Sonntag, 23. Februar 2025

frettchen fotzenkopp is king

etwa 70.000 menschen starben 2024 in deutschland an luftverschmutzung, rund 3.000 an hitze und 199 todesopfer forderte der verkehr. doch am meisten angst müssen wir davor haben, wenn zu viele dunkelhäutige menschen in der u-bahn sitzen. (oder wahlweise auch vor windrädern.)

deshalb regiert uns nun frettchen fotzenkopp. ja, sie erinnern sich: der typ, der für vergewaltigung in der ehe ist. der mit seinem privatjet rumdüst, bislang politisch null und nada gebacken bekommen hat - und anderen gerne vorwirft, faul zu sein. derjenige, der aussieht wie eine krüppelige essiggurke und der panische angst hat, dass zu viele frauen grün wählen könnten, weil der evil heizungs-robääärt so ein heißer feger ist - kurzum, weil frauen nun mal zu dumm für politik sind, nicht lesen können und sich zur meinungsbildung deshalb nur an großformatigen gesichtsbildern orientieren. 

das frettchen fotzenkopp-programm gefällt vielen, die gerne dicht sind und es gern dicht haben (inklusive der deutschen grenzen), starke frauen hassen und alles aus-merzen wollen, was nach 1950 an echten fortschritten kam. leider fehlen frettchen fotzenkopp für die umsetzung von maßnahmen, die seinen großspurigen wahlkampf-worten nun folgen müssen, aktuell sowohl die kohle (wir müssen jetzt die kohle-kraftwerke wieder hochfahren!) als auch die connections. vielleicht findet er die aber bald in ein paar buddies von der hamas. die sind ja bekanntlich sehr gastfreundlich und arbeiten noch an einem diplomatisch-weltoffenem image. wenn die hamas-brothers frettchen fotzenkopp sehen, müssen sie sich auch keine sorgen mehr machen, dass sie dabei irgendwie schlecht abschneiden könnten. 

eine weitere sehr gute nachricht gibt es noch: künftig ist es noch egaler, ob sie nun tagesschau oder "die simpsons" gucken. letztere gehen - ab heute ergänzt durch the real montgomery burns - als weltpolitik-sendung durch. 

und jede wette: es gibt noch eine lustige koalition mit alice im plunderland. montgomery burns würde das nämlich auch ganz genau so entscheiden.

und falls ihnen dieser text jetzt sauer aufstößt, empfehle ich ein essiggürkchen. und ein anderes blog.

Donnerstag, 20. Februar 2025

wenn eltern lästern

bis heute kann ich schwer einschätzen, wie meine eltern wirklich zu mir stehen und ob man das so wirklich liebe nennen sollte. auf den ersten blick darf mich nicht beschweren: mir gegenüber treten sie meist warmherzig, wohlwollend und großzügig auf - so haben sie sich auch immer nach außen hin gezeigt: liberal und generös, ein nahezu perfektes vorbild von elterlichkeit.

im stillen kämmerlein, wenn ich nicht dabei bin, sieht das etwas anders aus. von meinem cousin erfuhr ich vor einiger zeit, dass massiv über mich gelästert wurde und wird. "deine eltern sagen echt manchmal sachen, die sind derart verletzend, dass ich sie vor dir nicht wiederholen mag", gesteht er mir. 

als ich das zum ersten mal hörte, neigte ich dazu, das nicht zu glauben. mein cousin musste da was falsch verstanden haben! aber dann erinnerte ich mich: auch als ich klein war, haben meine eltern oft über mich getratscht, wenn ich nicht im zimmer war. da uns nur eine dünne wand trennte, bekam ich das häufig mit. meist ging um schulisches versagen (eine zwei in religion! was für eine tragödie!) oder irgendwelche kleinigkeiten, die ich nicht beachtet hatte (die türe zum wohnzimmer nicht richtig geschlossen, obwohl geheizt wurde!). ich war jedesmal furchtbar beschämt und sehr traurig - und hatte noch mehr angst als zuvor, fehler zu machen.

auch ohne diese verletzende art von feedback war die liebe meiner eltern ja schon schwer zu erringen. sie war stets an ganze komplexe von bedingungen geknüpft, die für ein kind begrenzt verständlich waren und die sich auch jederzeit mal ändern konnten. bis heute habe ich manchmal das gefühl, in einem nicht enden wollenden wettrennen um anerkennung festzustecken, dessen regeln ich nicht genau kenne und das ich letzten endes schlichtweg nicht gewinnen kann.

als ich vor ein paar tagen aus n zurück nach hh reise, erlebte ich wieder so eine situation. mein vater sagte mir zum abschied netterweise, dass es schön war, dass ich da war. mir wurde ganz warm ums herz und ich freute mich. dann merkte er an, dass er für meine mutter nicht sprechen könne, sie habe sich nämlich beschwert, ich mache ihr immer so viel arbeit. 

