Sonntag, 7. Mai 2017

von herzen

manchmal muss man nichts besonderes machen, um etwas besonderes zu erleben.
manchmal genügt es, den menschen, den man liebt, an seiner seite zu haben.

"wer hätte das vor einem jahr gedacht", sage ich zum luxus-mann.
und er schaut mich nur an, kühl, zurückhaltend, grundehrlich.
und lässt sich widerstandslos küssen.


Montag, 1. Mai 2017

walpurgisnacht

und es begab sich zu einer zeit, zu der die hexen jährlich am brocken tanzen.der luxus-mann und ich hatten beschlossen, es mal wieder richtig krachen zu lassen und frivol auszugehen.

für das event hat mir der luxus-mann extra ein latexkleid gekauft. kleid ist eigentlich zu viel gesagt, denn es endet am arsch mit einer breiten spitzenborde. dazu soll ich strapse tragen, bestimmt der luxus-mann. lange streiten wir uns, ob ich ein anstandshöschen dazu tragen darf oder nicht. der luxus-mann hätte mich gern blank und jederzeit besteigbar, aber da wir großen ansturm unbekannter spezies vor ort erwarten, darf ich schließlich doch bedeckt gehen, sozusagen bis auf widerruf.

vor ort müssen wir zunächst die gesichts- und dresscode-kontrolle bestehen, dann geht es los ins feuchte vergnügen. wir kommen gerade richtig zum ersten show-act, kriegen schnell ein glas sekt in die hand gedrückt und lassen uns dann von den vielen nackten, halbnackten oder lll-bekleideten menschen ins innere schieben.

"und, wie findest du die mädels", frage ich den luxus-mann nach der show.
"hm, so mittel. zu kleine titten."
"das sagst du IMMER."
"ich steh gar nicht auf große titten!"
"doch. was du als schön bezeichnest, ist mindestens ein c-körbchen."
"nein. brüste müssen die richtige größe haben und vor allem ganz rund und straff sein."
"ja, du willst ein rundes, straffes c- bis d-körbchen. das gibt aber bei 20 plus selten ohne implantat."
"wenn du das sagst. du bist ja vom fach."
"eben."

abgesehen davon, dass es übervoll ist und auch ein paar stinos herumrennen, ist es wie immer auf s/m-partys: man sieht viel, was man nicht sehen will, und die geruchskulisse reicht von parfum bis schweiß und sperma. da fast alle räume diesmal ausgiebig genutzt werden, ist spontanität nahezu unmöglich.

"wo sollen wir denn ficken", fragt der luxus-mann verzweifelt ein ums andere mal.
ich zucke mit den achseln.
"das ist mir zu voll", jammert der luxus-mann. "zu viele schleimige spackos, die dir dann auf die muschi glotzen."
"lass uns doch erstmal was trinken. außerdem muss da irgendwo ein buffet sein."
der luxus-mann, der so gerne isst wie fickt, ist einverstanden.

später stehen wir an der bar. ich nippe an meinen gin tonic, der luxus-mann trinkt ein bier. dann steht auf einmal eines der mädchen vom show-act neben mir und fragt mich:
"sag mal... habt ihr was am laufen? also was sexuelles?"
ich bin perplex und sage:
"ähm, also, ja. wir sind zusammen. wieso?"
sie lächelt und meint:
"ich konnte das nicht einschätzen... ich hab euch heute noch nicht, also... in action gesehen."
"zu voll", sagt der luxus-mann. "wenn mal einer guckt, ist das ok. aber ich mags nicht, wenn eine ganze traube menschen um uns rumsteht."
die darstellerin nickt und meint dann:
"ich wollte nur sagen, ihr seid einfach wunderschön. das schönste paar heute, finde ich."
ich kichere geschmeichelt.
"oh, danke."
der luxus-mann sagt:
"das ist heute aber auch nicht besonders schwierig."
"hat euch die show gefallen?"
ich sage schnell so begeistert wie möglich "oh ja!", bevor der luxus-mann wieder mit zu kleinen oder zu wenig straffen brüsten anfangen kann.

