Montag, 12. Juni 2017

steine im weg

manchmal passieren ganz viele sachen auf einmal, und alle sind irgendwie doof.

totales chaos auf arbeit, gepaart mit totaler demotivation meinerseits.
ein jobangebot, das mich endlich reich(er), aber auch unglücklicher machen könnte, weil wieder garantie auf eine million überstunden. karrierefrau bin ich ja nun gar nicht. ich werde älter und brauche das geld, nichts weiter.

und dann die gesundheit, die mich regelmäßig verarscht.
seit monaten habe ich blutungen. aber so richtig. ohne unterbrechung. wie immer, wenn es kompliziert wird, ist man als kassenpatientin unrentabel und muss ergo eine vielzahl von frauenärzten konsultieren, um irgendwie zu einem ergebnis zu kommen. da vielleicht-bringts-ja-irgendwas-mir-fällt-nix-besseres-ein-antibiotikabehandlungen und ärztliches schulterzucken bislang nicht so effizient waren, dachte der dritte frauenarzt dann beim thema dauerblutungen auch mal an das thema krebs und machte einen test.

et voilà: krebszellen found. noch nicht dramatisch, aber schon grund zur beunruhigung.

der luxus-mann, schon mega-abgeturnt von der ewigen bluterei, macht sich große sorgen. um sich. "nicht, dass du mich dann mit was ansteckst!"

im moment könnte ich alle und alles auf den mond schießen.

sogar das objekt, das zur abwechslung mal gar nichts sagt, weil es im urlaub ist. ich möchte es gerne aus der ferne zum mond schießen.








Mittwoch, 7. Juni 2017

hart vermissen

fünf tage war der luxus-mann außer landes. fünf tage für mich.
eigentlich hatte ich mich drauf gefreut. mal wieder alleine ausgehen. eigenbröteln. abhängen. vielleicht jemanden treffen, den ich lieber alleine sehe.

da hatte ich die rechnung allerdings ohne die emotionslage gemacht. die fand das nämlich doof.
so richtig total doof.

am freitag ging es noch. freitage sind immer randvoll mit freien aufträgen, therapie, sport, wohnung putzen. samstag wurde es schon unerwartet schwierig. ich war daher ganz happy, dass ich dem luxus-sohnemann das wohnungssitting abgenommen hatte und mich um die luxus-blumen kümmern durfte. ich machte also einen wohnungsbesuch, goss die pflanzen, räumte auf, saugte die küche und saß dann auf dem balkon.
und fühlte mich ganz furchtbar.

eingedenk des auftrags meiner therapeutin legte ich mich bei mir innerlich auf die couch und versuchte, die lage zu sondieren. was war jetzt so schlimm? ich hatte ein langes wochenende, keinen stress und keine aufträge, die steuer war raus, die sonne schien und ich saß ganz gediegen bei einem glas rotwein auf dem balkon. kein grund zum unglücklichsein.

fakt war jedoch: ich fühlte mich wahnsinnig einsam.
was macht man gegen einsamkeit? genau, jemanden treffen.

also funkte ich die lederjacke an. die war aber mit seiner freundin bei ihren eltern.
v., meinen einstig besten kumpel, wollte ich nicht kontaktieren. er verhielt sich höchst seltsam, seit ich mit dem luxus-mann zusammen war.
die objektexfreundin, die seit kurzem in hamburg wohnte, antwortet mir nicht, was aber zu ihrer etwas unbekümmerten art passte.
zuletzt überlegte ich, das objekt anzuschreiben und um ein telefonat zu betteln. was ich dann wieder verwarf, denn es könnte auch zusätzliche unordnung in mein gefühlschaos bringen.

last but not least feierte ich mein einsames wochenende mit der luxus-hausbar.
und kiffte furchtbar viel.
und bin mir nun klarer denn je darüber, wie wahnsinnig wertvoll der luxus-mann für mich geworden ist.

Sonntag, 4. Juni 2017

die richtigen und die falschen

ich weiß nicht, ob es anderen auch (manchmal) so geht. ich bin ein sozialer mensch, aber sehr selektiv. ich behaupte, dass mich ungefähr 95 % der menschheit kaum interessiert. trotzdem bleibt da eine gewisse anzahl an personen, denen ich gern begegne und die ich näher kennen lernen möchte.

das ist ungeheuer schwierig. denn - und dieses phänomen erlebte ich erst in hamburg - die leute sind vollkommen desinteressiert. selbst nach einem abend, an dem man zusammen gefeiert und gelacht und eine reihe von unglaublich schönen gemeinsamkeiten festgestellt hat, gibt es keine möglichkeit, anzuknüpfen. nein, das liegt nicht daran, dass ich meine telefonnummer nicht rausrücke oder die leute nicht versuche, auf ein treffen festzunageln. aber so nach der fünften bis sechsten absage bin ich dann soweit zu glauben, dass kein interesse besteht. was dann wohl auch so ist.