ich erschrak: war dem so? in der tat holt meine mutter morgens oft meine lieblingsbrötchen vom bäcker - was ich aber nie verlangt hatte. aus dem supermarkt bringt sie außerdem immer ein paar lebensmittel mit, die ich mag und die sie sonst wahrscheinlich nicht kaufen würde. kurz bevor ich ankomme, bezieht sie mir außerdem einmal das bett. aber sie kocht nicht für mich, sie muss keine wäsche waschen und auch nicht putzen, weil ich das bei bedarf alles selber mache. darüber hinaus bringe ich ihr auch sachen mit oder kümmere mich um die dinge, die meine eltern eben selber nicht mehr so gut können, insbesondere am computer. ich hielt das bislang für einigermaßen ausgeglichen. aber ich wusste, ich konnte mich auch irren, da meine mutter seltsam muster hatte, mit denen dinge "aufgerechnet" werden.

was mir bleibt, ist eine sprachlose enttäschung: mir gegenüber tut meine mutter, als freue sie sich immens, wenn ich zu besuch komme. meinem vater gegenüber stellt sie es als belastung dar. möglicherweise liegt die wahrheit irgendwo dazwischen und es ist beides für sie. aber dann würde es mich freuen, wenn sie mit mir redet anstatt sich bei meinem vater über mich zu beklagen. mir beispielsweise sagt: wenn du brötchen willst, geh bitte selber zum bäcker, das ist mir zu viel. ich habe ihr ohnehin schon x-fach gesagt, sie müsse nicht extra irgendwas für mich einkaufen. sie könne mir gern etwas mitbringen, wenn sie sowieso in den laden geht, aber ich möchte ihr absolut keine zusätzlichen shopping-touren zumuten. das wurde bislang immer vehement abgelehnt: nein, nein, das sei doch keine mühe und selbstverständlich! entsprechend empfinde ich es als unfair, wenn es im nachhinein klingt, als stelle ich unverschämte ansprüche. und vor allem, wenn ich das auf diese weise erfahren muss - über die flüsterpost, als kritik, zu der ich mich nicht äußern konnte. im nachhinein kann ich das nämlich auch nicht tun, denn es würde bedeuten, preiszugeben, dass mein vater mir das gesagt hat. damit hätte er gepetzt und bekäme seinerseits ärger mit meiner mutter, die sehr eifersüchtig reagieren kann.

kennen sie solche dämlichen konflikte? vielleicht ist das auch normal und ich bin einfach zu empfindlich? ich bin gespannt auf ihre erfahrungen.

 ***

o.t.: immer wieder wieder wunderbar und erhellend: der philosoph alain de botton über liebe, die erfahrungen in unserer kindheit, partnerwahl und den umgang mit konflikten und selbstwahrnehmung.

Dienstag, 18. Februar 2025

bücherverbrennung in den usa

nein, keine sorge, heute werden keine bücher mehr verbrannt. sie werden nur verbannt.

bücherverbannung wird auf elon goebbels geheiß sicherlich bald auch eine brandheiße empfehlung für deutschland. vielleicht wird euren kindern dann statt bösem bio-unterricht wieder biblische schöpfungslehre unterbreitet. frohlocket!

geht nur alle fleißig schwarz-blau wählen dafür, dann gibt es auch ein schwarz-blaues wunder.

Montag, 27. Januar 2025

pest oder cholera

ich habe zwei zusagen für zwei jobs. eigentlich eine komfortable situation. leider sind es zwei suboptimale jobs und die entscheidung ist eher pest versus cholera.

der pest-job ist hochseriös, in einem eher konservativem, werteorientiertem unternehmen. das ist das positive. ebenfalls gut finde ich den chef dort. käme ich mit klar, denke ich.

mangels modernem denken herrscht leider totaler präsentismus, das heißt, es gibt keinerlei homeoffice-option. nicht mal für eine stunde. bedeutet, ich verliere pro tag rund 1,5 stunden mit pendeln. der arbeitsort selbst ist ok (2er-büro, kein großraumbüro).

thematisch könnte ich mein expertisen-portfolio mit einem mittelrelevanten skill erweitern, während es sonst nicht ganz so viel vielfalt gibt. es besteht die gefahr, dass ich bspw. in ki knowhow-technisch zurückfalle.

schwerwiegendster nachteil ist, dass es ein 20-stunden-job wäre. das gehalt entspricht in etwa meinem arbeitslosengeld und würde ein weiterhin recht eingeschränktes leben erfordern. im verhältnis betrachtet liegt es aber 10 % über dem gehalt des anderen jobs, und es gäbe on top ein 58 €-ticket.

der cholera-job hat zunächst den großen nachteil, dass es sich um eine argh-entur handelt. arbeitszeiten sind also ungewiss mit f(x) geht gegen unendlich. meine chefin allerdings kenne ich schon, ein herzlicher typ, mit ich größtenteils klarkomme weil subjektive ähnlichkeit in sachen humor und emotionale verwirrungen. in der vergangenheit nicht ganz verlässlich, was versprechungen und zukunftsaussichten betraf. überforderungen treffen oftmals auf unterforderungen. werte also so semi.

großer vorteil wäre so etwa 90 % homeoffice. habe ich im letzten langzeit-job sehr schätzen gelernt. würde mir im vergleich zum anderen job rund 6 stunden/woche pendelzeit und jede menge präsenz-generve einsparen.

