"gehst du noch aus", fragt der luxus-mann, nachdem ich einen kompletten tag geschwiegen habe.
"weiß nicht, vielleicht ganz spät", erwidere ich, "willst du mitkommen?"
"nee, bin müde", sagt der luxus-mann und legt dann auch gleich auf, weil er zu faul zum reden ist. warum auch immer, es lässt mich vergleichsweise kalt.
ich bin selbst ebenfalls ultra erschöpft, beschließe, mich erstmal hinzulegen, und dann zu schauen, wie es mir geht. um mitternacht werde ich wieder wach, und es fällt mir ein, dass mein cousin geburtstag hat. ich beschließe, die erste gratulantin zu sein.
danach bin ich hellwach. soll ich oder soll ich nicht? ich habe irgendwie ein komisches gefühl. dann aber siegt die vernunft über das irrationale hadern und ich werfe mich in schale. kleiner aufwand, denn es ist schon spät, und morgen ist ja luxus-zeit.
ich schlage in der dreigeschossigen, nicht allzu kleinen location auf. und wer kommt mir schon gleich am eingang entgegen?
das objekt.
und das, nachdem ich ihm im katzenjammer diese sülzige nachricht geschickt hatte. wie peinlich! ich würde am liebsten im erdboden versinken, doch das objekt steuert direkt auf mich zu. ich erstarre zu einer salzsäule und hoffe, dass es nicht wieder sauer ist.
doch es lächelt.
"komm her, lass dich mal drücken", sagt es und nimmt mich dann in den arm.
ich bin so überrascht, dass ich mich nicht bewegen kann. das objekt spürt die mangelnde herzlichkeit in meiner nicht erwiderten umarmung, klopft mir sachte auf den rücken und sagt dann:
"ich geh mal pinkeln, komm du erstmal an."
ich flüchte in den raucherraum und zünde mir erst mal eine kippe an, um den schock zu verdauen.
ein paar minuten später steht das objekt wieder an meiner seite. es dreht eine kippe, lächelt mich beruhigend an, wiegt sich von einem fuß auf den anderen und denkt ein weilchen nach. dann sagt es:
"du, pass mal auf. ich hab zwar ordentlich getankt, aber ich bin noch straight im kopf... deswegen ist das jetzt auch kein besoffenes gelaber. ich wollte dir zu deiner nachricht sagen, mir gehts genauso. ich denke auch oft an dich, und ich vermisse das, was wir hatten."
ich fühle mich eiskalt ertappt. so offenherzig hatte ich das in meiner message gar nicht formuliert. aber das objekt ist leider nicht dumm, und es kennt mich. ich bin verlegen und kriege herzklopfen.
das objekt ist nicht minder unangenehm berührt, wohl auch, weil ich nichts sage.
"gräm dich nicht so", bittet mich das objekt und nimmt mich dann noch mal in den arm.
"nein", sage ich. "das tu ich nicht. nicht mehr. insgesamt war ja vielleicht ganz gut so. sonst hätte ich meinen mann möglicherweise nie kennen gelernt."
"ich habe auch den eindruck, es geht dir besser ohne mich."
"ist wohl so."
"trotzdem..." das objekt holt tief luft und schaut dann weg.
"ja, ich weiß. ich hab das auch immer gespürt, dass du..."
das objekt nickt und kann mich nicht anschauen.
ich lächle nun doch.
"aber schön zu wissen, dass ich mich nicht geirrt habe."
wir stehen noch eine weile stumm nebeneinander, dann will das objekt aufbrechen. ich bekomme die dritte bärenumarmung des abends, und diesmal kann ich sie ein bisschen annehmen.
