nachdem meine depression im juni derart vehement zurückgekehrt war, dass nichts anderes mehr so recht half, bin ich seit gut zwei wochen wieder auf escitalopram. prinzipiell ist mir das aufgrund meiner herzrhythmusstörung ärztlich untersagt. aber ich habe mich nun eigenmächtig gegen suizidales kreisen für einen potenziellen fröhlichen herzstillstand mit mitte vierzig entschieden.
der effekt des medikaments war wie immer frappierend geil. schon nach zwei tagen hatte ich das gefühl, als wäre dieser zentnerschwere, rippenzerquetschende pflasterstein auf meiner brust verschwunden. verdauungs- und rückenprobleme? von hundert auf null. depressive und ängstliche gedanken: existent, aber weder groß stimmungsbeeinträchtigend noch schlafraubend. unfreundliche menschen und der sinnentleerte arbeitsalltag: unverändert vorhanden, aber mir überwiegend komplett gleichgültig.
escitalopram hat neben der latenten todesgefahr noch zwei weitere unangenehme nebenwirkungen bei mir. eine kannte ich bereits - ein schlafbedürfnis von mindestens neun, besser zehn stunden. trotz luxus-protest gehe ich nun also um 21:30 uhr zu bett. sobald mein kopf das kissen berührt, bin ich auch schon weg und schlafe tief und traumarm.
die zweite nebenwirkung ist mir neu und offenbar perimenopausal mitbedingt: das zeug trocknet meine verschrumpelnden augäpfel komplett aus. ich habe nun also permanent rote, brennende augen wie ein hardcore-kiffer. spätestens alle zwei stunden brauche ich augentropfen. aber dank des scheißegal-gefühls bin ich auch davon nur partiell genervt.
schön ist, dass das energielevel nun langsam ansteigt. nachdem ich zuerst einen zuwachs an körperlicher kraft verspürte - 150 squads bringen mich im moment nicht einmal ansatzweise ins schwitzen - kehrt langsam auch die seelische energie zurück. nach längerer pause habe ich es geschafft, mal wieder mit der objekt-mama zu telefonieren und sogar einen videogruß des objekts anzusehen, ohne mich danach tagelang verzweifelt, wütend und verlassen zu fühlen und mich gedanklich endlos an diesem unfairen schicksal abarbeiten zu müssen.
verflucht und halleluja. übernächste woche muss ich das dann alles mal schonend meiner psychiaterin beibringen.
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