nach einer nacht voller eifersuchtssoße habe ich dem luxus-mann einen brief geschrieben, zusammengefasst, was in den letzten monaten alles schief läuft und was ich künftig konkret erwarte. zum ersten mal spreche ich an und aus, dass ich, sollte es nicht mehr besser werden, eine trennung auf lange sicht nicht mehr ausschließe.
vielleicht habe ich mich noch nie in meinem leben so klar ausgedrückt - ich, die ich immer dazu neige, meine liebe zu protegieren, auch auf meine kosten. aber es ist auch ein vertrauensbeweis, wenn ich jemandem zutraue, mit meiner kritik konstruktiv umzugehen.
und manchmal tut es gut, ein loch in die trügerische sicherheit zu reißen, in die heimelige beziehungskomfortzone des nebeneinander-herlebens. man braucht ja auch beziehungsbauland, trümmerwelten. und der luxus-mann ist gut darin, in seiner ruhigen art gemeinsam mit mir den schutt zu begutachten und dann wieder stein auf stein aufeinanderzusetzen, bis ein zustand entsteht, mit dem es sich leben und hoffen lässt. der ausbaufähig ist.
wie so oft ist das gespräch reflektiert, der luxus-mann kritikfähig und auch offen genug, seinerseits dinge anzusprechen, mit denen er nicht klarkommt. borderlinertypisch bin ich schwankend, äußere mich auch gerne mal überschwänglich, wenn ich mich gerade wohlfühle und von einem leben zu zweit für immer träume. für den luxus-mann entsteht dadurch eine diskrepanz. ich versuche ihm zu verdeutlichen, dass ich eine emotionale seite voller liebe habe, aber auch eine kritische, zweifelnde, die mich fragt: ja, du liebst ihn, und er will dir nichts schlechtes, aber tut er dir auch gut? bekommst du hier das, was du brauchst, damit du ein leben führen kannst wie du es dir wünschst?
wie tief mein zweifel mit dem zweifel ist, weil dieser mir egozentrisch vorkommt! aber liebe ohne egoismus endet in selbstauflösung. wie viel egoismus ist gesund? wie viel darf ich fordern? eine frage, die ich mir noch nie mit absoluter sicherheit beantworten konnte.
in die runde der leserinnen und leser gefragt: was ist ihr rezept für lange beziehungen, sofern sie schon mal eine hatten?
Samstag, 8. Februar 2020
Freitag, 7. Februar 2020
parteiendämmerung
am 23. februar wählt hamburg.
und verdammt, geht wählen, ihr schnuffis! auch wer nicht wählt, wählt - und zwar die parteien, für die sich die wählenden entscheiden.
ja, ich weiß. ist nicht einfach.
seit langem zeichnet sich etwas ab, was ich als "parteiendämmerung" bezeichne: die "guten" alten parteien haben ausgedient.
die spd hat ihre ideale in der haltlosen groko verraten. was ich ihr persönlich vorsichtig zugute halte, ist der neustart-versuch mit esken und walter-borjans. ebenso das durchboxen der grundrente durch heil gegen den massiven widerstand der cdu, wenn auch mit verlusten. das ist ein stück zurück in richtung authentizität. aber authentizität braucht nachhaltig rückgrat, und darauf warte ich noch. sonst war es das nämlich mit der alten arbeiterpartei.
eigentlich wäre das sogar ein bischen schade um sie. die spd ist die partei meiner kindheit und ich hege noch immer - vielleicht irrationale - sympathien für sie. ich erinnere mich jedenfalls noch sehr gut, als ich als kindergartenkind zum ersten mal wahlplakate mit karl-heinz hiersemann, dem legendären strauß-opponenten, genauer ansah, und mein vater mir die parteien in ihren grundwerten erklärte. mein vater war seit jahrzehnten spd-wähler, meine mutter cdu-lerin. ich bestürmte meine mutter daraufhin, auch mal spd zu wählen.
die cdu / csu hat ihre glaubwürdigkeit dadurch verspielt, dass dort nur noch hirnamputierte flitzpiepen sitzen, die lobbyisten und nun auch den rechten in den arsch kriechen.