"hier", sagt das objekt und steckt mir ein kleines päckchen zu. "aber erst zuhause aufmachen."
geheimnisvoll wie immer.
als ich zwei stunden später zuhause bin, wickle ich das kleine päckchen aus. unter einer schicht papier ist etwas großzügig in klarsichtfolie gewickelt. ich rieche vorsichtig dran und schnuppere den vertraute duft von gras. dann wickle ich weiter aus. unter dem graskrümel befinden sich black papers und ein kleines stück weiße pappe für den filter.
auf der pappe steht: "die weiße witwe - für die innere verbindung."
und ich bin verdammt unsicher, wie viel dieser inneren verbindung ich noch will.
denn meine entscheidung ist getroffen.
wenn auch begegnungen wie die der letzten nacht immer noch wie ein kleines erdbeben wirken.
sich trauen. sich treu sein. dem anderen trauen. ihm treu sein.
beides kann ich nicht, allenfalls in bruch-teilen. ein halbes standbein, ach was, eher eine krücke mit akuter einknickgefahr.
das wichtigste ist die alternative. gehen sie niemals in eine verhandlung ohne alternative. eine alternative zu haben bedeutet macht. haben sie keine alternative, sind sie nackt. dann können sie vielleicht noch lügen, aber wehe, sie werden enttarnt. das ist nicht von mir, sondern von jack nasher. wirtschaftspsychologie. aber wir sind einer meinung. meine alternative ist mir heilig. denn wenn man ihm keine wahl lässt, ist der mensch kein mensch mehr. die westliche philosophie, der priester in clockwork orange, der das experiment verdammt. ich habe lange genug keine wahl gehabt. weil ich mir keine wahl gelassen habe. weil ich darauf gewartet habe, dass mir jemand die wahl lässt. ich war damit ein experiment für jedermann.
wenn das große zweifeln wieder beginnt, bemerke ich, wie ich goldwaagig werde. ein satz in whatsapp kann dem luxus-mann jetzt den kopf kosten. virtuelle kommunikation schockt mich sowieso. wie ist das gemeint? hat er das smilie vergessen? oder ist das sarkasmus? eine echte frage oder eine rhetorische, die mir sagen soll, mensch mädchen, was bist du dämlich? gibt es vielleicht sogar einen bewussten oder unbewussten semantischen unterschied zwischen der satzaussage und dem dahinter gesetzten smilie?
bei smilies denke ich immer an clowns, hinter einer lustigen maske verborgene brutale serienkiller.
traue keinem smilie, niemals.
innerhalb von 48 stunden habe ich mich so innerlich lichtjahre vom luxus-mann entfernt. ich brauch dich weniger, ach was, ich brauch dich gar nicht.
in einem saublöden moment schicke ich dem objekt eine nachricht. keine antwort, glück gehabt. trotzdem hasse ich mich dafür. ein wodka, eine line seit langem mal wieder. zwei minuten später todesangst und reue, die sich nur mit einer tavor wieder wegdrücken lassen.
ich falle in einen unruhigen schlaf, in dem ich von meinen eltern träume. ich wache auf von meiner eigenen stimme, die sagt: "und mit jedem jahr wächst die angst vor dem moment, an dem sie sterben. und weil es niemandem gibt, an den ich all das gute weitergeben könnte, das sie mir geschenkt haben."
weil der luxus-mann noch urlaub hat und es richtig heiß ist, beschließen wir, zur alster zu radeln. in harvestehude packen wir uns auf die wiese, genießen die sonne, lesen und spielen ein bisschen schach.
mittendrin fällt mir auf, wie wohl ich mich inzwischen mit dem luxus-mann fühle und dass sich so etwas wie vertrauen eingeschlichen hat. kurzzeitig beunruhigt mich der gedanke.
"ist was, gehts dir gut?" fragt der luxus-mann und schaut mich prüfend aus seinen ultrablauen augen an.
"nein, mir gehts gut", sage ich. "richtig gut sogar."
"wollen wir gleich was essen gehen? es ist schon sechs", schlägt der luxus-mann vor.
"aber nur was kleines, es ist so heiß, so viel hunger hab ich nicht."
"wir könnten nen salat essen. ich will auch nicht so viel fressen. irgendwas gesundes ohne kohlenhydrate."