thematisch würde ich mein wissen in einem zukunftsrelevanten großen thema vertiefen, was mir weitere jobaussichten eröffnen könnte, die sich dann hoffentlich wieder in einem unternehmen abspielen. weiterhin ist aufgabentechnisch vielfalt in aussicht, ich würde also allrounderin und in vielerlei tasks up to date bleiben. 

ein weiterer vorteil wäre, dass ich mindestens 32 stunden arbeiten könnte, was mir schon eher zum leben gereicht. zeitlich bliebe noch eine klitzekleine spielwiese für eventuelle freie projekte, nettolohntechnisch die möglichkeit, meine bav weiterzuführen. im anderen job wäre ich auf freie projekte angewiesen, um extraausgaben stemmen zu können. und weil das nettogehalt so winzig ist, müsste ich außerdem die bav aussetzen.

beide jobs sind aktuell keine langzeit-perspektiven. der eine, weil er so wenig stunden hat und meine sehr geringen rentenaussichten noch weiter ruiniert, der andere, weil wenig verlässlichkeit und insgesamt gehaltlich eine rückentwicklung. ich plane daher zunächst auf 12 monate und mache den rest dann von der arbeitsmarktpersektive, den allgemeinen und gehaltlichen entwicklungen im job sowie und dem bis dahin gesammelten neuen knowhow abhängig.

vielleicht mögen sie mal ihr voting abgeben, ob sie eher zu pest oder zu cholera tendieren würden. wichtig: falls sie nun sagen, "ich würde keinen der jobs nehmen und warte lieber auf eine bessere chance", bitte denken sie dabei an folgendes:

- dass es in meiner branche noch nie auch nur den geringsten fachkräftemangel gab
- also sehr viele recht gut qualifizierte und vor allem sehr viel jüngere (=billigere) digital-natives auf eine alte kuh wie mich treffen
- es wirtschaftskrisenbedingt sowieso wenig jobs im moment gibt 
- schlechte bezahlung sowie cholerische, schwerst gestörte chefs und vorgesetzte nicht nur in meiner branche die normalität sind.

wählen sie also weise und mit bedacht.

ich bin sehr gespannt und danke ihnen vielmals.

Mittwoch, 22. Januar 2025

superdry january

während ich weihnachten und den jahreswechsel nahezu vollständig abstinent verbracht habe, hat es der luxus-mann wie immer krachen lassen. insbesondere an silvester, als er mit kumpels auf einer party war, die man sich - so seine aussage - nur schönsaufen konnte, waren offenbar größere mengen alkohol geflossen. als älteres semester und mit diversen vorerkrankungen - bluthochdruck und cholesterinwerten am oberen ende der richterskala - beschließt er nun, einen dry january zu machen. 

in den ersten tagen hält er er sich geradezu rigide an seinen vorsatz. ein geplantes weintrinken bei freunden verlagert er auf ein kaffeetrinken. einen besuch bei den geschwistern macht er mit dem auto, da in der luxus-familie grundsätzlich gern und oft mal einer gehoben wird - und er dann schlichtweg nicht trinken darf und keine langen erklärungen abgeben muss.

am sonntag des zweiten januarwochenendes dann essen wir beim portugiesen an der ecke und ordern hauswein zu unserer fischplatte. es kommt ein schöner kelch mit kühlem weißwein und der kellner schenkt selbstverständlich zwei gläser voll. auch ich denke nicht weiter nach, als der luxus-mann mir zuprostet und das weinglas an die lippen setzt.

"verdammt!" ruft er sodann nach dem ersten schluck.
"was denn?" frage ich naiv-verblödet. "schmeckt dir der wein nicht?"
"doch! aber ich wollte doch nix trinken!" 

wir sehen uns einen moment ratlos an, dann pruste ich los.
"ich hab´s gewusst, dass du das nicht durchhältst", kichere ich.
"wohl!" widerspricht der luxus-mann. "das war nur die gewohnheit! ich hab das einfach vergessen, weil wir doch meistens wein nehmen, wenn wir richtig schön essen gehen."

"und jetzt?" frage ich und schaue den großen steinernen kelch an. "ich kann ja wohl schlecht einen dreiviertelliter wein alleine saufen."
"dann mache ich jetzt eben eine ausnahme", schlägt der luxus-mann bereitwillig vor.
"das ist doch blödsinn. es geht bei sowas doch gerade ums durchhalten!"
"oder ich mach einen dry february."
"das finde ich besser. ist doch sowieso bescheuert, warum sollte man ausgerechnet im januar nicht trinken?!"
"eben. und ein dry february ist sowieso viel besser, weil der monat nur 28 tage hat", grinst der luxus-mann zufrieden - und gießt sich das weinglas randvoll.
 
jetzt sind wir mal gespannt, ob es dann tatsächlich ein dry february wird oder dem luxus-mann im nächsten monat neue ausreden einfallen.
 
und sie so? sind sie hinsichtlich ihrer vorsätze noch im rennen oder halten sie es wie ich - lieber überhaupt keine vorsätze fassen, um gar nicht erst auf halbernst gemeinte selbstversprechen hereinzufallen?