Donnerstag, 24. Mai 2018

göttliche venus

ich war auf dem standesamt. nicht um zu heiraten, sondern um aus der kirche auszutreten. ich halte mich erstmal gerne zurück, bevor ich jemandem direkt sage, er solle sich zum teufel scheren. als christlich erzogenes kind und studierte theologin war das aber tatsächlich ein bisschen so, als würde ich dem lieben gott sagen, fahr zu hölle. also gefühlt. trotzdem, das sagst du nicht einfach so jemandem, schon gar nicht dem lieben gott.

forscher haben mal gedacht, es gäbe leben auf der venus. dann kam heraus, dass der ganze verfickte planet eine art schnellkochtopf ist. seitdem existiert die theorie, das leben könne sich in die hohen wolkenschichten zurückgezogen haben.

der liebe gott würde auch nicht in einem schnellkochtopf wohnen. der hat ein grab in den lüften, da liegt man nicht eng.

"wie ist das eigentlich, wenn man stirbt und beerdigt werden muss und nicht in der kirche ist", will der luxus-mann wissen.
"dann kommt du in den bioabfall", sage ich.
"du doch nicht", erwidert der luxus-mann. "dein blut könnte die weltmeere vergiften, wenn das ins grundwasser sickert."
"der mensch ist ein werkzeug gottes und ich bin sein rattengift. akzeptier das mal."

als ich aus dem standesamt rauskomme und den wisch vom milchfressigen standesbeamten in händen halte, knallen die flugzeuge über meinen kopf wie apokalyptische reiter auf speed. doch der liebe gott liegt in seinen venuswolken und schert sich nicht.
 





Kommentare:

  1. Bei mir ist es genau umgekehrt, ich bin gottlos im Sinne von ungläubig. Aber ich bin noch zahlendes Mitglied der Katholischen Kirche.
    Ein Hauptgrund dafür ist, es würde meine Mutter sehr stören, wenn ich aus der Kirche austrete.

    Ich will nach meinem Tode nicht beerdigt werden. Ich will eigeäschert werden. Meine Asche sollen sie bei der Anwesenheit einer Hexe in die Donau streuen.

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    1. ich glaube, meinen eltern darf ich das auch nicht erzählen. ich hab auch sehr lange darüber nachgedacht. auch wenn ich die kirche nicht nutze, gibt es doch einiges, was anderen nutzt (diakonie, schulen, pflegeheime, asyl), was ich gut finde und was finanziert werden muss. ich habe meine kirchenzugehörigkeit bislang so gerechtfertigt wie meine spendenmitgliedschaft in verschiedenen tierschutzorganisationen. trotzdem habe ich mich jetzt mal dazu durchgerungen, weil ich auch immer mit der grundgesetzlich verankerten trennung von staat und kirche probleme hatte.

      hahaha, mein mann sagt immer, ich sei eine hexe. ich kann das also gern übernehmen. :D

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    2. ich habe auch viel in meinem leben darüber nachgedacht, ob ich denn nun an "gott" glaube oder nicht. im grunde bin ich agnostikerin. aber durch meine erziehung habe ich so das gefühl adaptiert, da ist was. etwas unerklärliches. am nächsten kommt mein gottesbegriff vermutich dem des aristoteles, der vom unbewegten beweger gesprochen hat. eine nicht näher definierbare physikalische größe, die möglicherweise einen anfang darstellt, wie auch immer man sich den dann denken mag (urknall ist ja fast schon wieder von der multiversum-theorie abgelöst).

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  2. Das Eine muss mit dem Anderen nichts zu tun haben. Wie ich schon öfters gehört habe: "Ich habe keine Problem mit Gott, nur mit seinem Bodenpersonal"

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    1. ja, das bodenpersonal... das hat deutlich fachkräftemangel. ;)

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