"auja. wo?"
"wir gucken einfach mal irgendwo in der schanze. wo ein platz frei ist. wird eh alles voll sein heute."
wir schwingen uns auf die räder und strampeln zurück. an einer kreuzung halten wir an der ampel.
"guck mal, da drüben ist ein penny, wir könnten da auch schnell ein paar sachen kaufen und selber salat machen", schlägt der luxus-mann vor.
"theoretisch gern, ich kann aber keine richtigen saucen, ich nehm immer so eine fertige."
"ich kann auch nichts großartiges, ich würde einfach das machen, was ich beim letzten mal gemacht habe. mit balsamico und zitronenöl."
"gut, dann lass uns mal schauen."
im penny kaufen wir salat, tomaten und gurken und ein bisschen käse.
"magst du oliven?" fragt der luxus-mann.
"rasend gerne."
"dann fahren wir noch beim türken vorbei, der hat super geile oliven."
"okay. schwarze oder grüne?"
"da ist doch kein unterschied, oder?"
"doch. schwarze haben dreimal so viele kalorien, die sind viel fettiger. dafür aber auch aromatischer."
"dann grüne. ich will unbedingt weiter abnehmen."
zuhause sitzen wir andächtig schnippelnd am küchentisch.
"wie ein altes ehepaar", sage ich. "ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal so nen alltagsscheiß mit dir mache."
"mir macht das auch echt angst", sagt der luxus-mann ernst. "aber irgendwie haben wir doch auch spaß zusammen?"
"habe mich selten so wenig gelangweilt", sage ich.
und wir grinsen uns an wie die bekloppten.
während ich die teller anrichte, rückt der luxus-mann die möbel auf dem balkon zurecht und holt kerzen, besteck und servietten.
"sollen wir heute mal nen richtig teuren wein trinken?" fragt er.
"ich bin kein weinkenner", sage ich.
"macht nichts, ich auch nicht. aber ich hab noch nen ganzen schrank voller echt edler weine, die ich mal geschenkt bekommen habe. guck mal!"
"der da sieht doch geil aus", sage ich und halte eine antik aussehende rotweinflasche in der hand.
"dann trinken wir den."
gegen mitternacht beschließen wir noch auszugehen. kurz darauf sitzen wir in einer bar in der schanze und trinken white russian.
nach dem vierten drink fragt mich der luxus-mann mit schwerer zunge:
"warum war der sex mit dem objekt eigentlich der beste sex deines lebens?"
"hä?"
"hast du mal gesagt."
"ok, das stimmt schon. ich war nur verwundert, wie du da jetzt drauf kommst."
"ich denk da viel drüber nach. hat der irgendwas bestimmtes drauf?"
ich schüttle den kopf:
"ich hab den sex in dem fall halt mit dem menschen verknüpft. und das objekt war ein wunderbarer mensch, in weiten teilen unserer beziehung. er hat es geschafft, dass ich ihm vertraut habe wie nie jemandem zuvor. und so eine öffnung in sachen vertrauen... das erzeugt bei mir auch immer eine sexuelle öffnung. und da es ihm mit mir ähnlich ging... hatten wir halt extrem geilen sex."
"und sonst?"
"hm, sonst war da natürlich eine sehr gute chemie... und die tatsache, dass das objekt sehr tabulos ist. wenn sich jemand sehr viel traut... und mir dinge zutraut... dann trau ich mich auch eher."
"zum beispiel?"
"er war der erste mann, den ich in den arsch ficken durfte."
"ok."
"ja, ich weiß, nicht jedermanns sache. und ich mag es auch nicht bei jedem machen. ich kann mir aber genug vorstellen, was ich noch ausprobieren möchte."
"was denn?"
"in nen swingerclub gehen, zum beispiel."
"warum? da sind doch bestimmt nur hässliche fette leute."
"das hat eher was mit neugier zu tun. ich will nicht dumm sterben."
der luxus-mann hat seine denkermiene aufgesetzt.
