Samstag, 13. August 2016

arschlöcher in weiß

seit vier wochen ziept es im rücken. das linke bein wurde erst kribbelig, dann taub und ist nun komplett instabil. weshalb ich dienstagmorgen beim aufstehen gewissermaßen aus dem bett gefallen bin, weil hüftabwärts alles wegknickte. infolgedessen war ich latent beunruhigt und wollte ich gern zu meinem orthopäden.

"hallo, mein bein ist gelähmt und ich hätte gern einen termin", sagte ich zu der arzthelferin am telefon.
"wir hätten da ende oktober was frei", schlug diese vor.
"danke", sagte ich sakastisch, "bis dahin sitze ich entweder im rollstuhl oder bin wieder gesund.
die arzthelferin spulte noch ein paar pseudobedauernde höflichkeitsfloskeln herunter, die nach "es könnte mir nicht egaler sein, wenn sie vollbehindert werden, und überhaupt sind sie ja selber schuld, sie nicht privatversicherte dumme kuh" klangen, dann legte sie auf.

da stand ich nun, ich behinderte dumme kuh und war so schlau wie zuvor.
ich klingelte noch ein paar orthopädische praxen durch, wobei ich sogar die anrief, vor denen auf jameda ausdrücklich gewarnt wurde, da es sich um geldgeile halsabschneider, psychopathische ignoranzbolzen und sonstige autistische dämelsäcke handelte. am ende hatte ich mir provisorisch einen aus eigener tasche zu bezahlenden privattermin ergattert, der immerhin schon am 30. august stattfinden sollte und nicht erst zwei monate später.

zuletzt hatte ich noch eine praxis auf der liste, die ich zunächst ausgeschlossen hatte, da die schwerpunkte dort chirurgie und tropenmedizin waren und es nur einen orthopäden dort gab. anderseits war die praxis in unmittelbarer nähe, nur fünf fahrradminuten entfernt, was meiner behinderung sehr entgegenkam. ich warf einen blick auf die homepage und fand dort unter "sprechstunde" den hinweis: "keine terminvereinbarung notwendig, offene sprechstunde". ich konnte es nicht glauben und war mir schon fast sicher, dass ich etwas falsch verstanden hatte oder schmerz- und schmerzmittelbedingt halluzinierte. doch egal, let´s have a try.

heute um zehn vor acht stand ich vor der praxistür. ab acht kann man in die sprechstunde kommen, und in erwartung einer immensen menschentraube war ich entsprechend zeitig gekommen, doch es herrschte gähnende leere. die tür war angelehnt. also klopfte ich höflich, und nachdem mich offenbar keine hörte, trat ich vorsichtig ein. am empfang saß eine junge dame und faltete briefe.

"was kann ich für sie tun", fragte sie freundlich.
ich schilderte mein anliegen, dass ich von der offenen sprechstunde gelesen hatte und gerne den orthopäden sehen würde.
die arzthelferin nickte, nahm anstandslos meine versichertenkarte entgegen und bat mich dann, im wartezimmer platz zu nehmen.

fünf minuten später wurde ich schon aufgerufen. ich war tätsächlich die erste patientin.
ein großer, bebrillter junger arzt nahm mich in empfang.
"wo brennts denn", fragte er locker und schaute mich aufmerksam an.
ich fasste kurz meine beschwerden zusammen - kribbeln, taubheit, instabilität - und fügte noch entschuldigend hinzu:
"ich habe drei bandscheibenvorfälle, ich renne sonst normalerweise nicht gleich zum arzt wegen sowas, weil ich sehr gut weiß, was mein körper braucht, aber in diesem fall bin ich etwas beunruhigt."
der doc nickte, grinste freundlich und antwortete:
"das beunruhigt mich auch, was sie da erzählen."

er bat mich, auf der liege platz zu nehmen und machte ein paar kraft- und beweglichkeitstests. dann fuhr er mit den händen an meinen beinen auf und ab und fragte mich nach den taubheitsgefühlen.
als er fertig war, fragte er:
"ist sonst noch was taub? am po vielleicht?"
"ein bisschen", antwortete ich, "und beim ficken gestern hab ich gemerkt, dass meine linke schamlippe auch taub ist."
der doc verkniff sich ein grinsen, was wiederum mich zum grinsen brachte, und wir mussten beide kurz lachen.

