Montag, 19. März 2018

turn radio hamburg off

beim frühstück hören der luxus-mann und ich meist radio hamburg. man muss ja wissen, wie das wetter wird und auf welchen straßen mal wieder stau ist, bevor man zur arbeit düst.

während wir kaffee trinken, plärren also justin bieber oder eine der anderen 500 exakt gleich klingenden musikalischen retorten aus dem kleinen kofferradio. ab und an labert der abartig gut gelaunte moderator dazwischen und verspricht "nur die absoluten mega-hits" für die nächste stunde.

"ich frage mich ja, was dieses ständige gequatsche vonwegen mega-hits soll", grummelt der luxus-mann. "ich mein, da klingt ein lied wie das andere, da ist null vielfalt drin, alles so ne schwulen jammerlappen, die ins mikro jaulen, als hätten sie ihre mutti beim einkaufen verloren."
"kulturelle gleichschaltung", sage ich. "bei hitler wars der sonntagseintopf, bei uns sind es kunst, musik und film. und klamotten. es gibt ja beispielsweise nur noch weiber in skinny jeans und zeltpullis und dann dieser lachhafte trend mit den nackten knöcheln. alle sehen gleich aus, mögen das gleiche, hören das gleiche und tun das gleiche. deswegen siehts in deutschland auch so aus wie es aussieht. keine ideen, keine impulse, nur stumpfes weiter-so."
der luxus-mann stöhnt entnervt:
"mach mal leiser! das hält ja keiner aus!"
ich drehe mich um, um den jungen mann, der jammert, als sei er eben von der treppe gefallen, ansatzweise stumm zu schalten.

"ich frag mich ja, was ich denken würde, wenn ich heute ein teenie wäre", sage ich. "ich meine, als ich 13 war, waren nirvana in den charts, gleichzeitig brit pop wie oasis, daneben euro dance wie la bouche und dann noch so heuler wie die kelly family. da konnte man auch den ganzen miesen rotz leichter ertragen, weil man wusste, irgendwann kommt wieder ein stück, das will man dann ganz laut drehen. heute ist das alles so eine langweilige scheiße."
"wenn radio hamburg sagt, wir spielen eure mega hits, würde ich da ja gern mal anrufen und mir irgend so ein black metal-stück wünschen", sagt der luxus-mann. "bestimmt kennen die flitzpiepen von diesem kack radio hamburg sowas nicht mal."

"ich weiß auch noch, es gab ja echt coole texte früher. auch so in den 80ern. da hab ich mir die lyrics im internet gesucht und das dann übersetzt mit meinem siebtklässler-englisch. heute ist das alles so inspiriert wie dieter bohlen auf barbituraten. alles ohne bedeutung - für eine generation ohne werte,  die sich hinter ihren helikopter-eltern versteckt."
"genau wie mein sohn. der macht ja auch nichts ohne seine mami", schnaubt der luxus-mann voller verachtung.

"vielleicht sind wir aber auch einfach nur alt", überlege ich.
"für guten geschmack ist man nie zu alt."
"auch wieder wahr."
"also kein radio hamburg nächsten die tage?"
"wir können ja auch internet-radio über mein handy hören. das bringt dann allerdings keine hamburger wetter- und verkehrsmeldungen, weil das sitzt in detroit."
"schauen wir mal. wie das wetter wird, kriegt man ja theoretisch auch mit, wenn man mal aus dem fenster schaut."
"wir können auch nach detroit auswandern, von mir aus."
"ich weiß schon, dass dich hier nichts hält."

ich stehe auf und krabbele auf den luxus-mann drauf:
"doch. du."






Kommentare:

  1. also, ich fand ja radio bob in HH ueberraschend gut.
    allerdings habe ich da null auf die qualitaet der Nachrichten geachtet.

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  2. Ich kann Radio Hamburg schon seit Jahren nicht mehr hören, ewig die gleiche Scheiße. Egal ob Lieder, Nachrichten.. und am schlimmsten immer die gleiche Werbung!

    Ich wurde davon aggressiv.

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