ganz anders ist es mit menschen, die mich überhaupt nicht interessieren. sie setzen sich ungefragt zu mir, schwallern mich voll, machen mir komplimente und drücken mir ihre nummer aufs auge. wehe, ich war so naiv, meine herauszurücken - dann erhalte ich täglich nachrichten und komplimente und wenns besonders dumm läuft, schwanzbilder. jut, frauen schicken mir keine muschibilder, breiten dafür aber ihre komplette biografie und ihr seelenleben aus, bis ich sage: das will ich gar nicht wissen. da fühle ich mich sonst zuständig und es ist nicht meine aufgabe, eure beziehung zu retten oder euch zu beraten, welche schuhe ihr euch kaufen solltet.

ich wünsche mir ebenbürtigen austausch. keine schleimer. keine psychowracks, deren leben ich ordnen soll. nichts gegen gegenseitige hilfe, nicht missverstehen. aber irgendwas möchte ich dann auch von einer freundschaft haben.

oftmals lasse ich mich sogar auf menschen ein, die mich nicht interessieren, weil ich mir denke: vielleicht entdecke ich ja was, was mich dann doch fasziniert. in der regel ein irrtum. das erste bauchgefühl trügt mich selten.

"bin ich arrogant", frage ich meine therapeutin.
"ich halte das für ein ganz normales bedürfnis", sagt sie. "sie wissen sehr klar, was sie wollen und was nicht. das, was sie nicht wollen, werden sie vermutlich auch nicht lieben lernen."
"aber so finde ich keine freunde", jammere ich.

es bleibt also schwierig. es gibt zwei bis drei menschen, denen ich hier vertraue. aber vielleicht geht ja auch nicht mehr.




Freitag, 2. Juni 2017

endlich

wie treff ich dich an, schreibst du fragend.
so nen halben meter neben mir stehend, antworte ich.
schade, sagst du. heute wäre es so passend.
was, will ich wissen.

die antwort dauert, aber dann plingt ein "wir könnten uns sehen" auf meinem handy.
hm. ich bin unsicher, ambivalent.
morgen ist montag. eine lange woche steht mir bevor.

ich lausche auf meinen herzschlag. das herz sagt: ich bin hellwach.
der bauch tanzt. und der kopf produziert ein gedankenfeuerwerk.

ich bin noch ein bisschen aufgedreht und werde vor eins nicht schlafen, schreibe ich. komm doch noch auf eine stunde rum.
ich bin in zehn minuten da, sagst du.

dann stehst du vor meiner tür, so verändert-unverändert.
wir sehen uns an, dann machst du einen schritt auf mich zu und nimmst mich in den arm.
köstlich ist deine umarmung, dein duft, dein weiches haar auf meiner wange.

"weißt du, was ich gedacht habe, als du gesagt hast, ich kann noch vorbeikommen?"fragst du.
"was denn?"
"endlich. einfach nur: endlich."
ich muss geschmeichelt grinsen.

als du dich auf die couch setzt, kommt die katze an, springt auf die lehne und setzt sich direkt neben deine schulter, um deinen hals zu beschnuppern.
"ist die immer so zutraulich?" lachst du.
"nein. die ist eigentlich sehr zurückhaltend bis scheu."
"dann fass ich sie mal lieber nicht an."
"doch, kannst du. die kratzt nicht."
"die passt zu dir."
"warum?"
"scheue, neugierige schmusekatze. schwarz, zart, elegant."

und dann sitzen wir da. und rauchen. und reden.
bis vier uhr nachts.





Samstag, 20. Mai 2017

am arsch

freitags eskaliere ich neuerdings.
schön alk und diazepam auf meine psychomedis - so lange und so viel, bis die todesangst kommt.

der luxus-mann versteht mich nicht, reagiert sauer.

meine therapeutin fragt, wie sich meine anspannung aufbaut, wenn das passiert.
ich behaupte, da sei gar keine.
etwas in mir wolle das so, basta.
alles andere in mir scheint sich dabei blind zu machen für dieses wollen.
ich igle mich ein.

als sich das objekt mal wieder meldet, erzähle ich ihm davon.
er nennt es "wille zur eskalation" und kennt es aus der stationären therapie. ein grund, warum ganze skill-ketten scheitern.
was willst du, fragt es mich.
meine ruhe, sage ich. ich will alleine sein.
vielleicht ist ja genau das, sagt es, du bist so eingespannt. dein anstrengender job, deine freien projekte, deine beziehung, deine therapie, deine ganzen gesundheitlichen probleme, deine katze, das ist ein ordentliches programm und du funktionierst sehr viel. verständlich, wenn du um freiraum kämpfst.du hattest so lange viel zu viel davon, jetzt vermisst du es.

manchmal hilft mir schon verständnis, und dafür ist das objekt mit seiner hellsichtigkeit und seiner empathie unersetzbar, mal wieder.

und jetzt, frage ich.
abgrenzen, sagt es. behaupte das, was du brauchst.
nicht einfach für einen menschen, der immer noch in vielerlei hinsicht von der bestätigung anderer lebt und schuldgefühle hat, wenn er aus seiner rolle fällt.
zu mir selbst stehen fällt mir immer noch so verdammt schwer.
aber außer üben und lernen gibt es wohl keine alternative.
zumindest, wenn ich nicht sterben will.