- das dauerdesaster akk
- der abgewichste betrüger andreas scheuer
- julia klöckner, das personifizierte versagen in sachen tierwohl
- plaudertasche jens spahn, der seinen lebensstandard mit hartzIV problemlos halten kann
- anja karliczek, das naive hausmütterchen mit den vielen fragen und den homophoben neigungen
- marlene mortler, drogenbeautragte csu, die durch das proklamieren rückständiger hohlphrasen und ahnungslosigkeit glänzt
- dorothee bär, bettter know as digi-doro von der csu, die von ihrem ersten persönlichen flugtaxi träumt, derweil aber tatenlos in der digitalen steinzeit deutschlands festsitzt
- vollpfeife philipp amthor, der seine unfähigkeit spätestens mit dem rezo-video unter beweis stellte
- und last but not least eine müde bundeskanzlerin, die als einstige bundesumweltministerin jahrelang die klimaschädlichen industrien aktiv förderte. manchmal sagt sie ja noch ganz vernünftige sachen, aber offensichtlich hat sie probleme, sich von den genossen zu trennen, die dem ruf ihrer partei massiv schaden. mehr rückgrat fehlt definitiv auch hier.
die fdp versucht seit jahren mit poppigen plakaten und dem konterfei des eitlen christian einen neustart zu schaffen, dämmert jedoch weiterhin in der bedeutungslosigkeit vor sich hin. das könnte natürlich auch an den immer wieder beschämend-dämlichen äußerungen linders liegen, der so sein zur gänze fehlendes politisches potenzial stetig unter beweis stellt. spätestens in thüringen legte die fdp eine bauchlandung hin, die der partei ihren neuen titel #afdp einbrachte. wie kann man tiefer sinken als zum steigbügelhalter der afd? sogar frühere fdp-politiker wie gerhart baum scheinen sich für lindner & konsorten regelrecht zu schämen.
die grünen sind die neuen hofffnungsträger der republik - und in hamburg sogar in der regierung. hätte man gar nicht gedacht, oder? zumindest merkt man davon nichts. grünflächen werden reihenweise zu bauland verscherbelt (und das heißt nicht unbedingt für wohungsbau!), der verkehr wird immer dichter und kommt stetig mehr zum erliegen, der hafen ist nach wie vor ein hotspot der umweltverschmutzung, die öffentlichen verkehrmittel sind die teuersten in ganz deutschland, radwege sind hochgradig lebensgefährlich und frau fegebank erklärt eine autofreie innenstadt zum ding der unmöglichkeit.
damit sind die grünen für mich ebenfalls unwählbar. auch wenn robert habeck zugegebenermaßen ganz hübsch reden kann und optisch über ein gewisses charisma verfügt. aber echte erfolge erkenne ich keine, weder auf landes- noch auf bundesebene, und gerade klimapolitisch sitzen wir leider auf einer tickenden zeitbombe. ich kann mir gut vorstellen, dass grün auch auf bundesebene versagt, wenn es hart auf hart kommt und es um essentielles wie eine drastische co2-bepreisung, reformen für die landwirtschaft oder einen raschen ausbau des schienennetzes mit neuen technologien geht.
in diesem kontext lohnt es sich möglicherweise, sich auch neue und noch wenig bekannte parteien anzusehen. vergangenes wochenende haben der luxus-mann und ich auf dem schulterblatt vertreter der volt-partei getroffen und uns eine ganze weile über deren parteiziele aufklären lassen. der pragmatische und proeuropäische ansatz gefiel uns ganz gut, mir insbesondere der bildungsschwerpunkt.
das ist jetzt keine wahlempfehlung. letztlich kommt es natürlich immer darauf an, wie die umsetzung von zielen gelingt. ich finde es grundsätzlich extrem schwierig, parteien an ihrem programm zu messen. bei den "alten" parteien kann man jedoch mit großer sicherheit sagen, dass viele werte längst überkommen sind und an einer umsetzung überhaupt nicht mehr gearbeitet wird. stattdessen lässt man sich von der wirtschaft diktieren, was auf dem programm zu stehen hat. und das ist letztlich nicht viel weniger widerlich, als wenn sich ein fdp-ler von der afd zum ministerpräsidenten wählen lässt.
parteiendämmerung. am ende siegt vielleicht irgendein braunes drachenmonster.
doch das liegt in unserer hand.
und verdammt, geht wählen, ihr schnuffis! auch wer nicht wählt, wählt - und zwar die parteien, für die sich die wählenden entscheiden.
ja, ich weiß. ist nicht einfach.
seit langem zeichnet sich etwas ab, was ich als "parteiendämmerung" bezeichne: die "guten" alten parteien haben ausgedient.
