Samstag, 31. Januar 2026

ungewolltes rampenlicht

seit drei monaten gehe ich meinem neuen job nach. es ist ganz ok, einigermaßen interessant, aber auch sehr anstrengend. überstunden sind die regel, der ton ist hart und rau, der leistungsdruck enorm. 

also kein umfeld, in dem ich idealismus oder gar langfristige träume entwickle. wenn ich im lotto gewinnen würde, fiele mir augenblicklich der stift aus der hand. und wenn ich einen besseren job fände, wäre ich ohne lange zu fackeln weg. 

seit jahresbeginn habe ich nun allerdings vermehrt termine mit dem vorstand. daran nimmt die vorstandsrige plus die abteilungschefs plus der häuptling der unternehmenskommuniaktion teil. alles männer, allesamt in leader-positionen. gegenstand der meetings ist unsere außendarstellung.

ich selbst soll eigentlich nur als zuhörerin teilnehmen, um mir daraus hinweise fürs operative geschäft abzuleiten. aber mein hirn ist ja leidergottes ein feuerwerk. und da ich das herz auf der zunge trage, rutschen mir ideen und einwände oftmals einfach so raus.

im ersten meeting - einer verkopften, ins nichts führenden männer-diskussion mit beständigem schwanzvergleich - bescherte mir mein spontaner einwurf "also, das und das brauchen wir so und so aus dem und dem grund" die erste unfreiwillige aufmerksamkeit. 

zunächst die meines direkten chefs, der ebenfalls in diesen meetings saß. "stopp!" rief er verärgert. "das ist hier NICHT das thema!"

klar, ich hatte als neue noch keine genauere ahnung, um was es da ging, und ich vertrat die unterste hierachie - die befehlsempfängerin. da ich den maulkorb jedoch herablassend fand und cheffe selbst auch ideenlos schien, wurde ich sauer: "aber es ist logisch, so vorzugehen, weil wir das [von mir gesagte] für x und y brauchen."

ich rechnete danach mit einem weiteren abbügler sowie einer rüge für meinen tonfall, aber unser new yorker vorstands-oberboss brüllte in diesem moment begeistert mit seinem enormen männerorgan:

"doch! this is exactly what we need!" - und dann zu mir: "please, go on, morphine."

also machte ich noch sehr bescheiden zwei, drei ausführungen, betonte, dass es sich um rein theoretische und vollkommen optionale ideen handle, die aber eben praktisch, ökonomisch und zielführend wären. dann befahl der vorstand dem obersten kommunikationshäuptling, bis in zwei wochen ein erstes konzept zum geplanten paper zu machen. und zwar so, wie ich vorgeschlagen hatte. 

ich hatte nach diesem termin den eindruck, dass mein chef alles andere als angetan von meiner unerwünschten proaktivität war. doch wenn der vorstand so begeistert war, konnte er mich nicht nachträglich zusammenfalten. den kommunikationshäuptling beneidete ich ebenfalls nicht, der hatte jetzt dank mir eine mammutaufgabe an der backe.

dann hatten wir die zweite vorstandssitzung. der kommunikationshäuptling musste das konzept präsentieren, wofür er eine poppige powerpoint-präsentation mit vielen bunten bildern zusammengebastelt hatte. die ganz offensichtlich über die dürftigen inhalte hinwegtäuschen sollte.

der vorstand durchschaute das sofort und war not amused. mein chef wiegelte ab: das sei ja nun auch keine leichte aufgabe, auch nicht für einen super erfahrenen kommunikationshäuptling. man könne das durchaus diskutieren. dann begann erneut der männer-ego-schlagabtausch. 

ich saß herum und langweilte mich, aber in einer ecke meines hirns brodelte es schon wieder: "wenn ich einen vorschlag machen dürfte..." und dann erklärte ich, wie ich das paper-konzept strukturiert hätte, auf welche konkreten inhalte ich setzen würde und in welcher relation ich sie zueinander sehe, was dann exakt das gewünschte resultat erzielen würde.  

als ich fertig war, wartete ich auf einen erneuten maulkorb von cheffe. aber der kam nicht. dann meinte der vorstand, dass er meinen vorschlag großartig fand. und malte ihn weiter aus. der kommunikationshäuptling sagte gar nichts mehr. nur mein chef warf noch dann und wann ein: "jaja, genauso hätte ich das auch gemacht!" 

mein herzchen wummerte derweil technoid. ich konnte fühlen, wie meine dekorativen roten aufregungs-flecken im gesicht glühten. am liebsten wäre ich im erdboden versunken, aber ein bisschen stolz war ich natürlich trotzdem, als underdog die dicken krawatten-tiere beeindruckt zu haben.