danach sollte ich mich hinstellen, weil er noch den grad meiner verspanntheit überprüfen wollte.
"was ist das denn", fragte er und nahm meine hand.
"was denn?"
"der ring."
"das ist eine zikade."
"so wie auf ihrer tasche da?"
"nein, das ist eine motte."
"sie mögen zikaden und motten?"
"ja. und libellen."
"die sind auch wunderschön."

dann fuhr er mit der untersuchung fort.
"sie haben eine schiefe hüfte", sagte er.
"ich weiß. ich habe ungleich lange beine und eine skoliose."
"richtig, das haben sie alles."

dann durfte ich mich wieder anziehen.
"wenn sie motten mögen, dann sind sie wahrscheinlich auch so ein nachtschattengewächs", fragte der doc weiter.
"absolut. ich bin gern nachts unterwegs."
"das dachte ich mir."

dann kamen wir zum unangenehmen teil.
"ich kann es nicht genau sagen", gab der doc zu, "es könnte sein, dass ihre probleme von ihren verspannungen herrühren, aber es könnte auch ein erneuter bandscheibenvorfall sein."
"das ist meine sorge."
"hatten sie schon mal ein mrt?"
"machen sie witze?!"
"ok, dumme frage. haben sie platzangst?"
"kein bisschen. ich komme gut klar im mrt, sie müssen mir kein valium geben."
"gut, dann schreibe ich ihnen eine überweisung. und parallel beginnen wir schon mal mit physiotherapie."

physiotherapie! dieser doc verschrieb freiwillig und ohne kastrationsandrohungen physiotherapie, während ich anderswo tausendfach mit nutzlosen novalgin-rezepten abgespeist worden war.
jetzt wurde ich neugierig.
"wie lange arbeiten sie schon hier?"
der doc rückte verlegen die brille auf der nase zurecht.
"ein jahr etwa."
"dann ist mir klar, warum ich sie nicht früher gefunden habe."
"mein vater hat hier vorher gearbeitet, er ist chirurg, und ich bin jetzt nach meiner facharztausbildung hier eingestiegen."
"das mit der offenen sprechstunde habe ich noch nie erlebt."
"das ist eine alte tradition, die stammt noch von meinem vater. aber seit hier orthopädie am schild steht, rennen uns die leute die türen ein. ich bin nicht sicher, ob wir das so halten können."
"verstehe ich, aber in so einer situation ist es wirklich gold wert. mein orthopäde hätte mich erst ende oktober empfangen."
"das ist ja wahnsinn! wie heißt der?"
ich nannte den namen.
"kenn ich noch nicht. aber das geht in so einem fall natürlich gar nicht."

ich bekam einen überweisungsschein und mein rezept, dann reichte mir der doc die hand.
"wir sehen uns dann nach dem mrt wieder. machen sies gut bin dahin. und wenn noch irgendwas ist, kommen sie vorbei."
ich schüttelte seine hand und fühlte mich zutiefst beruhigt. auch wenn es wieder ein bandscheibenvorfall sein könnte, bei diesem doc fühlte ich mich gut aufgehoben und als mensch wahrgenommen.

zuhause rief ich gleich in einer röntgenpraxis an, die sich in der nähe meines büros befindet, und vereinbarte einen termin für ein mrt.
"welcher bereich soll denn untersucht werden?" fragte die empfangsdame.
"lendenwirbelsäule."
"und wer ist ihr überweiser?"
ich sagte es ihr.
"den kennen wir schon! da sind sie in guten händen."
was mein gefühl noch mal von fachlicher seite bestätigte.

jetzt harre ich der dinge und hoffe auf baldige besserung meiner beschwerden, idealerweise ohne horrorbefund. bandscheibe wäre ja noch akzptable, bloß bitte keine tumore oder sowas.







Sonntag, 7. August 2016

gorillas im nebel

da der luxus-mann mit seinen kindern im urlaub ist, gehe ich alleine aus. im stamm-club bin ich mit v. verabredet. als ich die lokalität betrete, werde ich herzlich vom clubbesitzer begrüßt. ich ordere ein bier und bekomme noch einen kurzen dazu. ich sehe auf die uhr, es ist erst halb eins. v. wollte um eins kommen, also nehme ich mein bier und beschließe, noch ein bisschen im nebenraum zu chillen.

als ich die sofa-landschaft betrete, bekomme ich einen schreck, denn das objekt ist da. mit einer blonden kleinen sitzt es da und unterhält sich angeregt. ich mache stante pede kehrt und dränge wieder nach vorne richtung bar und tanzfläche.