"aber... so mit mir jetzt... ist das dann für dich auch so mit dem mensch verbunden? weil ich meine, das ist ja... das ist ja nicht mehr das, was es eigentlich sein sollte. wir sind schon mindestens zwei schritte zu weit."
"klar ist unser sex für mich auch an deine person gebunden. und der sex ist definitiv nicht irgendwie schlechter. du bist einfach jemand ganz anderes, und ich bin sehr froh drum. ich möchte dich eigentlich auch nicht vergleichen, am allerwenigsten mit dem objekt. dann bist du sowieso bloß wieder eifersüchtig."
"sagen wir mal so, ich käme eher damit klar, wenn du jetzt mit dem objekt ficken würdest. weil du den liebst, und das kann ich dann wenigstens nachvollziehen. aber so irgendwelche anderen spacken..."
"ich liebe das objekt nicht mehr. es ist mir noch nicht so egal, wie ich mir das wünsche, aber es war eben auch eine sehr lange zeit, und wenn du wüsstest, was alles gelaufen ist..."
"egal, aber du hängst noch an dem."
"ein bisschen vielleicht. aber wenn ich mit dir bin, denk ich nie dran."
"würdest du sagen, du bist sexuell abhängig?"
"bitte was?!"
"ob du dich sexuell abhängig fühlst."
ich denke nach.
"nö."
der luxus-mann seufzt.
"fühlst du dich denn sexuell abhängig von mir?" frage ich verwundert.
"ja, würd sagen, schon."
ich bin ein bisschen baff und der alkohol routiert schwer in meinem kopf.
"aber das ist es nicht nur", fährt der luxus-mann fort. "ich denk, du weißt, dass ich dich mag."
eine warme welle schwappt über mein herz und ich muss glücklich grinsen.
"ja. aber ich mag dich auch", antworte ich weich.
"trotzdem denk ich, ich muss demnächst mit einer anderen frau schlafen."
"ich weiß, du hast angst", erwidere ich.
"ja. weißt du, ich bin gerade aus sieben jahren beziehung raus und ich wollte mich eigentlich austoben, und jetzt... bist du mir passiert. und du kannst mir glauben, ich hatte schon angebote, aber ich hab die alle abgelehnt. weil ich mit dir total ausgefüllt bin. aber... aber ich denke, ich muss mir das trotzdem beweisen...."
"dass du doch nicht abhängig von mir bist?"
"genau."
ich atme tief durch.
"dann mach. mach wie du meinst. meinen segen hast du."
"und du bist nicht eifersüchtig dann? würde dir das gar nichts ausmachen?"
"nein. weil ich weiß, dass du es wegen deiner angst machst und nicht, weil ich dir nicht genüge. wenns dir hilft, deine angst vor mir in den griff zu bekommen, dann ist das ja eher vorteilhaft für mich. damit will ich nicht sagen, dass es sich nicht vielleicht kacke anfühlt für mich. also machs am besten so, dass ich es nicht mitkriege."
"vielleicht finden wir ja auch eine frau für uns beide zusammen."
"das ist ja nicht dasselbe."
"aber wär auch ok für mich."
"lassen wirs mal auf uns zukommen."
der luxus-mann holt sich noch ein bier und mir einen kirschsaft.
"und wegen der eifersucht... ich versuch echt, das in den griff zu kriegen", sagt er leicht zerknirscht.
"freiheit macht immer angst, insofern ist eifersucht ja menschlich. weil eifersucht ist nichts anderes als die angst vor dem vergleich. aber es gibt doch nicht geileres, als seine ängste zu besiegen. es gibt keinen moment, in dem du dich selber so intensiv spüren kannst wie wenn dein endorphinspiegel hochschlägt, weil du eine angst konfrontiert und überwunden hast. zumindest befreit es dich von den ganzen kleinbürgerlichen scheiß, der kümmerei, dem sicherheitsdenken, dem ewigen vermeiden und verharren in traditionellen lebensformen."
der luxus-mann schaut mich liebevoll-besoffen an.
