Mittwoch, 15. Januar 2020

balance halten

auf arbeit läuft es nicht. nicht wegen mir, ich mache meinen job soweit gut. andere nicht. ich bin jedoch empfängerin der unzufriedenheit. wie bei vielen inhabergeführten unternehmen geht es bei uns extrem schnell sehr emotional zu. ich sitze zwischen geschäftsleitung, team und externen dienstleistern und fungiere als knautschzone.

im telefonat mit dem übermäßig gelassenen internet-dienstleister merke ich, wie ich selber hochkoche und dummerweise den satz sage:
"da müsst ihr euch jetzt was einfallen lassen, sonst gehen wir in ein paar monaten pleite."
der dienstleister lacht laut los und meint, mit hysterie käme ich auch nicht weiter.

leider hat er recht.
aber ich habe auch recht, wenn ihm vermitteln muss, dass er uns ein produkt verkauft hat, das zwar hübsch aussieht, aber weit unterhalb der erwartungen funktioniert.

ich setze noch mal an, ruhiger, klarer, komme mit meiner forderung (bitte umgehend einen plan entwickeln und mir diesen genauso umgehend mitteilen) unmissverständlich und direkt rüber, merke aber dennoch, ich komme nicht so ganz durch. der eine unbeachte satz hat aus mir, die ansagen machen muss, ein hysterisches frauchen gemacht, das sich künstlich aufregt bzw. auf sie übertragene künstliche aufregung weitergibt.

als ich auflege, bin ich kurz davor, mir eine zigarette anzuzünden. etwas, was ich seit oktober nicht mehr gemacht habe. (btw. gehöre ich offenbar zu der seltenen spezies, die immer nach dem aufhören krank wird und auch noch abnimmt.)

balance halten ist einfach unglaublich schwer.

letztendlich habe ich aber nicht geraucht. wenn, dann sterbe ich lieber direkt am stress-herzinfarkt.

Kommentare:

  1. Ich verstehe nicht, was deine Antwort rechtfertigen könnte, sie als hysterisch zu bezeichnen. War sie nicht unterwürfig genug? Es ist empörend, wie normales Verhalten bei Frauen als histerisch oder pathologisch bezeichnet wird.

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    1. ich habe niemandem als hysterisch bezeichnet, ich WURDE von einem unserer dienstleister als hysterisch bezeichnet. das ist insofern tatsächlich gerechtifertigt, da die angst vor einer pleite nicht in ein solchen gespräch gehört, zumal es auch kein besonders realistisches szenario ist. als frau in einer führungsposition sollte einem das eigentlich nicht unterlaufen. als mann natürlich auch nicht. ganz geschlechterunabhängig bietet dies deinem gegenüber eine angriffplattform, die man in verhandlungen nicht bieten sollte. dass man(n) bei einer frau so stark darauf anspringt, hängt aber in der tat mit den uralten geschlechterstereotypen (frau = schwach, ahnungslos, labil, mann = stark, weise, sicher) zusammen. insofern stehen frauen hier unter einem größeren druck. wenn sich frau dem theoretisch bewusst ist (so wie ist), ist es natürlich besonders klug, das auf dem zettel zu haben. ;-)

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  2. Ein Herzinfarkt, der direkt zum Tod führt, ist vielleicht gar nicht so schlecht.

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    1. definitiv. jedenfalls besser als überleben und dann schwerstbehindert dahinzuvegetieren. in dem pflegeheim, in dem das objekt liegt, werden neben sht-patienten auch schlaganfall-patienten behandelt. denen gehts teilweise auch nicht besser. pflegestufe 5 ist einfach kacke.

      anderseits könnte ein herzinfarkt o.ä. vielleicht eine metamorphose bedeuten. dass man das leben mit anderen augen betrachtet, von jetzt auf gleich. das kann unter umständen mutig machen und wertschätzend. vielleicht aber auch ängstlich und deprimiert.

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