einer meiner bekannten begrüßt mich.
"na, gehts dir gut?"
"jaja."
"wirklich?"
"ja doch."
der bekannte ist schon besoffen und versucht wie immer, meinen hintern anzugrabbeln, und ich mache, dass ich weiterkomme. am ende des raumes ist ein barhocker frei, und nachdem ich damit vermutlich den größtmöglichen objektabstand habe, lasse ich mich dort nieder.

nach kurzer zeit kommt das objekt in  richtung bar. es trägt ungewohnterweise ein weißes hemd und hat die haare zu einem albernen hipsterknödel zusammengebunden. es holt zwei getränke. bevor es sich wieder in den nebenraum verzieht, schaut es durch schwaden von rauch zu mir herüber. für einen moment starren wir uns gefühlt in die augen, und mein herz scheint einen augen-blick lang auszusetzen. der objektive blick ist undefinierbar. hoffentlich kommt es nicht rüber und haut mich, denke ich.

der schleimige bekannte schleicht sich wieder an.
"na, alles gut?"
"das fragst du mich jetzt schon zu dritten mal!" fauche ich.
der bekannte schaut mich seltsam an.
"ich weiß nie, wie ich mit dir umgehen soll."
"normal. ohne wie-gehts-fragen und ohne antatschen."
"oh."
"ja. ich hasse wie-gehts-fragen."
"warum?"
"weil sie bloß eine floskel sind. niemand interessiert sich dafür, wie es anderen geht. jeder will bloß hören, gut. das ist der freifahrschein dafür, dass man weiter oberflächlichen müll labern kann."
der bekannte verzieht sich wortlos.

das objekt kommt angerollt und drückt sich an der menschenmenge vorbei in richtung toiletten. ich klammere mich an meiner bierflasche fest und spüre latente verzweiflung. es wäre so angenehm, jetzt einen vernünftigen gesprächspartner als puffer zu haben. ich tippe hektisch eine nachricht ins handy und frage v., wo zum geier er bleibt. v. schreibt, er sei eingeschlafen und wolle nicht mehr losziehen.
scheiße.
bleiben oder gehen, frage ich mich. auf tanzen habe ich keine lust. darauf, dem objekt und dem schleimigen bekannten weiter aus dem weg zu gehen, auch nicht.

das objekt kommt vom klo zurück. als es an mir vorbeizieht, schlägt es die augen nieder und schaut zu boden, dreht dann aber noch mal den kopf und linst zu mir herüber. es wirkt eigentlich nicht mehr aggressiv, denke ich, vielleicht könnte ich einfach hallo sagen und die situation so entschärfen.

ich trinke mein bier aus. los, sage ich mir, schwing den arsch da rüber, geh an ihm vorbei, grüße und zieh dann weiter. nicht labern, nur freundlich sein. ich erhebe mich schwerfällig vom barhocker, spüre schon das bier und den kurzen und schiebe mich durch den stark frequentierten barbereich richtung nebenraum. da sehe ich, dass das objekt schon an der garderobe steht, in seine jacke schlüpft und den club verlässt. und weg ist es.

die nächste stunde verläuft entspannter. ohne objekt und den erfolgreich vergraulten bekannten habe ich endlich spaß. gegen vier uhr morgens sitze ich todmüde in der sofalandschaft und beschließe, dem objekt eine nachricht zu schreiben:
"hätte dir ja hallo gesagt, aber ich hatte angst, dass du mir eine reinhaust."
dann beschließe ich, ebenfalls nach hause zu fahren.

als ich um halb sechs im bett liege, plingt das handy. ich habe eine nachricht oder vielmehr einen kleinen brief vom objekt:
"liebes morphinchen! wir haben so viel durchgemacht, und nicht nur die nächte... wir haben fehler gemacht, und das auch oft aus der besten absicht heraus. wenn ich so manches mal an dich denke, wünsche ich dir, dass es dir gut geht und das glück mehr auf deiner seite ist als zu unserer zeit. du bist eine der wenigen personen, die immer loyal zu mir waren, und das gehört zum schönen, was mir von dir bleibt. sei stark und mache dir und mir keine schande. du weißt ja, man sieht sich mindestens dreimal im leben. ich drück dich. dein gorilla im nebel (was nun auch deine frage nach dem verhauen beantworten sollte)."

ich antworte: "liebes objekt, ich danke dir für diese worte. du warst das schönste und wohl auch das anstrengendste kapitel meines lebens. ich wünsche dir ebenfalls, dass es dir gut geht. umarmung zurük. deine nicht-dian-fossey."

dann schlafe ich ein - in einem einzigartigen frieden, nach dem ich mich so lange gesehnt habe.