"ich mach mir trotzdem gedanken, wies dir so geht, manchmal."
"ich weiß. du fragst ja auch nach. finde ich total schön."
"ich möchte dich auch nicht verletzen. du hast es sowieso schon nicht leicht. "
ich grinse.
"kannst du mal ganz stark sein?"
"warum? willst du knutschen?" grinst der luxus-mann.
"ich will dich ja nicht überfordern", sage ich und drücke dem luxus-mann einen kuss auf die wange.
und schwupp, hat er sich seinerseits schon herübergebeugt und küsst mich tief und stürmisch.
"wollen wir gehen?"
"ja, unbedingt."
"dann komm."
die frische luft, die auch erstaunlich kühl ist, trifft hart auf unsere pegel. der luxus-mann schwankt. ich ärmle ihn unter, wie schon so oft und eskortiere ihn sicher nachhause.
"fuck, der schlüssel ist wech", lallt der luxus-mann, als wir vor der haustür stehen.
"nein, den hast du doch vorhin mir gegeben!"
ich ziehe den schlüsselbund aus der tasche und halte ihn dem luxus-mann hin. der packt mich, drückt mich gegen die tür und fasst mir unters kleid.
"ich fick dich gleich", raunt er mir ins ohr.
"jetzt?! hier?!"
"nee, oben."
die koordinationsfähigkeit des luxus-mannes hat stark nachgelassen. er braucht mehrere minuten, um den schlüssel ins schloss zu manövrieren. dann sind wir drin und reißen uns die kleider vom leib.
"ich geh mal kurz zähne putzen", sage ich. "ich hab nen üblen geschmack im mund."
"aber beeil dich", sagt der luxus-mann.
ich schrubbe schnell die zähne, trage ein paar spritzer parfum auf und nähere mich dann dem schlafzimmer. alle lichter sind erschlossen, eine einzelne kerze brennt, und der luxus-mann hat leise klaviermusik aufgelegt.
begeistert krieche ins bett.
"du?" frage ich ins dunkel.
keine antwort.
ich wühle mich durch die laken, bis ich nackte haut zu greifen bekomme.
"du?"
nichts. leises schnorcheln, dann ein tiefes schnarchen.
na gut, denke ich mir, dann eben morgensex. gibt es wenigstens einen grund zur vorfreude.
ich stehe noch einmal auf, um die kerze zu löschen. dann krabble ich zurück ins bett und schlafe glücklich ein.
der luxus-mann ist aus dem urlaub zurück. ich fahre direkt nach der arbeit zu ihm, denn ich fühle mich stark oversexed and underfucked.
"ich bin fertiger als von der arbeit", klagt der luxus-mann, als er mir tief augenberingt die tür öffnet.
"keine nacht hab ich mehr als vier stunden geschlafen! und dann musste ich die ganze zeit trinken. und mein kumpel, weißte, der immer unsere bergtouren plant... der meinte vorher so, das wird nicht anstrengend dieses jahr, nur spaziergänge, weil er ein kaputtes knie hat... und was war? jeden tag sind wir fünf oder sechs stunden lang zwischen irgendwelchen felsen rumgekraxelt... und dann dieses festival! vier tage stehen! mein rücken! meine füße! und fett bin ich geworden, zwei kilo zugelegt hab ich wegen dem ganzen geilen bier dort!"
"hachje, du tust mir so leid."
"hast du hunger?" will der luxus-mann dann wissen.
"hast du etwa gekocht?" frage ich, während latente panik in mir aufsteigt, denn die kochkünste des luxus-mannes sind ähnlich bescheiden wie die meinigen.
"ich hab was vorbereitet, aber ich weiß nicht, ob es schmeckt."
der luxus-mann holt zwei schön angerichtete teller mit tomate-mozarella aus dem kühlschrank.
"ich hatte kein basilikum, tut mir leid."
ich koste und bin überrascht.
