Dienstag, 15. September 2026

work-sleep-balance

beinahe jeden morgen stehe ich in der bahn. unter maximalem druck: die nähe der menschen. schlecht riechender menschen. lauter menschen. menschen, deren verlorenheit und aggression ich regelrecht spüren kann. die ich aufsauge, mittragen muss.

ich mag nicht sitzen, auch wenn meine fahrt eine ganze stunde dauert. sitzen bedeutet, eingeklemmt zu werden in diese gerüche und geräusche und fremden gefühle. ich stehe, um fliehen zu können, auch wenn die füße und der rücken schmerzen. 

komme ich im büro an, bin ich bereits derart gestresst, dass ich erst einmal blockatmen muss. dabei stelle ich mir vor, wie ich mit einer waffe durch die räume gehe und in jeden eine salve abfeuere - bis alles totenstill ist. 

erst dann habe ich die kraft, mir die maske der normalität überzustreifen und mich all dem sinnentleerten, absurden müll, den sie hier aufgeregt tasks und projects nennen, zu widmen. dazusitzen, die mundwinkel angestrengt richtung ohren gespannt, kompetenz vortäuschend, acht, neun, und mehr stunden täglich. 

abends steige ich in mein bett wie in einen sarg und stelle mir vor, nie wieder aufwachen zu müssen.  

 


 

12 Kommentare:

  1. "komme ich im Büro an … und mehr Stunden täglich."
    ... auweia — hört sich nicht gut an.
    Nicht dass es wie Mentalcoach-Gequatsche rüberkommt — aber da braucht es nen Ausgleich. Und wenns nur ein Ausflug ins Naturschutzgebiet mit "Spinnen-, Ameisen- und Vogelnester-gucken mit nem Fernglas ist.
    Gruß, Jens

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    1. ich hab gar kein so großes problem damit, 9 oder 10 stunden zu arbeiten. wenn ichs von zuhause aus machen kann. mit der pendelei sind es aber eher 12 stunden arbeit.

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  2. Wie ist denn sonst so das Fazit nach fast einem Jahr im Job?

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    1. sagen wir so: hochdosierte antidepressiva halten mich am leben, während ich mich weiter umsehe.

      als neurodiverser mensch brauche ich ein wenig struktur sowie ein mindestmaß an menschlichkeit, was man in toxischen arbeitsbedingungen nicht findet. bis auf die zweieinhalb jahre in einem bildungsprojekt hatte ich bislang überall toxische arbeitsbedingungen: ausschließliche ausrichtung auf profit, wobei die mitarbeiter für mickrige gehälter wie zitronen ausgepresst wurden und mobbing nicht nur nicht erkannt, sondern sogar noch gefördert wurde, weil es als karrieregeilheit missinterpretiert wurde. während von oben täglich mit kündigung gedroht wurde.

      ich habe mal mit ki meine möglichkeiten durchanalysiert, ich passe aufgrund meiner disposition nur in sehr wenige jobs: stiftungen, bildungseinrichtungen, krankenhäuser. das wars. auf jeden fall aber ein geordneter spießerjob, tarifvertrag, durch betriebsrat geschütztes arbeiten, sowas. um in so eine forma reinzukommen reinzukommen, braucht man in meiner branche am besten beziehungen. die ich nicht habe. als muss ich weiterhin klinken putzen. was neben dem arbeitspensum und dem pflege- und bürokratie aufwand für meinen vater dafür sorgt, dass ich für alles zu müde bin, was spaß macht.

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    2. Das klingt furchtbar. Mobbing holt einen leider immer wieder ein und das reaktiviert alle Ängste und Erinnerungen sofort wieder. Wenn man anders tickt als andere, gerät man so häufig in den Fokus. Ich würde das gerne abstellen. Hattest Du mal überlegt, Dich komplett umzuorientieren? Ich frage mich oft, wie Du das auf diese weite Entfernung überhaupt hinbekommst mit Deinen Eltern.

