der begriff zuhause kommt in meinem sprachgebrauch zwar immer wieder zum einsatz, doch ich fühle mich chronisch fremd. in dieser stadt. bei der arbeit. in mir. nach einer reise tritt dieses gefühl oft verstärkt zutage.
"mann, bin ich froh, wenn ich gleich zuhause bin", gähnte der luxus-mann bei der rückreise nach unserem schweiz-urlaub.
ich lächelte und hakte mich unter. wenn es ein zuhause irgendwo in hamburg gab, dann war es definitiv in der nähe dieses mannes. auch wenn es selbst hier abstriche zu machen gab, denn der luxus-mann verströmt nicht gerade eine aura von geborgenheit und zärtlichkeit. und trotzdem bin ich furchtbar gern da, wo er ist.
der fette reise-kater kam am montag. ein tag, der sich eigentlich gnädig zeigte: mehrere stunden sonne, ganz hamburg-untypisch. darüber hinaus hatte ich frei, was ich nach drei tagen schweiz-wander-marathon rein körperlich betrachtet auch brauchte. vielleicht war aber genau das ein fehler, denn die seele stellte auf heimweh-betrieb um. der tag zerfloss in selbstmitleid, alkohol und tabletten, zum abend kam kiffe dazu. dann ein schlaf wie eine ohnmacht.
am dienstag auf arbeit - nach nur einem tag urlaub! - warteten dann knapp 180 e-mails auf mich. zum weinerlichen heimweh-grundgefühl kam erst überforderung, dann wut. auf die in zwei-minuten-takt auf mich einprasselnden aufträge antwortete ich sakastisch und schnippisch und fluchte den ganzen tag vor mich hin. der chef beobachtete mich kritisch bis bestürzt. der feierabend kam mit viel verspätung, aber ich musste ja noch kitty von der sitterin abholen. gegen 21.30 uhr konnte ich mich erstmals an diesem tag entspannen. eine stunde später lag ich im bett.
mittwoch kam die rechnung für den dienstagsstress: vollkommene leere und totale depression. ich ließ mich widerstandlos wie ein nasses handtuch durch den tag spülen. nachts träumte ich, dass ich das objekt an der klinik treffe. ich träumte eine umarmung. beim aufwachen dachte ich, ich müsse sterben.
donnerstag auf arbeit funkte ich den luxus-mann an. ich wollte ihn so gerne sehen. und ich beschlosss, ihm eine live-umarmung abzuringen. nach einem intensiven blowjob wurde ich dann sogar gelöffelt, was ich zwar hinderlich beim einschlafen, in meinem weinerlichen zustand aber absolut fabulös finde, insbesondere, da luxus-löffeln höchstens alle sechs monate mal vorkommt.
heute ist freitag und die welt wird langsam wieder etwas freundlicher, auch wenn mir der lärm, der gestank und das miese wetter dieser stadt gehörig auf den zeiger gehen. aber nichts ist für immer. irgendwie auch ein beruhigender gedanke.
Freitag, 8. Dezember 2017
Montag, 27. November 2017
liebe opas!
ich habe keinen von euch beiden lange genug gekannt, um euch die fragen zu stellen, die ich euch heute gerne gestellt hätte.
wie war das damals im krieg? bei der wehrmacht? was passierte damals auf norderney, lieber opa a.? und was in den ardennen, in der tschechei und in staligrad, lieber opa k.?
ich hätte so gern so vieles gewusst. es ist so wunderbar, in frieden zu leben, in einem frieden, den ich auch euch verdanke. man muss doch wissen, wie der krieg ist, um den frieden heilig zu halten. zum beispiel, ob ihr viel angst hattet oder ob man irgendwann stumpf wird. wie es ist, wenn der feind neben einem stirbt, oder der freund. was es bedeutet, auf den feind zu schießen. und wie man später damit lebt, dass man verwundet oder vielleicht getötet hat, auch wenn es zu den spielregeln des krieges damals gehörte.