"das kann man so sehr gut essen. was ist da dran? zitrone?"
"zitronenöl", antwortet der luxus-mann und schenkt mir rotwein ein.
"nicht mal schlecht."
"du kannst auch brot haben. ich ess nur keines, weil das zu viele kalorien hat."
"und nachher futterst du dann wieder ne packung nüsse?"
"pass auf, was du sagst", droht mir der luxus-mann mit der gabel.
nach dem essen räumen wir das geschirr in die spülmaschine.
"ich habe übrigens noch ein geschenk für dich", sagt der luxus-mann beiläufig.
"nein!"
"doch. also naja, eigentlich ist es nicht direkt ein geschenk, weil ich es selbst gern haben würden. aber es ist ein frauen-t-shirt. das kann ich nicht tragen."
"wie cool!"
"jetzt warte mal. das gab es nur in l, das ist dir bestimmt zu groß."
"vermutlich, ich trage normalerweise s."
"dacht ich mir. aber wie gesagt, es ist so cool, dass ich es kaufen musste."
der luxus-mann geht ins schlafzimmer und kommt dann mit einem schwarzen shirt zurück, das beiseitig mit zeichnungen bedruckt ist: abgefuckte satansbräute, die sich die finger in die blutigen muschis stecken.
"ich finde, das passt zu dir", sagt der luxus-mann.
"das ist geil."
"sag ich doch."
"das sieht auch gar nicht mal soooo riesig aus."
"ja ne? ist nicht besonders lang."
"soll ich mal reinschlüpfen?"
"mach mal."
"ok, ich dusche aber noch schnell."
als ich mich abgetrocknet habe, schlüpfe ich in das t-shirt, das gerade mal bis zur hüfte geht und zwar weit, aber nicht abartig zeltartig ist. unten ohne spaziere ich ins wohnzimmer, wo der luxus-mann schon gespannt wartet.
"bisschen weit, aber geht so", sage ich.
"ja geil. vor allem so im kontrast zu deiner blanken muschi."
"du sollst das shirt angucken, nicht meine muschi."
als antwort drückt mich der luxus-mann auf die couch, zieht die hose runter und beginnt, mich zu ficken. nach gefühlten 30 sekunden spritzt er ab.
"sorry", sagt er.
"da war aber jemand geladen."
"naja, zehn tage?!"
"sei mal froh, dass das ne ledercouch ist", sage ich und hebe den po aus der spermapfütze. "ordentliche ladung."
"ich hab mir extra keinen runtergeholt, weil ich dachte, alles für dich."
ich kichere.
dann liegen wir entspannt im bett und es wird zeit für ernstere themen.
"ich war übrigens ultra-gepisst wegen deiner schwanz-nachricht", sagt der luxus-mann.
"wenn du das fehlinterpretierst und auf dich beziehst."
"wieso gehst du überhaupt weg?"
"wie, wieso geh ich weg? meinste, ich sitz zuhause und warte in seligem andenken auf deine rückkehr?"
"ich dachte, dir gehts nicht gut und du erholst dich ein bisschen. so hast du doch bestimmt wieder gesoffen und drogen genommen."
"ich habe keine drogen genommen."
"ja klar! du hast mir ein bild geschickt von v. und dir beim kiffen!"
"na gut, gekifft hab ich. aber sonst nichts!"
"das ist nur in deiner welt keine droge."
"aber wenns dein sohn macht, isses ok oder wie?!"
"mein sohn ist ja auch eine gefestigte persönlichkeit, im gegenteil zu dir."
"haha. wie hat er denn hier eigentlich seinen housesitting-job gemacht? die blumen da drüben sehen ja nicht so glücklich aus."
"frag nicht. ich komm so nachhause, und was ist? der briefkasten quillt über, die balkontür ist auf, und die blumen sind im arsch."
"war er nicht da?"
