Sonntag, 10. Juni 2018

arbeit und struktur

die struktur hält mich. aufstehen müssen, arbeiten müssen. katze versorgen.
zum luxus-mann fahren, nicht rauchen. keine harten drogen nehmen. nicht schneiden.
keinen coffee-to-go mit unweltschädlichem plastikdeckel, weil der luxus-mann das sonst scheiße findet.

die struktur hält mich. fest. sehr fest. nimmt mir den atem.

"warum kommst du eigentlich nur noch zweimal die woche", fragt der luxus-mann.
ich muss überlegen, was gar nicht so leicht ist. der kopf ist übervoll, weil damit beschäftigt, sich gegen die struktur zu wehren, und damit, sich gegen das sich-wehren zu wehren, weil das wehren per se keinen sinn macht, weil man den kampf gegen die normalität nur verlieren kann.
"ich bin irgendwie müde. und möchte manchmal auch für mich sein."
"und was machst du so, wenn du für dich bist? mit anderen männern rumchatten? oder deine zeit vertrödeln?" sagt der luxus-mann beleidigt, der selbst in seiner freizeit nicht viel außer lesen, ballerspiele und fernsehen macht.

die seele hat sich ihre glasglockenwelt verzogen. damit ist auch das lieben schwierig. einzig die grundgeilheit hält sich und führt dazu, dass ziemlich viel gefickt wird. aber das war schon immer so. in jeder beziehung ist der sex bis zum schluss da gewesen, am ende als einziges verbindungsglied zwischen mir und dem fremden, der jahrelang an meiner seite war.

das urlaubsthema hat inzwischen zu unerqicklichen streitereien geführt und dazu, dass ich mich immer weniger gesehen und verstanden fühle. ich habe dem luxus-mann lang und breit erklärt, was mir im urlaub wichtig ist. dass ich gerne mal ausschlafe, weil sonst die seele stress macht und der körper schmerzen produziert, die dazu führen, dass ich keine ausdauer habe und ständig schmerzmittel nehmen muss. dass ich nicht jeden tag spätestens um halb neun aufstehen und mich an ein hotel-frühstücksbuffet setzen möchte, dessen meist fleisch- und wursthaltiger inhalt mich um diese tageszeit nur anekelt. dass ich gerne was erlebe, sich das aber irgendwie mit erholung die waage halten sollte. d.h. ich mag ausflüge, aber auch mal einen fauler tag am strand. dass urlaub für mich vor allem freisein bedeutet, einmal für einige tage das alltagskorsett abzulegen. nicht funktionieren zu müssen. kein weckerklingeln. kein tägliches zwangsfrühstücken, nur weil der partner partout nicht einmal alleine frühstücken kann.

der luxus-mann nimmt das als affront gegen alle unseren bisherigen urlaube und nennt meine vorstellungen "verquer, unrealistisch und langweilig".

derzeit bin ich nicht mehr in diskussionsstimmung.
und noch weniger in vorbeikommen-stimmung.

Kommentare:

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    1. ist jetzt eine hochgefährliche zeit. ich hab noch keine beziehung über die drei-jahres-grenze gebracht.

      hab mal gelesen, dass es bei den meisten vier jahre sind, weil sich in dieser zeit was entwickeln sollte wie zusammenziehen, heiraten, kinder. weil ich da alles nicht brauche, bin ich vermutlich schneller. nach zwei jahren tickt die uhr, also die freiheitsuhr, nicht die biologische.

      trotzdem muss ich mich erinnern, nicht undankbar zu sein. es gibt ja schon handfeste gründe, warum ich mit dem luxus-mann zusammen bin und ich weiß auch, dass mir so jemand so schnell nicht wieder begegnet.

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    2. Vielleicht wird es der erste Sprung über diese Grenze.

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    3. könnte gut passieren. dafür muss ich erstmal noch über ein paar schatten springen und der luxus-mann wahrscheinlich auch.

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  2. Wow. Der soll deine Vorstellung von Urlaub wenigstens mal ausprobieren. Wenn's ihm nicht passt, kann er dann wenigstens mal nachfühlen, wie das so für dich sein muss, wenn du dich anpasst...

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    1. ich hoffe, dass wir jetzt doch auf dem weg zu einem guten kompromiss sind. :)

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