die spd hat ihre ideale in der haltlosen groko verraten. was ich ihr persönlich vorsichtig zugute halte, ist der neustart-versuch mit esken und walter-borjans. ebenso das durchboxen der grundrente durch heil gegen den massiven widerstand der cdu, wenn auch mit verlusten. das ist ein stück zurück in richtung authentizität. aber authentizität braucht nachhaltig rückgrat, und darauf warte ich noch. sonst war es das nämlich mit der alten arbeiterpartei.
eigentlich wäre das sogar ein bischen schade um sie. die spd ist die partei meiner kindheit und ich hege noch immer - vielleicht irrationale - sympathien für sie. ich erinnere mich jedenfalls noch sehr gut, als ich als kindergartenkind zum ersten mal wahlplakate mit karl-heinz hiersemann, dem legendären strauß-opponenten, genauer ansah, und mein vater mir die parteien in ihren grundwerten erklärte. mein vater war seit jahrzehnten spd-wähler, meine mutter cdu-lerin. ich bestürmte meine mutter daraufhin, auch mal spd zu wählen.
die cdu / csu hat ihre glaubwürdigkeit dadurch verspielt, dass dort nur noch hirnamputierte flitzpiepen sitzen, die lobbyisten und nun auch den rechten in den arsch kriechen.
- das dauerdesaster akk
- der abgewichste betrüger andreas scheuer
- julia klöckner, das personifizierte versagen in sachen tierwohl
- plaudertasche jens spahn, der seinen lebensstandard mit hartzIV problemlos halten kann
- anja karliczek, das naive hausmütterchen mit den vielen fragen und den homophoben neigungen
- marlene mortler, drogenbeautragte csu, die durch das proklamieren rückständiger hohlphrasen und ahnungslosigkeit glänzt
- dorothee bär, bettter know as digi-doro von der csu, die von ihrem ersten persönlichen flugtaxi träumt, derweil aber tatenlos in der digitalen steinzeit deutschlands festsitzt
- vollpfeife philipp amthor, der seine unfähigkeit spätestens mit dem rezo-video unter beweis stellte
- und last but not least eine müde bundeskanzlerin, die als einstige bundesumweltministerin jahrelang die klimaschädlichen industrien aktiv förderte. manchmal sagt sie ja noch ganz vernünftige sachen, aber offensichtlich hat sie probleme, sich von den genossen zu trennen, die dem ruf ihrer partei massiv schaden. mehr rückgrat fehlt definitiv auch hier.
die fdp versucht seit jahren mit poppigen plakaten und dem konterfei des eitlen christian einen neustart zu schaffen, dämmert jedoch weiterhin in der bedeutungslosigkeit vor sich hin. das könnte natürlich auch an den immer wieder beschämend-dämlichen äußerungen linders liegen, der so sein zur gänze fehlendes politisches potenzial stetig unter beweis stellt. spätestens in thüringen legte die fdp eine bauchlandung hin, die der partei ihren neuen titel #afdp einbrachte. wie kann man tiefer sinken als zum steigbügelhalter der afd? sogar frühere fdp-politiker wie gerhart baum scheinen sich für lindner & konsorten regelrecht zu schämen.
die grünen sind die neuen hofffnungsträger der republik - und in hamburg sogar in der regierung. hätte man gar nicht gedacht, oder? zumindest merkt man davon nichts. grünflächen werden reihenweise zu bauland verscherbelt (und das heißt nicht unbedingt für wohungsbau!), der verkehr wird immer dichter und kommt stetig mehr zum erliegen, der hafen ist nach wie vor ein hotspot der umweltverschmutzung, die öffentlichen verkehrmittel sind die teuersten in ganz deutschland, radwege sind hochgradig lebensgefährlich und frau fegebank erklärt eine autofreie innenstadt zum ding der unmöglichkeit.
damit sind die grünen für mich ebenfalls unwählbar. auch wenn robert habeck zugegebenermaßen ganz hübsch reden kann und optisch über ein gewisses charisma verfügt. aber echte erfolge erkenne ich keine, weder auf landes- noch auf bundesebene, und gerade klimapolitisch sitzen wir leider auf einer tickenden zeitbombe. ich kann mir gut vorstellen, dass grün auch auf bundesebene versagt, wenn es hart auf hart kommt und es um essentielles wie eine drastische co2-bepreisung, reformen für die landwirtschaft oder einen raschen ausbau des schienennetzes mit neuen technologien geht.
