Samstag, 21. Juli 2018

fuck all therapists

"gehst du eigentlich noch zur therapie?" fragt der luxus-mann und guckt mich streng an.
"nö", sage ich schnöde.
"rum?"
"nee, ich hätte noch stunden gehabt, aber das war wieder zunehmend so eine luschige veranstaltung, ich hab eh nur wieder durchgekaut, was ich schon weiß. wozu soll ich da weiter hinlatschen? kaffeekränzchen kann ich auch anders haben."

"aber du nimmst doch noch medikamente!"
"das eine hat ja nicht direkt was mit dem anderen zu tun."
"doch klar."
"nein. das wäre so, wie wenn du einem diabetiker vorwirfst, dass er nicht mehr in den sportverein geht. klar beeinflusst sport den blutzuckerspiegel, aber nicht nur."
"du machst es dir einfach!"
"danke für deine unterstützung. es bringt mich echt weiter, wenn du arschig wirst!"
"ich mein ja nur."
"lass mich mal machen. das muss jetzt so, denke ich."

es gibt den punkt, an dem man einfach leben muss. in therapie zu bleiben, bedeutet, im nest zu bleiben. nie fliegen zu lernen. immer angewiesen sein auf die hand, die einen hält, solange die krankenkasse diese bezahlt.

irgendwann kommt aber der punkt, an dem man einsehen muss: ich werde nie zufrieden sein. ich werde immer suchen. aber verdammte axt, ich werde einfach das beste draus machen.
irgendwie.
irgendwo.
und vielleicht mit jemandem an meiner seite, der das alles so aushält wie der luxus-mann.




Kommentare:

  1. Moin, moin
    ich finde ja die Beschreibung " ...es gibt den punkt, an dem man einfach leben muss. in therapie zu bleiben, bedeutet, im nest zu bleiben. nie fliegen zu lernen. immer angewiesen sein auf die hand, die einen hält, solange die krankenkasse diese bezahlt. "
    ist gut zu verstehen. Versuch das doch auch dem Luxusmann so zu beschreiben.
    Gruß Frank

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    1. die gute ideen kommen leider meist nicht direkt im streitgespräch. ;) erst hinterher fällt mir dann ein, wie das gut zu umschreiben ist.

      der luxus-mann hat, denke ich, am meisten angst, dass ich irgendwie "austicke", wenn ich nicht betreut werde. das ist jetzt weniger die angst um mein wohlbefinden als um seines. ;)

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  2. Super, ich druecke die Daumen!

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  3. Es tut mir leid dass du anscheinend immer beschissene Therapeuten abgegriffen hast. Interessant, dass Therapie für mich genau das Gegenteil bedeutet: ein guter Therapeut behütet dich nicht, sonder er schubst dich aus deinem Nest. Er fordert dich. Und dann liegt es natürlich auch schwer an einem selbst, was man mit dieser Herausforderung macht. Aber bequem, das ist (meine) Therapie nicht.

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  4. ich denke inzwischen, dass es an einem selbst ist, sich zu fordern und sich ziele zu stecken. dass das jemand anderes übernimmt, ist ja auch eine form des behütens - nicht bequem, aber dennoch wie eine mutti, die dir sagt, morgen hast aber endlich dein zimmer aufgeräumt! klar ist es dann an dir, dein zimmer aufzuräumen, trotzdem hättest du es aber nicht alleine hingekriegt. das ist keine mündigkeit.

    kann sein, dass meine therapeuten immer luschig waren. es wurde halt viel gequatscht. klar hatte ich zeitweise sehr starken rededrang und es kam mir entgegen, aber einfach nur aus einsamkeit. die letzte therapie war eine verhaltenstherapie, weil ich weg von dem psychogequatsche wollte. ich habe eine therapie mit der linehan-methode gemacht, wo man gefühle in intensitäten einordnet und die dann mit skills alias ablenkungsmanövern kompensiert. ich war wie besessen am üben und hab ganz skill-ketten gebaut, die mich vor selbstschädigendem verhalten bewahren sollten. bequem war das ganz bestimmt auch nicht. vor allem aber war es vollkommen nutzlos, weil man sich eben nicht selber bescheißen kann. am ende aller therapeutisch geforderter ablenkungsmanöver stehst du wieder dir selbst gegenüber. unverändert.

    und irgendwann habe ich dann verstanden: wie du bist, kriegst du einfach nicht wegtherapiert. ich muss mir selber lust aufs leben machen. und mit sicherheit wird das ein ultra-verschrobenes leben. aber den rahmen dafür baue ich mir selbst. mit menschen, die mir guttun. und die mich wirklich wollen.

    dass ich darauf sieben jahre warten musste, nunja. das war hart. aber noch härter wurde alles durch das aufgedrösel und überbelichten therapeutisch als anormal deklarierter verhaltensweisen. der permanente ego-fokus: ist das jetzt gesund? will ich das wirklichwirklichwirlich? sollte ich das wollen? welche teile von mir wollen das und welche nicht und warum? werde ich jemals glücklich sein und wenn ja, wann?

    ich werde nicht glücklich werden. ich werde immer eine misanthropische meckerliese bleiben, die 99 prozent der menschheit für bescheuert hält. trotzdem kann ich spaß haben. und vor allem: lieben und geliebt werden.

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