Freitag, 7. August 2026

bahnfahren, aber richtig

wer mit der deutschen bahn fährt, erfreut sich nicht nur an verspätungen, zugausfällen oder defekten toiletten. auch das verhalten von mitreisenden kann eine gewisse herausforderung darstellen. an dieser stelle daher eine kleine gebrauchsanleitung für reibungslose, angenehme bahnreisen.

1. zügig einsteigen

versuche stets, möglichst schnell in den zug zu gelangen. quetsche dich dafür rücksichtlos an aussteigenden reisenden vorbei völlig random in einen beliebigen wagen. nutze am besten deinen koffer als rammbock. als arschloch hast du hast immer vorfahrt!

2. abteil finden

bleibe nun in zentraler position im eingangsbereich stehen, suche dein handy in den tiefen deiner tasche und schaue dann in ruhe nach deiner wagennummer. lass dich dabei nicht von nachrückenden reisenden stören. schließlich ist es dein gutes recht, verpeilt zu sein.

3. sitzplatz finden

vermeide es auch unbedingt, deine sitzplatz-nummer zu kennen. wiederhole für die sitzplatz-suche den in 2. beschriebenen recherche-prozess. positioniere dich dabei breit im gang und lasse auch deine koffer im weg herumstehen. 

4. koffer verstauen 

verstaue deine koffer niemals in der gepäckablage. nutze dafür entweder noch freie sitzplätze oder den gang - insbesondere bei hoher zugauslastung. 

5. schuhe ausziehen

sobald du sitzt, ziehe deine durchgeschwitzten, käsig duftenden schuhe aus und platziere deine ungewaschenen füße auf dem gegenüberliegenden sitz. in dieser zentralen position verteilt sich dein fußschweiß-aroma ideal im raum. 

tipp: wahre kenner investieren in dieses erlebnis, indem sie zwei wochen vor der reise nicht mehr duschen.

6. snack einnehmen

reisen macht hungrig. packe daher genug proviant ein, am besten döner, leberwurst oder ein brot mit harzer käse. auch ein bierchen in ehren kann niemand verwehren. 

während du isst, schmatze ausgiebig und verteile deine krümel in einem großzügigen radius. du bist nun mal ein echter gourmand - was auch jeder wissen soll! 

7. müllentsorgung 

müllbehälter der bahn sind grundsätzlich ungeeignet, um abfall loszuwerden. nutze stattdessen sitzplätze, den tisch oder einfach den boden als müllhalde. auch die toilette bietet eine kreative möglichkeit, um insbesondere größere plastikverpackungen zu entsorgen. 

8. entspannung finden

geniere dich nicht, während der bahnfahrt deinen körperlichen bedürfnissen nachzukommen - zum beispiel furzen, geräuschvolles hochziehen von rotz durch die nase oder gemütliches kratzen und schubbern im genitalbereich. es ist wichtig, dass du als vollassi auch auf reisen ganz du selbst bleibst.

9. telefonieren

zugfahrten sind lang und öde? das war gestern! per videotelefonie oder freisprecheinstellung kannst du stundenlange streitgespräche mit verwandten führen oder freunden nebensächliche bis unappetitliche details aus deinem leben schildern. 

achte dabei darauf, möglichst laut zu sprechen und die handylautstärke auf ein maximum hochzudrehen. so vermeidest du, dass mitreisenden deine erfrischende minderbemittelheit entgeht. 

10. videos gucken

der konsum von tiktok- oder musikvideos ist ebenfalls ein idealer zeitvertreib auf bahnreisen. verwende dabei niemals kopfhörer, sondern lasse dein umfeld so intensiv wie nur möglich an deinem beschränkten horizont und deinen kulturellen vorlieben teilhaben. 

interagiere dabei lebhaft mit den inhalten, indem du laut mitsingst oder schallend lachst - du bist nun mal ein fröhlicher vollidiot, der sich nicht unnötig für seine schlechten manieren schämt. 

 


9 Kommentare:

  1. Darf ich Punkt 8 ergänzen? Ich hatte mal jemanden, der sich allen Ernstes im Zug rasiert hat. In der Sitzreihe vor mir. Trocken. Mit nem Akku-Rasierer. Ausführlich. Ungeniert.

