Donnerstag, 7. Juni 2018

urlaubsp(l)anik

jedes jahr stehen der luxus-mann und ich vor demselben problem: er möchte in urlaub fahren, möglichst lange und möglichst weit und möglichst südlich. ich mag reisen grundsätzlich nur sehr bedingt: möglichst kurz, möglichst nur, um freunde zu besuchen und als ziel eher kühle gefilde.

derzeit konkretisieren sich unsere pläne in richtung italien. ich mag italien und vor allem italienisches essen nicht besonders. aber immer noch besser als griechenland oder spanien (noch ekelhafteres essen) oder was anderes subtropisches, was dem luxus-mann so vorschwebte. 10 tage will der luxus-mann, ich versuche, das alles irgendwie auf 8 zu begrenzen.

wie immer ist es verdammt schwierig, meine problematik in worte zu fassen.

zunächst ist da einfach keinerlei interesse an reisen an sich vorhanden. ich stehe überhaupt nicht darauf, zusammen mit anderen touristen auf alte gemäuer zu glotzen oder in row am strand zu liegen oder mich in einem souvenirshop zu drängeln oder verkrampft grinsend vor irgendeiner sehenswürdigkeit in die kamera zu glotzen. um konkreter zu sein: es ekelt mich zutiefst an.

ich habe auch nicht das leiseste bedürfnis, fremde kulturen kennen zu lernen. wahrscheinlich, weil mich menschen meiner eigenen kultur schon total abstoßen. alles, was ich über menschen und lebensweisen erfahre, trägt in irgendeiner weise dazu bei, meiner depression vorschub zu leisten.

mit einer zweiten person in der fremde herumzusitzen und quasi sozial abgekapselt zu sein, weil man niemanden kennt und befürchten muss, von fremden betrogen oder beraubt oder belästigt zu werden weil erkennbar dummer touri, erfüllt mich mit namenloser angst.

meine positiven erfahrungen mit reisen sind sehr begrenzt und beschränken sich mehr oder minder auf das überwältigende gefühl der erleichterung, endlich wieder zuhause zu sein.

vielleicht kumulieren beim reisen meine zwei größten probleme: das totale desinteresse an der welt und die tatsache, dass ich keinen plan habe, was ich hier überhaupt soll. schlimmer als reisen ist höchtestens arbeiten. da tue ich dinge, ohne zu wissen, warum ich sie tun sollte, ohne zu wollen, was ich erreiche und ohne das bedürfnis, auch nur eine sekunde mit den menschen zu verbringen, die mich dort in form von kollegen umgeben. trotzdem hat arbeiten einen vorteil: hier verschwende ich zeit und bekomme geld dafür. im urlaub muss ich geld ausgeben und zeit verschwenden. man kann sich jetzt die frage stellen, wozu man geld braucht, wenn man nichts will und wozu zeit, wenn man sie nicht nutzt. aber ich spreche von gefühlswelten. die sind nicht rational. ich wünsche mir auch oft, endlich den mut zum suizid zu haben, ohne dass ich mir etwas konkretes davon versprechen dürfte, weil ja niemand weiß, was danach kommt.

ein drittes großes problem ist, dass ich zuhause schon nicht zuhause bin, dass hamburg immer nur ein wirtschaftsasyl für mich blieb. nicht schön, auch nicht überwältigend schlecht, eher neutral. austauschbar. und immer mit der sehnsucht nach heimat verbunden. wer sich fremd fühlt, will wahrscheinlich nicht noch weiter in die fremde.

alles bleibt also äußerst schwierig und ballt sich mit dem derzeitigen eindruck, dass mich der luxus-mann nicht wirklich kennt und eigentlich auch gar nicht kennen will, zu einem unschönen klumpen. immer wieder wäge ich das bedürfnis, endlich aus hamburg rauszukommen und dem job den rücken kehren zu kehren mit den folgen des verlusts dieser beziehung ab. aber nicht mal eine doppelte dosis psychopillen bringen ordnung in dieses emotionschaos.