ich hätte euch so gerne länger um mich gehabt. alles, was ich weiß über euch, ist von meinen eltern. meine mutter hat so wenig mitbekommen, dass sie mir gar nichts sagen konnte, außer, dass es auf norderney nicht so schlimm war, wegen guter versorgung mit schnaps und zigaretten. mein papa weiß zum glück mehr, auch dass du, lieber k., auf keinen fall einen sohn wolltest, weil du so viele kinder neben dir im schützengraben hast sterben sehen müssen. was musst du empfunden haben, als mein vater zur welt kam?
es ist so schade, neugierig bleiben zu müssen und zu wissen, dass es keine antworten mehr geben wird. vielleicht hättet ihr sie mir auch zu euren lebzeiten verweigert. es ist ja bestimmt nicht einfach, über all das zu sprechen. ich sehe mir oft dokus von damals an und versuche zu verstehen und euch so ein wenig posthum kennen zu lernen. das ist dürftig, aber besser als nichts.
ich habe euch im herzen, auf jeden fall. ihr seid damit unsterblich, solange ich lebe. und damit auch all eure erlebnisse und erinnerungen.
bis irgendwann mal!
in liebe, eure enkeltochter
wie war das damals im krieg? bei der wehrmacht? was passierte damals auf norderney, lieber opa a.? und was in den ardennen, in der tschechei und in staligrad, lieber opa k.?
ich hätte so gern so vieles gewusst. es ist so wunderbar, in frieden zu leben, in einem frieden, den ich auch euch verdanke. man muss doch wissen, wie der krieg ist, um den frieden heilig zu halten. zum beispiel, ob ihr viel angst hattet oder ob man irgendwann stumpf wird. wie es ist, wenn der feind neben einem stirbt, oder der freund. was es bedeutet, auf den feind zu schießen. und wie man später damit lebt, dass man verwundet oder vielleicht getötet hat, auch wenn es zu den spielregeln des krieges damals gehörte.
ich hätte euch so gerne länger um mich gehabt. alles, was ich weiß über euch, ist von meinen eltern. meine mutter hat so wenig mitbekommen, dass sie mir gar nichts sagen konnte, außer, dass es auf norderney nicht so schlimm war, wegen guter versorgung mit schnaps und zigaretten. mein papa weiß zum glück mehr, auch dass du, lieber k., auf keinen fall einen sohn wolltest, weil du so viele kinder neben dir im schützengraben hast sterben sehen müssen. was musst du empfunden haben, als mein vater zur welt kam?
es ist so schade, neugierig bleiben zu müssen und zu wissen, dass es keine antworten mehr geben wird. vielleicht hättet ihr sie mir auch zu euren lebzeiten verweigert. es ist ja bestimmt nicht einfach, über all das zu sprechen. ich sehe mir oft dokus von damals an und versuche zu verstehen und euch so ein wenig posthum kennen zu lernen. das ist dürftig, aber besser als nichts.
ich habe euch im herzen, auf jeden fall. ihr seid damit unsterblich, solange ich lebe. und damit auch all eure erlebnisse und erinnerungen.
bis irgendwann mal!
in liebe, eure enkeltochter
Mittwoch, 22. November 2017
unendlich weit weg
es gibt menschen, zu denen habe ich früher einmal aufgeschaut. sie waren meine freunde. echt. lebendig. einfach da. einfach klasse.
aber zeiten ändern dich, sagte mal wer nicht so schlaues und hatte doch recht damit. nach der hölle ist nicht vor der hölle.
fuckt ist, dass ich mit ca. 90% meiner früheren freunde nichts mehr anfangen kann. es sind lose kontakte, mit denen ich auf facebook befreundet bin. manchmal lese ich ganz gerne das ein oder andere, aber oft denke ich mir: ihr habt doch alle zu viel zeit.
und dann diese pseudoerwachsene besonnenheit. dieses ewige subtile von-oben-herab-getue. wo ich mich frage, lese ich die zwischentöne falsch oder merken die leute einfach nicht, was für einen quark sie da verzapfen? fehlt ein smilie oder ist das wirklich ernst gemeint? mal ehrlich! ehrlichkeit wäre so schön!