Donnerstag, 4. August 2016

bin ich schön?

"was magstn du eigentlich so bei frauen", frage ich den luxus-mann.
"wie, was ich mag", ist der luxus-mann verwirrt.
"also so vom styling her. klamotten und so."
"da bist du schon nah dran. minirock, stiefel... so der girlie-look. hart, aber zart."
"jaja, das weiß ich doch! aber sonst so."
"warum willst du das denn jetzt wissen?"
"nur so halt."
"nur so halt! ey, das ist doch voll das minenfeld für einen mann, so eine frage!"
"ok, ich begründe es dir... ich meine zur inspiration und weil ich ja vielleicht noch sachen im schrank habe, bei denen ich mir denke, nee, die zieh ich nicht mehr so gern an, aber wenn mir dann jemand sagt, find ich voll geil, würde ich sie vielleicht noch mal aus der mottenkiste holen. also aus ökonomischen gründen, wenn du so willst."

der luxus-mann schweigt.
"ich finde das keine gute frage", sagt er dann. "da habe ich bedenken zu antworten."
"dann formuliere es halt konstruktiv. also so anstatt: das geht gar nicht, weil dafür ist dein arsch zu fett, und das geht auch nicht, weil deine titten zu klein sind, und das da sieht voll billig aus, kann du doch auch sagen: ich könnte mir vorstellen, dass es gut aussieht, wenn du mal das oder jenes probierst."
der luxus-mann stöhnt und denkt nach.
"also du meinst sowas wie: du hast lange schlanke beine, betone die doch mal."
"genau. und dann musst du mir halt noch sagen, was du dir dabei vorstellst."
"aber das machst du ja schon. du trägst kurze röcke und netzstrümpfe und so sachen, das find ich schon gut."
"das heißt, ich style mich für deine begriffe bereits gut und so, wie es zu mir passt und dir fällt nichts ein, was ich mal ausprobieren könnte?"
"goa-klamotten mag ich manchmal."
"das kleid von letzten samstag war ein goa-kleid."
"das war auch cool."
"du hast gesagt, es sei gewagt."
"ja, das war ja auch echt kurz."
"das klang eher so nach: in deinem alter und mit deiner cellulite ist das gewagt."
"siehst du! so seid ihr frauen drauf! man sagt was nettes, und dann... das nervt mich total."
"du sagst es halt auch so, dass es immer irgendwie nach naja-geht-so klingt. daran kann mich echt schwer gewöhnen, an diesen chronischen mangel an begeisterungsfähigkeit."
der luxus-mann grinst. 
"ich weiß."

"wollen wir gleich was essen gehen", wechselt der luxus-mann das thema.
"können wir machen."
"zum inder?"
"gute idee."
"da gibts heute buffet. all you can eat. das ist echt hammergeil."
"buffet lohnt bei mir nicht. so viel fress ich nicht."
"stimmt, du willst ja nicht fett werden."
"genau. heute muss ich auch unbedingt noch sport machen."
"kapier ich nicht."
"warum?"
"du bist doch schon schlank. tu mal lieber was für deine proportionen."
ich knuffe den luxus-mann in die seite.
"du kannst dir ja deine wampe absaugen lassen, dann lass ich mir damit die titten und den arsch machen."

der luxus-mann grinst:
"ich glaube, ich muss dich mal wieder bestrafen!"
"jetzt?"
"na klar, nach dem essen bin ich zu faul."
der luxus-mann greift nach mir, zieht mir das höschen aus und gibt mir einen klaps.
"dann bück dich mal schön tief."