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    3. gemobbt werde ich im moment ja ausnahmsweise mal nicht, das ist das einzige gute. ;-) aber es kam zuletzt schon öfter vor und es begleitet mich seit schulzeiten. ich habe neulich eine interessante doku gesehen, warum es immer wieder dieselben personen trifft - wir senden offenbar unbewusste signale, die psychopathen und narzissten vermittelt: hier, die da! deshalb hab ich auch immer narzissten als partner.

      was anderes machen: im sommer habe ich x-mal weiterbildungsberatungen in anspruch genommen und mich ungefähr 35x als quereinsteigerin beworben. u.a. in banken, versicherungen, genossenschaften.

      resonsanz so: hm ja. also es wäre schon voraussetzung für den gewünschten quereinstieg, dass ich eine kaufmännische ausbildung vorweisen könnte. (so viel zum thema "quereinstieg".) dass ich gegründet habe, selbstständig bin/war und seit 18 jahren im marketing arbeite, reicht übrigens nicht, um kaufmännische fähigkeiten nachzuweisen. ich brauche diesen fucking drecks scheiß ausbildungsabschluss.

      den nachzumachen ich ja prinzipiell auch bereit wäre. so schwer kann das ja nicht sein. aber dann wurde es eben noch mal richtig, richtig kompliziert: man kann diesen abschluss zwar nachmachen, indem man eine umschulung zur kauffrau für beschissene scheiß macht. dauert 2 jahre. ABER: man hat damit keine chance auf dem arbeitsmarkt, weil unternehmen wenn dann bitteschön schon gerne hätte, dass man die ausbildung IM UNTERNEHMEN selbst gemacht hat.
      sag ich so: kein problem, dann bewerbe ich mich halt für ihre beschissene inhouse-ausbildung! ABER nein, so einfach ist das dann nicht. denn: für eine ausbildung bin ich leider, ähm, zu alt. und überqualifiziert.

      ja, ach, dieser fachkräftemangel ist schon schlimm! und ja, wie gern sie so jemand erfahrenes wie mich hätten! aber leider, leider, die vorschriften!

      was ich in diesem sommer über dieses land gelernt habe, passt in kein satire-buch. wirklich nicht. gäbe es einen preis für wirtschaftliche selbstsabotage, deutschland wäre außerhalb jeder konkurrenz. kein wunder, dass sich der rest von europa über uns kaputtlacht.

      das mit meinen eltern funktioniert, weil es funktionieren muss. arsch aufreißen und durch. ich habe weder geschwister noch sonst irgendjemanden auf der welt, der mich unterstützen würde. alles, was ich tue, ist alternativlos.

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    4. Das geht mir sehr nahe und ich bin froh, dass es bei Dir aktuell kein Mobbing gibt. Ich habe das bis vor kurzem wieder erlebt und diese Ängste und Hilflosigkeit sind unaushaltbar. Es gab bei mir wenige Begegnungen mit Narzissten, aber die waren schlimm und ihre Lügengeschichten. Wenn sie einen nicht manipulieren können, dann machen sie es eben mit dem Umfeld.

      Da ich selbst eine kaufmännische Ausbildung habe, denke ich, das würdest Du locker schaffen, aber in so kurzer Zeit ist das hardcore und viele Skills hast Du sowieso schon. Das ist eine scheiß Bürokratie und sie nützt niemandem. Ich halte das einfach für dumm. Aber auf dem Land hier scheint mir das einfacher zu sein, den Fuß in die Tür zu bekommen.

      Ja, deswegen, weil Du niemanden hast, das ist schwer zu ertragen, weil es mit vielen Schultern schon hart ist. Halte durch. <3

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    5. ich konzentriere mich derzeit darauf, möglichst frühzeitig aus dem job auszuscheiden. sprich: sparsam leben, möglichst gute renditen aus kapitalanlagen erwirtschaften - und dann muss ich mal schauen, ob ich mit all meinen chronischen erkrankungen nicht doch eine schwerbehinderung anerkannt bekomme. ich brauche ja keine villa und keinen porsche und keine markenklamotten. alles, was ich am ende will, ist meine freiheit, und zwar bei ein klein wenig sicherheit, notfalls einer erwerbsminderungsrente.
      das heißt nicht, dass ich einen guten und herausfordernden job, bei dem vor allem der chef stimmt, nicht annehmen würde. aber ich glaube einfach nicht mehr dran, dass sowas noch kommt. chefs sind ja auch fast alle narzissten. ;-)

      das tut mir sehr leid, dass es dich mobbingtechnisch so getroffen hat. passiert dir das öfter und in unterschiedlichen kontexten? dann würde das nämlich in diese wiederholungsopfer-theorie passen.

      das schlimme an narzissten ist für mich, dass es für sie neben sich selbst eben nichts gibt. egal was du tust oder wie empathisch du auch argumentierst. in solchen beziehungen war ich oft eine art mischung aus kümmer-mutti/krankenschwester (weil narzissten ständig eingebildete wehwehchen haben und betüddelei einfordern), sex-automat (damit sich der herr beweisen kann, dass er einen wahrlich mächtigen penis besitzt, weshalb auch gern an der schmerzgrenze gefickt wurde) und punching-ball zum beliebigen abwerten im falle spontaner schlechter laune und/oder eifersucht.
      irgendwie hilft´s nicht, dass ich das alles weiß, ich laufe da komplett auf autopilot. ;-)

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    6. Warum auch nicht? Man muss sich ja nicht auf Teufel komm raus bis zum Ende quälen. Es ist doch besser so, als dass man sich bis zur Rente abrackert für nichts und sich nie selbst eingestehen kann, dass man es aus gesundheitlichen Gründen gar nicht schaffen kann.

