Sonntag, 11. Oktober 2020

das bewerbungsgespräch

bewerbungsgespräche machen mir immer angst. dabei könnte ich theoretisch entspannt sein, schließlich habe ich einen ganz guten job und bin nicht darauf angewiesen, gewollt zu werden. mein hirn aber sieht das anders. das malt schon mal prophylaktische schreckensszenarien.

im traum fahre ich zum bewerbungsgespräch und komme entgegen meiner erwartung (= irgendein bürohaus) auf einem unübersichtlichen gelände an. es ähnelt einem schlammigen kz mit parkhausartigen gebäudedecks und ist auch infrastrukturell ausgesprochen 50er-jahre-mäßig. 

es ist nicht ganz einfach, hineinzukommen. zunächst muss ich mich registrieren lassen und einchecken. das ganze nimmt mehr als 20 minuten in anspruch. panisch bemerke ich, dass ich nun zu spät zum eigentlichen gespräch komme. 

ich haste mit einer mitarbeiterin in die cafeteria, wo es ein altes braunes schnurtelefon gibt. über dieses gebe ich meinem potenziellen chef in spe bescheid, dass es aufgrund des mir nicht angekündigten registrierungsverfahrens noch etwas dauert.

das gewusel um mich herum ist enorm und ich bin völlig geplättet, dass so irrsinnig viele mitarbeiter an einem so ausgesprochen hässlichen ort arbeiten. ich frage die mitarbeiterin an meiner seite, ob denn hier auch leute im homeoffice arbeiten, da mir der job als homeoffice-job verkauft worden sei. sie sagt mir, dass hier eigentlich alle immer präsenzarbeiten und dass man das selbstverständlich auch von mir erwarte.

ich bin sehr mittel begeistert und denke, oh nein. die weite fahrt, dieser schreckliche ort und dann diese furchtbare unruhe durch diese tausenden menschen! das ertrage ich nicht. präsenzarbeiten scheidet ohne frage aus.

die mitarbeiterin nervt mich, doch auch etwas zu essen, wenn ich schon mal in der cafeteria bin. sie nötigt mich zu einem belegten brötchen. des lieben friedens willen kaufe ich ein beknacktes brötchen. toll, das muss ich jetzt in der hand halten beim bewerbungsgespräch, schließlich kann ich mich da ja nicht hinsetzen und mampfen und mit vollem mund von mir erzählen.

überraschenderweise holt mich mein potenzieller chef in spe aus der cafeteria ab. es ist ein schmieriger kleiner wicht im karierten anzug. zur begrüßung grinst er fies und heißt mich mit ironischem unterton willkommen. ich entschuldige mich erneut für die verzögerung und weise noch einmal darauf hin, dass ich von meiner headhunterin nicht über den komplizierten  registrierungsprozess aufgeklärt wurde. auch, wenn es jetzt so aussieht, als habe ich mir nur in der cafeteria vollfressen wollen.

der chef grinst weiterhin fies und meint, dass wir das ganze gern abkürzen könnten. er habe sich meine bewerbung noch einmal genau angesehen und zwei interpunktionsfehler entdeckt. unter diesen umständen sei ich ohnehin ungeeignet.

ich schüttle ihm die hand, danke ihm ironisch für das gespräch und versichere ihm, die abneigung sei ganz meinerseits. dann suche ich die bahn und fahre den weiten, weiten weg enttäuscht nachhause.

Kommentare:

  1. Immerhin ein unterhaltsamer Traum.

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    1. der war NICHT schön. aber immer wieder faszinierend, wie detailreich mein hirn nachts arbeitet. von meinen träumen bleibt mir oftmals mehr in erinnerung als von einem guten film.

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  2. wahrscheinlich hattest Du im schlaf einfach nur hunger ;-D

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    1. glaube eher, das ist, weil meine mutter mich immer so zum essen nötigt. ;-)

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