ihrer fuchtel.
also, sagte ich mir, kneif die arschbacken zusammen, alte, und stolziere bitte mit hocherhobenem haupt und maximal gechillt durch die flure dort! und für den fall, dass sie dir tatsächlich begegnet und dir dumm kommt, überlegst du dir halt vorher, wie du dich verhältst.
drei wege schienen mir im falle des falles gangbar:
erstens: totales ignorieren. ein wenig feige, aber recht sicher.
möglichkeit zwei wäre freundlichkeit. auf ein "was willst du hier, schlampe" könnte ich zum beispiel sehr nett sagen: "ich wünsche dir auch einen wunderschönen tag." damit würde ich es vermeiden, mich auf ihr niveau herabzulassen.
möglichkeit drei wäre ein smarter, nicht offensichtlich beleidigender konter. so ein satz, der erst fünf minuten später zündet.
sowas müsste ich natürlich souverän rüberbringen, und das konnte schwierig werden. denn auch unabhängig von ihrer neigung zu tiraden war die großgewachsene, sehr propere und wie ein alter hafenarbeiter über und über volltätowierte gespielin mit den grimmig funkelnden augen eine respekteinflößende erscheinung. da würde sich wahrscheinlich nicht einmal ein gewalt- oder triebtäter mal eben rantrauen.
während ich so nachdachte, schämte ich mich schrecklich für meinen fehlenden sozialen mumm und die tatsache, dass ich mich als mittelalte frau noch immer mit solchen teenie-problemen herumschlug. ein mutiger charakter hätte sich diebisch über die gelegenheit gefreut, den kontrahenten direkt zuhause zu überraschen und ihn dumm aus der wäsche schauen zu lassen.
aber ich war nunmal das produkt meiner erfahrungen. jahrelanges mobbing in der schule hatten meine flucht- und wegduck-reflexe gegenüber aggressiven, mir nicht wohlgesonnenen menschen sehr stark werden lassen. da musste ich dran arbeiten, und das funktioniert laut zahlreicher psycho-ratgeber nun mal am besten durch konfrontation.
wie so oft ist die wirklichkeit dann letztlich weit weniger dramatisch als alle sorgen und gedanken.
heute ist mein sitting zu ende und ich bin der gespielin nicht ein einziges mal begegnet.
jedesmal als ich das haus betrat, musste ich eine kleine panikattacke unterdrücken. ich reagiere häufig körperlich auf stress - mit schwindel, herzklopfen, schwächegefühl und atemnot. über die tage hinweg wurden diese erscheinungen ein klein wenig besser, insbesondere auf dem weg nach draußen.
in einigen momenten hatte ich tatsächlich auf die konfrontation gehofft. der therapeutische effekt hätte mir wahrscheinlich gut getan. aber mr. murphy wollte mich noch nicht aus seiner daumenschraube der angst lassen. ich bin gespannt, was er für die zukunft ausheckt.
Montag, 15. August 2022
außer corona nix gewesen, teil 2
heimaturlaub stand an. seit wochen fieberte ich meinem allsommerlichen franken-besuch entgegen. nichts wie raus aus dem ungeliebten hamburg wollte ich.
und es würde schön werden. der zeitraum in wochenlanger planung fein abgestimmt, sodass viele meiner freunde nicht gerade selbst in den ferien waren. zudem würde ich auf meine absolute lieblingsparty (ein draußen-event) gehen sowie einer lieben bloggerin in regensburg einen besuch abstatten.
tatsächlich wurde es so schön wie gedacht und ich war sehr glücklich. vier tage lang, dann entdeckte ich plötzlich vitamine und hustensaft auf dem regal meiner mutter.
bei mir klingelten alle alarmglocken, zumal meine eltern drei tage zuvor mit einem großen clan ihrer kegelbrüder und -schwestern im restaurant waren. diese waren zwar geimpft, scherten sie aber ebenso wie meine eltern wenig um vorsichtsmaßnahmen.
als ich mit den tests zurück war, war das größe hindernis noch nicht geschafft: dass mutti sich das teststäbchen auch wirklich in die nase schob.