Donnerstag, 29. September 2016

strohwitwe

heute morgen ist der luxus-mann für drei wochen ans andere ende der welt verreist.

gestern fragt er mich:
"kommst du noch mal vorbei? ich muss allerdings um halb vier uhr morgens aufstehen."
"boah, ich muss morgen arbeiten. da bin ich doch vollkommen im eimer, wenn ich so früh aufstehe."
"aber dann hast du drei wochen keinen sex mehr, denk dran! außerdem kannst du ja weiterschlafen."
"wer sagt denn, dass ich drei wochen keinen sex habe, nur weil du nicht da bist?" frotzle ich.
"komm du mir nachhause!" erwidert der luxus-mann.
"mit vergnügen. aber ich kann heute erst so gegen halb acht, wir haben noch ein meeting."
"dann komm doch direkt nach der arbeit."

gesagt, getan. um acht schlage ich beim luxus-mann auf, der aufgeregt durch die wohnung hühnert.
"hab ich alles? was meinst du, reichen sechs t-shirts? ich hab auch nur vier pullis eingepackt."
"du machst ja urlaub in der zivilisierten welt. wenn dir was fehlt, kaufst dus einfach nach."
der luxus-mann ist schwer zu beruhigen.
"aber mein koffer ist schon so voll, ich hab nur noch vier kilo luft."
"na und, dann schmeißt du halt was weg. oder tust es ins handgepäck. du brauchst eh souvenirs."
"stimmt. für meine kinder... und was ist mit dir? soll ich dir auch was mitbringen?"
"wenn dir was über den weg läuft, was mir steht. da vertrau ich dir."
"was hast du noch mal für ne größe?"
"36. manchmal auch 38. im zweifelsfall nimm ne 38, enger nähen geht immer."
"und schuhe?"
"41."
 
"sicher, dass wir heute sex haben können, so wie du drauf bist?" grinse ich, als wir gegen neun endlich auf dem balkon sitzen, ich noch eine rauche und der kopf des luxus-mannes sichtbar weiterrattert.
"klar. der ist ja ein recht autonomer körperteil", kichert der luxus-mann. "vielleicht würds aber helfen, wenn du ein bisschen bläst."
ich grinse und ziehe dem luxus-mann die hose aus.
"halbmast", stelle ich fest.
"das wird schon."
 nach zwei minuten habe ich einen prallen schwanz herbeigezaubert.
"komm", sagt der luxus-mann, "setz dich drauf."
und wir ficken leise im schutze der dunkelheit auf dem balkon, während überall noch nachbarn draußen sitzen.

obwohl der luxus-mann spätestens um zehn im bett sein will, wird es halb zwölf, weil noch fußball läuft und wir dann noch ein zweites mal vögeln, was anspannungsbedingt in einen schmerzhaften marathon ausartet. dann liegen wir nebeneinander und der luxus-mann wälzt sich wach rum.
"hör auf nachzudenken", sage ich. "vor ort findet sich alles."
"es ist nicht wegen dem reisen, weißt du, nur weil ich mich immer so ärgere, wenn ich was vergesse."
"trotzdem. du ärgerst dich noch mehr, wenn du jetzt rumgrübelst und diese vier stunden schlaf verschenkst. dann vergisst du nachher vielleicht wirklich was. deinen schlüssel oder dein handy oder irgendwas, was man so verschusselt, weil man übermüdet ist."
"hm. machst du mir nachher kaffee?"
"wenn du dir das wünschst, mach ich das. ich schmier dir aber keine brote."
"essen gibts im flieger. aber kaffee wär toll."

als der wecker klingelt, haben wir das gefühl, keine einzige sekunde geschlafen zu haben. wir liegen noch eine ganze weile benommen nebeneinander.
"boah, fast beneide ich dich, dass du nachher weiterschlafen und dann arbeiten gehen kannst", sagt der luxus-mann träge.
"geh mal duschen", gähne ich. "ich mach dir solange deinen kaffee."
"ok."

ich kocke kaffee, hole milch, brot und nutella aus dem kühlschrank. dann lege ich mich wieder ins bett und döse ein. ich höre den luxus-mann kramen und sich anziehen. dann kommt er ins zimmer.
"kannst du mir einen gefallen tun?"
"was denn, die wohnung putzen?"
"das auch, aber nur nackt und in meiner anwesenheit. nein, bringst du nachher noch den müll raus, wenn du gehst?"
"klar."