"doch, mehrfach. es fehlten sachen im kühlschrank und er hat dreckwäsche produziert. aber er hat weder blumen gegossen noch den briefkasten geleert und war ganz offensichtlich auf dem balkon, hat aber die tür nicht mehr zugemacht. ich dachte, ich krieg den fön!"
ich kringle mich.
"du sollst nicht lachen!" quengelt der luxus-mann. "das ist traurig! mein sohn hat kein verantwortungsgefühl."
"in der tat. aber du hälst ihn trotzdem für eine gefestigte persönlichkeit, das ist interessant."
"ich meinte damit, dass er sich nicht bis zum umfallen mit drogen vollknallt!"
"hab ich mich jemals in deiner anwesenheit bis zum umfallen mit irgendwas vollgeknallt?"
"naja."
"das heißt nicht naja, das heißt: definitiv nicht, und bitte entschuldige, dass ich dich für weniger gefestigt als meinen nichtsnutzigen sohn halte!"
"im leben nich. aber du kannst noch mal blasen."
ich rutsche nach unten, nehme den halbsteifen zwischen die zähne.
"und jetzt bittebitte sagen."
"das heißt wenn dann: los, lutsch mir einen!"
ich schließe meine zähne fester um den schwanz.
"hey! nicht beißen!"
"das ist nicht das zauberwort."
der luxus-mann rollt die augen:
"bitte mach."
"siehste, geht doch. und wenn dein sohn diese überwältigende lernfähigkeit von dir hat, gibts auch da noch hoffnung."
es gibt nichts motivierendes, als wenn der ficker im urlaub weilt, während man arbeiten muss. die tage habe ich homeoffice, weil ich gewissermaßen von arzttermin zu arzttermin lebe. eine zusätzliche motivation in diesem umfeld bildet das gleichmäßige schnarchen der katze aus dem sessel schräg gegenüber.
mit dem luxus-mann war es zu einem erneuten kurzfristigen und glücklicherweise vorübergehendem zerwürfnis gekommen, als wir samstagnacht chatteten, während er mit freunden unterwegs war und ich alleine in einer diskothek abhing.
"was machste gerade", wollte der luxus-mann wissen, nachdem er ein bild von sich und seiner fröhlich saufenden truppe geschickt hatte.
"ich trinke cocktails", schrieb ich zurück. "andere schwänze kriege ich ja gerade nicht."
die kleine szene führte zu einem tödlich beleidigtem 48-stündigen anschweigen und einer darauffolgenden sehr bösen nachricht von seiten des luxus-mannes, dass er "meine ständige schwanzsuche nicht kommentieren möchte". nachdem ich dann erklärte, dass ich von meinem cock-tail und nicht von menschlichen schwänzen gesprochen hatte, kriegte er sich offenbar wieder ein und schickte mir bilder aus einem hexenverfolgungs-museum, aus dem er mir gerne den mit spitzen nägeln gespickten stuhl mitbringen wollte, woraufhin ich entgegnete, dass dies meine allmacht über seinen schwanz nicht schwächen würde.
tagsdrauf erhielt ich ein foto von einem großen weißlichen fleck auf dunklen untergrund, das zu einer freudschen fehlinterpretation herausfordern wollte, was ich natürlich durchschaute.
"welcher vogel hat dich da denn angekackt?", fragte ich.
"kein vogel", schrieb der luxus-mann zurück.
ich kam nicht drauf, bis mich der luxus-mann schließlich aufklärte und zugab, dass es sich lediglich um einen großen klecks haargel handelte.
montag kommt er wieder. ich freue mich, aber ich habe keine wildes objektives sehnen in meiner brust, keine schlaflosen nächste, keine wandergedanken auf der suche nach einer süßen erinnerung.
es ist ruhig im kopf.
es ist schön im kopf.
immer wieder erleichtert und erstaunt mich dieser enorme unterschied im eigenen empfinden. immer wieder vergleiche ich, um wiederholt festzustellen, dass es keines vergleichs bedarf.
der luxus-mann ist eben der luxus-mann.