Freitag, 28. November 2025

über alle dimensionen

neben dem luxus-mann wohnt eine junge familie. der sohn ist ein renitenter bengel von etwa drei jahren und brüllt sich 24/7 die seele aus dem leib. der vaddi ist ebenfalls mit sehr durchdringender stimme gesegnet und fungiert klassisch als versorger. man hört ihn den halben tag lauthals krakeelend im homeoffice telefonieren. und dann ist da noch mutti, eine dünne, freundliche und recht überfordert wirkende frau, die seit geburt ihres nervtötenden balgs ein eher unscheinbares hausfrauen-dasein fristet.

in der regel klingelt es mehrmals am tag bei besagten nachbarn. flink oder wolt bringen einkäufe, das abendessen lieferando oder uber. darüber hinaus kommen täglich dhl, dpd, hermes und gls und liefern pakete. die papiertonne befüllt die nachbars-famlie quasi komplett im alleingang.

drückt einer der boten die klingel, plärrt vaddi durch treppenhaus: "dritter stoooo-hock!!" so, als wären die lieferanten ein bisschen plemplem und verliefen sich in einem 7-parteien-haus. vermutlich meint er es nett, effizienzsteigend und / oder orientierungsweisend. "vertriebler halt" grunzt der luxus-mann jedesmal abfällig, der das ganze komplett übergriffig findet. "ständig müssen die sich wichtig machen, sogar bei einem paketboten!"

diese woche begab es sich, dass amazon bei uns klingelte. ich drückte den summer und linste in den flur. nebenan öffnete gleichzeitig die nachbars-mutti die tür. 

"na, bekommst du auch ein päckchen", fragte sie mich so freundlich wie immer.
"ja", antwortete ich wahnsinnig konversationsstark.
"ich weiß gar nicht, was ich da wieder bestellt habe", sagte die mutti und schaute verwirrt, während es auf der treppe laut polterte - gerade so, als käme der weihnachtsmann mit kutsche und rentieren angetrabt. 
 
und tatsächlich eröffnete sich mir eine absurde szene: zwei amazon-boten wuchteten eine art faltbaren container die treppen hoch. so etwas hatte ich noch nie gesehen. der container war so riesig, dass er nicht in unseren kleinen gläsernen aufzug gepasst hatte. 
 
in dem container befanden sich sieben pakete und mehrere tüten, die die boten allesamt der mutti vor die füße warfen. ich hingegen bekam ein winzig kleines päckchen überreicht - eine tintenpatrone.
 
"bis morgen", sagte der amazon-bote zu mutti, die hilflos und konsterniert auf den pakethaufen starrte. ja, was hatte sie da bloß wieder alles bestellt?
 
"tschüß", sagte ich höflich und schloss die behutsam die tür, während ich dachte: bis morgen, wenn die paketboten drüben wahrscheinlich wieder fünfmal klingeln.
 
dann holte ich ganz schnell unsere kleine altpapiertüte und rannte hinunter zur papiertonne - denn die würde spätestens am abend wieder total überquellen.
 

7 Kommentare:

  1. ... wahrscheinlich haben die Nachbarn sogar ne eigene Postleitzahl
    Gruß Jens

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  2. ... bitte nicht so negativ Darling. (Gelbe Tonne, Blaue Tonne, BrauneTonne, Graue Tonne) da ist doch für jeden etwas dabei... (btw: alles Gute für den neuen Job!!)
    Gruß Jens

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    1. mehr farbe für mein graues gedankengut, meinst du? ;-)
      danke für die glückwünsche, wie gesagt ist es bisher ganz ok. dürfte aber ruhig noch etwas anspruchsvoller werden. jetzt nach einem monat hab ich die struktur kapiert und worauf es ankommt, jetzt langweile ich mich schon wieder leicht.

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  3. Tröste dich, bei der Menge der Bestellungen und dem Papier, dass nicht zurückgeht, werden sie auf grund von Platzmangel bald umziehen ;-) Dann wirds stiller.
    Übrigens herzlichen Glückwunsch zum Job

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  4. könnte gut passieren. wobei das ne 120 qm-wohnung ist. da passt viel rein. ;-)

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    1. und danke für die glückwünsche, ich hoffe, es bleibt soweit erträglich. seo mach ich da bislang leider gar nicht, das fehlt mir.

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