das gefühl der entfremdung in mir ist wie ein tiefer graben. ich weiß, dass meine welt schwer zu verstehen ist. die ist komisch und verwinkelt und verschroben. aber je älter ich werde, desto weniger passe ich offenbar irgendwo hinein. der zirkel wird immer kleiner. das interesse immer weniger. alles nur noch flüchtig, virtuell.
vielleicht sollte ich nicht jammern. immerhin gibt es einige wenige sehr menschen, von denen ich weiß, sie verstehen mich, sie wollen mich in der tat sehen, in blut und fleisch, in den arm nehmen und mich auch ab und an fragen, wie es mir geht. und dann von sich erzählen. weil sie mir vertrauen.
aber das gros bricht weg.
dieses gros, dessen ich mir einst so sicher war.
für immer.
das macht mir angst.
angst, irgendwann vollkommen allein zu sein.
gleichzeitig ist es wie eine befreiung durch selektion.
ich möchte die brücken abbrechen.
wirklich wirklich alleine sein.
auf meinen eigenen grund stoßen.
nie wieder auftauchen.
im tod ist man auch alleine.
ich, der scheidende körper und die tore, die sich da irgendwo öffnen.
vielleicht sollte man sich tatsächlich mehr auf diesen moment konzentrieren.
ich will so alleine sein, wie man gar nicht alleine sein kann.
ohne, dass ich sagen dürfte, ich bin sicher, das genau so ertragen zu können.
aber zeiten ändern dich, sagte mal wer nicht so schlaues und hatte doch recht damit. nach der hölle ist nicht vor der hölle.
fuckt ist, dass ich mit ca. 90% meiner früheren freunde nichts mehr anfangen kann. es sind lose kontakte, mit denen ich auf facebook befreundet bin. manchmal lese ich ganz gerne das ein oder andere, aber oft denke ich mir: ihr habt doch alle zu viel zeit.
und dann diese pseudoerwachsene besonnenheit. dieses ewige subtile von-oben-herab-getue. wo ich mich frage, lese ich die zwischentöne falsch oder merken die leute einfach nicht, was für einen quark sie da verzapfen? fehlt ein smilie oder ist das wirklich ernst gemeint? mal ehrlich! ehrlichkeit wäre so schön!
das gefühl der entfremdung in mir ist wie ein tiefer graben. ich weiß, dass meine welt schwer zu verstehen ist. die ist komisch und verwinkelt und verschroben. aber je älter ich werde, desto weniger passe ich offenbar irgendwo hinein. der zirkel wird immer kleiner. das interesse immer weniger. alles nur noch flüchtig, virtuell.
vielleicht sollte ich nicht jammern. immerhin gibt es einige wenige sehr menschen, von denen ich weiß, sie verstehen mich, sie wollen mich in der tat sehen, in blut und fleisch, in den arm nehmen und mich auch ab und an fragen, wie es mir geht. und dann von sich erzählen. weil sie mir vertrauen.
aber das gros bricht weg.
dieses gros, dessen ich mir einst so sicher war.
für immer.
das macht mir angst.
angst, irgendwann vollkommen allein zu sein.
gleichzeitig ist es wie eine befreiung durch selektion.
ich möchte die brücken abbrechen.
wirklich wirklich alleine sein.
auf meinen eigenen grund stoßen.
nie wieder auftauchen.
im tod ist man auch alleine.
ich, der scheidende körper und die tore, die sich da irgendwo öffnen.
vielleicht sollte man sich tatsächlich mehr auf diesen moment konzentrieren.
ich will so alleine sein, wie man gar nicht alleine sein kann.
ohne, dass ich sagen dürfte, ich bin sicher, das genau so ertragen zu können.