Kommentare:

  1. Gib dem Urlaub im Süden doch eine Chance. Rumliegen, baden, saufen, buffettessen, sich über die mitgäste amüsieren...so lange pennen wie man will, keine Termine und keine Pläne. Zusammen irgendwo fremd sein, kann schön sein. Und wenn nicht, gib 1 fick drauf. Was sind schon 10 Tage mit jemanden, den man liebt.
    Lg

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    1. so ganz ist das nicht. der luxus-mann steht spätestens um halb neun auf und muss dann auch gleich was machen. wir werden jeden tag eine andere stadt besichtigen.

      strand hätte ich gern gemacht. mag aber der luxus-mann nicht. ich habe eine stunde da rausgehandelt. das reicht nicht mal für schwimmen gehen.

      im letzten längeren urlaub sind wir jeden tag im kreis durch die altstadt gelaufen. ich war total gelangweilt, der luxus-mann musste mindestens einmal in jeden souvenirladen gehen, wir haben uns gestritten, weil ich nicht fröhlich uraubslike gegrinst sondern gemeckert habe, und am ende war ich einfach nur saufroh, wieder für mich zu sein.

      unsere kurzurlaube fand ich ja gut. lag auch daran, dass der luxus-mann schnarcht. zwei, drei schlaflose nächte kann ich verknusen. bei zehn werde ich wahnsinnig.

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  2. dann wuensche ich starke nerven ...

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  3. Das ist alles ganz normal, das geht mir auch so, und leider gerate ich auch immer an extrem reisefreudige Männer. Was soll reizvoll daran sein, sich irgendwo nicht zurecht zu finden und dafür noch irre viel Geld auszugeben? Ich bin sowieso der festen Überzeugung, dass alle anderen lügen und Leute wie wir die einzigen sind, die ehrlich aussprechen, was alle denken. So.

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    1. ich glaube, dass hinter dem bedürfnis zu reisen zwei dinge stecken: eine gewisse rastlosigkeit und die hoffnung, durch das suchen woanders doch was zu finden, und wenn man einfach sonst nie rausgekommen ist und nie vom geburtsort weggezogen ist.

      sonst gibts noch leute, die reisen, weil sie da ein hobby ausleben können, tauchen oder montainbike fahren oder segeln oder whatever. das verstehe ich ja noch. was lernen und dabei in der natur aktiv sein hätte mir auch gefallen.

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  4. Es fällt mir sehr schwer dazu was zu schreiben, aber irgendwie möchte ich was schreiben und dieser Drang ist stärker. Aber Du kannst es ja kommentarlos löschen :)

    Und ich glaube Deine beiden letzten Einträge gehören sehr eng zusammen – vielleicht mit ein Grund warum ich was schreiben möchte.

    Ich denke Du suchst etwas im Außen, was Du nur in Dir selbst finden kannst. Und solange Du schon mit Dir nicht ‚im Reinen‘ bist, kann Dich das Außen langfristig nicht befriedigen. Ich les ja schon ne Weile mit und gab ja einige Andeutungen zur Kindheit.

    Du weißt eine Menge über Körperchemie und wie man da geschickt eingreift, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen. Aber das ist nur die Oberfläche, das sind nur die Auswirkungen. Du versucht die Oberfläche eine Sees zu glätten, ohne zu schauen, wo die Wellen herkommen. Wenn die Wellen von einem Stein kommen, den jemand hinein geworfen hat, ist das ausreichend. Wenn die Wellen aber in der Tiefe entstehen, dann wirst Du ewig mit Glätten beschäftig sein.

    Das Kind in uns – geprägt in den ersten Lebensjahren, bleibt uns ein Leben lang erhalten – als Unterbewusstsein. Und das macht 90% unseres Denkens und Handels aus. Ich weiß, dass wollen (gerade wir Studierten) nicht wahr haben, aber es ist so.
    Und es ist gar nicht wichtig, was genau dieses Kind für ‚Probleme‘ hat(te) – wichtiger ist diesen Zusammenhang zu sehen (Kindheit -> Unterbewusstsein). Dann kann man nach Situationen in denen man sich - nach eigener Einschätzung – nicht so verhalten hat, wie man gerne wollte, versuchen zu ergründen woher diese Motivation kam – so zu handeln wie man gehandelt hat. Relativ schnell kann man dann später bereits in der Situation die Motivation erkennen und gegensteuern und viel später diese Handlungen sogar vermeiden.

    Was ist sagen will – es ist nicht wichtig was das Kind erlebt hat – die Auseinandersetzung damit ist meist zu schmerzhaft, so da man sie (auch unterbewusst) vermeidet, sabotiert und sich selbst belügt. Aber das Erkennen der Zusammenhänge (quasi als externer Beobachter der eigenen Gedanken) hilft anders zu handeln.

    Vielleicht ein anderes Beispiel:
    Wenn ich merke das ich Angst habe Andere zu enttäuschen, dann reicht es, mir das bewusst zu machen. Dann kann ich in einer Angstsituation überlegen, ob mein Gegenüber wirklich so gefährlich ist und ich ihm gegenüber so machtlos bin, dass es sich lohnt Angst zu haben. Und dann kann ich zu dem Schluss kommen, dass es gar nicht notwendig ist, alles so zu machen was der Beamte da hinter seinem Schreibtisch von mir will.
    Wenn ich dann später zu der Erkenntnis gelange, das ich diese Angst habe, weil ich von meine Eltern nur geliebt wurde, wenn ich „alles richtig“ gemacht habe, dann ist das ein netter Bonus. Aber für die -lebensentspannende- Handlungsänderung war diese Erkenntnis nicht notwendig. Dafür hat es gereicht zu erkennen, dass die Motivation im Unterbewusstsein geschlummert hat – und dass das bei allen Menschen so ist.

