meine empfindungen sind ein einziges chaos. schlingpflanzen, die mich zu ersticken drohen. dschungel, aus dem ich mich herauskämpfen muß, schreibt klaus kinski in seiner autobiografie.
ich lese das zitat dem luxus-mann vor, weil er kinski-fan ist - und mich die sätze so gut widerspiegeln in meiner eigenen zerrissenheit und bizarren gefühlsüberflutung. wie ich mich beständig herauskämpfen muss aus dem gefühl der heimat- und rastlosigkeit - und desto tiefer versinke, je mehr ich innerlich strample und rudere.
der luxus-mann erzählt mir daraufhin etwas aus seiner kindheit, von der haushälterin seiner eltern, die ihm nach einem autounfall sein erstes mickey-maus-heft schenkte. und wie er daraufhin immer sein taschengeld sparte, um sich selbst regelmäßig ein solches heftchen kaufen zu können, weil er donald duck so toll fand.
es ist eine ganz süße geschichte. ich bin interessiert, höre zu, frage nach, und der mann erzählt und erzählt aus seinem gefühlsleben als kind. wieder einmal stelle ich fest, wie gut er seine emotionen reflektieren kann, wie mitteilsam er ist, wenn es um sein innenleben geht - und wie mich das immer noch fasziniert.
doch am ende des abends, als wir zu bett gehen, merke ich, dass ich wieder einmal leer ausgegangen bin. ich hatte über meine innere not gesprochen. die wurde nicht nachgefragt. nicht diskutiert. vielleicht nicht mal registriert. es wurde stattdessen mir ins wort gefallen, das gespräch in eine ganz andere richtung gedreht.
ich spüre, wie allein ich mit meinen empfindungen und bedürfnissen bleibe, während ich fortwährend anteil nehme, mich kümmere, den zahlreichen forderungen nachkomme, wünsche befriedige. müde macht mich das, mit dem neuen job zusammen noch müder als je zuvor.
das schema ist mir bekannt, es wiederholt sich. ich kenne es aus anderen beziehungen. immer wähle ich latent narzisstische männer mit zu großem ego und zu kleinem selbstwert als partner. weil ich offenbar nicht zwischen egoistisch und selbstbewusst unterscheiden kann. weil es mir vertraut ist, dass mich strenge, ein wenig furchteinflösende und überwiegend gefühlsarme männer unterdrücken, einen placeboeffekt von sicherheit auslösend.
beim frühstück erzählt mir der luxus-mann, wie sehr er sich auf unseren kurzurlaub anlässlich unseres zehnjährigen freut. und er schlägt vor, eine party zu geben, vielleicht sogar eine location dafür zu mieten, weil wir ja auch beide geburtstag haben.
ich hingegen habe das gefühl, nichts zu feiern zu haben. den urlaub tief in mir als zeit- und geldverschwendung zu verbuchen. weil ich gerade dabei bin, mich leise zu verabschieden.
erfahrungsgemäß ist dies ein länger andauernder prozess voller ups und downs, voller zweifel und gewissheiten. ich werde wie stets eine halbe ewigkeit brauchen, um einzelne beobachtungen weiter aufzusummieren und zu bilanzieren.
doch der entschluss formiert sich, stück für stück, bis er eines tages genug gewicht haben wird, um unausweichlich zu werden. wenn ich gnadenlos ehrlich zu mir bin, kann ich ihn bereits jetzt in seiner unausweichlichkeit spüren - wie ein wildwüchsiges, wucherndes gestrüpp aus kinskiesken gefühlsschlingpflanzen, das uns langsam, aber unaufhaltsam auseinanderdrängt.
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