Mittwoch, 8. November 2017
ärztekongress klappe die zweite
übermorgen. kopfschmerz, lampenfieber und potenzielle anspannungsdiarrhoe sind meine begleiter, niedergekämpft mit escitalopram, benzodiazepinen und salzstangen.
heute ausquartierung der katze. means: man muss sie ins körbchen kriegen. ich bin mental auf schwerste verwundungen vorbereitet und darauf, mich trotz schmerzen unnachgiebig zu zeigen. dauemn drücken, bitte.
ab sonntagnachmittag dann luxuriöse fünf tage urlaub und wieder mehr blog.
cu
heute ausquartierung der katze. means: man muss sie ins körbchen kriegen. ich bin mental auf schwerste verwundungen vorbereitet und darauf, mich trotz schmerzen unnachgiebig zu zeigen. dauemn drücken, bitte.
ab sonntagnachmittag dann luxuriöse fünf tage urlaub und wieder mehr blog.
cu
Samstag, 28. Oktober 2017
der absolute wahnsinn
seit gestern abend habe ich angst. denn nun steht fest: entweder ich bin dement oder der luxus-mann spinnt.
der abend startete ganz harmonisch, sex, wein, gute gespräche, nachher ein drink in der bar mit dem plan, noch weiterzuziehen auf eine party.
nach dem zweiten white russian jedoch kommt der luxus-mann auf mittwochnacht zu sprechen.
die vorgeschichte:
mittwochabend war ich mit einem kumpel unterwegs, den der luxus-mann auch kennt und akzeptiert. wie ich das gerne so mache, schicke ich ab und an eine nachricht und dokumentiere essen und getränke. gegen halb zehn erreicht mich ein video vom luxus-mann, doch als ich es ansehen will, habe ich nur noch vier prozent akku. da mein handy eine absolut nervige akkuschwäche hat, weiß ich: in zehn minuten ist ende gelände. ein video ansehen ist nicht mehr drin. zuhause gegen halb elf ist das handy dann vollends abgekackt, ich verbinde es also mit dem netzstecker und lege mich schlafen. das video ist noch ungesehen.
mitten in der nacht werde ich wach, weil mir schlecht ist und ich auf klo muss. mein handy hat wieder saft und ich beschließe, das video zu gucken. es ist lustig und ich schicke ein smilie zurück. für den luxus-mann ist damit sonnenklar: ich habe bis eben mit irgendjemanden rumgefickt und bin soeben nachhause gekommen. mache ich ja immer so, wenn ich am nächsten tag um sieben aufstehen muss. dass mein akku leer war, glaubt er mir nicht, auch wenn er schon so oft erlebt hat, wie ich plötzlich ohne strom war. diese erklärung findet er "unlogisch". viel logischer ist, dass ich mir eine mittwochnacht um die ohren schlage, um mich von mr. x durchficken zu lassen.
dieses thema holt er in der bar auf den tisch.
"du kannst gern meinen kumpel anrufen, der wird dir bestätigen, dass ich um halb zehn in meine richtung losgezogen bin", sage ich.
"darum gehts ja nicht. du sollst dein handy anhaben, wenn du nachts unterwegs bist."
"das kann ich dir nicht garantieren. meistens wird das so sein, aber du kennst ja meinen akku!"
"ich hab dir extra eine powerbank geschenkt!"
"die hab ich aber nicht immer dabei."
"dann denkst du halt mal dran."
"selbst wenn. kann ja auch sein, dass die mal leer ist, die ist ja nur mini."
"dann denkst du bitte dran, sie aufgeladen in der tasche zu haben!"
"dafür geb ich keine garantie. ich hab so viel im kopf, gerade jetzt! das kann immer mal passieren, dass ich das vergesse. außerdem ist das ding unpraktisch und schwer."