dann entdeckt der luxus-mann ein mädchen, das ihm schon im sommer aufgefallen war.
"du kannst sie gern ansprechen", sage ich.
"und wenn ich sie ficke? wie wäre das für dich?"
ich überlege.
"also heute so in diesem kontext... wäre ich schon gern dabei. ich finde die ja auch heiß."
"und wenn sie nur mich will?"
ich schaue den luxus-mann groß an:
"und wenn sie lieber nur mich wollen würde?"
"so kommen wir auf keinen grünen zweig", findet der luxus-mann.
"gut", sage ich. "dann kleinster gemeinsamer nenner: beide oder keiner."

der luxus-mann zögert und zögert, dann beginnt das mädchen, mit einem älteren paar zu tanzen und sich an der mutti zu schubbern.
"wir hätten chancen gehabt", kichere ich, als ich das enttäuschte gesicht des luxus-mannes sehe.
"die scheint mir ein bisschen.... wahllos", findet der luxus-mann. "das turnt mich jetzt ab."
"du weißt doch gar nicht, ob die sich nicht vielleicht schon kennen."
"ok, das könnte sein."

"ist denn jemand für dich heute dabei", will der luxus-mann wissen.
"n typ?"
"ja. der zum beispiel, der hat doch nen total tollen body", zeigt der luxus-mann auf einen bärtigen jungen typen im muscleshirt und latexhöschen.
"da krieg ich muttergefühle", lache ich. "außerdem ist der kleiner als ich."
"findest du mich da besser?"
"ja auf jeden. ich steh nicht auf junge hoschis mit tedenz zum spargeltarzan."
"findest du den denn dann nicht schön?"
"doch, total. aber so... objektiv schön. ein unterwäsche-model. aber total langweilig. da find ich die da besser", zeige ich auf eine paar.
"den findest du gut?" fragt der luxus-mann entsetzt.
"nein, nicht ihn. das paar. zusammen sind die toll. auf eine intellektuelle art sexy."
"aber die hat kurze haare, stehst du auf kurze haare?!"
"nicht explizit, aber es passt zu ihr. sie ist ja ein ganz strenger typ. und sehr elegant. hat irgendwie was... 20er-jahre-mäßiges. bohemian."

der luxus-mann schaut zweifelnd:
"du würdest dich von denen ficken lassen?!"
"maaaaaannn... ich würde die erstmal kennen lernen wollen! und wenn es sich dann ergibt, ja, warum nicht."
der luxus-mann ist nicht überzeugt.
"da bin ich nicht dabei."
"musst du ja auch nicht", grinse ich sehr frech.
der luxus-mann kneift mich und ich kreische.
"ich lass dich gleich von dem türken-clan da vergewaltigen!" droht er.

gegen halb drei wird es etwas leerer und wir ergattern eine zweier-couch für uns.
"zieh mal den slip aus", fordert mich der luxus-mann auf.
ich grinse und lasse mein höschen zwischen meine knöchel gleiten.
der luxus-mann beginnt, sanft meine muschi zu streicheln, dann steckt er mir den finger rein. ein paar, das uns gegenübersitzt, schaut uns zu und besorgt es sich dabei. die stimmung wird lasziver und ich kann mich erstmals an diesem abend fallen lassen.
"wollen wir nach oben gehen, ins zimmer mit der schaukel", frage ich, weil ich jetzt gern den luxus-schwanz in mir spüren würde.
"ok", sagt der luxus-mann und schiebt mich die treppe hinauf.