in diesem kontext lohnt es sich möglicherweise, sich auch neue und noch wenig bekannte parteien anzusehen. vergangenes wochenende haben der luxus-mann und ich auf dem schulterblatt vertreter der volt-partei getroffen und uns eine ganze weile über deren parteiziele aufklären lassen. der pragmatische und proeuropäische ansatz gefiel uns ganz gut, mir insbesondere der bildungsschwerpunkt.
das ist jetzt keine wahlempfehlung. letztlich kommt es natürlich immer darauf an, wie die umsetzung von zielen gelingt. ich finde es grundsätzlich extrem schwierig, parteien an ihrem programm zu messen. bei den "alten" parteien kann man jedoch mit großer sicherheit sagen, dass viele werte längst überkommen sind und an einer umsetzung überhaupt nicht mehr gearbeitet wird. stattdessen lässt man sich von der wirtschaft diktieren, was auf dem programm zu stehen hat. und das ist letztlich nicht viel weniger widerlich, als wenn sich ein fdp-ler von der afd zum ministerpräsidenten wählen lässt.
parteiendämmerung. am ende siegt vielleicht irgendein braunes drachenmonster.
doch das liegt in unserer hand.
Freitag, 31. Januar 2020
grateful
als ich durch die dörfer gurke, um das objekt zu besuchen, ruft der luxus-mann an, um zu fragen, ob ich später vorbeikommen und mit ihm und seiner tochter spielen möchte. ich sage spontan zu - mit vorbehalt, denn wenn mich der besuch traurig machen sollte, möchte ich vielleicht lieber alleine sein.
vor ort ist es ein durchschnittlicher tag. der aufenthaltsraum ist mittel voll, mittel viele besucher, mittel viel trouble, mittel viel stress für die pfleger. für das objekt ist es ein eher schlechter tag. die erinnerung hakt, es erkennt mich erst nicht, kann aber mit meinem namen etwas anfangen. ich habe begonnen, unsere begegnung vom ersten tag an haarklein zu papier zu bringen und lese ihm wieder vor.
"und wie ist das, wenn die frau, der du das herz geklaut hast, ihre memoiren über dich schreibt wie über einen berühmten star?" frage ich zwischendurch.
"schööööööööön..." macht das objekt indifferent und guckt wieder wie ein kleinkind im buggy, wenn sich ein fremder drüber beugt. interessiert, neugierig, gut unterhalten, aber ohne richtige emotionale verbindung.
"obwohl, könnte auch peinlich werden, wenn deine mutter dann irgendwann liest, wie ich dir einen blase", kichere ich.
schweinereien findet das objekt immer noch klasse und es lacht schallend.
ich kann erinnerungen wecken, aber ich kriege das objekt heute nicht ganz. ich merke es an den blicken, die mir signalisieren, dass der kopf gleich heißläuft, weil die erinnerungen eher blass sind und das objekt alles gibt, um in den hintersten ecken des gedächtnisses zu kramen. ich fühle es außerdem in seiner umarmung, die nicht so lang und leidenschaftlich ist wie sonst.
"ich... bin.... müde", sagt das objekt angestrengt nach 45 minuten.
"du guckst auch ganz glasig", sage ich. "soll ich wieder gehen?"
"ja."
"ok, dann hau ich mal ab, damit du schlummern kannst."
ich stehe auf und hole die jacke.
"nein", stoppt mich das objekt.
ich halte inne:
"soll ich bleiben?"
"ja!"
ich setze mich wieder.
"ist das gut, dass ich heute gekommen bin oder nervt dich das eher?" frage ich.
"gut", sagt das objekt und lächelt.
ich bin erleichert, zur höflichen notlüge fehlt ihm gottseidank die berechnung.
"dann bleib ich jetzt noch ein halbes stündchen, ok? ruh dich doch ein bisschen aus."
das objekt nickt und macht die augen zu.
dann macht es die augen wieder auf und guckt mich gestresst an.
"alles klar bei dir?" frage ich.
"nein."
"was ist denn? bist du traurig?"