"ich bitte dich doch nur, mich nicht immer so misstrauisch zu machen."
ich habe das gefühl, als wenn mir eine unsichtbare hand die kehle zudrückt. im kopf breitet sich das altbekannte stress-chaos aus und kein gedanke ist mehr greifbar. zunächst grenzenlose wut: was erlaubt der sich! dann verachtung: der soll mal lieber beweisen, dass er seinen kontrollzwang noch unter kontrolle hat! und angst, panische angst: wie kann ich seine einbildungen entkräften? überhaupt, was sagt das über uns aus? ist das seinerseits liebe oder nur eine neurose?
dann wird es richtig schlimm.
"das ist doch wohl nachvollziehbar, dass ich das merkwürdig finde. ebenso wie wenn du nachts immer aus dem schlafzimmer schleichst, um mit deinen fickern zu chatten!"
"ich mache WAS?"
"du schleichst dich raus, um zu chatten. ich bin doch nicht blöd, ständig leuchtet und vibriert dein handy!"
ich sehe den mann entgeistert an:
"mein handy liegt doch nicht mal im schlafzimmer, sondern im flur auf ladestation! und warum sollen mir leute mitten in der nacht schreiben? meine freunde schlafen da doch auch!"
"in letzter zeit machst du das nicht mehr so oft. aber früher ständig!"
"ich gucke nachts nie aufs handy, außer um die uhrzeit zu checken, wenn ich nicht pennen kann."
"nee. du nimmst es erst mit unter die bettdecke, und wenn du denkst, ich merke das, dann gehst du irgendwann."
"ich gehe, weil du schnarchst!"
"ich schnarche nicht. außerdem habe ich dich gesehen. wenn ich aufs klo gehe, sitzt du im kinderzimmer und chattest!"
ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich sagen soll. ich vermeide es tunlichst, nachts überhaupt aufs handy zu schauen, da dessen blaues licht den schlaf verhindert, wie wissenschaftlich erwiesen ist. mein schlaf ist mir heilig. davon abgesehen habe ich kaum freunde. nachrichten erhalte ich vielleicht mal von meiner katzensitterin oder meinem chef. beide schlafen nachts. darüber hinaus habe ich nachts auch nicht das leiseste verlangen, facebook zu checken oder sonstige harmlosigkeiten auf dem handy zu tun. falls ich nicht schlafen kann, lese ich - wenn überhaupt.
"du willst jetzt aber nicht so tun, als erinnertest du dich nicht!" spottet der luxus-mann. "das würde mich jetzt noch misstrauischer machen! obwohl es ja zu deiner art passt, zu lügen und alles immer abzustreiten."
"warum denkst du denn, dass ich lüge? selbst wenn ich am handy war, ich könnte das doch locker zugeben. schließlich gibt es tausend harmlose sachen, die man theoretisch damit machen kann. spiele spielen oder fotos angucken oder twittern."
"du hast auch damals wegen dem objekt gelogen!"
"ich hatte es ZUFÄLLIG auf party getroffen und wir haben maximal zwei sätze gewechselt! ich dachte nicht, dass das wichtig ist!"
"ich habe dir gesagt, ich will alles über das objekt wissen! du musst mir sagen, wenn du dich mit ihm triffst!"
"ich habe mich nicht getroffen, wir sind uns unverabredeterweise begegnet! wir haben uns nicht mal unterhalten! das ist doch nicht von relevanz!"
"ich habe dir gesagt, ich will das alles wissen, und wenn du das verschweigst, lügst du."
ich gehe aus der bar, nachdem die gäste anfangen, mich komisch anzusehen, weil ich inzwischen vollkommn in tränen aufgelöst bin. der luxus-mann kommt mir nach.
"wieso heulst du jetzt?"
"das ist doch furchtbar! was sagt das denn über unsere liebe aus? da können wir uns ja gleich trennen. jedenfalls merkst du nicht, wie ich dich liebe und auf wie viel ich für dich verzichte! ich mache sogar dinge für dich, die ich total hasse!"
"ich sag ja nur, ich mach mir halt gedanken, wenn du dich unlogisch verhälst. und die gedanken schaden unserer beziehung."
"es ist doch total egal, wie ich mich verhalte, du spinnst dir irgendwas zusammen und das ist dann deine wahrheit."