    Das Problem ist nicht was da im Unterbewussten lauert, sondern dass was wir uns im Leben (zwischen Kindheit und jetzt) angewöhnt haben, um damit klar zu kommen. Und das lässt einfacher ändern, als das Kind in uns ans Licht zu zerren.

    Wir haben halt Macken, jeder von uns! Die Frage ist wie wir damit umgehen. Bei uns und bei anderen.

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    1. danke für den langen kommentar. er ist gar nicht doof und natürlich darf der an die öffentlichkeit.:)

      "Wenn ich dann später zu der Erkenntnis gelange, das ich diese Angst habe, weil ich von meine Eltern nur geliebt wurde, wenn ich „alles richtig“ gemacht habe, dann ist das ein netter Bonus. Aber für die -lebensentspannende- Handlungsänderung war diese Erkenntnis nicht notwendig."

      gut, bei mir war das genau so. meine (dominante) mutter hat alles bestimmt, mein vater stand immer hinter ihr und ich war "allein" gegen beide und habe versucht, es irgendwie gut zu machen. musste mich dabei ständig vergleichen lassen und habe manchmal nicht gut abgeschnitten.

      ich habe also zwar die erkenntnis, aber sie ändert überhaupt nix. ich habe drei therapien gemacht und ich habe noch nie einen terapeuten gehabt, der mir beibrachte, wie das geht: etwas vom kopf in die gefühlswelt zu übertragen. diesen bösen zauber zu lösen. mich normaler zu verhalten, achtsam zu sein, mich nicht selbst zerstören. konnte mir niemand beibringen. ich weiß nicht, wie ich mich entspannen könnte.

      der luxus-mann gießt eher öl ins feuer, indem er sehr viel verlangt und sehr hohe ansprüche hat. er vergleicht mich ständig mit models oder businessfrauen, die für weniger stress mehr verdienen (weil sie nämlich "schlauer" waren als ich und es in große konzerne geschafft haben), die älter sind und seinen augen jünger aussehen oder in irgendeiner weise für ihn aufregender und attraktiver wirken.

      ich weiß sehr genau, warum ich mit ihm zusamen bin, weil er nämlich ein vertrautes muster bedient, das ich von meinen eltern kenne. habe ich sogar mal gelesen, dass man sich immer einen partner sucht, der dem gegengeschlechtlichen elternteil ähnelt.

      das zu wissen nutzt mir aber wie gesagt einen scheiß.

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    2. man könnte jetzt daraus einfacher schlussfolgern, dass mich ein partner "entzaubern" könnte, der anders ist, der mir diese bedinungslose liebe schenkt. interessanterweise klappt das nicht, weil ich die gar nicht ernst nehme und es schlimmstensfalls dem anderen als schwäche oder schleimerei auslege.

      es ist also sehr tricky - obwohl ich mir einiger meiner mechanismen bewusst bin. ;)

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  5. das Hauptproblem ist doch wohl 10 tage Geschnarche im ohr. da helfen dann nur noch zwei Einzelzimmer. oder zwei zelte. zwei Wohnwagen. und dann trifft man sich morgens und der tag geht los.

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    1. darf ich ja nicht. ich war für ein appartment. irgendein kleines ding, wo es 2 zimmer gibt, eins mit dppelbett und eines mit couch.
      darf ich nicht. entspricht nicht den vorstellungen des herrn von zweisamkeit.

      ich habe mehrfach lang und breit erklärt, wie das ist, wenn man 7, 8 tage lang nur 2 bis 3 stunden schlaf bekommt und den ganzen tag lang dann rumhühnern und fröhlich sein soll.

      ich war nach unseren urlauben in der regel krank. schlafentzug ist folter, gerade wenn man chronisch krank ist.
      kapiert der einfach nicht.

      ich bin gerade nur noch sauer.

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  6. Für mich war der wichtigste Part des Kommentars eher das hier: "Das Problem ist nicht was da im Unterbewussten lauert, sondern dass was wir uns im Leben (zwischen Kindheit und jetzt) angewöhnt haben, um damit klar zu kommen."