dann kamen wir zum ende der einstündigen laberverstaltung, die man auch auf fünf minuten hätte zusammendampfen können. der vorstand wandte sich an mich - und trug mir kurz und knapp auf, das konzept für das paper zu erstellen.

na toll - da hatte ich mir mit meiner vorlauten fresse die aufgabe des kommunikationshäuptlings eingehandelt! 

und weiß jetzt gar nicht, wie ich das finden soll.

eigentlich wollte ich nur einen ruhigen schreibtisch-job mit hohem freiheits- und homeoffice-anteil. jetzt hatte ich häuptlings-aufgaben und war nicht nur keine häuptlingeline ohne häuptlingsgehalt, sondern auch immer noch ein newbie - und nicht zuletzt ein mensch, der jedes profilierungsgehabe hasst und selbst am liebsten unbehelligt unter dem radar läuft. ganz davon abgesehen hatte ich bereits mit meinen nichthäuptlings-aufgaben den arsch voll zu tun.

zwei tage später erfuhr ich via flurfunk, dass der vorstand den kommunikationshäuptling auf der abschussrampe positioniert hatte. hire und fire ist bei uns ja an der tagesordnung. 

das macht meine lage noch schwerer einschätzbar. frauen mit guten ideen laufen immer schnell gefahr, in einer männerwirtschaft zertrampelt oder schlichtweg gnadenlos ausgenutzt zu werden. wenn ich pech habe, bekomme ich jetzt ständig komplexe häuptlingsaufgaben, die ich on top zum tagesgeschäft für mein mickergehalt erledigen soll. 

was mir als neuling dann möglicherweise auch nicht in der gewünschten qualität gelingt. was wiederum hochgefährlich wäre, da unser vorstand so rasch begeistert wie enttäuscht ist und aus dieser spontanen emotion heraus entscheidungen trifft, die blitzschnell folgen für ein arbeitsverhältnis haben können. selbst wenn ich zehnmal abliefere und das elfte mal verkacke, bin ich garantiert genauso fix weg vom fenster wie der häuptling der unternehmenskommunikation.

falls jemand einen guten rat oder am besten eigene erfahrungen hat, wie man sich in so einer situation politisch geschickt verhält, wäre ich sehr interessiert. gerne auch via e-mail. 

Mittwoch, 28. Januar 2026

mensch versus maschine

ich bin begeisterte zweite-weltkrieg-doku-guckerin. es entspannt mich, wenn ich schwarzweiße bewegtbilder aus dieser zeit sehe - beispielsweise bomben, die auf städte fallen, halberfrorene wehrmachtsoldaten in russland oder ein kz-krematorium von innen. fragen sie mich nicht warum, es geht mir auch mit horrorfilmen so.

auf du-röhre findet sich theoretisch jede menge für meinen geschmack passendes material. allerdings steigt der anteil ki-generierter beiträge darunter massiv. 

kürzlich fiel mir mit erstaunen auf, dass mich diese videos nahezu kaltlassen - ja, dass meine aufmerksamkeit regelmäßig abschweift und ich mich am ende an den inhalt kaum erinnern kann.

woran liegt das, fragte ich mich? die ki-videos sind alle gut gemacht, geradezu voyeuristisch aufbereitet, übertreffen einander mit spektakulärem bildmaterial und bewegenden geschichten. auch das niveau ist niedrig-verständlich gehalten und der inhalt sogar für geistige zwerge leicht zu erfassen.

irgendwann fiel es mir wie schuppen von den augen: maßgeblich verantwortlich für den demenz-effekt muss der sound dieser videos sein. ein ki-sprecher nimmt mich einfach null mit. seine tonlage ist in der regel zwar professionell, aber belanglos-monoton, die stimme fast ohne modulation. wenn er beispielsweise über die gegen politische gefangene eingesetzten foltermethoden spricht, klingt es, als beschreibe er die einrichtung eines wohnzimmers oder verlese eine gebrauchsanweisung. 

darüber hinaus ist im hintergrund fast überall dieselbe vermutlich lizenzfreie soundkulisse installiert. auch sie ist kalt, beliebig und ohne jegliche emotion. sie könnte ebenso landschaftsaufnahmen intonieren, ein tutorial für excelkalkulation oder den maschinellen abfüllprozess von tütensuppe. 

kurzum, ein teil meines gehirns muss sich beim zuhören derart langweilen, dass es direkt abschaltet.

vermutlich bin ich einfach zu alt für die beschränkte intelligenz der künstlichkeit. oder es zeigt sich hier, was ki auf nachfrage durchaus auch von sich selbst behauptet - nicht ansatzweise mit einem menschen mithalten zu können, wenn es um emotion und authentizität geht. zumindest noch nicht. 

und das finde ich irgendwie sehr beruhigend.