"müde..."
es hat keinen sinn. wenn ich da bin, versucht das objekt mit gewalt, wach zu bleiben.
also packe ich doch meine sachen und drücke das objekt ein letztes mal.
der dorf-bus ist gerade vor einer minute abgefahren. ich habe die wahl, eine stunde warten oder 50 minuten laufen. ich entscheide mich fürs laufen, weil es gerade mal nicht regnet. am bahnhof stehe ich noch mal eine ewigkeit herum, weil der zug richtung hamburg verspätung hat. ich sehne mich nach wärme und einem sitzplatz.
dann bin ich endlich zuhause. schnell duschen, tasche umpacken und loshetzen zum luxus-mann. eigentlich hab ich jetzt überhaupt keinen bock auf kind, aber so kurzfristig absagen finde ich doof. die kleine freut sich außerdem total auf mich. das merke ich daran, wie sie den summer ein ewigkeit lang drückt, als ich klingle. dann werde ich auch schon ohne punkt und komma vollgeblubbert: dass ihr bruder heute doch nicht kommt, weil er erkältet ist, und dass wir deswegen nur zu dritt spielen, und was wir jetzt alles an spielen spielen könnten.
ich setze mich erstmal in die küche. ich habe das gefühl, ich bekomme fieber. der kopp glüht und wiegt eine gefühlte tonne. der luxus-mann schaut mich kritisch an:
"na, wie wars? irgendwelche fortschritte?"
ich schüttle den kopf.
"war heute wieder schwierig. erinnerung schleppend, und saumüde war er."
"wer denn?" kräht die luxus-tochter, die in die küche geschossen kommt.
"die morphine besucht immer ihren behinderten freund", fasst der luxus-mann die situation lakonisch zusammen.
"wie behindert ist der denn?" fragt die tochter fasziniert.
"behindert ist ein scheißwort", sage ich. "der ist nicht doof oder so."
"naja, doch!" wirft der luxus-mann ein.
"er versteht alles, was man ihm erzählt, und das ist dann für mich nicht doof."
"kann er denn nicht laufen", will die luxus-tochter wissen.
"nee", sage ich. "und auch nicht schlucken. das heißt, er kann auch nicht essen. und er kann sich an manches nicht mehr erinnern."
"dann ist er schon ein kleines bisschen behindert", sagt die luxus-tochter ernsthaft und diplomatisch.
ich muss lachen.
"dann ist dein papa aber auch behindert, so viel, wie der immer vergisst."
"jaaahaha, das stimmt", kichert die luxus-tochter.
"ey", sagt der luxus-mann. "ich esse meine schokoküsse hier gleich alle alleine."
und er stellt zu unserem entzücken eine schachtel schaumküsse auf den tisch.
als ich mich später neben dem mann ins bett kuschle, spüre ich eine tiefe ambivalenz. der tag war schön und anstrengend und deprimierend zugleich. ich bin erschöpft, aber ohne leer oder verzweifelt oder hoffnungslos zu sein. ich habe viel gegegeben, bin aber auch beschenkt worden, weil ich die zwei wichtigsten menschen in meinem leben um mich haben durfte.
ich bin dankbar dafür, auch wenn ich mir oft wünsche, dass es dem objekt endlich besser geht, oder dass der luxus-mann mal ein bisschen einfühlsamer ist. aber ich darf diese menschen kennen, und sie lieben mich. das ist wunderbar.
vor ort ist es ein durchschnittlicher tag. der aufenthaltsraum ist mittel voll, mittel viele besucher, mittel viel trouble, mittel viel stress für die pfleger. für das objekt ist es ein eher schlechter tag. die erinnerung hakt, es erkennt mich erst nicht, kann aber mit meinem namen etwas anfangen. ich habe begonnen, unsere begegnung vom ersten tag an haarklein zu papier zu bringen und lese ihm wieder vor.
"und wie ist das, wenn die frau, der du das herz geklaut hast, ihre memoiren über dich schreibt wie über einen berühmten star?" frage ich zwischendurch.
"schööööööööön..." macht das objekt indifferent und guckt wieder wie ein kleinkind im buggy, wenn sich ein fremder drüber beugt. interessiert, neugierig, gut unterhalten, aber ohne richtige emotionale verbindung.
"obwohl, könnte auch peinlich werden, wenn deine mutter dann irgendwann liest, wie ich dir einen blase", kichere ich.
schweinereien findet das objekt immer noch klasse und es lacht schallend.
ich kann erinnerungen wecken, aber ich kriege das objekt heute nicht ganz. ich merke es an den blicken, die mir signalisieren, dass der kopf gleich heißläuft, weil die erinnerungen eher blass sind und das objekt alles gibt, um in den hintersten ecken des gedächtnisses zu kramen. ich fühle es außerdem in seiner umarmung, die nicht so lang und leidenschaftlich ist wie sonst.
"ich... bin.... müde", sagt das objekt angestrengt nach 45 minuten.
"du guckst auch ganz glasig", sage ich. "soll ich wieder gehen?"
"ja."
"ok, dann hau ich mal ab, damit du schlummern kannst."
ich stehe auf und hole die jacke.
