triggerwarnung: dieser beitrag handelt von suizid. ihn zu lesen kann für entsprechend sensible personen oder solche in krisensituationen belastend sein.
als ich von der beerdigung des luxus-papas nachhause komme, treffe ich meine nachbarin im treppenhaus. sie ist ganz blass.
"hast du es schon gehört?" fragt sie mich aufgeregt.
"nee, was denn?" antworte ich und denke seltsamerweise sofort an unseren schizophrenen nachbarn.
"der hat sich das leben genommen."
"was?!"
"ja. hier waren bis eben ganz viel polizei und krankenwagen."
auch wenn mich die nachricht für einen moment komplett von den socken haut, kommt sie nicht vollkommen überraschend. seit ich etwas mehr über schizophrenie weiß, habe ich immer mal wieder an diese möglichkeit gedacht.
"das ist super krass", fällt mir nur ein.
"ja, das ist es", stimmt mir meine nachbarin zu.
"und vor allem auch ganz furchtbar für seine eltern."
"die haben das wohl schon befürchtet, habe ich gehört. es ging ihm wohl zuletzt sehr schlecht."
"ich hatte gehofft, es ginge ihm besser", sage ich. "zumindest hat er die letzten wochen nicht mehr so viel geschrien und auch nicht mehr in der wohnung randaliert."
"er war wohl in einer tagesklinik. aber die konnten ihm offenbar auch nicht helfen."
"von inkompetenten psychiatern und psychotherapeuten kann ich ein lied singen", erwidere ich und spüre heiße wut aufsteigen. "so eine behandlerische odyssee kostet genauso viel lebensenergie wie die erkrankung selbst, und am ende traust du keinem dieser sogenannten experten mehr über den weg."
"hey, das muss doch gar nicht so gewesen sein. vielleicht hat bei ihm vieles einfach nicht gewirkt, was anderen durchaus hilft. oder er wollte sich gar nicht mehr behandeln lassen."
"damit kannst du natürlich recht haben", sage ich beschwichtigend und schäme mich ein wenig für meinen gefühlsausbruch. "letztlich muss man seine entscheidung respektieren, so tragisch sie auch ist."
als ich meine wohnung betrete, muss ich alle fenster öffnen. es ist mir, als ob ein schwerer geist noch in den räumen hinge, in wänden und decken, wie ein alptraum, der mich bedrückt und ängstigt. viel zu nah ist mir das - fort, fort, fort soll das alles, aufsteigen, sich reinigen, verflüchtigen.
ich wünsche dir, dass du dort angekommen bist, wo du keine angst und keine trauer mehr spürst und geborgen bist - für immer. r.i.p.
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