Donnerstag, 22. Januar 2026

in flauschiger mission

kürzlich ereilte mich die anfrage eines älteren ehepaars, ob ich nicht ihren kater vorübergehend aufnehmen wolle. die besitzer planen, mehrfach jährlich für mehrere wochen in ihrer finca auf malle zu weilen und haben keinen nerv, el kater in ein flugzeug einzuchecken.

was mich in ein mächtiges dilemma stürzte, denn ich liebe katzen. allerdings bin ich als langweilige mittvierziger-vollspießerin seit rund zwei jahren besitzerin einer teuren ledercouch. sie ist das einzige möbelstück in meiner wohnung, das einen vierstelligen betrag gekostet hat.

couch und katze vertragen sich erfahrungsgemäß schlecht. der letzte gastkater ließ sich nicht lange von kissen, kisten und anderem mit bedacht installiertem rückzugs-gedöns beeindrucken. er hatte zielgerichtet die mit einer decke großflächig geschützte couch als sein reich auserkoren. die eroberung erfolgte in seinem speziellen fall von unten: er quetschte sich immer wieder unter das gute stück und schabte so lange mit den krallen an der stoffbespannung der unterseite, bis er ein großes loch hineingefetzt hatte. 

ab diesem zeitpunkt wohnte er gewissermaßen in der couch und kam nur zum fressen und zur abendlichen kuschelrunde heraus. was der couch nicht wirklich gut tat, zumindest ihrer stoffbespannung nicht, die seither ausgeleiert durchhängt.

leider finde ich katzige anarchie nicht nur nervig, sondern auch unwiderstehlich. und immerhin weilt die black princess jetzt schon 7 jahre jenseits des regenbogens. 

maybe it´s time for a fluffy mission. habe ja auch sonst nix sinnvolles zu tun. 

Donnerstag, 8. Januar 2026

hamburg im schnee, winterdienst adé

warnhinweis: dies ist ein SATIRISCHER beitrag. es scheint sehr viele leser zu geben, die glauben, ich meinte das alles BLUTERNST. für diese und andere wutbürger hier der hinweis: nein, ich glaube nicht, dass winter-dienstangestellte ihre tage verschlafen oder nur kaffee trinken. aber sehr wohl, dass "oben" bei den entscheidern gehörig viel schief läuft, worunter dann auch angestellte aus der exekutive leiden - zumindest hier vor ort.  

wenn sie nicht in der lage sind, das zu verstehen, sollten sie jetzt nicht weiterlesen. und vor allem: nicht kommentieren.

*** 

wie sie vielleicht wissen, gleicht hamburg derzeit der arktis. es liegen bereits locker 30 cm schnee - und es schneit weiter. 

die stadt ist quasi zum stillstand gekommen. busse und s-bahnen fahren allenfalls sporadisch. große straßen werden hin und wieder gesalzen, aber nebenstraßen und gehwege versinken unter eis und schneemassen. jeder weg ist nach draußen ist eine gefahr für leib und leben laut katwarn.

neben dachlawinen und herabstürzenden ästen bestehen massive sturzgefahr und verkehrsbehinderungen. dieser teil fällt jedoch in die verantwortung des leider keineswegs so winterfesten winterdiensts in hamburg. der funktioniert in etwa so zuverlässig wie die bahn: manchmal kommt er, manchmal nicht, und sehr oft viel zu spät. 

in den köpfen der verantwortlichen des winterdiensts in hamburg muss es in etwa so abgehen:

tag 1, schneegestöber und vereiste straßen: "hm, bisschen schnee. ist aber ja freitag. fast wochenende. wir machen lieber gleich feierabend!"

tag 2, es liegt 20 cm schnee. winterdienst: "hoch die hände, wochenende!"

tag 3, 30 cm schnee. winterdienst: *schnarch* 

tag 4, montag. die stadt ist in kaltem weiß versunken. winterdienst: "jo, dann schicken wir mal so langsam ein paar wenige erste schneeräum-fahrzeuge los. aber nur auf die hauptstraßen! und wir räumen auch nicht, wir lassen nur ein bissl salz draufrieseln. das fährt sich dann schon irgendwie fest."

tag 5. weiterer neuschnee. winterdienst: "das ist aber doof, denn eigentlich müssten wir schon wieder ausrücken. aber warten wir doch lieber bis morgen. vielleicht kommt ja eine unerwartete wärmewelle!"

tag 6. der neuschnee ist mit der bestehenden eisdecke zusammengefroren und bildet eine ultraglatte, superdicke eis- und schneeschicht. es schneit derweil weiter. winterdienst: "jetzt können wir auch nix mehr machen. lass mal schlafen gehen!" 

