Freitag, 6. Dezember 2019

tristesse deluxe

das jahr neigt sich zu ende. nieselgrau umschließt mich.
die unterschiede zwischen tag und nacht verschwimmen.
bin ich wach oder träume ich?
bin ich überhaupt noch da?

mich zwischen mit glühwein angereicherten menschenmengen in züge und busse gequetscht und kurzerhand das objekt besucht.
das hängt genauso durch wie ich.
so lange liegt es nun schon in diesem bett in der pflegeeinrichtung, und auch wenn mich diese traurige gefangenschaft sonst immer dankbar ob meiner an sich popeligen probleme stimmt: heute falle ich mit dem objekt ins bodenlose.
nie zuvor war es so schwer zu durchdringen. zum ersten mal zweifle ich, ob noch stimmt, was es immer von mir behauptete: du hast den schlüssel zu mir.
mein offensichtliche unfähigkeit lähmt mich. zugleich fehlt mir in meiner not die response, die umarmung, die nähe. fast bin ich froh, als ich wieder gehen kann.

ich schreibe in meiner todesstimmung dem luxus-mann, doch es bedarf einer weiteren aufforderung, damit er auf die idee kommt, mich mal anzurufen. an den verzögerten antworten merke ich jedoch schnell, dass er nebenbei zockt.
"ist es so langweilig, mit deiner frau zu telefonieren?" frage ich sauer und bekomme nicht einmal darauf eine antwort.

was bleibt (von) mir, wenn die beiden wichtigsten menschen in meinem leben nicht mehr an meiner seite sind?

1 Kommentar:

  1. Hey.. Ich hoffe, das Tiefdunkel hat sich aufgehellt. (Drohende) Freiheit kann sich manchmal sehr haltlos anfühlen, ich kenn das ähnlich.

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