Samstag, 6. Oktober 2018

gute, geile gewalt

auch als frau in festen händen gehe ich immer noch rasend gerne alleine aus. dass ich dabei mit dem rad durch den nacht und über den kiez gurke, ist meinem mann nicht angenehm, wird aber inzwischen toleriert.

im partykeller tanze ich ein wenig, dann werde ich tatsächlich vom einzigen interessanten mann des abends angesprochen. ich habe lust zu flirten, wie so oft neuerdings, halte mich aber zurück, bin ehrlich, sage, dass ich eine beziehung habe. trotzdem unterhalten wir uns gut, was mich bestätigt, dass im zweifelsfall doch noch das ein oder andere filetstück auf dem markt ist.

dann tippt mich jemand auf die schulter. es ist die krankenschwester, eine bekannte von früher.
"dich hab ich ja ewig nicht mehr gesehen", sage ich freudig überrascht. "wie gehts dir denn?"
"ich bin überfallen worden vor sechs wochen", haut die krankenschwester raus.
"du bist WAS?!"
und dann erzählt sie ihre geschichte. wie sie mit einer freundin auf dem kiez unterwegs war und dann recht unvermittelt von zwei typen niedergeschlagen wurde. vier wochen musste sie im krankenhaus verbringen.
"wo ist das denn passiert?" will ich wissen. "so in einer dunklen ecke?"
"nee, an ner bushaltestelle. waren lauter leute drum rum. aber das ging so schnell..."
"krass!"

"jedenfalls respekt, dass du dich jetzt schon wieder raustraust. ich glaube, ich hätte das nicht so fix verkraftet", sage ich dann.
"man kann sich von so arschlöchern einschüchtern und das leben kaputt machen lassen oder nicht", findet sie. "und auch wenn ich mich noch unsicher fühle, ich hatte einfach bock auf leute und musik."
"finde ich super stark. und du hast echt keine panik auf der straße jetzt? was, wenn die dir wieder begegenen?"
"könnte schon passieren, aber ich hatte ne amnesie, weiß gar nicht mehr, wie die genau aussahen, nur dass sie so dunkle typen waren, türken oder araber. von daher... würde ich die eh nicht mehr erkennen. die sehen ja alle gleich aus. ich konnte ja nicht mal der polizei eine beschreibung geben."
"hast du mal dran gedacht, dir pfefferspray zu kaufen? ich hab ja meist welches dabei."
"ja, aber das ging so schnell, das hätte mir nichts genutzt. die hatten mich garantiert beobachtet und dann blitzschnell den überfall gemacht. weiß gar nicht, was die wollten, ob es da um ficken oder kohle ging. da ging es eher darum, eine frau fertigmachen. die waren einfach geil auf gewalt. sonst hätten die mich ja vielleicht auch noch vergewaltigt, als ich erstmal ohmächtig war."
"stimmt schon. das funktioniert nur, wenn man merkt, da geht mir jemand hinterher, oder ups, da ist schon wieder der unangenehme stalkertyp vom letzten mal."

später, als ich nachhause radle, denke ich noch mal über das erlebnis der krankenschwester nach. seit 20 jahre ziehe ich alleine durchs nachtleben unterschiedlicher großstädte und habe dabei nur in seltenen momenten angst empfunden.

vermutlich hat die krankenschwester recht: es ist reine glücksfrage, ob man einen überfall abwenden kann oder nicht. das pfefferspray in meiner tasche, angeschafft auf anregung eines kumpels, gibt mir ein eher subjektives sicherheitsgefühl, das ich trotzdem nicht missen möchte. doch echte sicherheit gibt es eben nie - als frau schon dreimal nicht.


Kommentare:

  1. Das Perverse ist, dass die Anwendung des Pfeffersprays nicht erlaubt ist. Was heißt, dass mich im Fall eines Falles der Angreifer wegen Körperverletzung verklagen kann.
    Es gibt Dinge, die werden sich mir nie niemals erschließen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. mir auch nicht. das rechtssystem ist teils so pervers.

      was mich aber nicht davon abhalten würde.
      ich hätte auch keinerlei skrupel, einem menschen, der mir etwas antun will, dauerhafte körperlichen schaden zuzufügen. wenn ich es irgendwie schaffe, würde ich es ihm so heimzahlen, dass er sein ganzes leben lang dran zu knabbern hätte. einfach, weil ich es auch haben würde.

      Löschen
  2. krass. ich laufe hier ja nachts auch noch ganz unbedarft durch die stadt und fuehle mich sicher. aber letztendlich kann man nie wissen, welchem irren man dann doch ueber den weg laeuft.

    AntwortenLöschen