dann klingelt das taxi.
"ich muss", sagt der luxus-mann und steht etwas verlegen am ende des bettes.
"dann musst du jetzt sehr stark sein."
"warum?"
"du musst mich einmal drücken, bitte."
der luxus-mann lächelt und nimmt mich dann tatsächlich richtig fest und lange in den arm.
"hab bitte nicht so viel spaß", sagt er und tätschelt meinen hintern.
"und du denk an den gummi, wenn du gleich die stewardess vor dir knien lässt."
"haha."
 "ach, warte mal... fast hätte ichs vergessen!"

ich löse mich aus der umarmung und hole meine arbeitstasche.
"hier", sage ich und überreiche dem luxus-mann einen playboy. "deine reiselektüre."
"wie cool", staunt der luxus-mann. "hast du den extra gekauft?"
"nee, flog bei mir im büro rum, aber ich musste da sofort an dich denken."
"danke!"
"dafür nich. alles nur geklaut. jetzt aber loslos, dein taxi wartet nicht ewig."
"ja, ich muss!"

ich bekomme einen letzten kuss, dann verschwindet der luxus-mann.
und ich bin allein.
alleine in dieser großen wohnung.
alleine in diesem großem bett.
alleine für ganze drei wochen.




Montag, 26. September 2016

schocker

mitternacht. ich stehe beim luxus-mann vor der tür und klingle. keiner macht auf.
sitzt er auf dem klo? ist er eingeschlafen?
ich rufe an. keiner geht ran.
hat er etwa unsere verabredung vergessen?

da kommt ein mann um die ecke und guckt komisch, wie ich so an der haustür stehe und verzweifelt die finger auf die klingel presse.
"hey", sagt der mann.
ich gucke. der mann sieht dem luxus-mann im dunklen ähnlich, hat aber kurze haare. er kommt näher.
nicht das auch noch, denke ich. da sitzt der luxus-mann auf den ohren, und dann auch noch so ein freak, der mich anlabern will!
"was is denn? ich war noch in der kneipe", sagt der freak.

ich gucke genauer. es ist der luxus-mann.
die haare sind ab.
"was ist denn mit deinen haaren passiert?" frage ich.
"nich gut?" fragt der luxus-mann und kommt näher.
"ähm, nunja... sehr brav, irgendwie so" , hasple ich.
"brav????" der luxus-mann ist entsetzt.
"nunja... irgendwie... reifer."
"älter???"
ich merke, ich rede mich um kopf und kragen.
"ich muss mich da erstmal dran gewöhnen", sage ich.

wir stehen vor dem haus. die dicke nachbarskatze kommt und bietet sich als verlegenheitspuffer an. ich lasse mich nieder und kraule sie.
"wollen wir denn gleich los?" fragt der luxus-mann. "ist ja schon nach mitternacht nun."
"ja, ich will tanzen. und nach dem schock brauch ich sowieso erstmal nen drink."

wir wackeln richtung club.
"du hast schon ordentlich getankt", stelle ich fest.
"n paar bier und zwei gläser wein und nen wodka", sagt der luxus-mann.
"aber jetzt mal zu dir. gehts dir denn jetzt besser?"
"ja", sage ich. "wird schon. ist normal, dass ich schwankungen habe. da musst du dir echt keine gedanken machen."
"mach ich mir aber. und wenn du dich verletzt, dreh ich durch, das weißt du."
"hab ich nicht."
"weil... das ist wie selbstmord."
"quatsch."
"in meiner welt, weißt du?"
"na gut. ich hab ja gesagt, ich erzähls dir einfach nicht mehr. wir haben spaß, nichts weiter."
"das wäre ja oberflächlich. ich will schon wissen, wies dir geht. und wenns dir schlecht geht, komm vorbei. dann hau ich dich ein bisschen, wenn du schmerzen haben willst", grinst der luxus-mann. "aber das musst du mir schon sagen."
"ich hab doch anfang der woche durchblicken lassen, dass es grade nicht gut bei mir ist."
"aber ich bin ein mann! das musst du deutlicher machen! in meiner welt gibts keine gefühle. das musst du alles haarklein erklären. tut mir leid."
"ok."
ich ärmle den luxus-mann unter und schnuppere an ihm.
"was?"
"du riechst gut."
"heißt das, du bist geil?"
ich grinse nur geheimnisvoll.