oben allerdings steht wieder der türken-clan und wichst gemeinschaftlich neben einem ffm-dreier.
"boah nee", sagt der luxus-mann. "das ist mir zu viel gruppenkuscheln."
"lass uns lieber gehen", finde ich. "ficken wir eben zuhause."
"ich hab morgen sowieso meine tochter, ich wollte eh nicht so ewig bleiben."
"och nö!"
"oh doch. und jetzt schwing deinen arsch ins auto, dann fick ich dich noch ein bisschen."

wir fahren allerdings nicht nachhause. der luxus-mann hält in einem industriegelände an und nimmt mich kurzerhand auf dem rücksitz.
"das wollte ich schon lange mal wieder", seufzt er, als er abgespritzt hat.
"im auto?"
"ja. hab ich früher ganz oft. aber mit meinen letzten frauen ging das nicht. die waren da nicht für bereit."
"boah, aber guck mal, du hast mich komplett bei eingesaut!"
"sperma auf latex kannste doch abwischen."
"das ist auch in die spitze gesickert. das muss man jetzt komplett waschen und ich hab keine ahnung, ob sowas in die maschine darf."
"kann ich was dafür, wenn du nicht rechtzeitig den mund aufmachst?!"
ich kneife den luxus-mann in die nippel.
"aua!"
"los, nicht heulen, fahren! ich brauche jetzt ein bett. und außerdem eine dusche."

zuhause beim luxus-mann stehe ich unter der regendusche und lasse es warm auf mich herabpladddern. dann krieche ich zum luxus-mann unter die decke.
"und, bist du heute auf deine kosten gekommen?" fragt er.
"ja, schon irgendwie, auch wenns anders war als gedacht. und du? bereust du es, die kleine maus nicht gefickt zu haben?"
"ich weiß doch gar nicht, ob die gewollt hätte."
"mal angenommen, sie hätte."
"hm, irgendwie nicht."
"warum nicht?"
der luxus-mann grinst und gibt dann seine standard-antwort:
"zu kleine titten."
"ich hätte eher gesagt, keine eier in der hose", streue ich salz in die wunde.
"naja, stimmt schon. aber ich hab es nicht gebraucht. es war perfekt so, wie es war."

dann schlafen wir ein paar wenige stunden, bis der wecker klingelt und der luxus-mann sich in den papa-modus schaltet, um seine tochter abzuholen.


Freitag, 28. April 2017

prüfungsträume

ich habe häufiger prüfungsträume. darin muss ich entweder mein abi oder mein staatsexamen noch mal machen. ich bin dann immer so alt wie heute. meist geht es um mathe, und das gefühl ist immer dasselbe: wie sollte ich eine prüfung bestehen in einem fach, das ich schon damals nicht gerallt und dessen inhalte ich inzwischen vollständig verdrängt habe?! jeder traum endet folglich im desaster und ist mit intensiven emotionen irgendwo zwischen schock und scham verbunden, die mir einen ganzen tag versauen können.

gestern nacht war es etwas anders. ich hatte germanistik-examen bei meinem ehemaligen (inzwischen in der echtwelt verstorbenen) geschichtslehrer. der geschichtslehrer war seinerzeit gefürchtet, ein mächtiger kerl mit hochrotem kopf und der eigenart, beim eintragen einer schlechten note genussvoll mit der zunge zwischen den lippen zu spielen. ich selbst war eigentlich ganz gut mit ihm klar gekommen, hatte mir mit smarten kommentaren und nachfragen respekt erarbeitet und war als eine der wenigen meiner klasse langsam, aber konstant in die nähe einer zwei gerutscht.

alles begann damit, dass ich bei meinen eltern saß, wusste, dass ich demnächst irgendwann das doofe examen machen musste. leider konnte ich die unterlagen mit dem termin nirgendwo mehr finden. im internet entdeckte ich schließlich einen hinweis, dass die examina schon am kommenden tag sein würden. schock und ohnmacht. wieso hatte ich das so vertüdelt?!  ich versuchte, mich noch etwas vorzubereiten, wusste aber, es würde ein verdammt enges bis gänzlich unbezwingbares höschen werden.

