als
ausgehmüde couchkartoffeln schlagen wir uns bekanntlich nur noch selten
die nächte um die ohren. doch kürzlich verkündete ein luxus-kumpel,
es gäbe eine neue tanzveranstaltung in der innenstadt - initiiert von
einem dj einer uns bekannten subkulturellen party-reihe.
"das
muss der aus dem fundbureau sein", meinte der luxus-mann ganz angetan.
"das war da doch immer richtig gut, da gehen wir mal hin!"
gesagt, getan: am freitagabend warfen wir uns in schale, um das neue ausgeh-event zu testen. ich pappte mir kontaktlinsen auf die vertrockneten augäpfel und holte seit langem wieder mal den kajal raus. mit linsen und geschminkt hatte ich ungefähr zwei bis drei stunden, bis das große jucken einsetzen und ich mir augenreibend den lidstrich großflächig im gesicht verteilen würde. aber das war mir die sache wert - und ich fand mein spiegelbild ausnahmsweise mal ganz erträglich.
wir nahmen die bahn zum hauptbahnhof. dort angekommen stolperten wir ein weilchen desorientiert herum, bis wir unter zuhilfenahme von google maps endlich vor der gesuchten adresse standen.
"das ist es nicht", behauptete ich. "das kann es nicht sein."
"doch doch", entgegnete der luxus-kumpel.
"aber
guck mal, die leute, die da vor der tür stehen und rauchen. die sehen
aus wie meine eltern." ich zeigte auf eine ältere lady mit eleganter
seidenbluse, goldschmuck und perlenohrringen, die sich mit ihrem
glatzköpfigen, leicht gebrechlich wirkenden begleiter im karohemd
unterhielt. "wir sind hier garantiert falsch, das ist wahrscheinlich
irgendeine privatveranstaltung, ein 70. geburtstag oder so!"
doch
das plakat an der tür sollte mich lügen strafen. es war tatächlich die
party, auf die wir wollten. der luxus-mann öffnete todesmutig die tür.
es drang uns fröhliche 80er-jahre-discomusik entgegen.
"na los, rein jetzt da", sagte er.
ich
sah mich frappiert um. die location war winzig und komplett in gold und
mit wandpailletten ausgekleidet. das stroboskop verwandelte alles in
ein fürchterliches glitzergewitter mit dem potenzial,
epileptische anfälle auszulösen.
"15 euro!", sagte die resolute türfrau mit rauer whiskey-stimme zu mir.
ich
zog den luxus-mann am ärmel: "das ist voll klein und total gruselig
glitzerig hier. und 15 euro für so banale discomusik und 70-jähriges
publikum, das seh ich nicht ein."
"jetzt sind wir schon da", sagte mein mann. "vielleicht gibt´s ja getränkebons dazu oder sowas."
selbstredend gab es keine getränkebons oder sowas, aber man knöpfte uns noch mal 2,50 € für die garderobe ab.
der
luxus-mann orderte bier für sich und seinen kumpel. ich zwängte mich
zwischen zwei opis durch und bestellte eine cola. das matronenhafte
faltengebirge hinter dem tresen ignorierte mich geflissentlich und
polierte weiter an einem glas herum. ich musste warten, bis sich ihr
vielbeschäftiger kollege dazu herabließ, mich zu bedienen. ein greiser
zwerg mit gewisser dieter-bohlen-ähnlichkeit, bekleidet mit einem viel
zu engem weißen hoodie, skinnyjeans und albernem baseball-käppi, ging
derweil auf tuchfühlung mit mir und bot mir seinen schnaps an. ich
lehnte dankend ab.
nachdem ich endlich meine cola ergattert hatte, arbeitete ich mich zurück durch den funkel-alptraum zu meinem anhang.
"na, ist hier jemand nach deinen geschmack dabei", wollte der luxus-mann wissen. "du stehst doch auf so daddys."
"gerade
wollte mir so ne mumie in skinnyjeans und baseball-käppi seinen schnaps
aufdrängen", berichtete ich. "der war locker 25 jahre älter als ich."
"ich finde ja die frau da vorn mit dem jeanskleid ganz attraktiv. obwohl die glaub ich auch schon älter ist."
"einige frauen hier haben tatsächlich denselben style wie meine mutter."
"find ich nicht schlimm, überhaupt nicht. peinlich finde ich eher die opas, die sich in so klamotten für 18-jährige zwängen."
"so wie der typ, der mich eben angequatscht hat."
"hat er sein käppi etwa auch noch falschrum getragen?"
"jupp, wie so ein checker aus der klasse deiner tochter. echt fürchterlich."
tatsächlich
schien die party das reinste senioren-dating-abenteuer. ich merkte, wie
ich angestiert wurde. ein plauziger vier-männer-trupp mit pullis über
den schultern und bömmelschuhen schaute dauernd zu mir und schenkte mir
anerkennende blicke. ich guckte rasch zu boden. bloß keine ermutigenden
signale senden!
mittlerweile
hatte der luxus-mann einen in der krone und begann, krude spekulationen
über das wer-mit-wem-und-warum aufzustellen und falsch 80er-jahre-hits zu raten. ich langweilte mich - und
auch der luxus-kumpel, der ausgeherlebnisse gerne zur partnersuche
nutzte, wirkte desillusioniert.
"lass
mal nachhause", sagte ich irgendwann. "ich fühl mich wie auf nem
bingo-abend im pflegeheim, und die musik ist nicht ansatzweise wie im
fundbureau."
"spinnst
du, der bums hier hat mit garderobe fast 20 € eintritt gekostet, da geh
ich doch nicht schon nach anderthalb stunden!" entgegnete der
luxus-mann. "die musik nervt zwar ein bisschen, aber so schlimm isses
nun auch wieder nicht."
"lebenszeitverschwendung", sagte ich. "dann bleib du doch noch und gib mir den schlüssel. dann geh ich schon mal zu bett."
"nicht dein ernst."
"mein voller. wobei ich heute ausnahmsweise mal sagen kann, ich bin zu jung für den scheiß."
zuhause
legte ich mich ins bett und guckte noch eine doku über
quantenfluktuationen. gegen zwei uhr dann hörte ich die bekannten
schweren schritte im treppenhaus, die mir sagten, dass der luxus-mann
noch ordentlich getankt hatte.
"ischhab mich noch mit so einer frau unterhalten", lallte mein mann, als er sich zu mir ins bett fallen ließ.
"und, war die hot?"
"nä! aber die hättch habn könn! die waaa... willich."
"und hätteste die gewollt?"
"nä! viel zu alt!"
"wie alt denn?"
"fast so alt wiech!"
ich
grinste: "nächstes mal gehen wir in eine kiddie-location, da kannst
dann auch einen auf notgeilen opi machen und an 25-jährigen
herumbaggern."
"nää...
lass mal... dasis doch peinlich. und ichab ja dich", sagte der
luxus-mann ungewohnt zärtlich. "was meinsu... sollch mich noch...
ankuscheln, mach dich das glücklich?"
"nee, du hast ne krasse fahne. lass mal."
"na gut... grummel-frau."
der
luxus-mann drehte sich um und schnarchte nahezu sofort los. ich
hingegen lag noch eine ganze weile wach, bevor ich wegdämmerte, um von
gleisenden glitzergewittern und paarungswilligen opas in teenie-klamotten zu träumen.
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