was ich an unserer leistungsgesellschaft am meisten hasse, sind die vielen stunden, die wir überflüssigerweise im büro verbringen. einen nicht unerheblichen teil unserer zeit verschwenden wir mit stundenlangem dummgeschwätz, das nirgendwohin führt. die alltägliche maskerade aus höflichem lächeln und nicken, aus albernen floskeln und inhaltslosen gesten.
manchmal wird uns diese ganze sinnentleertheit bewusst. wenn wir abends im bett liegen und uns fragen, warum stehen wir eigentlich morgens auf? warum quälen wir uns durch das chaos des berufsverkehrs, trinken lauwarmen filterkaffee, um wach zu werden - und verschwenden dann unsere lebenszeit in meetings und konferenzen?
manch einer von uns genießt das und zieht seinen stolz daraus, in anzug und krawatte uniformiert ein vermeintliches etwas zu repräsentieren, das die welt kein stück weiterbringt. ein teil davon lebt so sogar ganz gut. aber er muss natürlich seine zeit füllen, um seine blindheit pflegen: den porsche polieren, das unkraut im vorstadtgärtchen jäten, mit der familie, die er im grunde kaum kennt, in überteuerte urlaube fahren. betäubung durch überflüssigen konsum, den der sinnlose job ermöglicht hat.
zugleich ist es verpönt, nicht zu arbeiten oder weniger zu arbeiten. denn dann ist man nicht ehrgeizig genug, kein wertvolles teil der sinnlosigkeit.
als lemminge der kapitalistischen arbeitskultur halten wir lieber niemals inne. in unserem verzerrten weltbild würde stillstand das ende der konsumfähigkeit bedeuten. das ende der haste-was-biste-was-philosphie. es ist also besser, uns, unsere mitmenschen und den planten einfach weiter auszubeuten. so wie ein junkie seinen arsch für den nächsten kick verkauft.
dabei passiert uns genau dasselbe wie besagtem junkie: der kick des konsums verpufft fix. die freude über das iphone wärt solange, bis apple ein neues auf den markt wirft. der suv ist solange interessant, bis es ein klotzigeres, schwereres modell mit noch mehr ps gibt. das konsumbestimmte glück im kapitalismus ist immer nur ein schales, kurzfristiges, nicht nachhaltiges.
eigentlich können wir uns dieses "glück" auch gar nicht mehr leisten. die arbeiterschaft kollabiert an überstunden und psychischen erkrankungen, der planet geht unter in plastikmüll und abgasen. ein zusammenbruch ist wahrscheinlich und absehbar. aber wie junkies machen wir weiter. betäubt durch betriebsamkeit und konsum strampeln wir im hamsterrad, bis uns die folgen unseres handelns hoffentlich auslöschen werden.