      Dankeschön! Narzisstisch war es bei mir nur die Arbeit betreffend und die beiden Personen sind mittlerweile weg. Ich habe massive Ängste entwickelt, vertraue auf der Arbeit niemanden mehr, erzähle nur noch bedingt Privates und halte mich generell fern. Irgendwann wusste ich auch nicht mehr, wer ich war. Ich wirke anders nach außen, als ich bin. Vielleicht maskiere ich zu viel, keine Ahnung. Irgendwas stimmt da mit der Wahrnehmung nicht.

      Ich kann solche Menschen schon erkennen und bin eher nicht zu beeinflussen, aber wenn sich eine Gruppe zusammen schließt, hat man doch keine Chance. Ich werde eben still und mein Ich verschwindet irgendwann. Mein Problem ist vor allem, dass ich trotzdem immer das Gute in Menschen sehen möchte. Ich bin zu dem zu anfällig für Stimmungen.

      Man kann nicht ändern, wer man ist und so gerät man immer wieder an solche Menschen. Es tut mir sehr leid für Dich und um all die Erfahrungen und auch aus Deiner Kindheit. Das ist einfach nicht fair.

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    7. ja, gegen gruppen hat man absolut keine chance. war in einem meiner jobs auch so. die sind dann gesammelt zum chef gerannt und haben fehler erfunden, die ich angeblich gemacht hatte. oder haben mich falsch gebrieft, damit ich mich vor versammelter mannschaft bis auf die knochen blamiere. einzeln war die lustigerweise ganz freundlich, teils sogar unterstützend. aber das ist wohl oft so, nur in der meute wird man schamlos.

      ich habe natürlich auch erstmal gedacht, ich bin es, die unfähig ist. die nicht richtig zugehört hat. oder die nicht oft genug nachgefragt hat. aber so war dem nicht (was mir dann auch andere kollegen bestätigten - und am ende hats der chef sogar selbst zugegeben, während er mir die kündigung in die hand drückte).

      ich versuche eben, die ganzen negativen erfahrungen auch positiv zu sehen, indem ich so meine learnings draus ziehe: es gibt keinen grund für haltlose illusionen, dass jeder etwas gutes in sich hat (eine annahme, zu der ich als naivschaf ja durchaus auch tendiere). manche menschen sind einfach arschlöcher - zu 150%. kein grund, sich irgendwie zu engagieren oder denen auch nur mit freundlichkeit zu begegnen. einer aus dem vorstand bspw... wenn den mal ein auto überfahren würde, da würde ich dem unfallfahrer sogar einen dankesbrief für schreiben.

      aber es gibt eben auch immer wieder lichtblicke. manchmal dort, wo man es nicht erwartet. manche menschen begegnen einem ja erstmal kühl und ruppig und irgendwann lernt man dann ihre verletzliche seite kennen. sowas finde ich wunderschön. da entsteht dann auch vertrauen und tiefe.

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    8. Ich halte das ebenfalls so. Alles hat zwei Seiten und irgendwie seinen Grund. Was kann ich Positives mitnehmen oder entsprechend umwandeln. Der Weg hat bisher gut funktioniert. Es hilft auch gegen Verbitterung. Dem Rest begegne ich stoisch und geduldig. Denn das zahlt sich oftmals aus.

      Ja, manchmal muss man sich die Zeit nehmen und genau hinschauen.
      Ich mag diese unverhofften Wendungen und Überraschungen mit Menschen. :)

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    9. ja, ich bin ja auch schon misstrauisch genug, bitter will ich nicht werden. zumindest nicht gegenüber denjenigen, die das nicht verdient haben. :-)

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danke für deinen kommentar. ist er hilfreich, fair und sachlich, wird er nach freischaltung veröffentlicht. kontextfreie, rassistische und sonstige arschloch-scheiße wird sofort gelöscht.