"nein", stoppt mich das objekt.
ich halte inne:
"soll ich bleiben?"
"ja!"
ich setze mich wieder.
"ist das gut, dass ich heute gekommen bin oder nervt dich das eher?" frage ich.
"gut", sagt das objekt und lächelt.
ich bin erleichert, zur höflichen notlüge fehlt ihm gottseidank die berechnung.
"dann bleib ich jetzt noch ein halbes stündchen, ok? ruh dich doch ein bisschen aus."
das objekt nickt und macht die augen zu.
dann macht es die augen wieder auf und guckt mich gestresst an.
"alles klar bei dir?" frage ich.
"nein."
"was ist denn? bist du traurig?"
"müde..."
es hat keinen sinn. wenn ich da bin, versucht das objekt mit gewalt, wach zu bleiben.
also packe ich doch meine sachen und drücke das objekt ein letztes mal.
der dorf-bus ist gerade vor einer minute abgefahren. ich habe die wahl, eine stunde warten oder 50 minuten laufen. ich entscheide mich fürs laufen, weil es gerade mal nicht regnet. am bahnhof stehe ich noch mal eine ewigkeit herum, weil der zug richtung hamburg verspätung hat. ich sehne mich nach wärme und einem sitzplatz.
dann bin ich endlich zuhause. schnell duschen, tasche umpacken und loshetzen zum luxus-mann. eigentlich hab ich jetzt überhaupt keinen bock auf kind, aber so kurzfristig absagen finde ich doof. die kleine freut sich außerdem total auf mich. das merke ich daran, wie sie den summer ein ewigkeit lang drückt, als ich klingle. dann werde ich auch schon ohne punkt und komma vollgeblubbert: dass ihr bruder heute doch nicht kommt, weil er erkältet ist, und dass wir deswegen nur zu dritt spielen, und was wir jetzt alles an spielen spielen könnten.
ich setze mich erstmal in die küche. ich habe das gefühl, ich bekomme fieber. der kopp glüht und wiegt eine gefühlte tonne. der luxus-mann schaut mich kritisch an:
"na, wie wars? irgendwelche fortschritte?"
ich schüttle den kopf.
"war heute wieder schwierig. erinnerung schleppend, und saumüde war er."
"wer denn?" kräht die luxus-tochter, die in die küche geschossen kommt.
"die morphine besucht immer ihren behinderten freund", fasst der luxus-mann die situation lakonisch zusammen.
"wie behindert ist der denn?" fragt die tochter fasziniert.
"behindert ist ein scheißwort", sage ich. "der ist nicht doof oder so."
"naja, doch!" wirft der luxus-mann ein.
"er versteht alles, was man ihm erzählt, und das ist dann für mich nicht doof."
"kann er denn nicht laufen", will die luxus-tochter wissen.
"nee", sage ich. "und auch nicht schlucken. das heißt, er kann auch nicht essen. und er kann sich an manches nicht mehr erinnern."
"dann ist er schon ein kleines bisschen behindert", sagt die luxus-tochter ernsthaft und diplomatisch.
ich muss lachen.
"dann ist dein papa aber auch behindert, so viel, wie der immer vergisst."
"jaaahaha, das stimmt", kichert die luxus-tochter.
"ey", sagt der luxus-mann. "ich esse meine schokoküsse hier gleich alle alleine."
und er stellt zu unserem entzücken eine schachtel schaumküsse auf den tisch.
als ich mich später neben dem mann ins bett kuschle, spüre ich eine tiefe ambivalenz. der tag war schön und anstrengend und deprimierend zugleich. ich bin erschöpft, aber ohne leer oder verzweifelt oder hoffnungslos zu sein. ich habe viel gegegeben, bin aber auch beschenkt worden, weil ich die zwei wichtigsten menschen in meinem leben um mich haben durfte.
ich bin dankbar dafür, auch wenn ich mir oft wünsche, dass es dem objekt endlich besser geht, oder dass der luxus-mann mal ein bisschen einfühlsamer ist. aber ich darf diese menschen kennen, und sie lieben mich. das ist wunderbar.
