Sonntag, 30. August 2026

let´s talk about death, baby

wer über verlust, trauer und tod spricht, bekommt selbst von freunden häufig schnell die abwehr-klatsche: geh mir weg mit diesem deprimierenden scheiß! 

noch fixer melden sich die brav internalisierten überzeugungen im eigenen kopf: das kann ich nicht ansprechen, das geht nicht, damit darf ich die/den andere(n) jetzt nicht belasten! 

die größte last für viele ist es jedoch, mit diesen themen allein bleiben zu müssen. niemanden zu kennen, der das gespräch in der dafür nötigen tiefe und intensität mitgeht. weil ja alles nur spaß und konsum ist, heutzutage. oder sich viel zu viel auf unsere heißgeliebten hobbys konzentriert: hass, vorurteile und ausgrenzung.

der tod aber ist das größte ziel im leben. das, worauf alles, aber auch absolut alles hinausläuft. es ist ein ziel, das wir nicht kennen und nicht einschätzen können. das wir in der regel nicht mit der üblichen selbstbestimmten anstrengung erreichen, sondern das uns einfach mitnimmt. bedingungslos, voraussetzungslos und vollkommen ungebremst wie ein güterzug mit defekter bremse. 

auf dem weg zum ziel gibt es allerdings viele zwischenetappen. momente, in denen wir nicht das leben, aber etwas anderes verlieren, in denen wir abschied nehmen und neu aufbrechen müssen. und diese abschiede helfen uns, das sterbenmüssen zu üben und anzunehmen. denn abschiede sind eine kleine vorschau darauf, was tod und sterben bedeuten könnten.

jeder verlust ist damit auch hilfreich - vor allem, wenn er verstanden, eingeordnet, besprochen und geteilt wird. und wenn wir spüren: wir sind nicht alleine damit - verdammt und hurra, wir sind ja alle verlierer! 

in der tat sind verluste manchmal die allergrößten gewinne im leben. momente, in denen wir am meisten über uns selbst und die tragfähigkeit unserer sozialen beziehungen lernen.

auf der suche nach möglichkeiten, mit verlust, trauer und tod umgehen zu lernen, habe ich vor einigen jahren das netzwerk trauerkultur entdeckt. das death café ist eines der wenigen formate in hamburg, das ich wirklich schätze und immer wieder wahrzunehmen versuche. im austausch mit wildfremden menschen, die meine offenheit und intensität teilen, entstehen räume voller kraft und guter gedanken.

ja: ich möchte dem tod neugierig in die augen sehen, vielleicht sogar freudig. und liebevoll zurückblicken können auf das, was ich dabei hinter mir lasse. das ist, denke ich, das maximum, was man vom leben erwarten darf. 

2 Kommentare:

  1. "hurra, wir sind ja alle verlierer!" Es gibt keinen größeren Relativator als den Tod, deshalb kann ich ihm manchmal auch etwas Tröstliches abgewinnen. Wie eine Joker-Karte, die man anderen Gedanken entgegenhalten kann.

    Schön, dass es in der Burg neben Insta Cafés mit Trockenblumen und Avocado-Toast auch solche Orte gibt.

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    1. das ist glücklicherweise häufig ortsunabhängig. bei meinen arbeitszeiten komme ich ja zu nix.da bin ich ganz froh, wenn das in zoom stattfindet.
      letztes mal der treffpunkt aber live, auf dem ohlsdorfer friedhof, das war schon schick. ich war natürlich gnadenlos zu spät, aber das machte nichts. da ich inzwischen weiß, wie es funktioniert, brauche ich keine anleitung, die den gesprächen immer vorweggeht.

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