ich ging am kommenden tag ins examen. mein geschichtslehrer, nun also germanistik-prüfer, verteilte die aufgaben. auf dem aufgaben-zettel fanden sich vier zeichnungen von stiefeln aus verschiedenen epochen. die sollte man zuordnen und dann beschreiben, welche literarische gemeinsamkeit ihnen zugrunde lag. die antwort sollte man in stichpunkten auf kleingerupften papierfetzen notieren.

ich hatte keinen blassen schimmer. um mich herum eifriges stiftekratzen. ich bat darum, auf toilette gehen zu dürfen. auf dem weg dorthin durchkreuzte ich einen raum, in dem offenbar eine band probte. er war voller menschen, und juhu, es fand sich tatsächlich einer darunter, der mir sagen konnte, dass einer der stiefel - ich hatte das blatt mit den aufgaben bei mir und fragte ganz ungeniert - aus dem mexiko-krieg stammte. ich war hocherfreut über den anhaltspunkt, glaubte nun zu wissen, dass "krieg" der gemeinsame ansatz der stiefel-bilder war und begann, zurück im prüfungszimmer, rasch ein paar worte über krieg und stiefel im krieg hinzukritzeln, erwähnte den mexiko-krieg und endete im mittelalter bei karl dem großen, da ich auf einem der stiefel die reichsinsignien zu erkennen glaubte.

da ich so viel zeit bei meiner kleinen umfrage verschwendet hatte, kriegte ich nicht besonders viel zusammen und war ziemlich sicher, durch die prüfung gefallen zu sein.

mit dem gefühl des größtmöglichen versagthabens wachte ich schließlich auf und stellte heilfroh fest, dass ich abi und examen längst in der tasche hatte. beim weiteren nachdenken fand ich es sehr lustig, ein examen über bilder von stiefeln geschrieben zu haben. muss man auch erstmal drauf kommen!



Dienstag, 25. April 2017

feuchtgebiete

das auto ist das ein und alles des mannes. beim luxus-mann stimmt das glücklicherweise nicht. er fährt kombi, gebraucht, familienfreundlich-zweckorientiert und jault auch nicht, wenn mal wieder wild geparkt wird und ein neuer kratzer im lack ist. in der schanze ist das eben kaum vermeidbar.

seit einigen wochen müffelt es im auto.
"hier stinkts nach totem tier", beschwere ich mich mehrfach.
"kann nicht sein, ich rieche nichts", erwidert der luxus-mann.
"doch", beharre ich. "du riechst das bloß nicht mit deiner ollen schnarchnase."
der luxus-mann hat eine markante, schöne nase, die ihm allerdings nicht viel nutzt - dank verbogener nasenscheidewand bekommt er kaum luft.
ich werde ein wenig gehauen wegen meines frechen mundwerks, doch das ändert nichts an meiner meinung: das auto stinkt.

irgendwann wird der gestank so stark, dass er auch zu den luxus-riechschleimhäuten durchdringt. während ich im auto schon nur noch durch den mund atme und mich bemühen muss, nicht zu kotzen, bemängelt der luxus-mann nun ebenfalls einen leichten unangenehmen odeur und kündigt an, dem auf den grund gehen zu wollen. sein verdacht: es ist etwas ins belüftungssystem geraten, was dort nun vermodert.

wochen vergehen, nichts verbessert sich, egal, wie oft der luxus-mann im belüftungssystem herumstochert. dann kommt der tag, an dem ich meine tasche während der fahrt zu meinen füßen abstelle und beim aussteigen wahre feuchtgebiete erlebe.
"iiiihhh... guck mal... meine tasche ist ganz vollgesogen! und die fußmatte auf meiner seite ist ja auch klitschnass!" beschwere ich mich.
der luxus-mann schaut verärgert.
"da ist dir in deiner tasche was ausgelaufen und versaut jetzt mein auto!"
"was soll denn da bitte auslaufen, was in der lage wäre, meine tasche und deine fußmatte in diesem ausmaß zu durchtränken?! ein bierfass?!"
"dein parfum", ist der luxus-mann sicher.
"aber das würde dann doch riechen!"

