Freitag, 27. September 2019

emanze, icke

am bahnsteig.
die türen der s-bahn piepsen und schließen sich.
ein kleiner typ in anzug stürmt die rolltreppe hoch und rennt volles karacho in mich rein, die ich da stehe, weil ich gerade latent geistesabwesend bin.

"blöde kuh", sagt er sehr aggressiv zu mir, weil er glaubt, es auf mich schieben zu können, dass er wegen seines miesen zeitmanagements nun seine bahn verpasst hat.

"kann ich was dafür, dass du mit deinen stummelbeinchen nich schneller bist, du dämlicher wichser?" kommt es da aus meinem mund.

ohne dass ich drüber nachgedacht hätte.

eine ganze gruppe leute dreht sich nach mir um, denn ich war nicht nur unflätig, sondern meine stimme war tief, fest und laut.
zornig.
für jeden in zehn meter umkreis zu hören, auch für die kinder.
kein weibchen-gepiepse.
kein "entschuldigung".
sondern schön zurückgebrettert.

und zwar erfolgreich.
denn der rempler guckt wie ein erschrecktes eichhörnchen und verpieselt sich schnell ans andere ende des bahnsteigs.

noch vor ein paar jahren wäre ich stumm geblieben und hätte mich tagelang schwarzgeärgert, weil ich so ein opfer bin. hätte in meiner fantasie den typ wiedergetroffen und ihn mit verschiedensten wohlüberlegten sprüchen belegt - natürlich nicht, ohne vorher geistig eine million mal eruiert zu haben, ob er mir deswegen vielleicht in die fresse hauen könnte und ob das das risiko dann wert ist.

aber das tat gut.
zu antworten, wie man(n) es für eine frau nicht erwartet.
wie es sich für eine frau nicht gehört.
denn frauen aus dem lehrbuch sind leise, höflich, dezent.
frauen fluchen nicht.
frauen sind nicht unflätig.
frauen flüstern vielleicht #metoo ins internet, aber sie bieten den typen nicht die stirn.

wahrscheinlich geht emanzipation ganz anders.
intellektueller.
dezenter.
leiser.
höflicher.

aber das ist mir gleich.
wenn ein furzkissen wie dieser anzugwichtel vor mir zuckt, bin ich exakt auf dem richtigen weg.

Kommentare:

  1. Haste gut gemacht, Bravo!

    Vor vielen Jahren nachts in Berlin von der U-Bahn kommend verfolgte mich in menschenleeren Gegend ein Typ, (glotzte mich in der Bahn schon immer an) -Ja, er wolle ein Interview mit mir machen er schreibe für irgendein märkischen Käseblatt. Nachts,schwarze Gegend, kaum Licht, ein Interview, ha, - da musste ich auch unflätig werden und zischte ihn an - fick dich ins Knie, Wichser. In dem Moment der Fassungslosigkeit, war damals noch etwas ungewöhnlich, derartige entzückende Wortkreationen, aus dem zarten Munde einer Dame,konnte ich Entschwinden.


    Welle.

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    1. chapeau!

      was gibt es bloß für merkwürdige gestalten... mich sprach mal ein "sexualtherapeut" an und wollte mich zu meinen sexuellen fantasien und gewohnheiten "interviewen". auch so ein vogel.

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