Dienstag, 2. August 2016

empfangskomitee

"wann biste denn wieder hier", fragt mich der luxus-mann, als ich im urlaub im frankenlande weile.
"weißt du doch, montagnacht", erwidere ich.
"nein, ich meinte, wann dein flieger landet."
ich lache.
"warum? hast du sexuellen notstand und willst mich abholen?"
schweigen am anderen ende der leitung.
"naja... ich hab da so die tage drüber nachgedacht", meint der luxus-mann schwerfällig, gerade so, als überlege er, ein einfamilienhaus zu kaufen.
"das fände ich..." ich halte inne, weil ich nicht "nett" sagen will, "echt cool."
"cool, soso", wägt der luxus-mann ab. "warum findest du das cool? weil wir dann ficken können oder weil du dir die bahn sparst und das geschleppe?"
bevor ich mich über die frage beschweren kann, lenkt der luxus-mann allerdings schon ein:
"blöde frage, ich weiß."
"ich fände das freundlich", sage ich. "ich steh auf gute manieren, das weißt du. gentlemänner sind sexy."
der luxus-mann lacht.
"trotzdem würde ich dir abraten, weil der flieger erst um 22:30 uhr landet", sage ich. "du musst ja noch ein paar tage arbeiten."
"oha, das wird spät", stöhnt der luxus-mann.
"bitte fühl dich zu nichts verpflichtet", sage ich. "ich würde mich riesig freuen, aber an deiner stelle würde ich wahrscheinlich die nachtruhe vorziehen, zumal du ja sowieso probleme mit dem schlafen hast. das wird ja locker mitternacht, bis wir bei dir sind."
der luxus-mann überlegt:
"ich sag dir einfach noch mal bescheid, bevor du losfliegst."
"mach das."

als ich am gate sitze, kommt eine nachricht vom luxus-mann an.
"ich bin fix und alle, hab echt mies geschlafen. erst hat mich eine mücke genervt, dann kam meine tochter mitten in der nacht ins zimmer gestürmt und hat mich total erschreckt. aber ich hole dich ab."
ich strahle so auffallend, dass ein älteres ehepaar, das mir gegenüber sitzt und wartet, zurückgrinst.
abholen.
gibt es etwas, was ein zuhause-sein mehr impliziert als dieses wort?

nach der landung muss ich eine halbe ewigkeit auf mein gepäck warten, denn am flughafen ist die hölle los. dann gehe ich zu den parkplätzen. beim terminal 2, hat der luxus-mann geschrieben. und tatsächlich. da steht ein großgewachsener mann mit langen blonden haaren und winkt. und strahlt. und ich strahle zurück. dann nimmt mich der luxus-mann, der umarmungen hasst, in den arm und gibt mir einen willkommenskuss.
"wie in aller welt kannst du über eine woche aus so einem kleinen koffer leben?", fragt der luxus-mann.
"ich brauch nicht so viel. und sommerkleidung ist ja nicht weiter sperrig", erwidere ich. "es hat sogar noch ein mitbringsel für dich platz gehabt."
"du hast mir was mitgebracht?"
ich öffne den koffer und ziehe bierflaschen zwischen meiner kleidung hervor.
"nein! mein lieblingsbier, das es in hamburg nirgends gibt!"
jetzt ist der luxus-mann wirklich angetan.
"ist allerdings pisswarm und bis zur explosionsgefahr durchgerüttelt, ich würds jetzt nicht trinken", sage ich.
"nee, das kommt gleich zuhause in den kühlschrank. das muss man ja mit verstand genießen."

beim luxus-mann bekomme ich erstmal einen rotwein. dann sitzen wir andächtig auf der couch.
"willst du nicht gleich ficken", will ich wissen.
"wieso, wir können doch noch ein bisschen reden", findet der luxus-mann.
dann sieht er mich scharf an.
"aber dein höschen kannste dabei ausziehen."
"meinst du, das ist kommunikationsfördernd?"
"mit sicherheit."
"dann will ich dich aber auch unten ohne. wegen gleichberechtigung und so."
"weiber!" sagt der luxus-mann gespielt verächtlich, schlüpft aber brav aus jeans und unnerbüx.

es dauert nicht lange, dann fallen wir übereinander her. der luxus-mann nimmt mich rau und hart, sodass ich sein wollen spüren kann.
danach liegen wir verschwitzt nebeneinander.
mir fällt ein, dass ich mich noch nicht richtig bedankt habe für das abholen.
"danke fürs abholen", flüstere ich ins dunkel und drücke dem luxus-mann einen kuss auf den oberarm.
der luxus-mann dreht sich zu mir:
"findeste das eigentlich abturnend, wenn ich nett bin?"
"nö, warum?"
"weil frauen doch auf arschlöcher stehen."
"abholen ist doch was total schönes."
"find ich ja eigentlich auch."
"so schön wie mitbringsel, hm?"
"ja. danke noch mal."

dann schlafen wir ein, ich mit einem großartigen gefühl des willkommen- und angekommenseins.
so leicht ist mir hamburg ein stück mehr zuhause.
der luxus-mann wird der nächste echte herzensbrecher, ich ahne das.