"das kommt aber nur, weil du so bist."
"wie bin ich denn?"
der luxus-mann zuckt die schultern.
"naja, deine vergangenheit...."
"jaja, ich weiß, frauen, die gern ficken und das nicht nur mit händchenhalten, blümchenpupsen und in der missionarsstellung, sind schlampen, aber ihr männer seid die helden, wenn ihr euch nehmt, was ihr wollt!"
"so ähnlich." der luxus-mann grinst entschuldigend, dann legt er die arme um mich:
"jetzt dramatisiere nicht wieder alles so, ich will ja nur, dass du auf dein verhalten achtest."
ich bekomme kein wort mehr raus. die tränen strömen über meine wangen, ich bin gedemütigt, falsch bezichtigt und ganz offenbar einem irren ausgeliefert.
"und jetzt gehen wir auf die party", bestimmt der luxus-mann.
ich schüttle energisch den kopf.
"was denn?"
"kein bock. ich will sofort nachhause."
"ach komm."
"ich bin nicht in der verfassung!"
"aber du warst doch auch interessiert?"
"war! jetzt bin ich völlig fertig, ich geh da nicht hin!"
"nur mal kurz reinschauen. ein bier."
"dann mach doch! vielleicht findest du da gleich was anderes zum ficken."
der luxus-mann hat inzwischen seine ruhe wiedererlangt und sagt ganz entspannt und besonnen:
"aber ich liebe dich doch."
ich schnaube verachtungvoll:
"das kauf ich dir nicht ab!"
am ende gehen wir schweigend nebeneinander nachhause.
dort packe ich mein bettzeug und gehe ins kinderzimmer. neben dem luxus-mann einzuschlafen käme mir unpassend vor.
am nächsten morgen ist er wie immer, nur in zärtlich. kitzelt mich wach, macht kaffee und geht dann mit mir in mein lieblingscafé frühstücken, obwohl er frühstücken gehen hasst. der abend wird nicht erwähnt, so, als hätte er nie stattgefunden. ich versuche, noch mal davon anzufangen und sage, wie geschockt ich wegen seiner verdächtigungen sei.
"ja", lacht der mann. "da wäre ich auch geschockt, wenn ich mich nicht mehr daran erinnern könnte, dass ich nächtelang gechattet habe."
es hat keinen zweck, erkenne ich. der luxus-mann ist in seinem wahn resistent gegen jegliche tatsachen.
und ich weiß im grunde, dass wieder eine beziehung gescheitert ist.
der abend startete ganz harmonisch, sex, wein, gute gespräche, nachher ein drink in der bar mit dem plan, noch weiterzuziehen auf eine party.
nach dem zweiten white russian jedoch kommt der luxus-mann auf mittwochnacht zu sprechen.
die vorgeschichte:
mittwochabend war ich mit einem kumpel unterwegs, den der luxus-mann auch kennt und akzeptiert. wie ich das gerne so mache, schicke ich ab und an eine nachricht und dokumentiere essen und getränke. gegen halb zehn erreicht mich ein video vom luxus-mann, doch als ich es ansehen will, habe ich nur noch vier prozent akku. da mein handy eine absolut nervige akkuschwäche hat, weiß ich: in zehn minuten ist ende gelände. ein video ansehen ist nicht mehr drin. zuhause gegen halb elf ist das handy dann vollends abgekackt, ich verbinde es also mit dem netzstecker und lege mich schlafen. das video ist noch ungesehen.
mitten in der nacht werde ich wach, weil mir schlecht ist und ich auf klo muss. mein handy hat wieder saft und ich beschließe, das video zu gucken. es ist lustig und ich schicke ein smilie zurück. für den luxus-mann ist damit sonnenklar: ich habe bis eben mit irgendjemanden rumgefickt und bin soeben nachhause gekommen. mache ich ja immer so, wenn ich am nächsten tag um sieben aufstehen muss. dass mein akku leer war, glaubt er mir nicht, auch wenn er schon so oft erlebt hat, wie ich plötzlich ohne strom war. diese erklärung findet er "unlogisch". viel logischer ist, dass ich mir eine mittwochnacht um die ohren schlage, um mich von mr. x durchficken zu lassen.
dieses thema holt er in der bar auf den tisch.
