der luxus-mann drängelt. er will nach island im sommer. pauschal-rundreise, in geysiren baden, in spannenden hotels wohnen. ich zögere. der kostenpunkt sind 2.000 euro. der ego-nutzen ist für mich zweifelhaft. ich reise lieber anders: bei fremden wohnen, sich von den menschen, die man irgendwo kennen lernt, mitziehen lassen und so dinge jenseits des tourismus entdecken. dafür scheiße ich auf schickimicki-hotels und sehenswürdigkeiten. interessiert mich nämlich alles nicht die bohne.
als ich das dem luxus-mann begreiflich machen will, meint er, das funktioniere aber als paar so nicht.
"jetzt aber mal hand aufs herz, unser hotel in wien hatte 5 sterne und war beschissen", maule ich. "und die ganze tourikacke habe ich auch nur dir zuliebe mitgemacht."
ich spreche mit meiner therapeutin darüber. "aber so ein urlaub kann ja einen lebenslangen wert haben", meint sie. "ich hab auch mal 5.000 euro für einen urlaub ausgegeben, das war auch für mich viel geld, aber es hat sich gelohnt. die eindrücke, das ist mir alles so, als wärs gestern gewesen. das bleibt ihnen doch ein leben lang als lebendige erinnerung erhalten."
ich bin nicht überzeugt.
"ich finde reisen stressig", sage ich. "ich bin nach zwei tagen wegen irgendwas genervt und dann todfroh, wieder zuhause zu sein."
meine therapeutin zuckt die schultern.
"wenn sie jetzt mal lernen, ihre permanente anspannung in den griff zu bekommen, haben sie bestimmt mehr energie."
abends ruft das objekt an, und weil ich gerade in laune bin, schnüffle ich ein bisschen in den hörer und vertraue ihm meine not an.
"ich war letztens in thailand mit der gespielin und meinem besten kumpel, das war toll, aber ich bin ja auch so... ich muss das nicht haben. gib mir die ostsee oder ein paar tage in meckpomm, das reicht mir", sagt es.
dann ermuntert es mich, mich doch einfach mal drauf einzulassen.
"vielleicht entdeckst du ja was, was dir was gibt. und wenns doof ist, machst du es eben nicht mehr. für mich wären 2.000 euro so viel geld, dass ich jahrelang sparen oder erstmal einen kredit aufnehmen müsste. du schaffst das, die kohle dafür in weniger als einem jahr auf die seite zu legen."
dann erzählt es mir, dass es die ausschreibung um eine fortbildung gewonnen hat und aus 60 leuten für die ausbildung zum fachkrankenpfleger ausgewählt wurde.
"super, glückwunsch, das freut mich so für dich!" sage ich von herzen.
"ich hab nur super viel schiss, weil man da so viele referate und arbeiten machen muss."
"du kennst doch mich", sage ich warm.
"ehrlich, würdest du mir helfen?"
"ja klar."
"ich muss aber erst mal schauen, ob ich das alles überhaupt machen kann. ich meine, so mit meinem sohn geht das inzwischen, aber ich muss dafür in andere städte reisen, dort in den kliniken lernen... das heißt, ich muss unheimlich mobil sein und mir hie und da auch mal eine unterkunft leisten können... dafür fehlen mir aber eigentlich die reserven. jetzt haben sie den unterhalt wieder hochgeschraubt und ich weiß gar nicht mehr, wie ich das schaffen soll. vorher hatte ich dann und wann mal 20-30 euro, die ich zurücklegen konnte, jetzt bleibt mir gar nichts mehr, obwohl ich auf so viel verzichte."
ich denke nach.
"ich möchte, dass du zwei dinge weißt. wenn du hilfe beim schreiben und präsentieren brauchst, bin ich da. aber ich würde dir auch helfen, wenn du mal finanzielle unterstützung brauchst, weil ich finde, das das eine gute investition in die zukunft ist. du hast mal gesagt, als fachkrankenpfleger hättest du auf einen schlag 300-400 euro brutto mehr. das lohnt sich doch."
das objekt ist sprachlos, fängt dann an zu stottern.
"ich... ich weiß gar nicht... ob ich das annehmen kann. weil... weil du doch auch so lange auf alles verzichten musstest. das... das ist so wahnsnnig... ich mein, du bist... du bist so ein guter mensch!"
"ich glaube, ich würde lieber geld in sowas investieren als in irgendwelche teuren reisen", sage ich. "das würde mir das gefühl einer sinnvollen investition geben."
"das möchte ich aber nicht", sagt das objekt sanft. "zuerst du. dann dein mann. dann kannst du weiter denken."
"ich würde das aber gern wollen", beharre ich. "du hast so viel scheiße am hacken und kämpfst wie ein löwe, du hast es verdienst, auch mal ein bisschen sicherheit zu haben, um auf einen guten stand zu kommen, wo du dir dann diese sicherheit selbst geben kannst."
wir sind uns nicht einig, als wir das gespräch beenden müssen, weil mein festnetz klingelt und der luxus-mann dran ist. aber ich habe das gute gefühl in der brust, jetzt in einer starken position zu sein, die es mir ermöglicht, dem objekt vielleicht etwas dafür zurückzugeben, dass es mich vor jahren mit so viel einsatz und herzblut durch meine stürmischen zeiten manövriert hat.