Montag, 7. September 2026

schlampen

ich sitze in einem schnöseligen café nahe der elbe und bin auf ein überteuertes getränk eingeladen. es ist einer der letzten schönen spätsommerabende und viel los.

am nebentisch lümmeln vier sehr junge mädchen, schätzungsweise 14 bis 15 jahre.

"hab mich letztens mit dem alex getroffen... und wir saßen dann so in seinem zimmer... naja, da hab ich ihm halt n blowi gegeben", erzählt die kleine dürre blonde im güldenen blankeneser millionärs-outfit so gelangweilt, als spräche sie über mathe-hausaufgaben. "ich weiß, der hängt ja sonst mit der lara rum... die lässt ihn auch ganz ran. aber die ist auch so eine schlampe."

die mädels-runde nickt abgeklärt-zustimmend, und mein spendabler brandneuer bekannter, der das gespräch ebenfalls verfolgt hat, guckt ähnlich konsterniert wie ich. 

wieder einmal bin ich froh und dankbar, ein kind der neunziger zu sein. meine ersten freiwilligen sexuellen erfahrungen waren motiviert durch verliebtheit und entdeckungslust - ohne anschließende instagram-dokumentationspflicht, ohne den vergleich und den druck, "besser" sein zu müssen als irgendwelche dummtussen aus meiner klasse - und ohne die gefahr, anschließend in einer absurden, auf ausgrenzung ausgelegten schlampen- oder nichtschlampenliste zu landen. 


11 Kommentare:

  1. Was zur Hoelle.... man bin ich froh, dass hier auf'm Dorf die Uhren noch _etwas_ anders ticken.

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    1. ich glaube, so 10 km weiter "drin" im pudding ist es auch weird & wilde. ;-)

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  2. ... have a break, have KitKat ...
    Gruß, Jens

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    1. ein kitkat würde ja zumindest einen gewissen genuss bedeuten. das mädel hat aber eher so geredet, als wäre das eine lästige, notwendige pflicht, gewissermaßen das, was vor dem kitkat kommt. der gemüseeintopf von mutti, den es leerzulöffeln galt. ;-)

      vielleicht kommt sowas auch von diesen ganzen verblödungssendungen. wie heißen die noch? diese absurdity-shows, in denen sich halbnackte z-promi-ischen, die sich ihr gehirn in die lippen haben spritzen lassen, mit irgendwelchen iq-befreiten vollhonks präsexuelle dialoge vor der kamera führen, um sich dann von ihren nicht weniger minderbemittelten geschlechtsgenossinnen beleidigen zu lassen? love island oder so?

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  3. Das ist nicht neu ... auch in den achtzigern und neunzigern wurde schon so gesprochen. Geprahlt haben wir allerdings nur intern. ;)

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  4. Danke für das Kompliment! ;)

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  5. "vielleicht kommt sowas auch von diesen ganzen verblödungssendungen"
    ... das ist sehr wahrscheinlich. Man könnte von "Geilheit aus Langeweile" sprechen. Musik törnt nicht, Buch lesen erst recht nicht. Das Einzige was noch nicht völlig abgestorben ist, ist die Biodynamik der Kopulation: — Dopamin — Oxytocin — Endorphin. Beim Mann dann ggf. noch Prolaktin. U.s.w.u.s.
    (und der Mensch erhob sich aus der Ursuppe der Evolution, um direkt wieder rückwärts eine Stufe zurückzufallen)
    Gruß, Jens

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    1. diese mädchen wirkten auf mich nicht, als könnten sie der biodymnamik irgendwas abgewinnen. das war höchstens der beglückte, bei dem danach die endoofine rasten. ;-)

      aber vielleicht ist doch was dran. vielleicht ist es umgekehrt wie früher im osten ("wir hatten ja nichts"), wo viele mangels anderer anregungen früh sexuelle erfahrungen sammelten. in diesem fall ist das problem lediglich eher "wir haben ja alles" und die daraus resultierende langeweile. ;-)

      ich beobachte auch viel die luxus-tochter, die ja auch so eine jugendliche ist, die aus sich heraus nichts erschafft. am handy daddeln, wenns sein muss, für die schule lernen. mehr ist da nicht. ich hingegen habe als jugendliche gemalt, auch mal ein bisschen geschrieben, bildhauerei gemacht, klavier gespielt. ich war in der schule im ak umwelt und im ak politik und zeitgeschichte, bin mit diesen gruppen regelmäßig durch die republik zu demos getourt, und habe außerdem seit meinem 12. lebensjahr gejobbt. ich war eigentlich permanent produktiv beschäftigt. die luxus-tochter macht gar nichts. die hat außer shoppen und schminken keinerlei interessen. wie innerlich tot, dieses mädchen.

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  6. "gemalt, geschrieben, gereist, gejobbt"
    ... Dinge die direkt nix mit dem kapitalistischen Verwertungssystem zu tun haben, dafür aber sehr viel mit dem "Erwachsenwerden (für sich selber sorgen)".
    Wahrscheinlich fehlen dafür die äußeren (hallo da draußen, wie siehts denn bei euch aus) als auch die inneren (wer bin ich, wo will ich hin) Triggerpunkte.
    Dann bleibt man halt ne leere Hülle, ggf. nett anzuschauen, genau wie du es sagtest.
    Ob man das auf die Erziehung zurückführen kann? Keine Ahnung. Vielleicht hats was mit dem zunehmenden Wohlstand zu tun?
    Gruß, Jens

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    1. die erziehung ist teils natürlich ein punkt. beide (sich nicht unbedingt zugeneigte) eltern konkurrieren um mademoiselles gunst, was sie bis zum äußersten ausreizt. es gibt nichts, was sie nicht bekommt. diese verfügbarkeit macht natürlich alles irgendwo reizlos. zumal für die verfügbarmachung keine gute manieren, gute noten oder ähnliches nötig sind. mademoiselle fordert, mama oder papa springen. wie das oft in so kaputten familien ist.

      ich glaube aber auch, dass die welt für teenager heute viel komplexer ist und zugleich sehr arm an sinn. ich erinnere mich noch, wie erfüllt ich mich oft gefühlt habe. genau richtig haben sich die dinge, die ich angestoßen habe, angefühlt. und sehr, sehr aufregend. wie ungeheuer wichtig mir bestimmte kontakte waren. wie beständig auf der suche ich war nach entwicklungsmöglichkeiten und nach vorbildern.
      durch digitalisierung und social media braucht man das wahrscheinlich alles nicht mehr. alles ist nur einen klick weit entfernt. und warum eigene erfahrungen machen, wenn man auch ein tiktok-video drüber angucken kann? warum gefühle oder gedanken entwickeln und pflegen, wenn ich 24/7 damit zugeschissen werden, dass jeder vollidiot seine minderbemittelte meinung ins internet scheißt? lebensziele von mademoiselle sind eine wohnung in einem geilen viertel und ein porsche. das sagt alles.

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