tag 7. weiterer neuschnee. winterdienst: "jo, ist ja nun schon wieder freitag, also quasi wochenende... wir sind dann mal weg!"

aber nein, ich habe unrecht! heute, an tag 7, habe ich erstmalig ein winterdienst-schneeräum-fahrzeug in meiner straße entdeckt. es fuhr ein paar mal geschäftig auf dem gehweg hin und her, ein wenig schnee flog zur seite auf die eingeschneiten autos. zurück blieb eine spiegelglatte eisdecke mit festgefahrenem schnee. gestreut wurde nicht ein krümel. 

ach lieber winterdienst, dann lasst es doch gleich bleiben.

Dienstag, 23. Dezember 2025

a little self love

meine jahresbilanzen sind traditionell tiefschwarz. mit blick auf gesellschaft, umwelt und geopolitische zukunft hat sich das auch 2025 nicht verändert: eine regierungsunfähige regierung aus korrupten maulhelden, eine ethisch verwahrlosende gesellschaft, ständig irgendwo krieg wegen ungebumsten weißen alten männern, und dazu co2-emissionen auf neuem rekordhoch (und falls hier gleich der anklage-zeigefinder richtung asien kommt: china und indien sind die länder, die ihre emissionen am stärksten senken konnten).

nach außen schauen kann man also nicht, ohne mit 100%iger sicherheit zu wissen: alles ist lost, und es wird noch unvollstellbar viel schlimmer werden.

also lassen wir das einfach sein. es führt sowieso zu nichts.

was mich selbst betrifft, muss ich diesmal allerdings anerkennend nicken: dieses jahr hat mich über die maßen gefordert mit schwerwiegendsten problemen - beruflich, familiär, gesundheitlich - und das alles auf einmal. aber ich habe bestanden. 

ich mache - stand jetzt - offenbar einen guten job. mein chef ist zufrieden mit mir, mein team findet mich in ordnung und meine direkte vorgesetzte mag mich sogar richtig gerne. mein vater ist in seinem heim nicht glücklich, aber best- und nächstmöglich aufgehoben, was auch meiner mutter dankbarkeit abringt.

ich bin tatsächlich ein bisschen stolz, das gewuppt zu haben. hab ich gut gemacht, doch. das alles hätte nicht jeder geschafft - vor allem nicht so komplett im alleingang, ohne vitamin b, gutes zureden oder eine helfende hand von freunden und bekannten. natürlich ist da stets die kleine, fiese mecker-stimme im hinterkopf, die beispielsweise nöhlt: warum warst du so dämlich und hast dich mit diesem kleinen gehalt abspeisen lassen! aber diese stimme hat ja immer das maul auf.

als ich kürzlich beim quartals-check bei meiner psychiaterin war, sagte diese grinsend zur begrüßung: "na, die stimmung ist aber gut! sie sitzen schon ganz anders als sonst!" später zuhause horchte ich dann in mich hinein und stellte fest, dass ich mich in der tat innerlich ruhiger fühlte als die monate zuvor, dass ich abends ohne den angstvollen gedankenkreisel einschlafe. was auch immer, wie auch immer: vielleicht habe ich etwas dazugelernt, und das meine ich nicht kognitiv, sondern emotional.

und noch etwas emotional kurioses geht gerade in mir vor: ich freue mich auf weihnachten! vorfreude ist ein gefühl, das ich schon seit ewigkeiten nicht mehr hatte - erst recht nicht wegen so eines banalen fress- und konsumereignisses. das ist ein echtes kleines wunder. 

mir ist bewusst, dass ich derzeit in einer blase sitze, die ich als problempause bezeichnen würde. ab januar droht ein deutliches plus an beruflichem stress, niemand weiß zudem, wie schnell es mit meinem vater weiter bergab geht, oder ob als nächstes meiner mutter etwas schlimmes passiert. ich weiß auch nicht, wie sich meine herzerkrankung entwickeln oder ob die luxus-beziehung weiter bestehen wird. auch ist ungewiss, ob und wann mein schizo-nachbar wieder mordpläne ausheckt oder vielleicht das haus abfackelt.

aber ich habe gerade ausnahmsweise mal keine angst. ich glaube, nein, ich habe das naive gefühl, ich packe das irgendwie, auch ganz alleine - und werde es noch nicht mal total schlecht machen. das ist recht neu für mich. aber durchaus sehr schön und beruhigend.

haben sie das bestmögliche weihnachtsfest. am besten mit einer portion selbstliebe, notfalls auch im alleingang.

am besten geht´s mit etwas gemütlicher weihnachtsmusik.