Freitag, 24. Januar 2020
schüchterne tage
ich ziehe frühmorgens aus luxushausen los, weil ich einen arzttermin habe. die titte fällt ab oder so ähnlich, jedenfalls tut da was weh, und der onkel frauendoc soll da mal seine kühlen hände draufpatschen, da das ja sonst sowieso niemand mehr tut. ich gehe gerne, da der luxus-mann schon um 7 uhr so ansteckend schlechte laune hat, dass es nicht zu ertragen ist.
ich bin zu früh dran und muss obendrein pinkeln, also gehe ich zum bäcker an der ecke, der hat auch eine café-lounge und ein klo. drei minuten später bin ich wieder draußen, körperlich erleichtert, hab kaffee und brötchen bei mir und stehe etwas dumm herum.
da sehe ich ihn.
er sitzt lässig da, ziemlich aufrecht und dreht eine zigarette.
im profil hat er ähnlichkeit mit dem objekt. hellhäutig, vollbärtig, rote haare und eine ein bisschen zu femine stupsnase. er wirkt ziemlich groß und breit, obwohl er an einen pfeiler gelehnt sitzt, seinen körper soweit wie möglich unter einer etwas strohig aussehenden decke vergraben.
mein herz macht einen sprung und trippelt dann gleich wieder zurück.
das ist doch ein bettler, oder?
diese decke.
und das gerümpel unter der decke, auf dem er da sitzt.
aber er wirkt sonst gar nicht so!
es fehlt der obligatorische kaffeebecher zum kleingeldsammeln.
die demütige haltung.
das aktive gegucke nach menschen, die ein weiches herz haben könnten und die die frage nach dem euro vielleicht nicht durch weggucken abschmetttern.
er aber sitzt da einfach nur und dreht seine zigarette.
ich habe das bedürfnis, hinzugehen und etwas zu sagen.
aber was sagt man da?
"hallo, bist du ein bettler?"
oder eher: "brauchst du geld?"
er sieht so stolz und ruhig und unangreifbar aus.
ich will ihn nicht demütigen und mich selbst auch nicht.
geh doch einfach mal hin und frag ihn freundlich, ob du ihn zum bäcker einladen darfst, sagt mein vernünftiges alter ego.
der denkt dann bloß, die komische milf mit der fauligen titte will mir an die wäsche, werfe ich ein. ich stinke doch zehn meter gegen den wind nach chronischer unterficktheit.
darum gehts doch gar nicht!
neeeeiiiiiin, natürlich nicht. sei doch mal ehrlich! den würdest du schwer von der bettkante schubsen, wenn er wollte, und wenn es nur drum geht, das objektschema zu erfüllen. außerdem dauert das mit dem kaffee eh zu lang, der onkel frauendoc wartet schließlich auf die kaputte titte.
und weil die zeit tickt und meine diversen inneren stimmen zu keinem schluss kommen, gehe ich schließlich irgendwann einfach weiter.
sehr unglücklich mit mir selbst und äußerst widerwillig.
wenn du wiederkommst und er ist noch da, ist es ein zeichen, sage ich mir.
doch als ich nach einer halben stunde zurückkehre, ein rezept für eine packung titten-antibiotikum in der tasche, ist der typ weg.
ich bin zu früh dran und muss obendrein pinkeln, also gehe ich zum bäcker an der ecke, der hat auch eine café-lounge und ein klo. drei minuten später bin ich wieder draußen, körperlich erleichtert, hab kaffee und brötchen bei mir und stehe etwas dumm herum.
da sehe ich ihn.
er sitzt lässig da, ziemlich aufrecht und dreht eine zigarette.
im profil hat er ähnlichkeit mit dem objekt. hellhäutig, vollbärtig, rote haare und eine ein bisschen zu femine stupsnase. er wirkt ziemlich groß und breit, obwohl er an einen pfeiler gelehnt sitzt, seinen körper soweit wie möglich unter einer etwas strohig aussehenden decke vergraben.
mein herz macht einen sprung und trippelt dann gleich wieder zurück.
das ist doch ein bettler, oder?
diese decke.
und das gerümpel unter der decke, auf dem er da sitzt.
aber er wirkt sonst gar nicht so!
es fehlt der obligatorische kaffeebecher zum kleingeldsammeln.
die demütige haltung.
das aktive gegucke nach menschen, die ein weiches herz haben könnten und die die frage nach dem euro vielleicht nicht durch weggucken abschmetttern.
er aber sitzt da einfach nur und dreht seine zigarette.
ich habe das bedürfnis, hinzugehen und etwas zu sagen.
aber was sagt man da?