    Also, dass es eben nicht um die Erkenntnis dessen geht, was genau dahintersteckt, sondern darum, das eigene, daraus resultierende Verhalten (oder auch: Fühlen?) zu erkennen, bevor es Ausmaße annimmt oder zu Dingen führt, die man nicht ertragen kann oder will. Also quasi genau das, was du gemacht hast, als du Verlustängste gespürt hast während ihr im Bett lagt und du dich eigentlich sicher und geborgen fühltest. Da hast du es ja geschafft, zu abstrahieren und sogar entsprechend zu kommunizieren. So in der Art, glaube ich jedenfalls, meint Zyllyn das mit der Achtsamkeit, dem Rationalisieren, Bewusstmachen, Unterbrechen. Nur eben dauerhaft angewandt, in möglichst allen kritischen Situationen. Vielleicht kann man das nach und nach erweitern/sich beibringen?

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    1. das meinte ich ja auch. das, was man rational erkennt, in die gefühlebende zu übertragen, wo ja die voraussetzungen für unser handeln entstehen.

      für mich wars ein großer schritt, dem luxusmann erklären zu können, was urlaub für mich bedeutet. das kurzweilige aussteigen aus dem zwangskorsett des alltags. was mir aber nichts nutzt, wenn ich dann ins zwangskorsett des partners gesteckt werde: nachts vollgeschnarcht werden, morgens früh aufstehen haben, bock auf frühstück haben oder darauf, dem anderen zuzugucken, wie er sich stinkende wursthaufen reinschaufelt, dann klaglos und gut gelaunt trotz exklatanten schlafmangels stundenlang rumzulatschen und am abend selbstverständlich noch noch geil genug für einen ausdauernden blowjob sein.
      so funktioniere ich aber nicht. ich habe auch wünsche. die ich gern für die hälfte die zeit demokratisch unterdrücke. aber die andere hälfte der zeit gehts dann halt mal nach meiner schnauze.

      mich für mich stark machen durfte ich meine gesamte kindheit nicht. da ging es nur nach den launen meiner mutter. und wenn ich was wollte, wurde ich als undankbar und egozentrisch hingestellt oder es wurde auf mir herumgekloppt.

      ich bin in konfliktsituationen dadurch nicht souverän. weiß der luxus-mann auch. deswegen hält er mir immer blödheit vor, wenn es um meinen job und bspw. gehaltsverhandlungen geht. ja, ich bin in dieser hinsicht blöd. aber man wird nicht schlauer, indem man für dumm dargestellt wird.

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  7. Ich glaube die Partnerwahl ‚passend zu den Eltern‘ passiert dann, wenn wir von den Eltern nicht die Aufmerksamkeit und Zeit bekommen haben, die notwendig gewesen wäre. Das wollen wir dann nachholen.

    Ändern geht – aber das erfordert sehr viel reden und ein entsprechendes Umfeld. Und das wiederum ist als roter Fisch sehr schwer – das Bild hatten wir schon mal.

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    Wir denken mit dem Großhirn, fühlen aber mit tiefer liegenden Schichten. Das Großhirn ist quasi der Regierungssprecher – nicht an der Entscheidung beteiligt, muss aber in hinterher eine gute Erklärung liefern. Und es ist eine Einbahnstraße – der Rest vom Gehirn hat bereits entschieden, wenn wir ‚zu denken‘ anfangen. Das hat uns weiter gebracht in der Welt – wenn ein Problem auftaucht, analysieren und lösen. Aber in uns selbst funktioniert das nicht, da drehen wir uns im Kreis und kommen doch immer zu spät.

    Die ursprünglichen Verletzungen sind lange her. Das weiß Dein Neokortex. Aber das innere Kind in Dir ist immernoch verletzt. Und es motiviert weiter Deine Handlungen. Und da kommt das Großhirn nicht ran. Das geht nicht mit Vernunft. Das innere Kind muss getröstet werden, es muss verstehen, dass die Verletzungen vorbei sind. Dass es keine Verantwortung trägt. Nie tragen konnte.

    Doch um es zu trösten – damit es verstehen kann, dass das alles lange vorbei ist – um es zu trösten musst Du an den Abwehrmechanismen die Du über die Jahre aufgebaut hast vorbei kommen. Und diese Mechanismen hat das innere Kind entworfen. Die gibt es so einfach nicht auf. Es hat Angst wieder verletzt zu werden.

    Du kannst diese Mechanismen beobachten, verstehen lernen. Aber auch das geht nur begrenzt mit dem Großhirn. Auch das ist mehr so ein ‚Erfühlen‘.

    Erst wenn das Kind in Dir versteht und fühlt das es vorbei ist, das es jetzt Kind sein darf, dann wird es besser werden. Und das wünsche ich Dir von ganzem Herzen!

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