"du kannst gern meinen kumpel anrufen, der wird dir bestätigen, dass ich um halb zehn in meine richtung losgezogen bin", sage ich.
"darum gehts ja nicht. du sollst dein handy anhaben, wenn du nachts unterwegs bist."
"das kann ich dir nicht garantieren. meistens wird das so sein, aber du kennst ja meinen akku!"
"ich hab dir extra eine powerbank geschenkt!"
"die hab ich aber nicht immer dabei."
"dann denkst du halt mal dran."
"selbst wenn. kann ja auch sein, dass die mal leer ist, die ist ja nur mini."
"dann denkst du bitte dran, sie aufgeladen in der tasche zu haben!"
"dafür geb ich keine garantie. ich hab so viel im kopf, gerade jetzt! das kann immer mal passieren, dass ich das vergesse. außerdem ist das ding unpraktisch und schwer."
"ich bitte dich doch nur, mich nicht immer so misstrauisch zu machen."
ich habe das gefühl, als wenn mir eine unsichtbare hand die kehle zudrückt. im kopf breitet sich das altbekannte stress-chaos aus und kein gedanke ist mehr greifbar. zunächst grenzenlose wut: was erlaubt der sich! dann verachtung: der soll mal lieber beweisen, dass er seinen kontrollzwang noch unter kontrolle hat! und angst, panische angst: wie kann ich seine einbildungen entkräften? überhaupt, was sagt das über uns aus? ist das seinerseits liebe oder nur eine neurose?
dann wird es richtig schlimm.
"das ist doch wohl nachvollziehbar, dass ich das merkwürdig finde. ebenso wie wenn du nachts immer aus dem schlafzimmer schleichst, um mit deinen fickern zu chatten!"
"ich mache WAS?"
"du schleichst dich raus, um zu chatten. ich bin doch nicht blöd, ständig leuchtet und vibriert dein handy!"
ich sehe den mann entgeistert an:
"mein handy liegt doch nicht mal im schlafzimmer, sondern im flur auf ladestation! und warum sollen mir leute mitten in der nacht schreiben? meine freunde schlafen da doch auch!"
"in letzter zeit machst du das nicht mehr so oft. aber früher ständig!"
"ich gucke nachts nie aufs handy, außer um die uhrzeit zu checken, wenn ich nicht pennen kann."
"nee. du nimmst es erst mit unter die bettdecke, und wenn du denkst, ich merke das, dann gehst du irgendwann."
"ich gehe, weil du schnarchst!"
"ich schnarche nicht. außerdem habe ich dich gesehen. wenn ich aufs klo gehe, sitzt du im kinderzimmer und chattest!"
ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich sagen soll. ich vermeide es tunlichst, nachts überhaupt aufs handy zu schauen, da dessen blaues licht den schlaf verhindert, wie wissenschaftlich erwiesen ist. mein schlaf ist mir heilig. davon abgesehen habe ich kaum freunde. nachrichten erhalte ich vielleicht mal von meiner katzensitterin oder meinem chef. beide schlafen nachts. darüber hinaus habe ich nachts auch nicht das leiseste verlangen, facebook zu checken oder sonstige harmlosigkeiten auf dem handy zu tun. falls ich nicht schlafen kann, lese ich - wenn überhaupt.
"du willst jetzt aber nicht so tun, als erinnertest du dich nicht!" spottet der luxus-mann. "das würde mich jetzt noch misstrauischer machen! obwohl es ja zu deiner art passt, zu lügen und alles immer abzustreiten."
"warum denkst du denn, dass ich lüge? selbst wenn ich am handy war, ich könnte das doch locker zugeben. schließlich gibt es tausend harmlose sachen, die man theoretisch damit machen kann. spiele spielen oder fotos angucken oder twittern."
