Mittwoch, 28. August 2019

oh du widerliche

am überseeboulevard, einen künstlich angelegten kapitalisten-brennpunkt in unserer mehr oder minder schönen stadt, hat jetzt ein nutella pop-up-café eröffnet. fortan kann man hier krebserregenden, arterienverstopfenden süßkram schlemmen, für den der regenwald gerodet wird. da sitzen nun die klima-brandbeschleuniger mit kackbraun verschmierten gier-fressen und empören sich vermutlich, dass die brände im amazonas immer noch nicht gelöscht werden konnten.

ich schreibe unter den event-post auf facebook: esst, aber bitte vermehrt euch nicht.
niemand versteht, was ich meine.
 wahrscheinlich hat das nutella schon die hirnwindungen verklebt.

"es ist einfach pervers, wie billig milch verramscht wird", sagt der luxus-mann, als wir wieder mal über milchwirtschaft und milchhof-sterben diskutieren. später gehen wir bei budni durch die reihen und ich nehme bio-milch für 1,69 € mit. da meint er :
"bist du nicht ganz dicht? die ist doch viel zu teuer! warum kaufst du die nicht bei lidl? da kostet die fast nen euro weniger!"

"du bist das beste beispiel dafür, wie konsum funktioniert", sage ich später. "du spielst den großen gerechten und willst dann selbst alles nur billo, und davon möglichst viel."
"stimmt doch gar nicht", wehrt sich der luxus-mann.
"du gehst du doch nicht mal zu edeka, aus angst, nicht den günstigen discount-preis zu bekommen!"
"ich geh nur nicht zu edeka, weil man da so schlecht parken kann!"
"siehst du! du fährst in deiner faulheit sogar mit dem auto einkaufen, anstatt einfach mal das rad zu nehmen! und jetzt sag mir bitte nicht, dass du für deinen ein-personen-haushalt so tierisch viele getränke oder anderen sperrig-schweren kram kaufst!"

der luxus-mann schweigt und meint dann:
"die welt ist doch sowieso nicht mehr zu retten."
"sagt der, der zwei kinder auf diesen planeten gesetzt hat", zeige ich ihm den vogel.

manchmal hätte ich gern einen satelliten für mich. von dort würde ich mit großer zufriedenheit beobachten, wie die menschheit alles und dann zuletzt sich selbst vernichtet.

vielleicht überleben ein paar käfer oder ratten oder zumindest bärtierchen. also so alles, was intelligenter ist als wir.


Kommentare:

  1. Es wird, finde ich persönlich zumindest, immer schwieriger zu entscheiden, was man konsumieren sollte und was nicht. Dass selbst Bio nicht immer Bio ist, weiß ja auch jeder inzwischen.
    Abgesehen davon habe ich immer noch den Satz eines Freundes im Ohr: "Die Milch ist für die Kälbchen!"
    Wenn man sich wirklich ganz genau mit der Thematik befasst, wäre die einzige Lösung der Eigenanbau mit Fleisch-/ Wurstverzicht.

    Hinsichtlich Milch habe ich vor etwa einem Jahr auf Mandelmilch umgestellt und will mal noch ausprobieren, wie das schmeckt, wenn ich sie selber herstelle.
    Insgesamt denke ich aber auch, dass allein ein bisschen mehr Bewusstsein uns allen gut täte. Auch dann, wenn wir nicht selber anbauen/ produzieren können. Daran arbeite ich auch noch, denn Verbesserungspotential schlummert immer und überall.

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    1. das problem ist: das bewusstsein ist längst da.
      leute wissen genau, dass sie am besten kein fleisch konsumieren sollten, dass palmöl hochgradig grsundheits- und umweltschädlich ist, dass eier immer aus freilandhaltung kommen sollten und dass man keine produkte kaufen soll, die einmal den globus umrundet haben, bevor sie im hiesigen supermarkt gelandet sind. dafür braucht es nicht mal ein biosiegel o.ä., das sagt einem der gesunde menschenverstand.

      der knackpunkt ist aber, dass sich menschen aufgrund ihrer innewohnenden bequemlichkeit entgegen ihres bewusstseins verhalten. ich bin grundsätzlich der ansicht, dass es krasse sanktionen bedürfte, um konsum wirklich zu verändern.

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    2. die rechtspopulisten etc. warnen ja immer vor einer öko-diktatur, aber genau das bräuchten wir letztens, um diese grenzenlose egomanie und selbstbedienungsmentalität zu unterbinden.

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