im club steckt mir der luxus-mann die zunge in den hals und schiebt sich zwischen meine beine, damit ich seinen harten schwanz fühlen kann.
"du machst mich so an", sagt er.
"dann fick mich doch."
"hier?"
"quatsch, lass uns rausgehen."
ich nehme den luxus-mann bei der hand und ziehe ihn nach draußen.
"schon mal auf offener straße gefickt?"
"willst du?"
ich nicke.
"wär doch mal spannend."
"okay."
"da drüben? da sind wenigstens ein paar büsche."

die büsche sind recht spärlich, also beschließen wir, noch eine straße weiter zu gehen.
"guck mal, ein spielplatz", sage ich. "perfekt, da ist kein mensch."
"das kann ich nicht."
"warum?"
"das ist ein spielplatz! auf spielplätze geh ich mit meiner tochter!"
"aber da drüben ist eine tischtennisplatte. das wäre perfekt."

der luxus-mann lässt sich breitschlagen. er manövriert mich auf die platte, zieht mir strümpfe und höschen nach unten und schiebt mir seinen schwanz in die muschi.
wir ficken ein weilchen, dann kommt eine gruppe teenies vorbei, die uns aber nicht bemerkt.
dann sagt jemand "moin".
wir schrecken hoch.
am zaun des spielplatzes steht ein abgeranzter alter typ und schaut uns zu.
"moin", sagt der luxus-mann arschcool.
der typ glotzt noch mal doof und geht dann weiter.
wir beginnen erneut.
der typ kommt zurück, geht wieder an uns vorbei und guckt.
"fuck, so geht das nicht", sagt der luxus-mann. "und du bist auch ganz unentspannt, das tut schon fast weh."
ich rutsche von der platte und ziehe mein höschen wieder hoch.
"komm, lass uns nachhause gehen."

wir wackeln untergeärmelt nach hause richtung luxus-wohnung.
"wahrscheinlich sind wir morgen in der mopo", sagt der luxus-mann. "so mit bild von hinten von meinem nackten arsch: perverses pärchen schändet kinderspielplatz."
"genau. vater einer siebenjährigen poppt mit dreikommanull promille im blut psychisch kranke frau auf einer tischtennisplatte."
"boah, hör auf, ich war sogar schon mal in der mopo."
"echt?"
"ja, da haben die reporter so leute in der schanze interviewt, wie sie weihnachten feiern. da waren die bei uns und haben die ganze gruseldeko fotografiert, die totenschädel und im hintergrund mein folterbild, das neben dem bett hängt."
"hahaha, romantisch"
"und neben den ganzen schick angezogenen und glücklichen vorzeige-familien stehen wir da voll blöde auf dem foto rum - meine tochter, mein sohn und ich mit den exakt gleichen depressiven hackfressen und daneben meine ex mit ihrem debilem grinsen, wie so eine mongo-family."

zuhause setzen wir fort, was wir auf dem spielplatz begonnen haben. als wir fertig sind, dämmert schon der morgen.
"halb sieben!" rufe ich entsetzt, als ich zähne putzend im bad auf die uhr sehe.
"um elf müssen wir aufstehen, da holt mich mein sohn zum sport ab."
"ich bin auch zum work-out mit der lederjacke verabredet."
"wird ein knochenharter sonntag, wie es aussieht."
"oh ja."
"kommst du dann später wieder hierher? ich bin so gegen halb drei wahrscheinlich zuhause."
"ok."
"dann kriegst du kuschelprogramm, von mir aus."
"oh cool!"
"ich weiß doch, was du brauchst."
"aber nur, wenn du bock hast! ich will nicht, dass du dich voll überwinden musst."
"mal sehen. ich werd schon nicht dran sterben."

im bett fängt der luxus-mann sofort an zu schnarchen, während ich noch eine weile wachliege und mich an meinem leisen glück und den erinnerungen an die letzten stunden weide.