der luxus-mann beugt sich richtung fußmatte und schnüffelt.
"bah!" ruft er und zieht den kopf schnell zurück.
"was denn?"
"das stinkt!"
"nach parfum?"
"nee, nach moder oder sowas."

die müffel-ursache scheint gefunden und ist für den luxus-mann schnell erklärt.
"das kommt, weil du immer mit nassen schuhen einsteigst!"
"so ein unsinn, guck, meine schuhe sind ganz trocken! und wieso sollten die auch nass sein, es regnet doch gar nicht!"

der luxus-mann schaut mich zweifelnd an und meint dann:
"dann gibt es ja nur eine erklärung."
"und die wäre?"
"wenn du neben mir sitzt, wirst du so geil, dass deine muschi hier alles volltropft."
ich zeige dem luxus-mann den stinkefinger.
"was wird das, eine anale fantasie?" lacht er.
"jupp. wenn du schläfst, steck ich dir den in den po."

das alles ändert jedoch nichts daran, dass es im auto nass ist und müffelt.
"muss ich wohl in die werkstatt", überlegt der luxus-mann. "so eine scheiße!"
"die jungs da freuen sich bestimmt über feuchtgebiete", sage ich.
"und über meine kohle", stöhnt der luxus-mann.

jetzt sind wir mal gespannt, ob die werkstatt-jungs sich erfolgreich mit den feuchtgebieten beschäftigen und das auto trockenlegen werden.

Samstag, 22. April 2017

geld und wert

zum ersten mal in meinem leben habe ich ein einkommen, das es mir ermöglicht, monatlich 200 oder sogar ein bisschen mehr euro zurückzulegen. das liegt daran, dass ich bis auf kleinigkeiten (hausratversicherung, neue möbel, mehrausgaben für ein exklusiveres nachtleben) meinen lebensstandard auf dem einer studentin halte: kleine abgeranzte wohnung, kein auto, noch nicht mal eine monatskarte, allenfalls kurzurlaube, kleidung und so weiter alles vom flohmarkt. der punkt ist nicht, dass ich mehr brauche, sondern dass ich nicht mehr will.

der luxus-mann drängelt. er will nach island im sommer. pauschal-rundreise, in geysiren baden, in spannenden hotels wohnen. ich zögere. der kostenpunkt sind 2.000 euro. der ego-nutzen ist für mich zweifelhaft. ich reise lieber anders: bei fremden wohnen, sich von den menschen, die man irgendwo kennen lernt, mitziehen lassen und so dinge jenseits des tourismus entdecken. dafür scheiße ich auf schickimicki-hotels und sehenswürdigkeiten. interessiert mich nämlich alles nicht die bohne.

als ich das dem luxus-mann begreiflich machen will, meint er, das funktioniere aber als paar so nicht.
"jetzt aber mal hand aufs herz, unser hotel in wien hatte 5 sterne und war beschissen", maule ich. "und die ganze tourikacke habe ich auch nur dir zuliebe mitgemacht."

ich spreche mit meiner therapeutin darüber. "aber so ein urlaub kann ja einen lebenslangen wert haben", meint sie. "ich hab auch mal 5.000 euro für einen urlaub ausgegeben, das war auch für mich viel geld, aber es hat sich gelohnt. die eindrücke, das ist mir alles so, als wärs gestern gewesen. das bleibt ihnen doch ein leben lang als lebendige erinnerung erhalten."