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    1. uha. sehr appetitlich.

      ich hatte kürzlich zwei mädels in meinem wagen, so um die mitte/ende 20, die saßen direkt hinter mir. und die haben sich im abteil umgezogen. also aufgestanden, koffer aufgemacht, raus aus den schuhen und runter mit der büx. und dann standen sie da in unterwäsche, so 20 zentimeter mit den wabbligen cellulite-ärschen vor meinem gesicht, und wühlten im koffer.
      die eine hat das sage und schreibe VIERMAL während drei stunden fahrt praktiziert! erst sommerkleid, dann schlabber-jogginghose (versteh ich ja sogar noch, wenn man es im zug bequemer haben will), dann hässlicher 80er-jahre-leo-look, und zum schluss das unter teens und twens heutzutage übliche beige rentner-outfit.
      ALTER! da nehm ich doch meine sieben sachen und mach das auf der toilette!

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  2. ... ein Spiegel der Gesellschaft. Ich gehe davon aus, dass alle Ratschläge auch so, oder so ähnlich, erlebt wurden. Blödheit und Rücksichtslosigkeit — immer öfter immer extremer. Man/Frau möchte zum Einsiedler werden.
    Gruß, Jens

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    1. ja, irgendwie schon. vor allem diese widerlichen kackbratzen von handy-lautplärrenlassern hängen inzwischen fast überall herum und belästigen das gesamte umfeld mit ihrer scheiße.

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  3. "handy-lautplärrenlassern"
    ... ich frage mich seit gefühlt 10 Jahren, was haben die alle Wichtiges zu besprechen, was keinen Aufschub erlaubt? "Mami unser Haus brennt" — "Kind, dein Hamster ist gerade von der Katze gefressen worden" — "mein Auto springt nicht an"
    Akzeptieren kann ich: "bin beim Doc durch, kannst mich abholen, stehe draußen" (noch nie mitbekommen) — "hab mich aufs Maul gelegt, kannst mich zum Krankenhaus bringen?" (ebenfalss noch nie mitbekommen).

    Ergo bin vermute ich, dass ich vollkommen belangloses Gerede unterstelle, welches qua Verfügbarkeit und Möglichkeit, Jetzt! Sofort! Unmittelbar! in den Äther bequem abgesondert wird und dem eigenen, vollkommen sinnlosen Leben, für einen kurzen Moment etwas Pseudo-Sinnhaftigkeit gegeben wird: "der Kevin hat gesterm beim Date gepupst."
    Gruß Jens

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    1. ich glaube, da macht sich keiner gedanken drum. so wie leute ihren grenzdebilen rotz stündlich in die social media hauen, so hauen sie ihn auch sonst in der öffentlichkeit raus.
      der hvv verbietet dieses handy-lautplärren-lassen seit kurzem, was ich anfänglich sehr begrüßt habe. aber enthemmte menschenmassen lassen sich von verboten natürlich nicht aufhalten, insbesondere wenn ihr überschreiten konsequenzenlos bleibt.

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  4. Einfach herrlich, ich lache mich gerade kaputt!! So lustig wie wahr! 🤣

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    1. ja, solange man noch lachen kann, sollte man das unbedingt tun. manchmal ist mir allerdings auch nach einem kurzen, aber durchschlagenden gewaltakt. ;-)

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  5. Siewurdengelesen15. August 2026 um 03:46

    Ist das nicht eher der Normalzustand?

    Was auch noch fehlt, sind die Radfahrer (bin selber einer), die meist in Herden und mit vollbepackten E-Bikes den Zug ohne Rücksicht auf Verluste stürmen und wegen denen selbst Rollis und Kinderwagen stehenbleiben dürften, die es aber nicht fertig bringen, zum Platzgewinn ihren halben mitgeführten Haushalt abzuladen.

    Dann gibt es noch die Fussballdeppen, Volksfestbesucher und ähnliche Horden, die das Reisen schmackhaft machen und speziell Richtung Schuljahresende die Klassenausflüge, bei denen selbige stationsweise ein- und aussteigen und das aber zur Sicherheit alle an einer Türe.

    Der End-Move bei solchen Fahrten sind dann die Frage des Lehrers an das bahnpersonal, ob der durch diese Maßnahme erfolgreich (weiter) verspätete Zug den gewünschten Anschluß noch erreicht - möglichst kurz vor dem Zielbahnhof...

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danke für deinen kommentar. ist er hilfreich, fair und sachlich, wird er nach freischaltung veröffentlicht. kontextfreie, rassistische und sonstige arschloch-scheiße wird sofort gelöscht.