Freitag, 23. September 2016

das ende

"ich dachte, ich tue dir gut, aber wenn das so ist, stelle ich unsere verbindung infrage", schreibt der luxus-mann gestern, nachdem ich mich für meinen zustand entschuldigt habe.

ich bin sprachlos.
"was denkst du, dass du den magic penis hast, der meine hirnchemie wieder auf spur bringt?"
der luxus-mann, der sonst immer so auf logik beharrt, schweigt beleidigt.
"hätte ich leukämie, würdest du dann auch glauben, ein bisschen ficken und gut ist?" lege ich nach.
"ich meine, ja, du tust mir gut. ohne frage. du bist ein integrer mensch, und du vermittelst stabilität. aber du bist doch kein wunderheiler! von dieser romantischen vorstellung solltest du dich schnellstmöglich verabschieden!"

"h. hat mich ja gewarnt vor leuten wie dir."
"ich finde es großartig, dass du immer so viel auf die meinung von menschen gibst, die mich weder kennen noch irgendeine erfahrung mit meiner erkrankung haben. das ist in etwa so, wie wenn ich marmelade einkochen will und einen schreiner nach dem rezept frage. ich hatte sogar meine psychiaterin beschwatzt, dass du mal in die angehörigen-beratung mitkommen kannst, aber das willst du wieder nicht. nur die schauermärchen aus dem netz interessieren dich."

heute abend will er telefonieren.
was das noch bringen soll, frage ich mich.
alea iacta est.

ja doch. es geht weiter.
es gibt nur viel zu klären und zu erklären.


Donnerstag, 22. September 2016

geduldsfaden

doppelte dosis ssri. abends benzodiazepine. zugleich eine vitamin-d-kur angefangen, damit ich vielleicht mal nicht den kompletten winter krank bin. außerdem soll das zeug ja auch gut gegen depressionen sein.

wartenwartenwarten auf das licht am endes des tunnels.

streit mit dem luxus-mann.
"wenn du dich wieder ritzt, sehen wir uns nicht."
glatte erpressung.
nice try.

mein alter ego schnaubt vor verachtung: als könnten wir auf den nicht verzichten!
der will eh nur ficken. und sex, sex wollen wir schon dreimal nicht. schwänze sind ekelhaft!

derzeit keine energie, das in ordnung zu bringen. in einer woche fliegt er für drei wochen in den urlaub, vielleicht ein guter zeitpunkt, um das getrenntsein zu üben, vor dem ich mich aktuell so fürchte.

auf arbeit zähle ich die minuten bis feierabend. schon das unproduktiv-dröge starren in den bildschirm ist sowohl psychisch als auch körperlich so anstrengend.

Montag, 19. September 2016

frust

ich wackle innerlich. seit etwa zwei wochen.

ich wache morgens um 5 auf, depressionstypisch.
manchmal mit heimweh. ich will wieder klein sein, in meinem kinderzimmer sitzen und spielen. alleine bitte. nur ich und meine bücher und meine puppen.
manchmal mit der nackten verzweiflung vollkommener sinnentleerung. ich kann meinen job nicht mehr machen, ich bin keine pr-schlampe, die leuten in den arsch kriecht und scheiße für gold verkauft.
manchmal mit der verzehrenden sehnsucht nach ruhe, entweder im arm eines anderen menschen, oder dann tot.
manchmal denke ich auch einfach nur zwei stunden lang völlig banane darüber nach, was ich auf arbeit anziehen könnte. irgendetwas, was meine absonderlichkeit möglichst verdeckt. eine in diesem zustand schier nicht beantwortende frage.

ich klammere mich ein bisschen an den luxus-mann und habe tödliche angst, ihn zu nerven. aber er ist da, fragt nach, wie wars auf arbeit, sagt, er kann es verstehen, denn er hasst seinen job auch und verachtet menschen, die sich über ihren schleimigen eifer definieren.

bisweilen habe ich enorme angst, den luxus-mann zu verlieren. dann mach ich schluss, sagt ein teil von mir, wozu denn dann weiterleben? der teil sagt auch: warum denn nicht gleich trennen, es passiert doch sowieso, oder glaubst du, der hält das länger als bis weihnachten mit dir aus?

die düsteren gedanken sind morgen-gedanken. sie kommen meist nachmittags wieder, weshalb ich recht spät mittagspause mache. dann renne ich durch den park und denke weiter auf dem suizid herum.

abends bin ich müde. zwei, drei drinks, dann falle ich ins bett.