"du hast auch damals wegen dem objekt gelogen!"
"ich hatte es ZUFÄLLIG auf party getroffen und wir haben maximal zwei sätze gewechselt! ich dachte nicht, dass das wichtig ist!"
"ich habe dir gesagt, ich will alles über das objekt wissen! du musst mir sagen, wenn du dich mit ihm triffst!"
"ich habe mich nicht getroffen, wir sind uns unverabredeterweise begegnet! wir haben uns nicht mal unterhalten! das ist doch nicht von relevanz!"
"ich habe dir gesagt, ich will das alles wissen, und wenn du das verschweigst, lügst du."
ich gehe aus der bar, nachdem die gäste anfangen, mich komisch anzusehen, weil ich inzwischen vollkommn in tränen aufgelöst bin. der luxus-mann kommt mir nach.
"wieso heulst du jetzt?"
"das ist doch furchtbar! was sagt das denn über unsere liebe aus? da können wir uns ja gleich trennen. jedenfalls merkst du nicht, wie ich dich liebe und auf wie viel ich für dich verzichte! ich mache sogar dinge für dich, die ich total hasse!"
"ich sag ja nur, ich mach mir halt gedanken, wenn du dich unlogisch verhälst. und die gedanken schaden unserer beziehung."
"es ist doch total egal, wie ich mich verhalte, du spinnst dir irgendwas zusammen und das ist dann deine wahrheit."
"das kommt aber nur, weil du so bist."
"wie bin ich denn?"
der luxus-mann zuckt die schultern.
"naja, deine vergangenheit...."
"jaja, ich weiß, frauen, die gern ficken und das nicht nur mit händchenhalten, blümchenpupsen und in der missionarsstellung, sind schlampen, aber ihr männer seid die helden, wenn ihr euch nehmt, was ihr wollt!"
"so ähnlich." der luxus-mann grinst entschuldigend, dann legt er die arme um mich:
"jetzt dramatisiere nicht wieder alles so, ich will ja nur, dass du auf dein verhalten achtest."
ich bekomme kein wort mehr raus. die tränen strömen über meine wangen, ich bin gedemütigt, falsch bezichtigt und ganz offenbar einem irren ausgeliefert.
"und jetzt gehen wir auf die party", bestimmt der luxus-mann.
ich schüttle energisch den kopf.
"was denn?"
"kein bock. ich will sofort nachhause."
"ach komm."
"ich bin nicht in der verfassung!"
"aber du warst doch auch interessiert?"
"war! jetzt bin ich völlig fertig, ich geh da nicht hin!"
"nur mal kurz reinschauen. ein bier."
"dann mach doch! vielleicht findest du da gleich was anderes zum ficken."
der luxus-mann hat inzwischen seine ruhe wiedererlangt und sagt ganz entspannt und besonnen:
"aber ich liebe dich doch."
ich schnaube verachtungvoll:
"das kauf ich dir nicht ab!"
am ende gehen wir schweigend nebeneinander nachhause.
dort packe ich mein bettzeug und gehe ins kinderzimmer. neben dem luxus-mann einzuschlafen käme mir unpassend vor.
am nächsten morgen ist er wie immer, nur in zärtlich. kitzelt mich wach, macht kaffee und geht dann mit mir in mein lieblingscafé frühstücken, obwohl er frühstücken gehen hasst. der abend wird nicht erwähnt, so, als hätte er nie stattgefunden. ich versuche, noch mal davon anzufangen und sage, wie geschockt ich wegen seiner verdächtigungen sei.
"ja", lacht der mann. "da wäre ich auch geschockt, wenn ich mich nicht mehr daran erinnern könnte, dass ich nächtelang gechattet habe."
es hat keinen zweck, erkenne ich. der luxus-mann ist in seinem wahn resistent gegen jegliche tatsachen.
und ich weiß im grunde, dass wieder eine beziehung gescheitert ist.
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