"hallo, bist du ein bettler?"
oder eher: "brauchst du geld?"
er sieht so stolz und ruhig und unangreifbar aus.
ich will ihn nicht demütigen und mich selbst auch nicht.
geh doch einfach mal hin und frag ihn freundlich, ob du ihn zum bäcker einladen darfst, sagt mein vernünftiges alter ego.
der denkt dann bloß, die komische milf mit der fauligen titte will mir an die wäsche, werfe ich ein. ich stinke doch zehn meter gegen den wind nach chronischer unterficktheit.
darum gehts doch gar nicht!
neeeeiiiiiin, natürlich nicht. sei doch mal ehrlich! den würdest du schwer von der bettkante schubsen, wenn er wollte, und wenn es nur drum geht, das objektschema zu erfüllen. außerdem dauert das mit dem kaffee eh zu lang, der onkel frauendoc wartet schließlich auf die kaputte titte.
und weil die zeit tickt und meine diversen inneren stimmen zu keinem schluss kommen, gehe ich schließlich irgendwann einfach weiter.
sehr unglücklich mit mir selbst und äußerst widerwillig.
wenn du wiederkommst und er ist noch da, ist es ein zeichen, sage ich mir.
doch als ich nach einer halben stunde zurückkehre, ein rezept für eine packung titten-antibiotikum in der tasche, ist der typ weg.
Mittwoch, 15. Januar 2020
balance halten
auf arbeit läuft es nicht. nicht wegen mir, ich mache meinen job soweit gut. andere nicht. ich bin jedoch empfängerin der unzufriedenheit. wie bei vielen inhabergeführten unternehmen geht es bei uns extrem schnell sehr emotional zu. ich sitze zwischen geschäftsleitung, team und externen dienstleistern und fungiere als knautschzone.
im telefonat mit dem übermäßig gelassenen internet-dienstleister merke ich, wie ich selber hochkoche und dummerweise den satz sage:
"da müsst ihr euch jetzt was einfallen lassen, sonst gehen wir in ein paar monaten pleite."
der dienstleister lacht laut los und meint, mit hysterie käme ich auch nicht weiter.
leider hat er recht.
aber ich habe auch recht, wenn ihm vermitteln muss, dass er uns ein produkt verkauft hat, das zwar hübsch aussieht, aber weit unterhalb der erwartungen funktioniert.
ich setze noch mal an, ruhiger, klarer, komme mit meiner forderung (bitte umgehend einen plan entwickeln und mir diesen genauso umgehend mitteilen) unmissverständlich und direkt rüber, merke aber dennoch, ich komme nicht so ganz durch. der eine unbeachte satz hat aus mir, die ansagen machen muss, ein hysterisches frauchen gemacht, das sich künstlich aufregt bzw. auf sie übertragene künstliche aufregung weitergibt.
als ich auflege, bin ich kurz davor, mir eine zigarette anzuzünden. etwas, was ich seit oktober nicht mehr gemacht habe. (btw. gehöre ich offenbar zu der seltenen spezies, die immer nach dem aufhören krank wird und auch noch abnimmt.)
balance halten ist einfach unglaublich schwer.
letztendlich habe ich aber nicht geraucht. wenn, dann sterbe ich lieber direkt am stress-herzinfarkt.
im telefonat mit dem übermäßig gelassenen internet-dienstleister merke ich, wie ich selber hochkoche und dummerweise den satz sage:
"da müsst ihr euch jetzt was einfallen lassen, sonst gehen wir in ein paar monaten pleite."
der dienstleister lacht laut los und meint, mit hysterie käme ich auch nicht weiter.
leider hat er recht.
aber ich habe auch recht, wenn ihm vermitteln muss, dass er uns ein produkt verkauft hat, das zwar hübsch aussieht, aber weit unterhalb der erwartungen funktioniert.
ich setze noch mal an, ruhiger, klarer, komme mit meiner forderung (bitte umgehend einen plan entwickeln und mir diesen genauso umgehend mitteilen) unmissverständlich und direkt rüber, merke aber dennoch, ich komme nicht so ganz durch. der eine unbeachte satz hat aus mir, die ansagen machen muss, ein hysterisches frauchen gemacht, das sich künstlich aufregt bzw. auf sie übertragene künstliche aufregung weitergibt.
als ich auflege, bin ich kurz davor, mir eine zigarette anzuzünden. etwas, was ich seit oktober nicht mehr gemacht habe. (btw. gehöre ich offenbar zu der seltenen spezies, die immer nach dem aufhören krank wird und auch noch abnimmt.)
balance halten ist einfach unglaublich schwer.
letztendlich habe ich aber nicht geraucht. wenn, dann sterbe ich lieber direkt am stress-herzinfarkt.
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