ich bin nicht überzeugt.
"ich finde reisen stressig", sage ich. "ich bin nach zwei tagen wegen irgendwas genervt und dann todfroh, wieder zuhause zu sein."
meine therapeutin zuckt die schultern.
"wenn sie jetzt mal lernen, ihre permanente anspannung in den griff zu bekommen, haben sie bestimmt mehr energie."

abends ruft das objekt an, und weil ich gerade in laune bin, schnüffle ich ein bisschen in den hörer und vertraue ihm meine not an.
"ich war letztens in thailand mit der gespielin und meinem besten kumpel, das war toll, aber ich bin ja auch so... ich muss das nicht haben. gib mir die ostsee oder ein paar tage in meckpomm, das reicht mir", sagt es.
dann ermuntert es mich, mich doch einfach mal drauf einzulassen.
"vielleicht entdeckst du ja was, was dir was gibt. und wenns doof ist, machst du es eben nicht mehr. für mich wären 2.000 euro so viel geld, dass ich jahrelang sparen oder erstmal einen kredit aufnehmen müsste. du schaffst das, die kohle dafür in weniger als einem jahr auf die seite zu legen."

dann erzählt es mir, dass es die ausschreibung um eine fortbildung gewonnen hat und aus 60 leuten für die ausbildung zum fachkrankenpfleger ausgewählt wurde.
"super, glückwunsch, das freut mich so für dich!" sage ich von herzen.
"ich hab nur super viel schiss, weil man da so viele referate und arbeiten machen muss."
"du kennst doch mich", sage ich warm.
"ehrlich, würdest du mir helfen?"
"ja klar."
"ich muss aber erst mal schauen, ob ich das alles überhaupt machen kann. ich meine, so mit meinem sohn geht das inzwischen, aber ich muss dafür in andere städte reisen, dort in den kliniken lernen... das heißt, ich muss unheimlich mobil sein und mir hie und da auch mal eine unterkunft leisten können... dafür fehlen mir aber eigentlich die reserven. jetzt haben sie den unterhalt wieder hochgeschraubt und ich weiß gar nicht mehr, wie ich das schaffen soll. vorher hatte ich dann und wann mal 20-30 euro, die ich zurücklegen konnte, jetzt bleibt mir gar nichts mehr, obwohl ich auf so viel verzichte."

ich denke nach.
"ich möchte, dass du zwei dinge weißt. wenn du hilfe beim schreiben und präsentieren brauchst, bin ich da. aber ich würde dir auch helfen, wenn du mal finanzielle unterstützung brauchst, weil ich finde, das das eine gute investition in die zukunft ist. du hast mal gesagt, als fachkrankenpfleger hättest du auf einen schlag 300-400 euro brutto mehr. das lohnt sich doch."
das objekt ist sprachlos, fängt dann an zu stottern.
"ich... ich weiß gar nicht... ob ich das annehmen kann. weil... weil du doch auch so lange auf alles verzichten musstest. das... das ist so wahnsnnig... ich mein, du bist... du bist so ein guter mensch!"
"ich glaube, ich würde lieber geld in sowas investieren als in irgendwelche teuren reisen", sage ich. "das würde mir das gefühl einer sinnvollen investition geben."
"das möchte ich aber nicht", sagt das objekt sanft. "zuerst du. dann dein mann. dann kannst du weiter denken."
"ich würde das aber gern wollen", beharre ich. "du hast so viel scheiße am hacken und kämpfst wie ein löwe, du hast es verdienst, auch mal ein bisschen sicherheit zu haben, um auf einen guten stand zu kommen, wo du dir dann diese sicherheit selbst geben kannst."

wir sind uns nicht einig, als wir das gespräch beenden müssen, weil mein festnetz klingelt und der luxus-mann dran ist. aber ich habe das gute gefühl in der brust, jetzt in einer starken position zu sein, die es mir ermöglicht, dem objekt vielleicht etwas dafür zurückzugeben, dass es mich vor jahren mit so viel einsatz und herzblut durch meine stürmischen zeiten manövriert hat.